Alexander Botte

ERIC und National Library of Education (NLE)


Hintergrund der hier knapp zusammengefaßten Informationen bilden im wesentlichen zwei längere Gespräche mit dem Leiter der ERIC Processing and Reference Facilitiy, Ted Brandhorst, und mit E. Stephen Hunt von der National Library of Education im Department of Education in Washington, D.C.

Organisatorische Veränderungen

Die Gliederungsstruktur von ERIC in insgesamt 16 Clearinghouses, die die dokumentarische Selektion und Erschließung für ihr Fachgebiet vornehmen, ist bekannt. Daneben gibt es nur ein zentrales Büro, ERIC Program Staff, in Washington. Dieses war früher eine selbständige Einheit im Department of Education, ist heute aber der National Library of Education (NLE) unterstellt.

Ein wichtiges Element der ERIC-Struktur sind private Vertragspartner, die bestimmte zentrale Aufgaben für ERIC wahrnehmen, d.h. es sind im Prinzip selbständige Unternehmen, die teilweise oder vollständig Auftragsarbeiten für ERIC erfüllen. Die ERIC Processing and Reference Facilitiy, die vor allem die Datenverarbeitung (Konvertierung, Dublettenprüfung, Datenausgabe) übernimmt, ist wohl das für ERIC wichtigste dieser Unternehmen.

Ein anderer Vertragspartner ist der Verlag ORYX Press, der die gedruckten Dienste herstellt und vermarktet. Der Verlag erhält die Daten kostenfrei, aber keine weiteren Zuschüsse, was sich wohl bei der zur Zeit tendenziell sinkenden Auflage des Current Index to Journals in Education (CIJE) stark auf die Qualität der Korrekturen niederschlägt (s.u.).

Ein weiterer Vertragspartner sorgt für die Microfiche-Verfilmung der ERIC-Dokumente. Der neueste Partner, der mit großen Projektgeldern gefördert wird, ist Access ERIC. Er betreibt u.a. den Informationsservice AskERIC speziell für das Internet. Alle Internet-Dienste von ERIC laufen hier zusammen.

ERIC hat insgesamt ein Budget von 9 Mio. US Dollar jährlich, wobei die einzelnen Clearinghäuser zwischen 200 und 400 Tsd. Dollar erhalten und die Facility sicherlich den Löwenanteil verbraucht. Denn die eigenen Einnahmen der Facility dürften gering sein. Auch der Verkauf der neuen CD-ROM zu 100 Dollar (s.u.) wirft nicht viel ab, da über 50% des geringen Verkaufspreises schon für die reine Herstellung aufgewendet werden müssen.

Zum Aufgabenbereich und zur Arbeitsweise der Processing Facility

Die Herstellung der beiden ERIC-Datenbanken für Online- und CD-ROM-Dienste ist die Hauptaufgabe der Facility. Brandhorst erhielt den Zuschlag für die Facility, weil er 1985 ein überzeugendes Konzept für eine erste CD-ROM-Edition mit SilverPlatter vorlegte.

Der Vertrag mit SilverPlatter scheint jetzt längst ausgelaufen, denn die Facility vertreibt seit 1995 eine eigene CD-ROM, NISC-ERIC-DISC, die zu einem siebenfach niedrigeren Preis angeboten wird. Die Software ist in ihrem Angebot an Oberflächen sehr eng an SilverPlatter-Vorgaben angepaßt und bietet nach unserer Einschätzung ein Äquivalent. Dennoch scheinen nur wenig Kunden von der SilverPlatter- zur NISC-Ausgabe zu wechseln, da die Bibliotheken offensichtlich die gemeinsame Einbindung mit anderen SilverPlatter-CD-ROMs zu schätzen wissen.

In Brandhorsts Büro arbeiten ca. 15 Leute. Dort laufen alle Daten zusammen, die die Clearinghäuser liefern. Allerdings hat das Büro die redaktionelle Verantwortung nur für die "documents", d.h. den Dienst RIE. Die CIJE-Zeitschriftendaten laufen an den Verlag ORYX Press, der sie zu Brandhorsts großem Bedauern nahezu unkorrigiert und folglich mit vielen Fehlern veröffentlicht.

Die RIE-documents werden laut Brandhorst mit großer Sorgfalt bearbeitet. Seit einigen Jahren werden auch ca. 1.000 Verlagsbücher jährlich aufgenommen. Mehr ist aus Kapazitätsgründen nicht möglich. Elektronische Internet-Dokumente werden nur nach strenger Prüfung, wie dauerhaft sie über das Internet zu erreichen sein werden, akzeptiert.

Die Clearinghouses sind wie bei uns autonom in der Entscheidung, welche Journals und welche Dokuments sie auswerten. Daher fällt auch bei ERIC Duplizitätsprüfung an und daher können auch Konkurrenzprodukte existieren (wie z. B. "Education Index"), die in die Lücken der nicht ausgewerteten Literatur stoßen.

Die Facility ist in gewisser Weise das zentrale Büro von ERIC. Neben den elektronischen Produkten ist sie auch für gedruckte Dienste (themenbezogene "Digests") und die relativ umfängliche und recht professionelle allgemeine Öffentlichkeitsarbeit und das Gesamtmarketing von ERIC-Produkten zuständig. Außerdem werden natürlich Informationsvermittlung, Schulungen zur CD-ROM und Hotline angeboten.

Übrigens: ERIC feiert dieses Jahr sein 35. Jubiläum!


National Library of Education (NLE)


Die National Library of Education (NLE) existiert seit 1994. Sie ist sichtbarster Ausdruck einer Reform im Department of Education (Bundesministerium), im Rahmen derer wohl auch der Fortbestand von ERIC in der bisherigen sehr kostspieligen Form (s.o.) gefährdet war. Ziel war der Aufbau einer umfassenden Informationsstruktur auf den verschiedensten medialen Ebenen für den Bereich des Ministeriums. D. h. aber auch, daß hier kein allgemeiner Anspruch einer "Educational Library of Congress" erhoben wird. Die NLE untersteht dem Office of Educational Research and Improvement (OERI), einem von 16 Offices im Ministerium. Sie übernimmt als organisatorische Einheit eine Reihe von Funktionen wahr, die teilweise über den Rahmen eines Bibliothek hinausgehen:


Aus Platzmangel (es war in der Tat teuflisch eng) wird die NLE nächstes Jahr umziehen.

Projekte und Resultate

Die Gespräche in Washington (NLE) und Laurel, MD (ERIC) dienten neben der wechselseitigen Information vor allem der Einschätzung von Kooperationsmöglichkeiten mit FIS Bildung, DIPF sowie GIB. Übereinstimmung bestand darin, daß ein Austausch von Daten wenig sinnvoll sei, da die Verfahren zu komplex sind und die Informationsprodukte stark auf die nationalen Märkte abgestimmt sind. Im Vordergrund sinnvoller Kooperationen sollten kurze und besser institutionalisierte Wege des Informationsaustausches stehen, damit man im Bedarfsfall schneller über die gesuchte ausländische Informationsleistung verfügen kann.

  1. Wechselseitiger Austausch der CD-ROMs, wobei sowohl NLE als auch die Facility von uns bedient werden.
  2. Wechselseitige Versorgung mit aktuellen Informationsmaterialien. Die besonders preisgünstige NISC-ERIC-DISC könnte von uns hier in Deutschland für ERIC vertreten werden, d.h. wir betreiben für ERIC Informations- und Werbearbeit (Dieses Vorhaben ist im Prinzip vereinbart, müßte aber noch detaillierter beschrieben werden.)
  3. Gezielte Zulieferung von Dokumenten an ERIC, die in unserem geographischen Umfeld erscheinen und von allgemeiner oder internationaler Bedeutung sind.
  4. Wechselseitige Abstimmung und Verweisstrukturen bei Internetangeboten. Hier sind auch GIB- und DBS-Dienste einbezogen. Es sollte u.a. auch darum gehen, beim Aufbau internationaler Bildungsinformationen im DBS für die Relevanzbewertung von US-Web-Seiten für den deutschen Interessenten auch den Rat und die Unterstützung des Department of Education einzuholen.


Namen und Adressen

ERIC Reference Facility
Ted Brandhorst
1100 West Street
USA Laurel, MD
e-mail: tbrandho@inet.ed.gov

National Library of Education
555 New Jersey Avenue NW
USA Washington, DC 20208-5721

Blane Dessy (Direktor der NLE)
Keith Stubbs (zuständig für ERIC Program Staff)
Dr. Stephen Hunt (Planning and Policy NLE) (e-mail: Stephen_Hunt@inet.ed.gov)
Lynn Smart (Access ERIC)

Online-Zugang zur National Library of Education
World Wide Web -URL: http://www.ed.gov
Gopher: gopher.ed.gov
FTP: ftp.ed.gov (log on anonymous)
E-Mail: Die Benutzung der Kataloge und des Servers sowie dazughöriger Anleitungen kann mit einer E-Mailanfrage an almanac@inet.ed.gov bewerkstellt werden. Text des Briefes soll enthalten: "send catalog".