Editorial


Fachinformation wird überwiegend von Einrichtungen des Öffentlichen Dienstes geleistet, dies gilt nicht nur, aber natürlich in besonderer Weise für die Fachinformation im wenig gewinnträchtigen Bereich der Sozialwissenschaften. Der Öffentliche Dienst wiederum steht seit einigen Jahren vor wachsenden Restriktionen. Diese kommen verschieden daher: als starke und/oder kontinuierliche Kürzungen der Haushaltsmittel, über die Infragestellung überkommener Tätigkeiten und Dienstleistungen unter dem Gesichtspunkt ihrer wirtschaftlichen Rentabilität, durch die verschärfte Konkurrenz auf dem immer wichtiger werdenden Feld der Einwerbung von Drittmitteln.

Die ordnungspolitischen Maßnahmen, mit denen diese Restriktionen begründet werden, sind: Haushaltsstops per Gesetz, neue institutionelle Budgetierungsverfahren, externe Evaluationen der Einrichtungen, Umstruktierungen im institutionellen Bereich. Die Folgen dieser einschneidenden Veränderungen im Arbeitsalltag sind gravierend. Der Einsatz der Mitarbeiter/innen für die Aquirierung von Mitteln, die Omnipräsenz auf "wichtigen" Tagungen/Gesprächen/Messen sowie der Aufwand für eine "zeitgemäße" und "prüfungsrelevante" Öffentlichkeitsarbeit übersteigt für manche Angestellte den Aufwand für ihre eigentliche Routinearbeit.

Nach einer jahrzehntelangen Vernachlässigung des Aspekts der Qualitäts- und Nutzerkontrolle im Öffentlichen Dienst ist das Rollback jetzt genauso total und in den Folgen verheerend.

Es ist wenig dagegen einzuwenden, daß der Aufbau eines professionellen Publikations- und Berichtswesens am Anfang zusätzliche Arbeit erfordert, wenn man diese Aufgabe jahrzehntelang vernachlässigt hat. Fragwürdig ist es jedoch schon, wenn Einrichtungen einzelne Mitarbeiter komplett für die Funktion abstellen, Förderungsanträge bei Ministerien und Stiftungen effektiv abzufassen und mit der richtigen "Kontaktpflege" den Erfolg vorzubereiten (auch wenn dies leider nur jeder Einrichtung empfohlen werden kann). Zweifelhaft ist auch der Sinn, der in extremer designerischer Anstrengung für alle Arten von Publikationen einer serösen wissenschaftlichen Einrichtung liegt, wenn damit nicht ein adäquater Transport der relevanten Inhalte verbunden ist, sondern lediglich die "Außenwirkung" mit den Maßstäben einer Boulevard-Illustrierten bewertet wird.

Die meisten GIB-Mitglieder sind wohl in der einen oder anderen Weise mit den hier nur dürftig skizzierten Folgen restriktiver Maßnahmen befaßt. Die Berichte aus den Institutionen, die wir auch in Zukunft möglichst häufig hier präsentieren wollen, künden davon. Der adäquate Umgang mit restriktiven Maßnahmen wäre auch einmal ein geeignetes Thema für eine GIB-Tagung.

A.B.