Alexander Botte

Rückblick auf die 5. Fachtagung in Halle

Die fünfte GIB-Fachtagung fand in Halle statt - und dort in den Räumlichkeiten des Fachbereichs Erziehungswissenschaften der Universität, die sich wiederum im Gebäudekomplex der Franckeschen Stiftungen befinden. Dieser lokale Rahmen war von nicht unbedeutendem Einfluß auf diese Fachtagung.
Denn die seit Anfang der 90er Jahre mit großem Restaurierungselan in weiten Teilen wiederhergestellten Häuser der Franckeschen Anstalten prägten "Eingang" (man betritt die "kleine Stadt für sich", die das Franckesche Areal bildet, durch ein Tor) und "Ausgang" (am Abschluß stand eine Führung durch das "historische" Waisenhaus) der Tagung. Der morgendliche Weg zur Tagungsstätte vorbei an teils restaurierten, teils aber auch noch im alten Zustand befindlichen Häusern und über ungepflasterte, lehmige Straßen vermittelte - trotz sichtbarer zeitgenössischer Baumaßnahmen - ein frühneuzeitliches Flair.
Ohne Zweifel boten die Franckeschen Anstalten mit ihrer bildungsgeschichtlichen Bedeutung einen anregenden Hintergrund für die Tagung einer "Gesellschaft Information Bildung". Denn die aus pädagogischem Impetus von August Hermann Francke erreichte soziale "Bewegung" gibt Anlaß zu zahlreichen Fragen für pädagogische Praktiker und Theoretiker, wie die abschließende Besichtigung des zum Museum umfunktionierten Waisenhauses wohl jedem Besucher vermittelte.
Dies gilt auch, wenn man die Bedeutung Franckes nicht ganz so hoch einstuft, wie es die sehr leidenschaftlich agierende Museumsführerin zu vermitteln trachtete, die ihr Engagement offensichtlich daraus bezog, daß sie noch fest in die Glaubenskämpfe des 17. Jahrhunderts verwickelt war.
Auch das Innere des vor kurzem erst eingeweihten erziehungswissenschaftlichen Fachbereichsgebäudes hielt den Eindruck von Angemessenheit aufrecht, wenn man die hölzernen Flure und Treppen entlangging. Weit entfernt von heutiger universitärer Hektik - es waren natürlich auch noch Semesterferien - empfing die Tagungsteilnehmer eine wohltuende Ruhe und gediegene Sachlichkeit. Die Dimensionen der Flure und Räume entsprachen denen eines Wohnhauses und verliehen der Veranstaltung eine Intimität, die der eher geringen Teilnehmerzahl entsprach. Etwas anders stellte sich dies im riesigen und würdevoll restaurierten "Deutschen Saal" dar, der bei Plenarveranstaltungen den schonungslosen Blick auf die unter 50 Teilnehmenden eröffnete.
In voller Übereinstimmung mit der wohltuenden Atmosphäre befand sich der warme Empfang vor Ort, den Frau Dr. Sziburies mit einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einem fehlerlosen Tagungsbüro herstellten.
Ein völlig anderer Eindruck von Halle stellte sich bei der Fahrt zum Tagungshotel ein, das sich in Halle-Neustadt befand. Das Steigenberger Esprix-Hotel, scheinbar einziger Nach-Wende-Bau im Zentrum der wohl größten Plattenbausiedlung der ehemaligen DDR, versprühte weniger Charme, stellte aber insgesamt funktional zufrieden.
Inwieweit der Ort Halle auch Einfluß darauf gehabt hat, daß diese Tagung die mit Abstand geringste Anzahl an Teilnehmern aufwies, die die GIB bisher zu verzeichnen hatte, ist schwer zu entscheiden. Sicher begrenzte der unmittelbare Einzugsbereich die Zahl lokaler Besucher von vorne herein durch die geringe GIB-Präsenz in dieser Region, und auch das durch Ad-hoc-Werbung zu gewinnende studentische Publikum war ja nicht "vor Ort".
Denkbare weitere Gründe für die insgesamt schwache Resonanz sind aber auch rückläufige Reiseetats im Bereich öffentlicher Einrichtungen oder auch mangelnde Attraktivität des Tagungsthemas. Das Thema der Tagung, "Qualitätsverbesserung von Bildungsinformationssystemen", ist in seiner Bedeutung nicht von der Hand zu weisen. Allerdings stellt sich die Frage, ob die für GIB-Tagungen angestrebte enge Verknüpfung von Präsentation innovativer Konzepte und Ansätze mit pragmatischem Eingehen auf die Problemlagen der GIB-Mitglieder über die Programmankündigung überzeugend vermittelt wurde.
Anzuregen wäre vielleicht, daß über die Homepage der GIB ein Feedback auf den Tagungsverlauf erfolgt und der Vorstand so bei der Vorbereitung der nächsten Tagung angeregt und unterstützt wird. Dazu müßte man eine einfache Diskussionsliste eröffnen, die den Interessierten das Absetzen von Meldungen erlaubt.