Friedrich Rost

Erziehungswissenschaftlich relevante
elektronische Dienstleistungsangebote
[1]

Als Informationsvermittler im Fachbereich Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften der Freien Universität Berlin arbeite ich mit Online- sowie mit CD-ROM-Datenbanken. Da ich im Rahmen einer Buchpublikation eine Zusammenstellung von gedruckten und elektronischen Diensten veröffentlicht habe,[2] bot es sich an, Ihnen einen aktuellen Überblick zu geben über erziehungswissenschaftlich relevante elektronische Dienstleistungsangebote. Es handelt sich dabei um Offerten, die in der Regel mit Kosten für den Benutzer verbunden sind. Hier soll jedoch nur am Rande die Kostenseite erörtert werden. Im Vordergrund dieses Referates werden die Inhalte der Datenbanken stehen und die Art der Dienstleistungen, die Datenbankanbieter bzw. Datenbankproduzenten ihren Kunden offerieren. Ich beschränke mich weitgehend auf Literaturdatenbanken, wenngleich es auch Forschungs-, Test- und statistische Datenbasen gibt, die gleichermaßen für Pädagogen und Erziehungswissenschaftler wichtig sein können. Erwarten Sie aber bitte keinen vollständigen Überblick. Der hier zur Rede stehende Markt wandelt sich rasch. Will man sich jedoch elektronischer Datenbanken bedienen, ist eine grundlegende Kenntnis von Möglichkeiten und Grenzen der Recherche in Datenbanken ebenso vonnöten wie eine genauere Kenntnis der Unterschiede zwischen CD-ROM-Datenbanken und Datenbanken auf Großrechnern. Zudem sollte man die für das eigene Fachgebiet relevanten Datenbanken kennen, und sofern man selbst in ihnen recherchieren will, deren jeweilige Feldstruktur und die Struktur der zur Datenbank dazugehörigen Retrievalsprache.

Hinsichtlich der Art der elektronischen Dienste, die ich Ihnen hier näher bringen möchte, kann unterschieden werden zwischen:


Möglichkeiten und Grenzen von Datenbankrecherchen

Die Vorteile der elektronischen Recherche in Datenbanken gegenüber der herkömmlichen Literaturrecherche in gedruckten Diensten liegt vor allem darin, daß mehrdimensionale Fragestellungen - bei richtiger Anwendung - schnell und präzise bearbeitet werden können, was mittels konventioneller Literatursuche in Katalogen und Bibliographien meist sehr zeitaufwendig ist. Bei der mehrdimensionalen Frage an das System bedient man sich der Boole'schen Operatoren UND, ODER bzw. NICHT. Außerdem kann mittels Maskierungs- bzw. Trunkierungstechnik nach bestimmten Wortstämmen gesucht werden. Anfang und/oder Endungen eines Suchwortes bleiben dabei offen. Allerdings muß erwähnt werden, daß die Links- und Mitten-Trunkierung nicht bei allen Datenbanken (insbesondere nicht bei solchen auf CD-ROM) möglich ist bzw. bei der CD-ROM sehr lange dauert. Doch durch mehrdimensionale Fragestellung und Trunkierungstechnik ist die Suche nach Literaturhinweisen mittels EDV wesentlich effizienter geworden als die in Registern gedruckter Dienste. Zudem müssen die gefundenen bibliographischen Angaben nicht mehr abgeschrieben werden, sondern können bequem ausgedruckt bzw. elektronisch gespeichert werden, z. B. auf Disketten.

Mittlerweile hat die CD-ROM einen solchen Boom erlebt, daß die Online-Datenbanken in der Nutzergunst erheblich in den Hintergrund gedrängt werden. Ich möchte hier jedoch die These vertreten:

Online-Datenbanken sind umfangreicher, aktueller und zudem schneller durchsuchbar als CD-ROM-Datenbanken oder gedruckte Dienste. Online-Datenbanken sind daher in die Recherche einzubeziehen - zumindest für die sozialwissenschaftliche Arbeit.

Entscheidend für die Zurückhaltung der Nutzer gegenüber Online-Datenbanken dürften zum ersten die Kosten sein, die bei Offline- wie Online-Recherchen nicht im voraus genannt werden können,[3] sofern nicht eine Kostenpauschale erhoben wird, wie dies in NRW derzeit geschieht. Wo eine kostengünstige Pauschale erhoben wird, ist eine erhebliche Nachfrage nach Online-Datenbankrecherchen zu verzeichnen. In all den anderen Fällen scheuen die Nutzer die vagen Kostenangaben der Hosts bzw. der Informationsvermittler. Oft wird der Preis für die Informationen - auch im nachhinein - als zu hoch empfunden, besonders wenn wenig oder gar nichts gefunden wird, was ja auch eine Information ist (und für eine Forschungsfrage nicht die schlechteste!). Da Online-Recherchen bei Bedienungsfehlern teuer werden können und die Retrievalsprachen komplizierter sind als bei CD-ROM-Datenbanken, die zudem oft kostenlos benutzt werden dürfen, liegen für die meisten Nutzer aus Kosten- und Bedienungsgründen die Vorteile bei der CD-ROM. Darüber werden die Nachteile der CD-ROM-Technik übersehen, wie geringere Aktualität, kleinerer Datenbankumfang und weniger vielseitige Recherchesoftware. In Abbildung 1 (am Ende dieses Beitrags) werden Online- mit CD-ROM-Datenbanken hinsichtlich einiger Kriterien verglichen.

Für Offline, Online wie CD-ROM gilt jedoch, daß es sich in der Regel um Referenz- und keine Volltext-Datenbanken handelt. Referenzdatenbanken geben, ebenso wie Kataloge und Bibliographien, nur Hinweise auf Literatur, die irgendwo eingegeben, inhaltlich erschlossen bzw. angeschafft wurde und die man mit dem Literaturhinweis noch nicht in Händen hält. Hier beginnt die Odyssee der Literaturbeschaffung, ein Problem, das Dienstleister durch Kopierschnelldienste zu lösen trachten.

Grenzen bestehen aber auch hinsichtlich der menschlichen Aufnahmefähigkeit. Angesichts der Literaturmenge steht der Wunsch nach Vollständigkeit der Sammler (hier: der Datenbankproduzenten oder Bibliothekare) dem Wunsch des Nutzers gegenüber, der - häufig unter Zeitdruck stehend - nicht etwa die ganze Literatur durchpflügen, sondern "nur das Relevante" nachgewiesen haben will. So spielen als erste Anhaltspunkte, ob sich die Suche in einer Datenbank lohnen kann, Kriterien eine Rolle wie der Umfang einer Datenbank, eines Katalogs, einer Bibliographie sowie das Sammelgebiet, der Sammlungszeitraum und die Tiefe der Erschließung. Mit Hilfe solcher Kriterien können Rangfolgen oder Leitsysteme aufgestellt werden für Suchanfragen zu den einzelnen Subdisziplinen der Pädagogik, eine Aufgabe, die vielleicht im Rahmen des Modellversuchs FIS Bildung (Implementierung einer Leitstelle) verwirklicht wird.

Ein weiteres Problem bei der inhaltlichen Suche besteht durch die manche Nutzer verwirrende Vielfalt an unterschiedlichsten Ordnungssystemen wie Systematiken, Klassifikationen, Thesauri, Schlagwortlisten.[4] Doch überall, wo Denkinhalte über Sprache symbolisch vermittelt werden (müssen), gibt es Quellen des inhaltlichen Mißverständnisses und des wissenschaftlichen Dissenses in terminologischen Fragen.[5] Doch sind dies generelle Schwierigkeiten der inhaltlichen Erschließung und keine durch elektronische Dienste hervorgerufenen. Grundsätzlich sollte man sich jedoch mit den jeweiligen inhaltlichen Ordnungsmitteln vertraut machen, um deren Struktur und Gliederungsfähigkeit kennenzulernen.[6]

Hinsichtlich der inhaltlichen Recherche bieten Datenbanken auch dabei erhebliche Vorteile gegenüber Katalogen und gedruckten Diensten, weil man mit einer umfassenden Suche beginnen und bei zu hohen Trefferzahlen die Fragestellung vorsichtig thematisch einschränken kann. Dabei muß allerdings berücksichtigt werden, daß sozialwissenschaftliche internationale Datenbanken meist erst nach 1960 begonnen wurden, in Deutschland oft erst nach 1975, und daß bisher erst für wenige Fachgebiete auch ältere Literatur nachträglich eingegeben wurde. Doch ich bleibe dabei:

Für jede sorgfältige Literatursuche, zumal für ein wissenschaftliches Projekt, sollten alle Möglichkeiten elektronischer wie konventioneller Recherche eingesetzt werden, um die bisherige Literatur und Forschung zur Kenntnis zu nehmen und Doppelarbeit zu vermeiden.


Offline-Datenbanken

Nach diesen Vorbemerkungen will ich überleiten zu den Offline-Datenbanken, die nur durch Personal der jeweiligen Institution abgefragt werden können, weil derzeit kein Online-Zugang möglich ist. Dankenswerterweise hat der Modellversuch Fachinformationssystem Bildung 1993 "ein kommentiertes Verzeichnis von Fachinformationseinrichtungen und ihren Dienstleistungen" herausgebracht, das durch eine Vielzahl von Registern mustergültig inhaltlich erschlossen ist, so daß ich wegen der Fülle der Einrichtungen (über 40) und auch der Vielzahl der Inhouse-Datenbanken einfach auf dieses preiswerte Buch verweisen möchte.[7] Darüber hinaus muß die von Heinz Ziegler und Peter Diepold 1993 erarbeitete Broschüre für die "Beschaffung von Literaturinformationen zur beruflichen Bildung" genannt werden, die kostenlos vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft abgegeben wird.[8] Beide Wegweiser sollten gepflegt und fortgeschrieben werden, so daß einerseits aktuelle Datenbanken vorhanden sind, zum anderen die Drucklegung neuer Auflagen rasch erfolgen kann.

Abgesehen von eventuell notwendigen Rückfragen bezüglich der Kostenübernahme und vor allem zur genauen Eingrenzung der Themenstellung für die Recherche sind nach meinen Erfahrungen Offline-Datenbankanfragen sehr hilfreich, weil

1. das Personal einer Institution die eigene Datenbank am besten kennt,

2. die nachgewiesene Literatur oft auch im Hause ist, weil die Informations- und Dokumentationsstellen meist die ausgewerteten Materialien in einer institutseigenen Bibliothek bereithalten,

3. die Kosten für die erbrachten Dienstleistungen meist geringer sind als bei den Online-Diensten, an denen Produzent und Host (zu ihrer Kostendeckung) "verdienen" müssen.


Online-Datenbanken

Online-Dienste werden entweder von den Datenbankproduzenten selbst zur Verfügung gestellt und/oder von den sogenannten "Hosts", das sind Großrechenzentren, die die Datenbanken und ihren Service gegen Entgelt anbieten. Die Dienstleistungspalette reicht

- von der Bereitstellung der Datenbanken für Recherchen, die man selbst von einem PC aus durchführt, so man einen Datenfernübertragungsanschluß hat,

- über Recherchen, die Mitarbeiter des Datenbankproduzenten bzw. -anbieters in Ihrem Auftrag durchführen und deren Ergebnisse man dann zugeschickt erhält,

- bis hin zu sogenannten Profildiensten (Selective Dissemination of Information = SDI), das sind Suchläufe zu einem bestimmten Themenbereich nach jedem Update der Datenbank, bei denen fortlaufend Literatur zu Ihrem Gegenstand gesucht wird, bis der Dauerauftrag von Ihnen gelöscht oder geändert wird.

Der Vorteil von Datenbankrecherchen auf Großrechnern besteht darin, daß z. T. sehr große Datenbanken ohne Segmentierung, d. h. unzerstückelt, durchsucht werden können (vgl. auch Abbildung 1). Mittlerweile kann man bei einigen Hosts sogar mit einer Fragestellung mehrere Datenbanken zugleich im Superbase-Modus durchsuchen. Hier ist eine gegenläufige Entwicklung zur Suche auf CD-ROM eingetreten. Während bei großen Datenbanken die Daten nicht mehr auf eine CD-ROM passen, so daß zwei oder mehr Scheiben nacheinander durchsucht werden müssen, werden auf Großrechnern z. T. fünf und mehr Datenbanken im Gigabytebereich zugleich nach einer Fragestellung durchsucht.[9] CD-ROM-Versionen von Online-Datenbankinhalten unterscheiden sich hinsichtlich Datenbankumfang, Struktur und Zahl der Datenbankfelder und der Retrievalsoftware. Abbildung 2 stellt die Daten der CD-ROM "DNB aktuell" denen von BIBLIODATA gegenüber, der Online-Datenbank der Deutschen Bibliothek.


Erziehungswissenschaftlich relevante Online-Datenbanken mit einem hohem Anteil an deutschsprachiger Literatur

Leider fehlt derzeit eine originär erziehungswissenschaftliche Online-Datenbank mit Referenzen auf deutschsprachiges Schrifttum, wie sie im 1. IuD-Programm der Bundesregierung (1974 - 1977) geplant war.[10] Das darin vorgesehene Fachinformationszentrum Bildung wurde nie gegründet. Auch der Antrag und die Konzeption des Modellversuchs Fachinformationssystem Bildung sehen keine zentrale Online-Datenbank mehr vor.[11] Deshalb ist die Suche in allgemeinbibliographischen Datenbanken sowie solchen der Nachbardisziplinen erforderlich, die z. T. über erhebliche Referenzzahlen zu erziehungswissenschaftlich/pädagogischen Beständen verfügen.

BIBLIODATA. Gespeichert sind die bibliographischen Angaben von Büchern, Zeitschriften und Karten, die die Deutsche Bibliothek als Archivbibliothek sammelt. Grundlage für Bibliodata ist die Deutsche Bibliographie mit ihren Reihen A (= Veröffentlichungen des Verlagsbuchhandels), B (= Veröffentlichungen außerhalb des Verlagsbuchhandels = Graue Literatur), C (= Karten), H (= Hochschulschriften), N (= Kommende Neuerscheinungen). Der Datenbestand liegt derzeit bei ca. 2,2 Millionen Dokumenten, die zwischen 1972 und heute publiziert wurden. Eine Suche ist mit den Boole'schen Operatoren in 26 Feldern möglich, eine inhaltliche Suche z. B. nach Sachgruppen (von 36 auf 65 Sachgruppen erweitert [ab 1982] [Erziehung, Bildung, Unterricht = 10a bzw. 22]), nach Schlagwörtern, über die ca. 2/3 der Dokumente verfügen, oder durch trunkierte oder nichttrunktierte Stichwortsuche im Basic Index. Eine Besonderheit stellt in einigen Feldern des Index die Suche mit Proximity-Operatoren dar, mit deren Hilfe eine Verknüpfung von Wörtern möglich ist, die in bestimmter Beziehung zueinander stehen sollen. BIBLIODATA ist über STN und das DBI erreichbar, einen Auszug der Datenbank gibt es auf CD-ROM (vgl. Abbildung 2).

ELIS. Das Erlangen Library Information System, abgekürzt ELIS, enthält den Gesamtbestand der Literatur der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg ab 1982, teilweise auch früher (derzeit über 1,1 Millionen Bände). Die UB Erlangen-Nürnberg betreut im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft das Sondersammelgebiet Bildungsforschung und verfügt dementsprechend über einen hohen Anteil nationaler wie internationaler pädagogischer Literatur, und zwar ca. 400.000 Bände. In ELIS ist aber nur der Bestand, der ab 1982 angeschafft wurde, nach Schätzung von Herrn Theuerkauf, UB Erlangen-Nürnberg, ca. 60.000 Bände. Neben den vollständigen Katalogdaten der Monographien und Sammelwerke sind Schlagwörter zu den Büchern vergeben, nach denen ebenso gesucht werden kann wie nach Titelstichwörtern. Es erfolgt keine Aufnahme und inhaltliche Erschließung von Aufsätzen! Die Datenbank ist über Internet, WIN, Datex-P und Telefon erreichbar und derzeit noch kostenfrei. Ein Teil des Bestandes ist auf der CD-ROM des FIS Bildung (vgl. auch Abbildung 3).

FORIS. Beim Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften (FORIS) handelt es sich um eine Forschungsdokumentation, die seit 1978 über 40.000 Projekte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz enthält, und die dreimal im Jahr ergänzt wird durch Neuaufnahmen aufgrund der schriftlichen Erhebungen durch das Informationszentrum (IZ) Sozialwissenschaften. Da die Angaben freiwillig sind, melden allerdings viele Wissenschaftler ihre Projekte nicht oder nicht sofort, so daß mit erheblichen Lücken zu rechnen ist. Die Nachweise enthalten ausführliche Angaben zum Thema, zu Inhalt und methodischen Vorgehen, zu Verfahren der Datengewinnung sowie formalen Angaben der Institutionenanbindung, zu Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Laufzeit und Finanzierung. Verschlagwortet werden die Projekte nach der Schlagwortliste des Informationszentrums (IZ) Sozialwissenschaften. Jährlich kommen ca. 5.000 Projekte hinzu. Der Anteil erziehungswissenschaftlicher Projekte an der Datenbank wird vom IZ mit ca. 20 % angegeben. FORIS kann über die Hosts STN, DIMDI, GBI online recherchiert werden oder auf der CD-ROM WISO III (vgl. auch Abbildung 4).

MATHDI. Die Datenbank Mathematikdidaktik, abgekürzt MATHDI, enthält Literaturhinweise auf das deutschsprachige sowie relevantes anderssprachiges Schrifttum zum Mathematikunterrricht und seinen Grenzbereichen, so auch zur Informatik und informationstechnischen Bildung. Ausgewertet werden Bücher und Zeitschriftenaufsätze, Graue Literatur, audiovisuelle Medien, Spiele und anderes. Eine Dokumentationseinheit setzt sich zusammen aus der bibliographischen Angabe, einer Notation der Klassifikation, freien Schlagwörtern und meist einem Abstract in Deutsch und Englisch. MATHDI umfaßt über 57.000 Dokumentationseinheiten (DE) seit 1976 und wird zweimonatlich aktualisiert. MATHDI ist online über STN verfügbar. Einen Auszug von MATHDI gibt es auch auf CD-ROM (vgl. auch Abbildung 5).

PSYNDEX. Der psychologische Index, kurz: PSYNDEX, umfaßt vorwiegend deutschsprachige psychologische Literatur, die die Zentralstelle für psychologische Information und Dokumentation (ZPID) in Trier formal erfaßt und inhaltlich auswertet. PSYNDEX lehnt sich stark an sein amerikanisches Vorbild PsycINFO an. So ist PSYNDEX auch mit englischsprachigen Deskriptoren durchsuchbar und zum großen Teil mit englischsprachigen Abstracts versehen. Neben Monographien, Sammelwerken und Zeitschriften werden Hochschulschriften, Aufsätze und audiovisuelle Medien nachgewiesen. PSYNDEX umfaßt über 90.000 Dokumente aus dem Zeitraum 1977 bis heute und wird monatlich aktualisiert. Der Anteil an erziehungsrelevanter Literatur, nicht nur zur pädagogischen Psychologie, liegt nach meinen Datenbankrecherchen mit bestimmten Wortstämmen im Deskriptorfeld[12] bei ca. 33 %. PSYNDEX ist über DIMDI und GBI online sowie auf CD-ROM verfügbar (vgl. auch Abbildung 6).[13]

PSYTKOM ist eine Datenbank deutschsprachiger psychologischer und pädagogischer Tests der ZPID in Trier. Die deutschsprachige Testbeschreibung besteht aus bibliographischen Angaben, Ausführungen über das Testkonzept und die Testkonstruktion, über Gütekriterien, Durchführungs- und Auswertungsmodalitäten. PSYTKOM weist außerdem Forschungs- und Sekundärliteratur zu diesen Tests nach sowie einen zusammenfassenden kritischen Kommentar. Die Tests sind mit Hilfe des amerikanisch-deutschen Thesaurus verschlagwortet, so daß auch mit englischen Deskriptoren gesucht werden kann. Die Datenbank umfaßt ca. 2.500 Tests seit 1945. Eine Aktualisierung erfolgt halbjährlich, jährlich kommen ca. 120 Tests hinzu. PSYTKOM ist über DIMDI online verfügbar (vgl. auch Abbildung 7).

SOLIS. Das sozialwissenschaftliche Literaturinformationssystem SOLIS des IZ Sozialwissenschaften umfaßt über 160.000 Dokumentationseinheiten seit 1945, jedoch im Schwerpunkt den Zeitraum von 1977 bis heute. Der Bestand besteht zu ca. 42 % aus Zeitschriftenaufsätzen, zu 45 % aus Büchern und Sammelwerksbeiträgen und zu 10 % aus Grauer Literatur. 88 % der Nachweise haben ein Abstract, oft auch in Englisch. Neben den üblichen bibliographischen Angaben sind die Dokumentationseinheiten deutsch und englisch verschlagwortet nach der Schlagwortliste des IZ. Die Datenbank hat einen Zuwachs von ca. 15.000 Dokumenten jährlich und wird monatlich aktualisiert. Der Anteil an pädagogisch interessierender Literatur liegt nach strenger klassifikatorischer Zuordnung bei 4 %, nach meinen Berechnungen zu den in Fußnote 6 genannten Wortstämmen im Feld CT (= Controlled Terms) bei ca. 33 %. SOLIS ist online über DIMDI, STN oder GBI verfügbar oder auszugsweise über die CD-ROM WISO III (vgl. auch Abbildung 8).

SOMED, die Datenbank zur Sozialmedizin des Instituts für Dokumentation und Information Sozialmedizin, öffentliches Gesundheitswesen (idis) in Bielefeld, enthält eine große Menge von Dokumentennachweisen zur Gesundheitserziehung und zur Sucht- sowie Umweltproblematik. Die Datenbank umfaßt seit 1978 über 277.000 Dokumentationseinheiten aus ca. 700 Fachzeitschriften, aus Büchern, Sammelwerksbeiträgen, Dissertationen, Grauer Literatur. Nach meiner Berechnung sind ca. 25 % des Bestandes, also etwa 75.000 Dokumente, pädagogisch relevant. 62 % der Dokumentationseinheiten sind mit einem Abstract versehen. Der Bestand beinhaltet zu je 45 % Referenzen auf deutsch- und englischsprachige Literatur. Der Rest verteilt sich auf andere Sprachen. Ca. 85 % der Nachweise kann über den idis-Literaturschnelldienst in Kopien bezogen werden. Der jährliche Zuwachs beträgt zwischen 15.000 und 20.000 Dokumentationseinheiten, die Datenbank wird monatlich aktualisiert. SOMED ist nur über DIMDI online verfügbar (vgl. auch Abbildung 9).

Relevante Online-Datenbanken
mit überwiegend fremdsprachiger Literatur

BRITISH EDUCATION INDEX heißt neben dem gedruckten Dienst auch die Datenbank, die Dokumentennachweise aus 200 - 250 ausgewählten pädagogischen Zeitschriften ab 1972 verzeichnet, und zwar über 55.000. Darüber hinaus enthält sie über 10.300 Hochschulschriften des BRITISH EDUCATION THESES INDEX (BETI). Verschlagwortet ist der Bestand nach dem British Education Thesaurus. Die Datenbank ist über DIALOG online verfügbar. Neu angekündigt bei DIALOG ondisc wird "International ERIC", eine CD-ROM-Datenbank, die den Australian, den British sowie den Canadian Education Index umfassen soll mit Beständen ab 1976 (vgl. auch Abbildung 10).

ERIC, die Datenbank des amerikanischen Educational Resources Information Center ERIC, ist auch Grundlage für die gedruckten Dienste "Current Index to Journals in Education (CIJE)" und "Resources in Education (RIE)". Die Datenbank enthält Literaturhinweise aus mehr als 700 vorwiegend amerikanischen pädagogischen Fachzeitschriften und Nachweise von Forschungsreports, also Grauer Literatur, zum Zeitraum 1966 bis heute. Derzeit sind es ca. 700.000 Dokumentationseinheiten. Es besteht die Möglichkeit, viele Dokumente per online ordering in Kopie zu bestellen. Die Datenbank ist online über DIALOG sowie im Internet über ASK ERIC[14] verfügbar, aber auch auszugsweise als CD-ROM (vgl. auch Abbildung 11).

FRANCIS Sciences de L'éducation. Die Datenbank des Institut de L'information Scientifique et Technique ist seit 1972 computerisiert, enthält über 110.000 Dokumentationseinheiten zur Pädagogik und wächst jährlich um 3.500 Dokumente. 91 % davon sind Zeitschriftenartikel. Die Verschlagwortung erfolgt in Französisch und Englisch. 83 % der Dokumentationseinheiten umfassen ein Abstract. Die Datenbank ist online über QUESTEL recherchierbar (vgl. auch Abbildung 12).

PsycINFO enthält alle Zitate aus dem gedruckten Dienst "Psychological Abstracts" sowie psychologische Literatur aus "Dissertation Abstracts". Es werden Beiträge aus ca. 1.500 Zeitschriften aufgenommen, ebenso Bücher und Dissertationen. Seit 1969 sind über 909.000 Dokumentationseinheiten gespeichert, jährlich kommen ca. 30.000 hinzu. 77 % der Dokumentationseinheiten sind mit einem Abstract versehen. Die Hauptsprache der Dokumente ist Englisch. Deutsche Literatur ist selten, da PSYNDEX seit 1977 - in Anlehnung an PsycINFO - das deutschsprachige psychologische Schrifttum auswertet. Die Datenbanken sind zueinander kompatibel, so daß mit den gleichen Deskriptoren des amerikanisch-deutschen Thesaurus in beiden Datenbanken gesucht werden kann. Für PsycINFO steht bei DIMDI wahlweise eine Benutzerführung in Deutsch und Englisch zur Verfügung. Einen Datenbankauszug gibt es auch unter der Bezeichnung PSYCLIT auf CD-ROM (vgl. auch Abbildung 13).

Social SCISearch entspricht inhaltlich dem "Social Science Citation Index", der alle Gebiete der Sozial- und Geisteswissenschaften umfaßt. Über 2,5 Millionen Referenzen seit 1973 umfaßt diese Datenbank. Ausgewertet werden jährlich etwa 120.000 Aufsätze aus ca. 1.500 meist englischsprachigen Zeitschriften sowie auszugsweise aus weiteren 2.400 Zeitschriften des "Science Citation Index". Der Anteil der Nachweise auf Dokumente in deutscher Sprache beträgt 5 % (über 118.000 Dokumentationseinheiten). Nachgewiesen werden Autoren, Titel, bibliographische Angaben, Institutsadressen sowie in einem Drittel des Bestandes seit 1992 Abstracts. Als Besonderheit des SocialSciSearch gilt, daß die Literaturreferenzen der nachgewiesenen Dokumente in Kurzform aufgenommen sind. Mit der Annahme, daß Literatur nur angeführt wird, wenn sie inhaltlich eine Bedeutung für das Thema hat, kann man, also weiter suchen, wer dieses Schrifttum auch zitiert hat. Die Datenbank ist über DIALOG online verfügbar oder auszugsweise über CD-ROM. Wen nur die neueste Literatur der letzten 12 Monate interessiert, sollte online die Teildatendank CURRENT CONTENTS/SSCI anwählen (vgl. auch Abbildung 14).

Sociological Abstracts (SA) entspricht inhaltlich der gedruckten Ausgabe, umfaßt aber auch Dokumentationseinheiten aus "SOCIAL PLANNING/ POLICY & DEVELOPMENT ABSTRACTS (SOPODA)" sowie "International Reviews of Publications in Sociology (IRPS)". Die Datenbank beinhaltet über 385.000 Zitate ab 1963, der jährliche Zuwachs liegt bei ca. 19.000 Dokumenthinweisen, davon 54 % mit Abstracts. Ausgewertet werden über 1.600 Zeitschriften sowie Bücher, Konferenzberichte, Dissertationen. Die Datenbank wird fünfmal im Jahr aktualisiert und ist über DIMDI und DIALOG online recherchierbar oder auszugsweise über die CD-ROM SOCIOFILE (vgl. auch Abbildung 15).

Bei all den genannten Datenbanken ist gegen Entgelt auch das Downloading der Referenzen für die eigene Arbeit erlaubt, so daß die Daten in ein eigenes Literaturverwaltungsprogramm geladen werden können, wie es Peter Diepold in seinem Vortrag kurz erläutert[15] und Ortwin Peske auf dem GIB-Frühjahrs-Workshop 1994 anhand von "LIDOS-Download 2.0" demonstriert haben. Die Abbildung 16 faßt noch einmal die Datenbanken nach den jeweiligen Hosts zusammen; weitere über die Hosts erreichbare Datenbanken der pädagogischen Grenzgebiete sind in Klammern lediglich genannt, hier jedoch nicht beschrieben worden.

Diskettendienste

Einige Datenbankproduzenten, wie beispielsweise das IZ Sozialwissenschaften, das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) oder die religionspädagogischen Institute (Comenius-Institut, Münster; Katholische Religionspädagogische Dokumentationsstelle, München) bieten Diskettendienste an. Hierbei handelt es sich um Datenbankauszüge entweder zu einem Themenbereich oder zu dem Bestand eines Jahres. Die Dokumentation kann auf den eigenen PC geladen und mit Hilfe eines Recherchemoduls durchsucht werden.


Literaturbeschaffung

Engpaß nach all den gefundenen Literaturreferenzen ist - wie eingangs schon erwähnt - die Literaturbeschaffung. Hieran arbeiten die Hosts mit erheblichem Aufwand zumindest für den Bereich der Aufsatzliteratur. Ich verweise zudem auf das Projekt JASON-NRW, das in Nordrhein-Westfalen unter Beteiligung großer Bibliotheken des Landes NRW läuft. Hinsichtlich der Monographien und Sammelwerke ist es ratsam, sich bei Zentralbibliotheken oder Verbundkatalogen (z. B. online beim GBI "MONO") zu erkundigen, wo das entsprechende Buch vorrätig ist, so lange wir noch auf öffentlich zugängliche OPAC-Kataloge warten müssen oder auf elektronische Bibliotheken mit Volltextdatenbanken.


Schlußbemerkungen

Wie zu sehen war, gibt es bereits eine - vielleicht verwirrende - Fülle von Datenbanken, die auch für erziehungswissenschaftliche Fragestellungen genutzt werden können. Abgesehen von der Kostenklippe, die m. E. durch eine Fehlentscheidung der Bundesregierung in der Fachinformationspolitik verursacht ist,[16] gibt es allerdings noch erhebliche Informationslücken bei den Pädagogen und Erziehungswissenschaftlern hinsichtlich der elektronischen Dienstleistungsangebote. Bei der neuen Studentengeneration und dem wissenschaftlichen Mittelbau erlebe ich durchweg eine erfreuliche Aufgeschlossenheit und Unbefangenheit im Hinblick auf die elektronische Recherche. So glaube ich, daß sich die Arbeit für den Modellversuch FIS Bildung und die Gesellschaft Information Bildung letztlich auch lohnen wird, indem die Infrastrukturverbesserungen sich auch in einer Qualitätssteigerung der erziehungswissenschaftlichen Lehre, Forschung und Literatur niederschlagen werden und damit vielleicht auch in der pädagogischen Ausbildung und Praxis.

Anschrift des Verfassers:

Dr. Friedrich Rost
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