Ralf Theers

Vom HIBS zum HeLP, von HeLP zu HELIS, von LEDOC zu Dr. Doc - Hessisches Literaturinformationssystem Schule (HELIS) im Hessischen Landesinstitut für Pädagogik (HeLP)

Die hessische Bildungspolitik und ihre Unterstützungssysteme sind derzeit von rasanten Veränderungen gekennzeichnet. Die Diskussionen um die Gesamtschule in den 70er und 80er Jahren wurden abgelöst um solche für eine Veränderung der Einzelschule hin zu mehr Autonomie und eigenständiger Entwicklung. Dieser Paradigmenwechsel vom Primat der staatlichen Bildungsplanung hin zu einer vermehrten Eigenständigkeit der Schule als System und eigenverantwortlicher Schulentwicklung fand denn auch seine rechtliche Absicherung im neuen hessischen Schulgesetz von 1997.

Damit einher ging auch eine Umstruktierung der hessischen Bildungsverwaltung, insbesondere der bislang drei eigenständigen Unterstützungssysteme Hessisches Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung (HIBS), gegründet in den von Bildungseuphorie gekennzeichneten 70er Jahren, Hessisches Institut für Lehrerfortbildung (HILF) und Staatliche Landesbildstelle Hessen (LABI). Die Reformbestrebungen fanden einen weiteren Niederschlag in der Auflösung der Schulabteilungen der drei hessischen Regierungspräsidien und der Verlagerung der Aufgaben dieser Behörden auf die neugegliederten Staatlichen Schulämter.

In einem nächsten Schritt wird eine Reform der Lehrerausbildung und damit eine Neuordnung der Aufgaben der Studienseminare betrieben werden. Nicht einmal das Kultusministerium selbst verschließt sich diesem Reformfuror, denn in vollem Gange ist eine Reduzierung der Zahl seiner Abteilungen und Neustrukturierung der Aufgaben. Die Gründe für diese Reformen sind neben einem (bildungs-) politischen Paradigmenwechsel allgemeine gesellschaftliche und politische Veränderungen wie die Forderungen nach einer Transparenz der Verwaltung und einer Optimierung staatlichen Verwaltungshandelns, Abkehr vom Glauben an das Alleinseligmachende der staatlichen Planungshoheit und Vorstellungen von einer Autonomie des Systems Einzelschule. Dazu kommt eine zunehmende Knappheit der finanziellen Ressourcen, die gleichermaßen Movens für eine Veränderung der Systeme ist.

Tiefgreifende Veränderungen erfuhren die drei oben bereits genannten Institute HIBS, HILF und LABI. Diese drei bislang eigenständigen Einrichtungen wurden nach einem langwierigen und mühevollen Diskussionsprozeß umgegliedert und zu einem neuen Institut zusammengefaßt, zum Hessischen Landesinstitut für Pädagogik (HeLP). Das gesamte Institut besteht derzeit aus sechs eigenständigen pädagogischen Instituten (PI) in Kassel, Weilburg, Königstein/Falkenstein, Frankfurt, Wiesbaden und Seeheim-Jugenheim.

Diesen PI zugeordnet sind ein Vielzahl von Regionalstellen, deren vorrangige Aufgabe in der regionalen Lehrerfortbildung und der Entwicklung der Einzelschule liegt. Auf die einzelnen pädagogischen Institute verteilen sich circa zwanzig sogenannte zentrale Arbeitsstelllen, deren Aufgabe primär in der Entwicklung der Schulfächer, von Lernbereichen und Schulstufen bzw. -arten liegt. Neueingerichtete sogenannte Zentralstellen haben Dienstleistungsaufgaben und befassen sich mit der institutsinternen EDV-Versorgung, der Publikation von Veröffentlichungen, der internen Evaluation der Arbeitsergebnisse des Gesamtsystems, dem Controlling sowie der Bereitstellung von Medien, Daten und Informationen.

In der Wahrnehmung einer großen Zahl der Beschäftigten des HeLP wurden die systemischen und organisatorischen Voraussetzungen für eine Verbesserung der Dienstleistungen für die hessische Lehrerschaft durch die Neugründung des HeLP vermutlich verbessert, doch hat sich die finanzielle und beschäftigungsmäßige Situation in mancher Hinsicht verschlechtert. Alle Institute mußten neue Strukturen aufbauen, die Landesbildstelle wurde als eigenständige Institution aufgelöst und ging in der neuen Zentralstelle Medien, Daten und Information (ZMDI) auf.

Mit der Gründung des HIBS Mitte der 70er Jahre wurde auch eine Einrichtung innerhalb des Institutes ins Leben gerufen, die sich mit der vorrangig schulpädagogischen Fachdokumentation zum Zwecke der Verbesserung der Arbeitssituation hessischer Lehrkräfte in Praxis und Ausbildung zu befassen hatte. Im Zuge der Neuordnung mußte eine Umbenennung dieser Einrichtung erfolgen, die mit dem nun für die Gesamtinstitution vergebenen Akronym HELP (Hessisches Literaturinformationssystem Pädagogik) bekannt geworden war. Sie heißt nun Hessisches Literaturinformationssystem Schule (HELIS).

 

 

Die Literaturdokumentation im HIBS arbeitete von Anfang an computergestützt und konnte seine Kundschaft mit effizienten und schnellen Literaturrecherchen bedienen. An das Institut abgeordnete Lehrerinnen und Lehrer, deren Arbeit von externen Auswertern schulpädagogischer

Fachzeitschriften unterstützt wurde, bauten im Laufe der Zeit eine Literaturdatenbank mit derzeit ca. 100.000 Einträgen auf, deren Nutzung erfreulich hoch war und ist. Das für die damalige Zeit in seiner Leistung herausragende EDV-System LEDOC, eine Eigenentwicklung der Hessischen Landeszentrale für Datenverarbeitung (HZD), auf deren Großrechner das System betrieben wurde, mußte Mitte der 90er Jahre aufgrund gestiegener technischer Anforderungen und wegen nicht mehr zu vertretender Kosten abgelöst werden.

Der technische Umstellungsprozeß fiel genau in die Zeit der Umstrukturierung der Institute und war zudem mit einem Umzug des Instituts verbunden. Diese äußeren Faktoren führten dazu, daß sich der Umstellungsprozeß von LEDOC auf das neue System Pfaff-Archiv außergewöhnlich lange hinzog und noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Diese technischen Neugliederungen vollzogen sich neben der laufenden Routinearbeit und verlangten allen Beschäftigten der Literaturdokumentation ungewöhnliche Anstrengungen und großes Engagement ab. Alle Kolleginnen und Kollegen mußten erkennen, daß es nicht einfach getan war mit dem Erwerb eines neuen Datenbanksystems, nach einem langwierigen und bürokratischen Auswahlprozeß, der Aufspielung auf neu erworbene Hardware, Konvertierung der Daten und der Implementation des neuen PC-gestützten lokalen Client-Server-Systems in das Institutsnetzwerk. Es häuften sich zahlreiche Probleme.

Das System Pfaff-Archiv erforderte eine neue Hardware, deren Beschaffung angesichts reduzierter finanzieller Ressourcen bis heute noch nicht vollständig realisiert ist, die komplette Neustrukturierung der Datenbank und die Konvertierung der Daten erwies sich als ungeheuer aufwendig und zeitraubend, die ohne die fachkundige Mitwirkung der HELIS-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter und die edv-technische Unterstützung und Programmierarbeit eines an den Arbeitsbereich abgeordneten Informatik-Lehrers kaum zu realisieren gewesen wäre. Das System mußte in das neue, anfänglich verständlicherweise mit Pannen behaftete Netzwerk in einem gerade bezogenen und verkabelten neuen Gebäude integriert werden.

Vor allem aber offenbarte die neue Software Pfaff-Archiv nicht erwartete Schwächen und auch Fehler, die erst im laufenden Betrieb erkannt, dem Hersteller mitgeteilt und trotz dessen interessierter Mitwirkung teilweise immer noch nicht behoben werden konnten. Alle diese Probleme belasteten auch die zeit- und fachgerechte Zulieferung der Daten im Rahmen des Literaturaustausches innerhalb der deutschen schulpädagogischen Institute und vor allem auch zum Fachinformationssystem Bildung, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Produktion der CD-Bildung dadurch noch zusätzliche Mühen zu ertragen hatten.

Pfaff-Archiv wurde jetzt abgelöst durch das Nachfolgesystem Dr. Doc, das endlich ein problemloses und effizientes Arbeiten erhoffen läßt. Die Kolleginnen und Kollegen von HELIS wünschen sich nach einer jetzt dreijährigen unruhigen Zeit ein geregeltes, von technischen Pannen und organisatorischen Umstruktierungen befreites und finanziell gesichertes Arbeiten, um ihre Aufgabe, die Unterstützung hessischer Lehrerinnen und Lehrer sowie von Referendaren und Studenten und allen anderen Interessierten mit pädagogischer Fachinformation zufriedenstellend erfüllen zu können.

HELIS ist nach der Neustrukturierung der Institute zwar weiterhin verortet im Pädagogischen Institut Wiesbaden, organisatorisch aber eingebunden in die im PI-Frankfurt ansässige HeLP-Zentralstelle "Medien, Daten und Information", die sich mit der Produktion und Distribution von audiovisuellen Medien (Videos, Filme, Fernsehen, Hörfunksendungen, Dias), elektronischen Medien (Literatur- und Mediennachweisdatenbanken, CD-ROMs, Internet-Angebote) und von Printmedien, dem Bibliothekswesen des Landesinstituts und der technischen Unterstützung im Medienbereich befaßt.

Hoch wahrscheinlich ist ein Umzug des Arbeitsbereich HELIS im Jahr 2000 oder 2001 in das Pädogische Institut bzw. in das künftige Pädagogische Haus in der Frankfurter Nordweststadt. Dort werden dann unter einem Dach versammelt sein das Pädagogische Institut Frankfurt mit seiner Regionalstelle (für Lehrerfortbildung), der Zentralstelle Medien, Daten und Information, der zentralen Arbeitsstelle für Medienpädagogik, das Staatliche Schulamt Frankfurt sowie verschiedene Studienseminare. Diese räumliche Zusammenlegung von Schulverwaltung und -aufsicht, Lehrerausbildung und Lehrerunterstützungssysteme mit Schul- und Schulfachentwicklung sowie Lehrerfortbildung läßt hohe Synergieefffekte und effektives Arbeiten zur Unterstützung der hessischen Lehrerschaft erhoffen und gibt dadurch auch dem Arbeitsbereich HELIS mit der Literaturdokumentation und der Organisation des HeLP-Bibliothekswesens neue Aufgaben, die nicht zuletzt auch eine Sicherung und Aufrechterhaltung seiner Arbeit in der Zukunft rechtfertigen.

 

Ralf Theers (GIB-Vorsitzender)
verantwortlicher pädagogischer Mitarbeiter für das Hessische Literaturinformationssystem Schule (HELIS)

Pädagogisches Institut Wiesbaden im Hessischen Landesinstitut für Pädagogik
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