Die 4. GIB-Fachtagung in Berlin.
Ein Stimmungsbericht + die Ergebnisse einer zukunftsgerichteten Diskussionsveranstaltung "Die GIB und ihr Beitrag zum Deutschen Bildungsserver"

Kurzbericht zur Tagung

Zum zweiten Mal fand eine GIB-Fachtagung an der Humboldt-Universität in Berlin statt. Auch darin drückt sich aus, daß die GIB einen unzweifelhaften Schwerpunkt in der deutschen Hauptstadt hat. Das Tagungsprogramm drängte sich erneut auf anderthalb Tage, ließ so noch einen gewissen Spielraum für An- und Abreise, der die Zahl der notwendigen Übernachtungen minimierte.

Mit ca. 65 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gehörte die 1996er Tagung zwar zu den kleineren GIB-Tagungen, war gleichzeitig aber sicher eine der intensivsten und ertragreichsten für die Anwesenden. Da die Mehrzahl der Veranstaltungen für das Plenum, also nicht parallel, ausgeschrieben war und die räumlichen Verhältnisse teilweise doch sehr beengt waren, konnte die reduzierte Teilnehmerzahl nur als Vorteil empfunden werden.

Die Tagung erfüllte in diesem Jahr wohl in besonderem Maße die Absicht, gehaltvolle Vorträge mit Workshop-Veranstaltungen zu verbinden, die aufeinander bezogen waren. Das Thema, nämlich "Internet" bzw. "WWW", erleichterte dieses Vorhaben, da hier Wissensvermittlung und praktische Übungen sehr leicht ineinander überführt werden können.

Der Vortrag "Neueste Entwicklungen der Informationstechnik und ihre Auswirkungen auf den Wissenschaftsbetrieb" von Prof. Dr. Martin Grötschel bezog die umfangreich ausgebreiteten Anwendungsmöglichkeiten und Wirkungsfelder der weltweiten Vernetzung im Internet zwar nicht aus den Erziehungswissenschaften (sondern aus Mathematik + Informatik), konnte aber das Allgemeine und vor allem Perspektivische an diesen Entwicklungen so gut exemplarisch deutlich machen, daß er auch die GIB-Tagungsteilnehmer unmittelbar ansprach.

Inwieweit diese Möglichkeiten des WWW schon für den Bildungsbereich realisiert sind, konnte dem zweiten Vortrag "Bildungswesen im Internet: Entwicklung des Deutschen Bildungsservers" von Prof. Dr. Peter Diepold entnommen werden. Professor Diepold und seine Mitarbeiter haben mit dem Deutschen Bildungsserver ein Instrument aufgebaut, das auch für die weitere GIB-Arbeit von zentraler Bedeutung sein wird, wie der weitere Tagungsverlauf zeigte.

An die Vorträge schlossen sich die Workshops an, die den Donnerstag Nachmittag und den Beginn des Freitag ausfüllten. Die einzigen Parallelveranstaltungen der Tagung "Workshop 1: Einstieg ins Internet für Newcomer" von Dr. Beate Tröger und "Workshop 2: HTML und die Erstellung von eigenen WWW-Seiten" von Christine Becker sprachen ein klar nach Vorerfahrung unterscheidbares Publikum an. Der "Workshop 3: Informationssuche im Internet: Suchmaschinen, Datenbanken. Ressourcen mit dem Schwerpunkt Erziehungswissenschaft" von Roland Bertelmann war übergreifend konzipiert und bot Einführung und erste Vertiefung zugleich.

Die Resonanz auf die Workshops war durchgängig positiv, die Referentinnen und der Referent haben offensichtlich die Erwartungen der Teilnehmer erfüllt. Eine besondere Anerkennung ist Frau Becker zu zollen, die ihre Einführung in HTML unter äußerst schwierigen Bedingungen im PC-Saal der Uni durchführte, während die Hälfte des Saales gleichzeitig den Studenten für die routinemäßige Nutzung zur Verfügung stand.

Der Sache nach vielleicht nicht prototypisch, die Stimmungstendenz des Publikums aber doch generell treffend, war die abschließende Feststellung eines Teilnehmers, der ungefähr folgendes äußerste: "Ich bin als großer Skeptiker gegenüber der Euphorie um das Internet hergekommen, sehe jetzt aber, daß und wie ich mich mit diesen Möglichkeiten weiter beschäftigen werde!"

Daß diese Tagung inzwischen auch ihren Stellenwert hat, was die zwei- und mehrseitigen Austauschmöglichkeiten angeht, wurde durch die regen Gespräche am Rande belegt. Dabei spielte der in Berlin jetzt schon fast zum hohen Standard gehörende abendliche Empfang in der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung eine besondere Rolle, der auch diesmal wieder zahlreich und "nachhaltig" besucht wurde.

Diskussionsveranstaltung "Die GIB und der Deutsche Bildungsserver (DBS)"

Ziel dieser Abschlußveranstaltung war es, Konzepte oder Ideen vorzustellen, wie GIB-Mitglieder allein oder in Gruppen am DBS mitwirken können. Dazu wurden vom (imaginären) Podium Vorschläge für eine inhaltliche, methodische oder organisatorische Bereicherung dieses Servers skizziert mit der Absicht, dafür Kooperationspartner zu finden. Die Veranstaltung sollte also eine Plattform bilden, von der aus sich in den nächsten Wochen und Monaten Arbeitsgruppen bilden, die zu bestimmten Aspekten kooperieren wollen.

Die Reihe der Statements wurde eingeleitet von Peter Diepold, der Desiderate in bestimmten Arbeitsfeldern des DBS-Projekts auflistete, die vor allem im Bereich des methodischen Instrumentariums angesiedelt sind, mit dem der Server strukturiert und erschlossen werden soll.

Michael Drabe berichtete situationsbezogen knapp über den aktuellen Stand des Projekts "Schulen ans Netz (SAN)" und betonte insbesondere die Abstimmung mit dem Projekt DBS. Abstimmung und wechselseitige Zuarbeit sollte auch für zukünftige schulorientierte Netzaktivitäten gelten, wie z.B. der geplante NRW-Bildungsserver. (Private Email von Herrn Drabe: 100065.2776@compuserve.com)

Beate Tröger stellte ihr an der Universitätsbibliothek Dortmund entwickeltes Projekt "Clearinghouse: Erziehung" vor, das ebenfalls den Aufbau eines Bildungsservers bezweckt. Die Parallelität der Aktivitäten demonstriert, daß es zukünftig darauf ankommen wird, konzertiert vorzugehen und für den Benutzer die Transparenz durch geeignete Metainformationen und Verweise zu gewährleisten. (Beate.Tröger@ub.uni-dortmund.de)
Alexander Botte stellte abschließend ein Internet-Vorhaben zum Themenfeld "Internationale Bildungssysteme und vergleichende Bildungsforschung" vor, das von DIPF und FIS Bildung koordiniert werden soll. Internationale Daten zu allen Teilgebieten des Bildungssystems: Schule, Berufsbildung, Erwachsenenbildung, Sonderpädagogik, Bildungsverwaltung, Bildungspolitik etc., die im Internet verfügbar sind, sollen gesichtet, auf Relevanz geprüft und in das geordnete Übersichtssystem des DBS eingespeist werden. Zu den Informationsressourcen gehören: Volltexte, Volltextnachweissysteme, Bibliographische Nachweissysteme, WWW-Verzeichnisse und Strukturvorgaben, Statistische und graphische Daten.
In diesen thematischen Schwerpunkt gehört auch die Anbieterseite, d.h. es sollen auch Orientierungen für den ausländischen Interessenten über das Deutsche Bildungswesen enthalten sein (Profilierung als Anlaufstelle für ausländische Informationssucher). Das kann auch bedeuten, daß man im Einzelfalle selbst Seiten erstellt.

Weitere Themen wurden vom Publikum ergänzt. Zusammenfassend ergaben sich aus der Diskussion folgende Themen und Beteiligungsinteressen (Koordinatoren zuerst genannt):


Gesucht werden weitere Interessenten, die sich an den vorgeschlagenen Arbeitsschwerpunkten beteiligen wollen oder neue, eigene einbringen wollen.
Weitere Interessenten sollten sich bei den Koordinatoren oder bei der GIB-news-Redaktion melden.

Begrüßt wurde außerdem das Angebot von Herrn Prof. Heinz Brand, der eine Verbindung zu kostengünstigen Übersetzungen ins Polnische für DBS herstellen kann.

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