eine auf HTML umgesetzte Textversion (ohne Grafiken und Tabellen) des vergriffenen Tagungsbandes, 21.11.1997
Peter Diepold / Diann Rusch-Feja
(Herausgeber)
Bildungsdokumentation Heute
Fachinformation
für Wissenschaft
und Praxis
1. GIB-Fachtagung
Frankfurt/M, 10. - 11. November 1993
GIB
Gesellschaft Information Bildung
Berlin 1994
Schriftenreihe der Gesellschaft Information Bildung, 1
ISSN 0945-9898
CIP-Titelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Bildungsdokumentation Heute : Fachinformation für Wissenschaft und Praxis ; 1. GIB-Fachtagung Frankfurt/Main, 10.-11. November 1993 / Peter Diepold, Diann Rusch-Feja (Hrsg.). - Berlin : Gesellschaft Information Bildung, 1994.
(Schriftenreihe der Gesellschaft Information Bildung; 1)
ISSN 0945-9898
ISBN 3-88494-148-8
NE: Diepold, Peter [Hrsg.]; Rusch-Feja, Diann [Hrsg.]; GT
Bezug über:
Gesellschaft Information Bildung (GIB)
Geschäftsstelle:
Postfach 90 02 80
D-60442 Frankfurt am Main
Tel.: (069) 247 02 330
Fax: (069) 247 03 322
c Gesellschaft Information Bildung und der Autoren
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb des Urheberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung der Gesellschaft Information Bildung und des Autors. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen jeder Art, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung in elektronische Systeme.
Druck: Wittchen, 37176 Nörten-Hardenberg
Inhaltsverzeichnis
Peter Diepold, HUB / Diann
Rusch-Feja, MPIfB 1
Die erste Fachtagung der Gesellschaft Information Bildung
Alexander Botte, FIS Bildung
8
Vom DOPAED zu FIS Bildung
Rosemarie Kohls, DIPF 18
Bildungsinformation in der DDR, die Wende, was danach?
Bernd Christopher, BIBB 33
Die Literaturdokumentation im Bundesinstitut für Berufsbildung
Heinz Ziegler, BMBW-Projekt
39
Literaturdokumentation Berufliche Bildung
Karlheinz Fingerle,
Universität-GHS Kassel 49
Angebot und Vermittlung von Fachinformation zum Bildungswesen
- Probleme aus der Sicht des Wissenschaftlers
Monika Wederhake-Gottschalk, UB
Dortmund 57
Angebot und Vermittlung von Fachinformation zum Bildungswesen
- Probleme aus der Sicht der Bibliothekarin
Hartmut Müller, DIPF 69
Angebot und Vermittlung von Fachinformation zum Bildungswesen
- Probleme aus der Sicht des Dokumentars
Thomas Feuerstein, FHS
Wiesbaden 75
Voraussetzungen für den Informations- und
Kommunikationsaustausch
Diann Rusch-Feja, MPIfB 79
Podiumsdiskussion: "Und nun? Was tun? - Ein
Zukunftsszenario"
Teilnehmer und Aussteller 87
Peter Diepold / Diann Rusch-Feja
Bildungsdokumentation Heute
Die erste Fachtagung der GIB
1. Vorgeschichte
Der Zustand der Bildungsdokumentation in der deutschen Erziehungswissenschaft war bislang, verglichen mit anderen Disziplinen, kümmerlich. Für andere Wissenschaften, wie z. B. Medizin, Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Jurisprudenz oder Psychologie, gibt es hervorragende Dokumentationssysteme. In ihnen werden sowohl Literaturnachweise mit kurzen Zusammenfassungen (abstracts) als auch Volltexte gesammelt, darüber hinaus umfangreiche Sammlungen von Statistiken, Daten, Fällen, Verordnungen, Erlassen usw. angelegt.
In Datenbanken organisiert, werden sie regelmäßig - in manchen Fällen wöchentlich - fortgeschrieben und stehen jederzeit interessierten Forschern und anderen Benutzern zur Verfügung. Zwei herausragende, bekannte Beispiele sind das juristische Informationssystem JURIS und das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information DIMDI mit Zugriff auf ca. 100 internationale biowissenschaftliche Datenbanken.
In den Erziehungswissenschaften gibt es eine Fülle von Stellen, die Literatur und/oder Daten aus dem Bereich der Bildung dokumentieren. Zu nennen sind die grossen Landesinstitute, das Bundesinstitut für Berufsbildung in Berlin, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, die 1983 aufgelöste Duisburger Lehrerbücherei (jetzt Verlag für Pädagogische Dokumentation), viele Hochschulinstitute und schließlich die Literaturkartei eines jeden Wissenschaftlers.
Zwar hatten sich schon 1964 29 der größeren Dokumentationsstellen zu einem freiwilligen Kooperationsverbund, dem "Dokumentationsring Pädagogik", zusammengeschlossen. DOPAED dokumentierte deutschsprachige Aufsätze, Monographien, Hochschulschriften, Reports und Graue Literatur. Grundlage der Zusammenarbeit waren einheitliche Erfassungsregeln und ein gemeinsamer Thesaurus Pädagogik für die inhaltliche Erschließung. Sein wichtigstes Produkt war die Bibliographie Pädagogik.
Zwar war im ersten Fachinformationsprogramm der Bundesregierung (1974-77) auch ein Fachinformationszentrum Bildung (FIZ) geplant, wozu eine leistungsstarke und im DOPAED-Verbund mitwirkende Informations- und Dokumentationsstelle auf- und ausgebaut werden sollte.
Aber: Anders als in anderen Wissenschaftsgebieten wurde es aber nicht realisiert. Die zwei wichtigsten Gründe dafür sind:
1. die institutionelle Verankerung von DOPAED:
- es gab Terminprobleme bei der Zulieferung von Daten und deren Veröffentlichung,
- es gab keine verbindlichen Absprachen und keine Sanktionsmöglichkeiten zur Vermeidung von Doppelarbeit,
- die Institute führten zusätzliche eigene Schlagwortverzeichnisse; der Thesaurus wurde nicht gepflegt,
- es gab zwischen den zuliefernden Institutionen Konkurrenz,
- die jeweilige DOPAED-Leitstelle wurde von den anderen Institutionen nicht genügend unterstützt,
- es fehlte an Finanzmitteln;
2. die Kulturhoheit der Länder:
- mangelnder Konsens in der KMK und der BLK,
- Autonomiebestrebungen auch im Dokumentationswesen statt sinnvoller Arbeitsteilung zwischen den Bundesländern,
- bildungspolitische Polarisierung in den 70er Jahren,
- Finanzknappheit der Länderhaushalte,
- fehlende Einsicht in die Notwendigkeit eines Fachinformationssystems Bildung.
Während sich Bund und Länder stritten, DOPAED mehr oder weniger auseinanderfiel, wurden in anderen Wissenschaftsgebieten in dieser Zeit funktionierende Lösungen gefunden und der Anschluß an die europäische und internationale Entwicklung von Informations- und Dokumentationssystemen einschließlich ihrer informationstechnischen Möglichkeiten realisiert.
Was für den Bereich der Erziehungswissenschaften - auch unter einer bundesstaatlichen Verfassung - möglich ist, zeigt das Beispiel USA. Dort steht im Bereich der Bildungswissenschaften das ERIC-Informationsverbundsystem zur Verfügung und wird im Jahr mehr als 6 Mio. mal in Anspruch genommen, und dies allein im Online-Betrieb, von den CD-ROM-Benutzern ganz zu schweigen.
Es steht wohl außer Zweifel, daß für die Weiterentwicklung des Bildungswesens in den alten und den neuen Bundesländern sowie für die Effizienz von Lehre und Forschung an den Hochschulen ein leistungsfähiges Fachinformationssystem unter Zuhilfenahme moderner Informationstechnik Voraussetzung ist.
2. Neuere Entwicklungen in der Bildungsdokumentation
Erfreulicherweise markiert der Übergang in die 90er Jahre endlich eine Veränderung.
1990 konstituierte die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft - DGFE -1990 die Vorstandsarbeitsgruppe Bildungs-Dokumentation. Sie führte eine Befragung ihrer Mitglieder durch und versuchte auf verschiedenen Ebenen, das Interesse der Erziehungswissenschaft an einer leistungsfähigen Bildungsdokumentation zu artikulieren.
Im gleichen Jahr beschloß die Bund-Länder-Konferenz für Bildungplanung und Schulentwicklung - BLK - nach 17jähriger Diskussion - den Modellversuch "Fachinformationssystem Bildung" (FIS Bildung), der eine Koordinierung der bisher im Dokumentationsring Pädagogik lose zusammengeschlossenen Institutionen vorsah. Die bestehenden Institutionen sollten ihre jeweilige Arbeit fortsetzen, die Dokumentationsangebote sollten jedoch besser aufeinander abgestimmt, vergleichbar ausgestaltet, systematisch ausgebaut und zusammengefaßt werden. Zielgruppen des FIS Bildung sind Lehrer, Administratoren, die Wirtschaft und Wissenschaftler. Das FIS Bildung hat die seit 1986 darniederliegende Bibliographie Pädagogik wiederbelebt und wird im Frühjahr 1994 eine CD-ROM mit Literaturbeständen von 14 dokumentierenden Einrichtungen aus den Jahren 1980 bis 1993 herausbringen.
Das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft - BMBW - gab 1991 eine Expertise zu einer Literaturdokumentation Berufliche Bildung in Auftrag, die aufgrund einer Analyse vorschlägt, einen Kooperationsverbund von fünf dokumentierenden Institutionen unter Federführung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zu bilden, ihre Daten abzustimmen und in eine gemeinsame Datenbank zusammenzufassen, die sowohl auf der CD-ROM des FIS Bildung wie auch online recherchierbar sein wird.
3. Die Gesellschaft Information Bildung
1991 wurde GIB, die Gesellschaft Information Bildung, in Frankfurt gegründet. Ihr Ziel ist es, die Anbieter von Informationen im Bildungsbereich mit ihren Nutzern zusammenzubringen, Problembereiche zu identifizieren, Lösungsalternativen zu diskutieren, vorgeschlagene Lösungen kritisch zu prüfen und den Modellversuch FIS Bildung zu unterstützen. Sie hat sich in mehreren Fachgruppen organisiert:
- Fachgruppe Bibliothekare,
- Fachgruppe Erziehungswissenschaft,
- Fachgruppe Information und Dokumentation.
3.1 Ziele der 1. GIB-Fachtagung
GIB führte ihre erste Fachtagung am 10.-11. November 1993 am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt durch. Sie hatte sich damit folgende Ziele gesetzt:
- den Ist-Stand der Informations- und Literaturversorgung in der Erziehungswissenschaft und in den Bildungsbereichen festzustellen;
- die Interessen von Wissenschaftlern und anderer Anwender zu präzisieren;
- Probleme anzusprechen und Lösungen zu diskutieren;
- ein Forum für den Austausch von Ideen, Kritiken, Erfahrungen etc. zu bieten und die Zusammenarbeit durch persönlichen Kontakt zu fördern;
- konkrete Ziele und Projekte für die Zukunft zu artikulieren, insbesondere künftige Aktivitäten in den Fachgruppen festzulegen.
3.2 Teilnehmer
An dieser ersten Fachtagung nahmen annähernd 100 Personen teil. Davon waren 77 registrierte TeilnehmerInnen, die übrigen stammten aus der Bibliothek und Dokumentation des Gastgeberinstituts und nahmen nicht nur an der Tagung teil, sondern trugen wesentlich zu ihrer Vorbereitung und Durchführung bei.
Die 77 Teilnehmer repräsentierten folgende Berufsgruppen:
- Wissenschaftler in Forschung und Lehre (22) ,
- Dokumentare und sonstige Informationsvermittler (21) ,
- Bibliothekare (19) ,
- Informationsdienstleistungsproduzenten (11) ,
- Entscheidungsträger auf Bund- und Länderebenen (4).
10 der Teilnehmer kamen aus den neuen Bundesländern und 4 aus dem deutschsprachigen Ausland.
3.3 Beiträge
Die Tagung war in vier Blöcke aufgeteilt, die auch die Struktur dieser Tagungsdokumentation bilden:
- Alexander Botte, Leiter des Modellversuchs FIS Bildung, skizzierte die Entwicklung des Dokumentationsrings Pädagogik und stellte Ziele und Produkte des FIS Bildung vor;
- Rosemarie Kohls aus der Dokumentationsgruppe des DIPF stellte die Situation in der DDR, die Aktivität während der Wende und die Zeit danach dar, aus der Sicht einer persönlich betroffenen Akteurin;
- Bernd Christopher, Leiter des Referats Informationsvermittlung, Dokumentation und Bibliothek des Bundesinstituts für Berufsbildung, stellte die Dokumentationsaktivitäten des BIBB vor, ergänzt durch den Bericht von Heinz Ziegler über die oben erwähnte Expertise für den BMBW mit den Vorschlägen für einen Kooperationsverbund mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, der Pädagogischen Arbeitsstelle des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, Frankfurt, dem Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest, und dem Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung, München.
Der zweite Block vereinte unter dem gemeinsamen Thema "Angebot und Vermittlung von Fachinformation zum Bildungswesen" drei Problemperspektiven, und zwar
- aus der Sicht des Erziehungswissenschaftlers (Karlheinz Fingerle von der Universität-Gesamthochschule Kassel);
- aus der Sicht der Bibliothekarin (Monika Wederhake-Gottschalk, Universitäts-Bibliothek Dortmund);
- aus der Sicht des Dokumentars (Hartmut Müller vom DIPF).
Den Referaten folgte eine Podiumsdiskussion.
Unter der Leitung von Peter Diepold von der Humboldt-Universität Berlin diskutierten:
- Prof. Dr. Thomas Feuerstein, Fachhochschule, Wiesbaden,
- Annemarie Nase, Informationszentrums Sozialwissenschaften (IZ), Bonn,
- Ministerialdirigent Peter Schermer, Hessisches Bildungsministerium, Wiesbaden,
- Ministerialrat Dr. Gerhard Silvestri, Österreichisches Bildungsministerium, Wien,
- Jürgen Theuerkauf, Universitätsbibliothek Erlangen.
Die Podiumsdiskussion versuchte angesichts ökonomischer Zwänge und technischer Möglichkeiten zukünftige Handlungsalternativen auf verschiedenen Ebenen zu thematisieren. Im vorliegenden Bericht haben wir versucht, in einem Resümee die vielfältigen, miteinander vernetzten Ideen und Gesprächsbeiträge ein wenig zu systematisieren. Sie zeigen Richtigungen weiterer Workshops und Tagungen auf, denen sich GIB widmen wird.
Im Anschluß an die Vorträge und an die Podiumsdiskussion hatten die Teilnehmer Gelegenheit, in einer informellen, durch viele Einzelgespräche geprägten Atmosphäre den Imbiß mit Produktpräsentationen verschiedener Anbieter zu koppeln. Die folgenden Produkte wurden vorgestellt:
- die Expertise Literaturdokumentation Berufliche Bildung (BMBW/BIBB),
- Die Datenbank EG-Lit (Diskettendienst) sowie das Informationssystem Medienpädagogik (ISMP) des DIPF,
- die Datenbank SOLIS des Informationszentrum Sozialwissenschaften,
- die CD-ROM-Literaturdatenbank des LSW sowie die CICADE-Software,
- die ERIC CD-ROM des Educational Resource Information Center sowie Inhalte und Struktur der CD-ROM Bildung des FIS Bildung,
- die Datenbank Erwachsenenbildung der Pädagogische Arbeitsstelle des deutschen Volkshochschulverbandes (PAS).
Ergebnis und Ausblick
Von den Teilnehmern wurde diese Tagung als notwendig, aspektreich, anregend und und hilfreich bezeichnet. Sie hat Problembereiche identifiziert, Akzente gesetzt, und sie hat, vor allem, in einem größeren Kreis die Anbieter und Nutzer von Bildungsdokumentation zusammengebracht.
Die Veranstalter danken dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung für die Benutzung der Räume und den MitarbeiterInnen der Bibliothek und des Informations- und Dokumentations-Bereichs herzlich für ihren tatkräftigen Einsatz. Ein besonderer Dank gilt allen Referenten für ihre Anregungen und ihr Engagement und last but not least auch allen TeilnehmerInnen, die durch ihr Interesse, viele Wortmeldungen in offener Diskussion und im Einzelgespräch die Tagung zum Erfolg werden ließen.
Ermutigt von der Resonanz plant die Gesellschaft Information Bildung eine 2. Fachtagung, die vom 17. bis 18. November 1994 im Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Soest stattfinden wird. Das Thema wird einen wichtigen Entwicklungstrang thematisieren, der auch für die schulische Praxis von Interesse werden wird:
Elektronische Informationsdienste im Bildungswesen
Weitere Projekte und Aktivitäten der Gesellschaft Information Bildung, die z. T. aus den Diskussionen und Anregungen der 1. Fachtagung entstanden sind, betreffen die Arbeit der Fachgruppen, so z. B. ein GIB-Workshop zum Thema "Nutzung elektronischer Bibliographien und Downloading in das eigene Literaturverwaltungssystem", das von der Fachgruppe Erziehungswissenschaft der GIB am 2. Mai 1994 in Berlin durchgeführt wird.
Berlin, 6. März 1994
Peter Diepold Diann Rusch-Feja
Abt. Pädagogik und Informatik
Max-Planck-Institut
Humboldt-Universität zu Berlin für Bildungsforschung
Geschwister-Scholl-Str. 6 Lentzeallee 94
10099 Berlin 14195 Berlin
Tel. (030) 2093-3177/8 Tel: (030) 829 95-230
Fax: (030) 2093-3198 Fax: (030) 824 99-39
pdiepold@educat.hu-berlin.de rusch-feja@mpib-berlin.mpg.d400.de
Alexander Botte
Vom DOPAED zu FIS Bildung
Dezentralität als Herausforderung und Chance
Seit dem 1.1.1992 ist das Fachinformationssystem Bildung über seine Geschäftsstelle in Eschborn in der Ausgestaltung kooperativer Arbeitszusammenhänge in der Bildungsdokumentation aktiv. FIS Bildung hat dabei den Status eines Modellversuchs, der im Zeitraum von zunächst drei Jahren zu ermitteln hat, ob und wenn ja, in welcher Form, eine übergreifende Informationsstelle für den Bildungsbereich als feste Einrichtung gerechtfertigt bzw. sogar erforderlich ist. Mein Vortrag wird sich wesentlich auf eine Darstellung des Standes und der Perspektiven dieses Modellversuchs erstrecken.
Greift man die umfassende Formulierung der Aufgabenstellung von FIS Bildung auf, nämlich: in einem dezentralen System ein abgestimmtes Angebot an Dokumentationsleistungen zu sichern, dann spiegelt sich darin auch die charakterisierende Besonderheit des bildungsbezogenen Dokumentationswesens in der Bundesrepublik wider: Wie die politische Organisation des Bildungswesens insgesamt ist auch die Bildungsdokumentation in der Bundesrepublik "föderal" organisiert, wobei sich die Aufgliederung in der Dokumentation jedoch nicht nur auf die Einteilung nach Bundesländern erstreckt, sondern darüberhinausgehende heterogene Organisationsstrukturen aufweist. Darauf gehe ich später noch genauer ein.
Im Rahmen des Modellversuchs FIS Bildung wurde zu Anfang eine Bestandsaufnahme bei Informations- und Dokumentationsstellen (im folgenden Informations- und Dokumentations-Einrichtungen) in der Bundesrepublik durchgeführt, deren Ergebnisse in einem Ihnen hoffentlich bekannten Berichtsband niedergelegt wurden. Diese Erhebung erbrachte insgesamt 54 Einrichtungen, die sich mit Dokumentation im engeren Sinne und mit bildungsrelevanten Themen im umfassenden Sinne beschäftigen. Wir haben diese Befragung Ende 1992 aktualisiert und dabei Landesbildstellen, Landesfilmdienste und Weiterbildungsdatenbanken einbezogen und sind so in einem Anfang diesen Jahres erschienenen Verzeichnisband auf 130 Dokumentationseinrichtungen gekommen, die für den Bildungsbereich unmittelbar relevant sind.
Diese aktuellen Zahlen verweisen auf einen Zustand, der in ähnlicher Grössenordnung seit mindestens zwei Jahrzehnten zu verzeichnen ist:
In der Bundesrepublik Deutschland wurde und wird die pädagogische und bildungspolitische Informationsbearbeitung von einer Vielzahl teilweise sehr unterschiedlicher Dokumentationsstellen geleistet. Die meisten dieser Stellen sind zunächst einmal unabhängig voneinander im Kontext einer institutionsbezogenen Aufgabenstellung entstanden, der sie sich primär verpflichtet fühlen.
Die Heterogenität dieser Dokumentationseinrichtungen gilt hinsichtlich mehrerer bedeutsamer Gesichtspunkte hinsichtlich
- der organisatorischen Verfassung der Institutionen (es gibt u. a. freie Forschungseinrichtungen, weisungsgebundene Landesinstitute, kirchliche Einrichtungen, universitäre Einrichtungen)
- der Leistungsfähigkeit (große Einrichtungen mit über 10 Mitarbeitern stehen neben Informations- und Dokumentations-Stellen, in denen eine Bibliothekskraft die dokumentarische Arbeit nebenbei erledigt)
- der Bedeutung, die Bildungsthemen in Gesamtscope der Institution einnehmen (meist sind sie zwar zentral, teilweise aber nur Randthemen)
- der technischen Ausrüstung (Dokumentationsbestände können ganz oder teilweise oder überhaupt nicht mit EDV erfaßt sein).
- des Selbstverständnisses als Informations- und Dokumentations-Stelle (ein Großteil der Einrichtungen sieht sich vorwiegend der internen Serviceleistung für die Mitarbeiter des eigenen Instituts verpflichtet; nur eine Minderheit versteht sich als explizit nach außen gerichtete Informationsvermittlungsstelle).
Eine weitere Differenz ist natürlich ebenfalls noch bedeutsam - nun aber eindeutig vorteilhaft -, das ist die Differenz in der inhaltlichen Schwerpunktsetzung. Genau auf diese Differenz nimmt die im Untertitel mit "Chance" bezeichnete Perspektive der dezentralen Arbeitsweise Bezug: Indem jede Dokumentationsstelle das ihrem besonderen Gegenstand gemäße Themenspektrum mit fachlicher Kompetenz und mit besonderer Nähe zur spezifischen Klientel sichtet und bearbeitet, decken die Stellen in ihrer Gesamtleistung nämlich einen sehr großen Bereich des Themenfeldes Bildung in seinen Facetten und Unterabteilungen ab.
Aus diesen historisch seit langem gegebenen Voraussetzungen resultiert eben jene Herausforderung, die vorhandene Vielfalt durch abgestimmte Maßnahmen hin zu optimalen Verbundleistungen zu entwickeln. Obwohl man sich dieser Herausforderung in der Bildungsdokumentation schon sehr früh stellte, konnte ein FIS Bildung eben erst in jüngster Zeit erprobt werden.
Schon 1964 kam es in der Fachinformation Bildung zu einer ersten kooperativen Initiative, als sich ein großer Teil dieser Einrichtungen auf freiwilliger Basis zu einer Arbeitsgemeinschaft, dem "Dokumentationsring Pädagogik", im folgenden DOPAED genannt, zusammenschloß. Ihm gehörten die für den Bildungsbereich wesentlichen Informations- und Dokumentations-Stellen der Bundesrepublik Deutschland, Österreichs und zunächst auch der deutschsprachigen Schweiz an.
Das Wirken des DOPAED, seine Erfolge und seine Defizite, sollen im folgenden in ihren Schwerpunkten skizziert werden, weil dabei heute noch gültige Aufgabenstellungen gekennzeichnet werden und weil der DOPAED in seinen Beschränkungen konstruktive Hinweise für den Aufbau eines FIS Bildung liefert.
Angesichts der beschriebenen Ausgangssituation ließen sich die wichtigsten Aufgaben des DOPAED mit den Begriffen Koordination einerseits und Kooperation andererseits beschreiben: Abzustimmen waren zunächst die Inhaltsfelder, die von den einzelnen Dokumentationsstellen abgedeckt wurden. Weiterhin mußten die Erschließungsverfahren und Erschließungsinstrumente weitestgehend angeglichen werden. Damit sollte der gemeinsamen Klientel ein verbesserter, weil einheitlicher Zugang zu den Informationsleistungen geboten werden; zugleich waren abgestimmte Datenstrukturen die Voraussetzung für den zweiten Aufgabenbereich, die Kooperation. Die kooperativen Absichten reichten vom bilateralen Austausch von Dokumentationsergebnissen bis zu gemeinsamen Produkten.
Der DOPAED hat, vor allem in der noch von stärkerem Enthusiasmus durchdrungenen Anfangsphase, eine Reihe von erfolgreichen Leistungen in diesem Aufgabenfeld vorzuweisen. So konnten in jeweils sehr langwierigen Prozessen, bei denen sich einzelne Mitgliedsinstitute besonders engagierten, gemeinsame Konventionen für die Titelaufnahme, die DOPAED-Erfassungsregeln, und ein Dachthesaurus für pädagogische Kernbereiche, der Thesaurus Pädagogik, entwickelt werden. Diese beiden dokumentarischen Instrumente wurden für die Mitgliedsinstitutionen zur Grundlage und sind auch weitgehend angewendet worden, ohne daß konkrete Einflußmöglichkeiten bestanden hätten, die Verbindlichkeit der Anwendung zu sanktionieren.
Eine wichtige Funktion zur Stützung dieser Bereitschaft, die vereinbarten Konventionen nach Möglichkeit auch anzuwenden, nahm die Beteiligung von ca. der Hälfte der DOPAED-Institutionen an der Bibliographie Pädagogik ein. Als gemeinsames Produkt von ca. 10 Einrichtungen (die Zahl der Kooperationspartner schwankte im Laufe der Jahre) präsentiert dieses gedruckte Werk in bisher einmaliger Weise die Möglichkeiten, die mit einer Integration der verstreuten Dokumentationsleistungen im Bildungsbereich verbunden sind. Die Bibliographie Pädagogik weist mit jährlich zwischen 12.000 und 16.000 Literaturtiteln die wichtigsten Neuerscheinungen eines Jahres für den gesamten Bildungsbereich nach und stützt sich dabei auf die Zulieferungen der meist thematisch spezialisierten DOPAED-Institute.
Neben dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und einem beschränkten politischen Lobbyismus markieren diese drei Säulen (Erfassungsregeln, Thesaurus und Bibliographie Pädagogik) das positive Wirken des Dokumentationsrings Pädagogik. Wie noch zu zeigen sein wird, symbolisiert das Schicksal dieser drei Säulen aber auch die Grenzen und Defizite der Selbsthilfeorganisation DOPAED, die nach eigener Einschätzung stets nur eine Organisationsform des Übergangs zu einem materiell besser etablierten und umfassender autorisierten Verbund sein wollte.
Der DOPAED wird im Rahmen dieser Tagung morgen in eine Fachgruppe der GIB überführt werden und dort in einem noch zu bestimmenden Geschäftsordnungsrahmen Aufgaben vor allem im Bereich der berufsständischen Öffentlichkeitsarbeit und der konzeptionellen Weiterentwicklung des bildungsbezogenen Dokumentationswesens übernehmen. Die Aufgaben im Bereich der praktischen Koordination von Dokumentationsleistungen sind auf den Modellversuch FIS Bildung übergegangen, der mit seiner Geschäftsstelle über Möglichkeiten verfügt, die dem DOPAED nie gegeben waren. Fast 30 Jahre lang hat der DOPAED mit sehr beschränkten Mitteln und gelegentlichen Projektförderungen des BMBW, die nicht vergessen werden sollen, weitreichende Aufgaben zu erfüllen versucht, die von Anfang an die Möglichkeiten einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft überforderten.
Worin liegen nun die Defizite des DOPAED, besonders mit Blick auf die Erfassungsregeln, den Thesaurus Pädagogik und die Bibliographie Pädagogik?
Bei der Beantwortung dieser Frage erscheinen die Erfassungsregeln als am wenigsten problematisch. Sie beziehen sich in den zentralen Fragen der bibliothekarischen Ansetzung von Literatur auf das Standardwerk für Wissenschaftliche Bibliotheken, die RAK-WB-Regeln, und nutzen damit bereichsübergreifend gefundene Konventionen.
Jedoch wurden die DOPAED-Regeln zu einer Zeit entwickelt, als der Stand der EDV-Technik noch strengere Normungen und Einschränkungen sowie spezifische Sonderzeichen erforderte, auf die man bei moderner Ausstattung heute lieber verzichten möchte. Immer mehr DOPAED-Institute, die zwischenzeitlich neue EDV-Systeme verwenden, haben sich daher z. B. von den alten Sonderzeichen abgewandt. Eine schwerwiegende Folge davon war, daß sich weniger Zulieferer an der Bibliographie Pädagogik beteiligen konnten, deren Herstellungsprozeß auf der Einhaltung der alten Regeln basierte.
Regelvereinbarungen, die nur von einer Minderheit eingehalten werden, verlieren ihren Sinn. Entweder muß man sich auf neue Konventionen einigen, oder man muß die vorhandenen Abweichungen durch Konvertierungs- und Filterprogramme EDV-technisch "unschädlich" machen. Beides erfordert Arbeitsleistungen, zu denen der DOPAED in den letzten Jahren nicht mehr in der Lage war.
Eine ähnliche Problematik tut sich auf, wenn man die aktuelle Handhabung des Thesaurus Pädagogik betrachtet. Zwar bildet der Thesaurus Pädagogik für den Bereich der eigentlichen pädagogischen Begrifflichkeit für die meisten Informations- und Dokumentations-Stellen weiterhin die Orientierung für die Alltagspraxis. Aber der Thesaurus Pädagogik ist veraltet. Viele neue Themen und Begriffe sind in den letzten 10 bis 15 Jahren wichtig geworden und sind nicht repräsentiert; manche vorhandenen Inhalte wiederum sind heute in einer anderen Bezeichnung gebräuchlicher usw.
Hinzu kommt, daß der Thesaurus Pädagogik auf der Ebene der Spezialbegriffe und in den verwandten Wissenschaften wohl lediglich in einigen Bereichen der Psychologie ein größeres Begriffsfeld abdeckt, ansonsten waren die DOPAED-Institutionen darauf angewiesen, ohne Absprache mit den anderen ihr Zusatzrepertoire an Schlagwörtern zu entwickeln. Dabei sind teilweise Subthesauri entstanden, die untereinander ausgetauscht wurden, aber inwieweit diese dann auch tatsächlich berücksichtigt wurden, blieb dem freien Spiel der Kräfte überlassen.
Der Thesaurus Pädagogik enthält ca. 4.000 Begriffe, ein Mehrfaches davon wird heute in den DOPAED-Institutionen und erst recht in allen pädagogischen Dokumentationsstellen zusammen für die Verschlagwortung verwendet. Einen ungefähren Anhaltspunkt für die Größenordnung bietet der Schlagwortbestand der Bibliographie Pädagogik. Bis einschließlich der Ausgabe für 1989 ist dieser Bestand, der in beschränkter Weise sogar einer gemeinsamen Kontrolle unterworfen ist, auf über 12.000 Sachbegriffe (ohne Eigennamen) angewachsen.
Dieser Bestand an Sachbegriffen wird durch die Schlagwortergänzungen für die von FIS Bildung zur Zeit bearbeitete CD-ROM, an der sechs weitere Einrichtungen beteiligt sind, die nicht oder nicht mehr zur Bibliographie Pädagogik zulieferten, auf ca. 18.000 Termini erhöht. Ich nenne diese Zahlen nur, um einen Eindruck von dem Problem der Schlagwortkontrolle bei wachsender Anzahl kooperierender Institute zu vermitteln. Um dies zu bewältigen, sind kontinuierlich zur Verfügung stehende Fachkräfte erforderlich.
Von den Defiziten hinsichtlich der Bibliographie Pädagogik, die ich als letzte hier vorstellen möchte, wurden jetzt schon einige gestreift. Grundsätzlich erfordert die Integration der Daten für die Bibliographie Pädagogik, die ja seit langem im DIPF bewerkstelligt wird, einen so hohen personellen Aufwand, daß sie ohne finanzielle Bezuschussung nicht mehr hergestellt werden kann. Hier lag eine ganz klare Eingriffsmöglichkeit für den Modellversuch FIS Bildung, die wir auch sofort wahrgenommen haben. In weniger als einem Jahr sind drei Ausgaben der Bibliographie Pädagogik nachgeliefert worden.
Gleichzeitig wäre es für die Bibliographie Pädagogik erstrebenswert, die Zahl der Zulieferer, die zuletzt bei sieben Einrichtungen lag, zu erhöhen und die Bibliographie Pädagogik letztlich auf eine ähnliche Zulieferungsbasis zu stellen, wie es bei der CD-ROM der Fall ist.
Zusammenfassend werden folgende strukturelle Schwächen des DOPAED an diesen Beispielen sichtbar:
- fehlende finanzielle und personelle Kapazitäten zur Durchführung von Gemeinschaftsaufgaben,
- ohne spezielle Projektförderung keine Innovationsfähigkeit,
- fehlende Repräsentanz des gesamten Informations- und Dokumentations-Spektrums im Bildungsbereich,
- mangelnde Verbindlichkeit und Durchsetzungsfähigkeit für gemeinsame Lösungen und Vereinbarungen.
Hinzu treten mangelnde Kapazitäten im Bereich der Informationsvermittlung an die Fachöffentlichkeit, da die meisten Dokumentationsstellen, wie bereits erwähnt, auf den spezifischen Bedarf ihrer Muttereinrichtung ausgerichtet sind.
Heute ist die erstaunliche Situation zu konstatieren, daß ausgerechnet im Bildungsbereich, der sehr frühzeitig mit Koordinierungsmaßnahmen begonnen hat, die Abstimmung der Fachinformationsleistungen eher als rückständig bezeichnet werden muß. Dies liegt vorrangig zwar an dem politischen Problem, daß die schwierige Abgrenzung von Bundes- und Länderkompetenzen sich im Bildungsbereich besonders gravierend auswirkt.
Allerdings wurde aber in gewisser Weise auch gerade die frühe Etablierung von Dokumentationseinrichtungen im Bildungsbereich ein Grund dafür, daß sich in den Institutionen selbst kooperationshemmende Beharrungstendenzen entwickelten. Auch wenn der DOPAED das Ziel der Errichtung des schon seit dem Informations- und Dokumentations-Programm von 1974 geplanten FIS Bildung mit Vehemenz unterstützt hat, haben seine einzelnen Mitglieder aus teilweise verständlichen Gründen dieses Ziel nicht mit gleicher Priorität verfolgt.
Erst in den letzten Jahren, in denen der Abbau von Ressourcen in vielen der traditionellen Informations- und Dokumentations-Stellen ohnehin nicht mehr abgewendet werden konnte, wird die Notwendigkeit eines FIS Bildung auf breiter Ebene anerkannt. Denn nur eine für alle bildungsbezogenen Informationsstellen - auch die außerhalb des ehemaligen Dokumentationsrings - tätige Einrichtung, sozusagen ein gemeinsames arbeitsfähiges Büro, vermag die aufgebauten Dokumentationsleistungen in ihrer Gesamtwirksamkeit zu sichern, zu rationalisieren und zu optimieren. Der Modellversuch FIS Bildung nimmt zur Zeit diese Aufgabe auf Probe wahr.
Im folgenden möchte ich mit Bezug auf die oben skizzierten Probleme am Gegenstand unseres eindeutigen Arbeitsschwerpunktes vorstellen, wie wir diese Aufgabe bisher angefaßt haben und welche zukünftigen Möglichkeiten sich daran anknüpfen. Dieser Arbeitsschwerpunkt ist die Herstellung der Literaturdokumentation Bildung auf CD-ROM, die nahezu alle wichtigen Aufgabenbereiche des FIS Bildung zusammenführt und von daher besonders geeignet ist, ein Bild unserer Tätigkeit zu liefern.
Das Projekt CD-ROM, das seit der ersten gemeinsamen Sitzung von zwölf Dokumentationseinrichtungen im Mai 1993 in das Zentrum der Tätigkeit von FIS Bildung rückte, steht unter einigen bedeutsamen Rahmenbedingungen:
2) Die Realisierung des aufwendigen Projekts mußte im sehr begrenzten Zeitrahmen des Modellversuchs erfolgen: Nur wenn die CD-ROM rechtzeitig auf den Markt kommt, kann eine Evaluierung auf Basis der Nutzerreaktionen vor Ablauf des Modellversuchs erfolgen.
3) Die im Pilotversuch notwendigen Zwischenlösungen müssen so gestaltet werden, daß eine kontinuierliche Verbesserung des Produkts bei erfolgreicher Einführung nahtlos angeschlossen werden kann.
An der Erstellung der CD-ROM sind insgesamt 14 Dokumentationseinrichtungen mit Zulieferungen von Dokumentationseinheiten beteiligt. Die CD-ROM ist für FIS Bildung insofern ein Kristallisationsprojekt, als von der Durchführung, den Begleitmaßnahmen und den Resultaten dieses Vorhabens alle wesentlichen Ziele der Koordination und Kooperation betroffen sind. Die Verschränkung CD-ROM-spezifischer Aufgaben mit allgemeinen Aufgaben fällt u. a. in folgenden Stadien des Arbeitsprozesses an:
Im Bereich der vorbereitenden Arbeiten werden vorläufige Lösungen für folgende Probleme erforderlich:
b) Entwicklung einer technischen Standardisierung der Integration unterschiedlicher Ausgangsformate (Konvertierungsroutinen)
c) Konzeption einer sinnvollen Verwaltung des Schlagwortbestandes, die auch Nicht-Fachleuten brauchbare Rechercheergebnisse ermöglicht.
Im Bereich der begleitenden Arbeitsgänge werden z. B. folgende allgemeine Aufgaben gefördert:
b) Unterstützung von Arbeitsteilung und Datenaustausch bei thematisch verwandten Dokumentationseinrichtungen, die durch das Ziel der verbesserten Verbreitung und Nutzung ihrer Leistungen durch die gemeinsamen Produkte zusätzliche Orientierung und Motivation erhalten.
Im Nachgang zur Erstellung der ersten Ausgabe der CD-ROM können auf den Grundlagen der vollzogenen Erfahrungen wichtige Resultate für weiterführende Maßnahmen gewonnen werden:
b) Möglichkeiten der Vereinheitlichung bzw. Koordination der Verschlagwortung können auf dem Hintergrund des Wortmaterials der CD-ROM besser abgeschätzt werden.
c) Die Akzeptanz und die Kostenkalkulation elektronischer Informationsprodukte für den Bildungsbereich, kurz das Ausmaß der Marktfähigkeit von Informationsprodukten, die nicht klientenspezifisch, sondern fachbereichsübergreifend angeboten werden, kann über dieses Pilotprojekt neu bewertet werden.
In all den soeben genannten Punkten verbinden sich die spezifisch für die CD-ROM erbrachten Arbeitsleistungen und -ergebnisse mit perspektivischen Anforderungen der Weiterentwicklung und des Transfers auf andere Projekte.
Ohne hier zu sehr in die Details gehen zu wollen, möchte ich am Beispiel der Schlagwortarbeit unsere Verfahrensweise etwas expliziter erläutern.
Die Herstellung von Konsistenz bei den teilweise sehr unterschiedlichen Schlagwortbeständen der 14 Zulieferinstitute wurde schon als bedeutsames Problem herausgestellt. Neben Schreibvarianten, die relativ leicht zu beheben waren, ging es vor allem um die Behandlung von Synonymen, also unterschiedlichen Schlagworten, die für den gleichen Inhalt verwendet werden. Das erste Mittel der Wahl wäre in solch einem Fall der Rückgriff auf einen verbindlichen Thesaurus, auf dessen Wortschatz alle vorkommenden Schlagwörter zugeführt werden könnten. Ein Thesaurus, der das gesamte hier abzubildende Themenspektrum erschließt, steht nicht zur Verfügung. Er könnte auch erst entwickelt werden, wenn eine Sichtung der gesamten Dokumentation Auskunft über die tatsächlich anfallenden Inhalte gegeben hat.
Unser gewählter Lösungsweg war, in verkürzter Darstellung, auf Basis einer Fachsystematik den gesamten zugelieferten Bestand an Sachbegriffen zu gruppieren und dann innerhalb der Gruppen Synonyme zu kennzeichnen und in eine gesonderte Liste einzubringen. Diese Synonyme werden über die Software im Hintergrund automatisch, d.h. ohne Steuerung durch die recherchierende Person, verknüpft. D.h. zum Beispiel, daß bei der Eingabe des Schlagwortes "Unterrichtsdifferenzierung" auch alle Dokumente gefunden werden, die mit "Differenzierender Unterricht" verschlagwortet sind.
Dieses Verfahren hat folgende Vorteile:
2) Die Gruppierung der Begriffe sowie die intellektuelle Herstellung der Synonymverbindungen ist auch eine unabdingbare Vorarbeit für den Aufbau eines für die pädagogische Dokumentation verbindlichen Schlagwortschatzes bzw. für eine Thesaurus-Reform.
3) Neue Schlagworte, die bei aktualisierten Zulieferungen der jetzigen Kooperationspartner oder bei Neueinsteigern anfallen, können im Rahmen der Gruppierungssystematik geprüft und eingearbeitet werden.
Ich habe dieses Beispiel hier etwas ausführlicher dargestellt, um zu demonstrieren, wie pragmatisch orientierte, aus Zwangslagen geborene Lösungen trotz aller Verbesserungswürdigkeit nutzerfreundliche und nach vorn hin offene Möglichkeiten enthalten können.
Auch zukünftig wird es für FIS Bildung darum gehen, die fortbestehende Vielfalt in der Bildungsdokumentation positiv aufzuheben, indem wir Schritt für Schritt auf dem Wege der engen Kooperation weitergehen. Dies setzt die Bereitschaft, aber auch die technische und personelle Fähigkeit der beteiligten Informations- und Dokumentations-Stellen voraus, gemeinsam für sinnvoll erachtete Übereinkünfte und Vereinbarungen auch zu befolgen. Die Attraktivität unserer gemeinsamen Produkte dürfte dabei das wichtigste Kriterium sein, das zu gemeinsamer Anstrengung motivieren kann.
Stichpunktartig sei abschließend auf weitere Planungen von FIS Bildung hingewiesen, die allerdings teilweise eine Verlängerung des Modellversuchs zur Voraussetzung haben.
2) Auf der Ebene weiterer Spezialgebiete (Bildungsforschung, Migrationspädagogik, Hochschule) sollen im Laufe des nächsten Jahres Möglichkeiten der koordinierten Arbeitsteilung erprobt werden.
3) Auf Basis einer möglichst breiten Ausschöpfung von Arbeitsteilungs-Effekten sollen qualitative Verbesserungen, vor allem die Steigerung des Anteils von Dokumenten mit Abstracts, umgesetzt werden.
4) Die im Rahmen des hier noch vorzustellenden Projekts "Literaturdokumentation Berufliche Bildung" zu erwartenden Datenbestände sind in geeigneter Form in die Produktpalette von FIS Bildung aufzunehmen.
Weitere Projekte und Arbeitsbereiche sind in unserer Bestandsaufnahme von 1992 genannt. Wie erwähnt, hängt die Realisierung dieser Vorhaben teilweise auch davon ab, ob wir über das Jahr 1994 hinaus weiterarbeiten können. Die großen Möglichkeiten, die sich vor allem auf der langjährigen Tätigkeit der vielen Informations- und Dokumentations-Stellen im Bildungsbereich aufbauen, sind beträchtlich. Es hieße, Ressourcen zu verschwenden, wenn man diese Chancen nicht nutzen würde.
Anschrift des Verfassers:
Alexander Botte
Modellversuch FIS Bildung
Berliner Straße 31 - 35
65760 Eschborn
Tel.: (06196) 48 41 45
Fax: (06196) 48 41 61
Rosemarie Kohls
Bildungsinformation
in der DDR, die Wende -
was danach?
Vorbemerkung
Es gehört zur Geschichte und zum Schicksal Deutschlands, daß unser Land in mehr als 40 der zurückliegenden Jahre in zwei deutsche Staaten aufgeteilt war. Bedingt durch den verhängnisvollen zweiten Weltkrieg und die anschließende gesellschaftliche Entwicklung, die immer stärker zu einer Polarisierung in zwei große politische Weltsysteme führte - trafen in Deutschland zwei völlig unterschiedliche politische Systeme aufeinander. Der "Eiserne Vorhang" reduzierte zunehmend persönliche Kontakte und Erfahrungen im anderen Teil Deutschlands; zugleich nahm die gegenseitige ideologische Manipulierung zu.
Viele günstige Umstände haben ermöglicht, daß diese Trennung ohne Blutvergießen überwunden werden konnte. Uns ist die Chance für eine neue Etappe "gesamtdeutscher" Entwicklung und Zusammenarbeit gegeben!
Ich möchte das in meinem Beitrag vor allem aus ostdeutscher Sicht benennen. In dieser Zeit habe ich in der DDR gelebt, gelernt und langjährig auf dem Gebiet der Bildungsinformation gearbeitet.
Zur Bildungsinformation in der DDR
Die zurückliegende Nachkriegsentwicklung, die Gründung der beiden deutschen Staaten, die Zeit des "kalten Krieges" sowie die Entspannungsversuche in den 80er Jahren und vor allem die gesellschaftliche Wende 1989/90 hatten natürlich entsprechende Auswirkungen auf die Bildungsinformation.
Eine eigenständige Informationstätigkeit auf pädagogischem Gebiet begann in der DDR vor allem Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre. 1960/61 wurde die erste Ausgabe der "Bibliographie pädagogischer Veröffentlichungen in der DDR" (ab Erscheinungsjahr 1958) erarbeitet, die bis 1972 erschien. Weiterhin sind die "Referatekartei Pädagogik" sowie "Referatekartei Berufsbildung" von der Abteilung Dokumentation des Deutschen Pädagogischen Zentralinstituts (DPZI) herausgegeben worden. Der Beginn einer kontinuierlichen Dokumentation zur Hochschulbildung, Rehabilitationspädagogik sowie zur Unterrichtsmittelinformation reicht ebenfalls in die Mitte der 60er Jahre zurück. Seit 1965 bis 1989/90 ist jährlich eine Referatekartei zu pädagogischen Erfahrungsberichten der Lehrer und Erzieher (Pädagogische Lesungen genannt) erstellt und vielfältig verbreitet worden.
Aufschlußreich ist z. B. auch, daß 1966 noch eine umfangreiche gesamtdeutsche Bibliograpie pädagogischer Dissertationen und Habilitationsschriften für den Zeitraum 1945 bis 1965 von der Abteilung Dokumentation des Deutschen Pädagogischen Zentralinstituts erstellt wurde. Es wäre sicher interessant zu ermitteln, wie lange innerdeutsche Beziehungen auf unserem Fachgebiet existierten und wann der große Bruch einsetzte.
In der DDR bildete sich in diesen Jahren - ebenso wie in den alten Bundesländern - die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Informationsstellen heraus, und es gab zur Lösung übergreifender Fragen zunächst eine Arbeitsgruppe.
Seit 1966 wurde jährlich gemeinsam in einer Übersicht (Zentraler Plan pädagogischer Literaturinformation) dokumentiert, welche Informationsleistungen wer wann erarbeitet und wie diese zweckmäßigerweise nachgenutzt werden können.
In diesem Rahmen kann nur kurz auf einige Besonderheiten hingewiesen werden, um die DDR-Entwicklung und Nutzung der vorliegenden Informations- und Dokumentationsbestände besser zu verstehen. Im Bereich der Bildungsinformation der DDR gab es analog zum Bildungswesen und der Bildungsforschung vor allem drei große, selbständig arbeitende Informationsbereiche zu
- Pädagogische Wissenschaften /Volksbildung - größtes Potential am Deutschen Pädagogischen Zentralinstitut (DPZI), später Akademie der Pädagogischen Wissenschaften (APW), Berlin;
- Berufsbildung/Berufsbildungswesen - zunächst integriert im Deutschen Pädagogischen Zentralinstitut, später am Deutschen Institut bzw. Zentralinstitut für Berufsbildung (ZIB);
- Hoch- und Fachschulbildung/Hoch- und Fachschulwesen; vorerst an der Humboldt-Universität, später am Zentralinstitut für Hochschulbildung (ZHB).
Im Jahre 1969 wurde der Abteilung Dokumentation des Deutschen Pädagogischen Zentralinstituts die Funktion einer Zentralstelle für Information und Dokumentation (ZPID) übertragen, um Informationsaufgaben und Fragen der informationsmethodischen Weiterentwicklung zu koordnieren. An der Zentralstelle für pädagogische Information und Dokumentation gab es auch einen Wissenschaftlichen Beirat. Er war ein beratendes Organ beim Leiter der Zentralstelle für pädagogische Information und Dokumentation und setzte sich aus Vertretern fachlicher Einrichtungen des Informationsnetzes zusammen: Wissenschaftler und Wissenschaftsorganisatoren (nicht viele!), Dokumentare und Bibliothekare.
Zur Lösung bestimmter informationsmethodischer Aufgabenstellungen - wie z. B. Thesaurusarbeiten, EDV-Einsatz - wurden Arbeitsgruppen gebildet. Die Zusammenarbeit im Informationsnetz basierte auf dem Prinzip der Freiwilligkeit; es gab keinerlei Weisungsbefugnis seitens der Zentralstelle für pädagogische Information und Dokumentation für andere Informationsstellen. Die Bildungsinformation war eng mit Fachbibliotheken verbunden; oftmals strukturell vereinigt oder in zwei Struktureinheiten, die einem gemeinsamen Leiter unterstellt waren.
An den Universitäten und Hochschulen gab es - integriert in Hochschulbibliotheken - "Abteilungen Wissenschaftliche Information" mit ähnlichen Informationsvermittlungsaufgaben wie in den alten Bundesländern. In einzelnen Forschungsbereichen waren bestimmte Wissenschaftler mit Vermittlungsaufgaben zwischen Forschung und Informationseinrichtungen sowie Bibliotheken betraut (Informationsbeauftragte).
In den drei genannten Berliner Bildungsforschungseinrichtungen arbeiteten zahlenmäßig die meisten InformationsmitarbeiterInnen. Hier wurden umfangreiche Informationsquellen dokumentiert und Informationsmittel erstellt. Der Anteil an analytischen bzw. analytisch-synthetischen Informationen war m. E. größer als in den westdeutschen Einrichtungen. Etliche Informationsmittel sind gemeinsam mit den Wissenschaftlern erstellt oder redaktionell bearbeitet worden. Integriert in die Informationsarbeit war auch ein Übersetzungsservice, so daß sehr schnell und sachkundig von wichtigen ausländischen Literaturquellen Arbeitsübersetzungen angefertigt werden konnten. Diese sind allen Kooperationspartnern und Nutzern über die Pädagogische Zentralbibliothek zugänglich gemacht worden (auch über Fernleihe).
"Informationen für die Forschung und aus der Forschung für die Information" war ein grundlegendes Arbeitsprinzip. Daraus ist begründet, daß es umfangreiche Forschungsdokumentationen gab und auch viele unveröffentliche Materialien einbezogen und in Informationseinrichtungen verwaltet wurden: Forschungskonzeptionen, bestimmte Zwischenergebnisse, Praxisanalysen, Konferenzberichte, Auslandsdienstreiseberichte, bibliographische Themenübersichten für laufende Dissertationen zu Bildungsfragen in der DDR u. a. Die zentralen Informationsleistungen sind an alle Informationseinrichtungen und Bibliotheken kostenlos zur Verfügung gestellt worden, aber sie waren nicht käuflich zu erwerben und durften nicht in die BRD oder ins "kapitalistische Ausland" verschickt werden!
In den ca. 60 Informationseinrichtungen an einzelnen Lehr-/Forschungs- und Weiterbildungseinrichtungen (einschließlich Berufs- und Hochschulbildung) gab es sehr unterschiedliche Bedingungen; oft geringe personelle Ausstattung, manchmal wurden die Informationsaufgaben mit Bibliotheks- oder Publikationsaufgaben kombiniert. Deshalb sind hier für die zentralen Datenbanken vor allem die Quellen aufbereitet worden, die in der eigenen Einrichtung entstanden bzw. herausgegeben wurden.
Die Mehrzahl dieser Informationseinrichtungen fungierte vor allem als Informationsvermittler. Es gab aber auch einige interessante Themen- oder disziplinspezifische Dokumentationen an Hochschulen und Universitäten.
Die technische Ausstattung war in der DDR insgesamt rückständig und nicht auf der Höhe der Zeit. Obwohl seit 1972 z. B. in der Zentralstelle für pädagogische Information und Dokumentation ein Großrechner (ROBOTRON 300 -Fremdleistung in Dresden!) für die Herstellung der Pädagogik-Bibliographie eingesetzt wurde, gab es sehr große Schwierigkeiten damit und uneffektive Arbeitsweisen. Das mag mit ein Grund dafür sein, daß es uns trotz großer Bemühungen leider bis heute noch nicht gelungen ist, die aus dem Zeitraum 1973 bis 1985 noch vorhandenen Magnetbänder auf Computer les- und recherchierbar zu machen. Die gedruckten Ausgaben der Pädagogik-Bibliographien liegen vor.
Einen besseren Start gab es dann Anfang der 80er Jahre beim zentralen Speicher zur Hoch- und Fachschulbildung, aus dem nicht nur die Fachbibliographie entstand, sondern auch umfangreiche Profildienste und retrospektive Recherchen für alle interessierten Nutzer erstellt wurden. Entscheidende Fortschritte in der Bildungsinformation waren Mitte der 80er Jahre durch den Einsatz der arbeitsplatznahen Rechentechnik zu verzeichnen, obwohl die 8- und ersten 16-Bit-Computer aus der Robotron-Produktion aus heutiger Sicht mittelalterlich erscheinen.
Im Informationsnetz wurde der PC-Einsatz innerhalb der interessierten Einrichtungen gemeinsam vorbereitet, dafür das Programmsystem "Midos" ausgewählt, und danach begann ein sehr wirkungsvoller Datenaustausch per Disketten - natürlich noch ohne Online-Verbund. Es ist uns bewußt, daß über die zentralen Informationsmittel Inhalte verbreitet wurden, die in erster Linie herrschende Meinung wiedergaben, die sehr einseitig auf die Entwicklung im sogenannten sozialistischen Lager orientiert waren nach dem Motto: Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen - und viele andere Gebrechen mehr enthielten.
Aber Informations-Schriftenreihen hatten zugleich auch relativ internen Charakter (geringe Auflage, fixierte Adressaten), da war es noch eher möglich, bestimmte kritische Aussagen z. B. zur Jugendpolitik, Schul- oder Theorieentwicklung zu publizieren. Aus der Forschungsdokumentation wird sichtbar, welche Metamorphosen Forschungsergebnisse in den verschiedenen Phasen von der Entstehung über die Verteidigung in bestimmten Gremien bis hin zu Publikationen durchlaufen haben.
Zu sagen ist auch, daß gerade die Zentralstelle für pädagogische Information und Dokumentation in den 80er Jahren eine kontinuierliche und sachliche Dokumentation über die Bildungsentwicklung in der BRD erarbeitete und diese an alle Informationseinrichtungen verbreitete. Wie wir das gemacht haben, darüber wäre viel zu sagen! Informationsmitarbeiter haben und mußten sich in der DDR aus vielerlei Gründen gegenseitig helfen, Mut machen, auch mal Frust ablassen.
Zum Übergang und Neubeginn
Seit den historisch bedeutsamen Ereignissen im Oktober/November 1989 sind inzwischen genau vier Jahre vergangen. Für die meisten Ostdeutschen waren die Ereignisse im Herbst 1989 so unvorstellbar und überwältigend, daß immer wieder gefragt wurde: träume ich oder ist es Wirklichkeit, was da geschieht.
Natürlich haben wir uns mit den zunehmenden Widersprüchen auseinandergesetzt, die sich immer mehr verstärkten zwischen dem, was offizielle Politik verkündete, "schönfärbte" und was wir täglich in unseren unmittelbaren Lebensbereichen erfuhren. Im vertrauten Kreise nahmen die Diskussionen um unsere Zukunft kein Ende. In unserer Informationsarbeit übersetzten und informierten wir z. B. mit großer Anteilnahme die sowjetische Veröffentlichungen zur "Perestrojka", mußten aber feststellen, daß in unserem Lande die notwendige Erneuerung und Demokratisierung von führenden Bildungspolitikern und Wissenschaftlern nicht angenommen wurde. Im Gegenteil, es setzte eine verstärkte "Zensur" ein, und es gab sogar hin und wieder Informationsverbote für einzelne Arbeitsübersetzungen. Die meisten Ostdeutschen - zum Teil unabhängig von ihren politischen Bindungen - wollten eine Reformierung und gesellschaftliche Veränderungen. Aber vor allem gab es die Signale aus dem Land, das auch zuvor unsere Geschicke weitgehend bestimmte. So konnte die Geschichte diesen sicher einmaligen Verlauf nehmen, und wir alle sind Zeitzeugen und Beteiligte dieser Entwicklung.
Während der ersten Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs 1989/90 war unsere Arbeit vor allem darauf gerichtet, die Chance für eine Reformierung unserer Informations- und Dokumentationsarbeit zu nutzen. Mit aller Kraft haben wir uns dafür eingesetzt, um zu verändern und zu überwinden, was uns zurückliegend hemmte und verärgerte. In dieser Zeit nahmen wir auch Abschied von bisherigen Entscheidungsträgern und wählten geheim und demokratisch neue kompetente Verantwortliche.
Folgende Aufgaben hatten wir uns vorrangig gestellt:
Erstens galt es, die verhängnisvolle Verflechtung und Bevormundung der Wissenschaft vom Staats- und Parteiapparat zu beseitigen. So ein Negativ-Beispiel machtpolitischer Entscheidung war uns allen noch gegenwärtig. Wir hatten ein Papier für die Informationsarbeit ausgearbeitet, das klarer und verbindlicher Fragen der Bildungsdokumentation sowie der Zusammenarbeit im Bildungsbereich insgesamt regeln sollte. Die Arbeitsgruppe hatte eine fachlich gute Arbeit geleistet und mit allen Beteiligten Lösungen abgestimmt. Dann folgte aber die autoritäre Entscheidung der Frau Minister und unsere ganze Arbeit war umsonst.
Zweitens galt es, dem internationalen Charakter der Wissenschaft und Information besser gerecht zu werden und jegliche Einschränkungen im Zugang zu Informationen sowie bei der Verbreitung neuer Wissenschafts- und Informationsergebnisse aufzuheben. Das bedeutete auch, bestimmte Informationsprivilegien zu beseitigen. Nicht "kaderpolitische Kriterien", sondern Fach-und Sachkompetenz sollten z. B. künftig die Teilnahme am internationalen wissenschaftlichen Leben bestimmen.
Drittens kam es analog auf eine Erneuerung der Informationsinhalte und ihrer Darbietungsformen an. In dieser Umbruchphase gelang es uns z. B., vielfältige Vorschläge zur Erneuerung und Reformierung des Bildungswesens oder bildungspolitische Aktivitäten der verschiedenen Parteien, gesellschaftlichen Kräfte und breiten Öffentlichkeit mitten aus dem pulsierenden Leben über die Kanäle der Bildungsinformation zu verbreiten. Dazu dienten Schriftenreihen wie "Neu", "Bildungswesen Aktuell" u. a.
Gemeinsam mit den Wissenschaftlern sind auch die umfangreichen Vorschläge aus breiten Kreisen der Gesellschaft zur Reformierung der Abiturstufe computergestützt aufbereitet und in Form einer Faktendokumentation verfügbar gemacht worden.
Viertens wollten wir moderne Informations- und Kommunikationstechnik komplexer, abgestimmter einsetzen und verbesserte Arbeitstechnologien aufbauen: vom Entstehen der Wissenschaftsergebnisse mit den Wissenschaftlern auf Diskette über Druck und Verlage, Informationseinrichtungen und Bibliotheken, einschließlich moderner Informations-Darbietungsformen. Darin sahen wir notwendige Ansätze, um aktueller und ökonomischer informieren zu können.
Es war zunächst eine recht produktive Zeit, in der interessante Vorschläge entstanden und auch neue Wege partiell erprobt werden konnten. Bestimmend für diese Phase war auch, daß wir Ostdeutschen uns voller Freude, Neugier und Zuversicht auf den Weg gemacht haben, um unsere westberliner und westdeutschen Fachkollegen kennenzulernen. Es war schon ein kaum beschreibliches Gefühl, den Fachkollegen persönlich gegenüberzustehen, die im anderen Teil Deutschlands zum Teil die gleiche Arbeit verrichteten. Über dreißig Jahre waren wir durch den "Eisernen Vorhang" voneinander getrennt! Als normal sterbliche berufstätige DDR-Bürger durften wir das "kapitalistische Ausland" (in diese Kategorie wurde in der Informationsarbeit auch die BRD eingeordnet) nicht betreten oder fachliche Kontakte pflegen. Das haben wir letztlich irgendwie in Kauf genommen - wenn auch an einigen Stellen mit Aufbegehren - aber doch über uns ergehen lassen.
In Verbindung mit dem ersten möglichen Besuch der "Infobase" 1990 in Frankfurt am Main führte unser Weg direkt an das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung. Wir fanden schnell dahingehend Übereinstimmung, daß keine Zeit für Berührungsängste und lange Reden war, sondern die Gelegenheit für gemeinsame Informationsleistungen genutzt werden sollte. So entstand ab Mitte 1991 bis heute die "Zeitungsdokumentation Bildungswesen" mit einem angereicherten Teil zur Bildungsentwicklung in den ostdeutschen Ländern, später mit dem Versuch GUS/ Rußland. Ende 1991 erarbeiteten wir mit vereinten Kräften und Sprachkenntnissen eine Probeausgabe von "Bildung in Europa". Obwohl dabei in West- und Ostdeutschland unterschiedliche Software eingesetzt wurde, gab es bezüglich der rechentechnischen Verarbeitung keine nennenswerten Konvertierungsprobleme.
Ein weiteres Ereignis in diesem Abschnitt deutscher Informationsgeschichte war der erste und letzte deutsch-deutsche Dokumentartag 1990 in Fulda. Für uns Ostdeutsche gestaltete er sich als erste Begegnungsstätte mit vielen neuen Fachkollegen. Natürlich waren wir gespannt auf den westdeutschen theoretischen Erkenntnisstand aus erster Hand; denn auch bei uns fanden im zweijährigen Abstand in Oberhof Informationskolloquien statt. Bis in die Nachtstunden hinein gab es fachliche, persönliche und vor allem politische Gespräche.
Fulda verließen wir ostdeutschen Fachkollegen mit vielen Eindrücken und einer großen Verpflichtung: Es gilt alles zu tun, damit vorhandenes aufbereitetes Wissen in den Wissenschafts- und Informationseinrichtungen der DDR nicht verlorengeht in der Hast des Umbruchs bzw. der "Abwicklung" gesellschaftswissenschaftlicher Einrichtungen. Wie groß die Gefahr war, hat die Folgezeit bestätigt.
Wir meinen hierzu: Dokumentare oder Informationsfachkräfte können ihre Arbeit nicht nur als Vermittler aktueller Informationen verstehen. Sie tragen zugleich Verantwortung für die Geschichte des Fachbereiches, für den sie inhaltlich tätig sind, aber auch für ihre eigene Informations- und Dokumentationsgeschichte. Unsere Aufgabe besteht darin, die gesellschaftliche Entwicklung so aufzuzeigen und zu reproduzieren, wie sie ist: in ihrer Vielfalt und Widersprüchlichkeit. Wenn ein politisches System zusammenbricht, darf nicht zugleich die Dokumentation zusammenbrechen oder gar vernichtet werden!
Wie sollte eine möglichst objektive geschichtliche Aufarbeitung und Bewertung erfolgen können, wenn wichtige Erkenntnisgrundlagen fehlen?
Dieser moralische Anspruch bestimmte auch in der darauffolgenden Zeit 1991 bis 1993 unser Handeln. Aber dabei erging es uns keinesfalls gut. Als uns am 19. Dezember 1990 mitgeteilt wurde, daß die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften und auch die Zentralstelle für pädagogische Information und Dokumentation zum 31. Dezember 1990 "abgewickelt", alle Mitarbeiter in den sogenannten "Wartestand" geschickt werden und ab 1. Januar 1991 die Einrichtung nicht mehr betreten dürfen, da war das ein sehr schmerzhaftes Urteil, nicht nur für die Wissenschaftler, sondern auch für die Dokumentalisten. Was in diesen Tagen an gesellschaftlichem Wissen und materiellen Werten vernichtet und in alle Winde zerstreut wurde! Darunter waren auch interessante Spezialdokumentationen in einzelnen Wissenschaftsbereichen, von denen wir nur einige "retten" konnten.
Heute, nach knapp drei Jahren, ist zu sagen, daß "trotz alledem" wesentliche Erkenntnisgrundlagen in Form von Bibliotheks-, Informations- und Dokumentationsbeständen über diesen zurückliegenden Zeitabschnitt deutscher Bildungsgeschichte bewahrt werden konnten. Dabei beziehen sich meine Aussagen vor allem auf die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften und das Zentralinstitut für Hochschulbildung.
Zum einen ist das den Aktivitäten des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft zu danken. Zunächst konnten durch Übergangsfinanzierungen die Bestände der großen Fachbibliotheken (einschließlich des Archivs der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften) gesichert werden. Zum anderen berief die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung Anfang 1991 eine Fachkommission ein, durch die einige Informationseinrichtungen und Bibliotheken der DDR evaluiert und eine Neuordnung der Servicebereiche für die Forschung unter neuer gesamtdeutscher Sicht angestrebt wurde. Aus dem Bildungsbereich waren nur die ehemalige Pädagogische Zentralbibliothek und Zentralstelle für pädagogische Information und Dokumentation einbezogen. Sie haben eine positive Evaluierung erfahren.
Auf den genannten Beratungen wurden gewichtige Beschlüsse für die Entwicklung der Bildungsinformation vorbereitet und später vom Wissenschaftsrat und der Bundesregierung bzw. ausgewählten Länderregierungen sanktioniert. In diesem Zusammenhang ist dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt am Main die Aufgabe übertragen worden, die Bibliotheks- sowie Informations- und Datenbestände der Pädagogischen Zentralbibliothek und der Zentralstelle für pädagogische Information und Dokumentation zu verwalten und bestimmte Aufgaben dieser ostdeutschen Einrichtungen in einer Außenstelle in Berlin fortzuführen - gemäß dem Charakter der "Blauen-Liste"-institute. Dafür wurde ein entsprechendes personelles und finanzielles Potential ab 1992 bereitgestellt.
Daß die Umsetzung dieser Beschlüsse zur Information und Dokumentation mit zahlreichen Wirren und zähem Kampf verbunden war, wird auf einem anderen Blatt der Geschichte der Bildungsinformation zu lesen sein.
Wenn Entscheidendes an Informationsergebnissen bewahrt werden konnte, ist das nicht zuletzt auch dem großen persönlichen Engagement und Einsatz ostdeutscher FachkollegInnen zu danken. Sie haben alle ihre Ergebnisse sichergestellt, weder Hausverbote noch Arbeitslosigkeit gescheut und in der Zeit von 1991 bis 1993 fünf Umzüge in Berlin eigenhändig mit den Ergebnissen 35-jähriger Informationsarbeit bewerkstelligen müssen, weil sich in dieser Übergangszeit zwischen "Wartestand", erfolgter Evaluierung und Neubeginn keiner richtig für sie zuständig fühlte. Der Humboldt-Universität, dem Institut für Allgemeine Pädagogik, haben wir zu danken, daß sie uns zu einem ABM-Projekt verhalf und zeitweise Asyl in ihren Räumen gewährte.
Unter sehr widrigen Arbeitsbedingungen haben wir in dieser Zeit ca. 17.000 Nachweise für die Zeitungsdokumentation zuverlässig dokumentiert, rechentechnisch aufbereitet und zahlreiche Rechercheaufträge aus den vorliegenden Datenbeständen bearbeitet. Es gelang uns auch, die bereits "abgeschriebene" umfangreiche Datenbank zur Hochschulbildung, die für den Zeitraum 1980 bis 1990 über 60.000 Nachweise zu Hochschulbildung/Hochschulwesen mit hoher internationaler Repräsentanz verzeichnet, doch noch zu retten und erstmalig auf Disketten recherchierbar zu machen (PS und Großrechner waren schon abgebaut). Dabei konnten wir uns bei ehemaligen Kollegen fachlichen Rat holen.
In der Anlage befindet sich eine Übersicht, aus der zu entnehmen ist, was künftig recherchierbar sein wird und in welchen Bibliotheken bzw. Informationseinrichtungen die entsprechenden Quellen verfügbar sein werden.
Für die Projektgruppe Hochschulforschung in Berlin, die die genannte Datenbank Hochschulbildung verwaltet, und ihre interessante Bibliothek bleibt zu wünschen, daß sie eine gesicherte Zukunft erhalten werden.
Originalgetreu erhalten und archiviert liegt aus der etwa 35-jährigen Geschichte der pädagogischen Information und Dokumentation in der DDR vor:
- informationsmethodische Grundlagen (Klassifikationen, Thesauri, Erfassungsvorschriften, diverse Materialien) zum einheitlichen Vorgehen sowie konzeptionelle Arbeiten,
- statistische Angaben zu den Leistungen im Informationsnetz,
- wissenschaftliche Arbeiten (Dissertationen, Diplomarbeiten, Publikationen u. a.).
In diesen Unterlagen werden Licht- und Schattenseiten dieses historischen Abschnitts ostdeutscher Bildungsinformation abgebildet, vor allem der Zentralstelle für pädagogische Information und Dokumentation.
Wir werden als Ostdeutsche oft befragt: Warum habt Ihr zugelassen und durch Euer eigenes Tun befördert, daß sich so ein diktatorisches System in Eurem Teil Deutschlands herausbilden konnte? Darauf ist nicht mit einem Satz zu antworten. Die bestimmenden Ausgangspunkte sind bereits benannt worden. Hineingeboren in dieses Zwei-Welten-System, in die Zeit des "kalten Krieges" wuchsen wir fast ausschließlich mit der einen Ideologie auf. Aber wir haben uns auch nicht genügend gewehrt, uns einer falschen Disziplin unterworfen und sicher erst sehr spät erkannt, daß wir um unsere Ideale von einem neuen, besseren Deutschland betrogen wurden.
Manches wollten wir uns auch selbst nicht eingestehen - Ideale machen auch blind. Nicht immer war uns bewußt, daß unser Mittun oder Stillschweigen förderlich war für diese Entwicklung. Bei vielen meiner ostdeutschen Landsleute herrscht große Betroffenheit. Von den meisten ist aber zu sagen, daß sie diese Zeit und ihre Vergangenheit nicht verleugnen wollen und wir uns unserer Mitschuld nicht entziehen möchten.
Solch ein gewaltiger Umbruch, wie wir ihn gegenwärtig im östlichen Teil unseres Landes erleben und der noch keinesfalls abgeschlossen ist, bedarf nicht nur einer umfassenden gesellschaftlichen, sondern zugleich auch einer tiefgreifenden individuellen Analyse und Verarbeitung. Nicht hastige Wendungen, erneute blinde Anpassung, materielle Disziplinierung oder "Berufsverbote" in diesem Ausmaß werden dabei hilfreich sein. Ehrliche, eigene Selbstbestimmung, das Ordnen und Aufdecken von Zusammenhängen aus neuer Sicht sind zu bewältigen und vor allem neue eigene Bewertungsmaßstäbe sind in uns im Entstehen.
Es ist sehr hilfreich, wenn offen miteinander über diese unterschiedliche deutsche Entwicklung geredet werden kann. Manchmal ist mit Erschrecken festzustellen, wie wenig wir Deutschen eigentlich voneinander wissen. Klischees und Vorurteile, ja manchmal sogar Ignoranz erschweren das notwendige produktive Miteinander.
Unsere Erfahrungen hier in Frankfurt belegen, daß es zugleich auch Gemeinsames gibt, gerade in unserer fachlichen Arbeit. Wir werden auch heute schon gemeinsam - Ost- und Westdeutsche - von unseren nachfolgenden Generationen und von unseren Nachbarn befragt: Wie habt Ihr diese geschichtlich einmalige Chance für einen Neubeginn in Deutschland genutzt? Z. B. auch in Eurer fachlichen Arbeit? Einiges dazu ist gesagt.
Die im Rahmen des Modellversuchs FIS Bildung 1991 erstellte Bestandsaufnahme weist einen erschreckenden Kahlschlag an Informationskapazität an Ostberliner und ostdeutschen Lehr- und Bildungsforschungseinrichtungen auf. Dies bedarf einer Erklärung und kann nicht einfach stillschweigend hingenommen werden.
Was ist aus weiteren erhaltenswerten ostdeutschen Dokumentationen bzw. Informationsspeichern geworden? Z. B. zur Rehabilitationspädagogik oder Fremdsprachenmethodik an Fachbereichen der Humboldt-Universität oder zu Fragen der Differenzierung in der Bildungs- und Erziehungsarbeit an der Pädagogischen Hochschule Güstrow?
Wie steht es um das Schicksal fachlich versierter ostdeutscher Fachkollegen? Zu viele befinden sich in Arbeitslosigkeit oder konnten heute nicht dabei sein, weil das Geld nicht vorhanden ist. Vertreter aus nur vier ostdeutschen Bildungseinrichtungen sind auf unserer 1. Fachtagung anwesend. Das ist zu wenig!
Wir dürfen nicht zulassen, daß die gegenwärtigen Finanzprobleme und der Rotstift gerade in den Einrichtungen im Mittelbau der Universitäten und Hochschulen und Landesinstitute so krasse Auswirkungen haben. Nicht in den alten und erst recht nicht in den neuen Bundesländern, weil hier in besonderer Weise Informations- und Erkenntnistransfer befördert werden muß und weil für unsere gemeinsame geschichtliche Entwicklung Notwendiges zu bewahren und aufzuarbeiten ist.
Mit diesem Appell möchte ich schließen.
Anschrift der Verfasserin:
Dr. Rosemarie Kohls
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung
Postfach 90 02 80
60442 Frankfurt/Main
Tel.: (069) 24 702-330
Fax: (069) 24 702-322
Bernd Christopher
Die
Literaturdokumentation
im Bundesinstitut für Berufsbildung
Entwicklung, Aufgaben, Probleme
Die Aufgabe der Literaturdokumentation ist im Gesamtrahmen der Aufgaben, die das Bundesinstitut auf der Grundlage seines gesetzlichen Auftrages wahrnimmt, zu sehen. Deshalb sei hier nur aspektartig auf einige dieser Punkte hingewiesen.
Die heutige Rechtsgrundlage des Bundesinstituts für Berufsbildung, 1970 in Folge des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) gegründet, ist das Berufsbildungsförderungsgesetz (BerBiFG). Zu seinem gesellschaftlichen Auftrag gehört neben der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der betrieblichen beruflichen Bildung auch die Wahrnehmung von Dienstleistungs- und Beratungsfunktionen gegenüber der Bundesregierung und der Berufsbildungspraxis.
Die überaus differenzierten organisatorischen Formen des beruflichen Bildungswesens in der Bundesrepublik bedingen auch einen umfangreichen Adressatenkreis, der an den Arbeitsergebnissen des Bundesinstituts interessiert ist. Es sind vor allem
- die Planungspraxis der beruflichen Bildung (Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Gewerkschaften, Fachverbände, zuständige Stellen, Ministerien in Bund und Ländern),
- die Durchführungspraxis der beruflichen Bildung (Betriebs- und Unternehmensleitungen, Ausbilder, Auszubildende, Weiterbildungsteilnehmer, Betriebs- und Personalräte sowie Berufsschullehrer).
Die vielfältigen Aufgabenstellungen werden in sechs Hauptabteilungen bearbeitet. Hinzu kommen weitere Abteilungen, die Querschnittsaufgaben wahrnehmen, um z. B. Arbeitsergebnisse des Bundesinstituts in der Öffentlichkeit zu präsentieren (Pressereferat, Referat Veröffentlichungswesen) oder die vorwiegend interne Dienstleistungsfunktionen ausüben, wie das Referat K4 "Informationsvermittlung, Dokumentation, Bibliothek".
Die vom Referat K4 wahrgenommene Aufgabe der Literaturdokumentation weist neben der internen Funktion auch einen externen Aspekt auf; gilt es doch neben der Bereitstellung von aktuellen Literaturinformationen für die Forschung im eigenen Haus auch den Bedarf weiterer Adressaten außerhalb des Bundesinstituts zu befriedigen.
1. Die Entwicklung der
Literaturdokumentation
in den 70er und 80er Jahren
Das BBiG von 1969 enthielt eine Aufgabenstellung zur Arbeit auf dem Gebiet der Literaturdokumentation. Dieser gesetzliche Auftrag war die Grundlage, daß von Beginn der Tätigkeit des Bundesinstituts an eine systematische Literaturdokumentation vorgenommen wurde. Ausdruck dafür ist der seit mehr als zwanzig Jahren erscheinende gedruckte Informationsdienst "Literaturinformationen zur beruflichen Bildung", der das Ergebnis einer systematischen Literaturauswertung auf dem Gebiet der Berufsbildung und für die Berufsbildungsforschung interessanter Randgebiete ist.
In die Anfangsphase fielen eine Reihe von methodischen Arbeiten, die für die inhaltliche Gestaltung der Dokumentationsarbeit bedeutsam war. Es wurden ein Thesaurus Berufsbildung und methodische Regeln zur bibliographischen Erfassung sowie zur inhaltlichen Erschließung erarbeitet. Relativ frühzeitig wurde durch die Zusammenarbeit mit dem Rechenzentrum der Universitätsbibliothek der TU Berlin auch eine rechnergestützte Erarbeitung des gedruckten Informationsdienstes ermöglicht. Leider gelang es im gesamten Zeitraum der Zusammenarbeit mit der TU Berlin, die erst 1992 endete, nicht, den vorhandenen Datenfonds in einen rechnergestützten Auskunftsdienst einzubinden. Gegenwärtig stehen nur noch die Daten der Literaturauswertung ab 1986 für eine weitere Nutzung zur Verfügung.
Obwohl der Informationsdienst regelmäßig erschien, vollzog sich die Informations- und Dokumentationsarbeit nicht gleichermaßen kontinuierlich. Die Dokumentation wurde in den 70er und 80er Jahren verschiedenen Fachabteilungen zugeordnet, und die anfänglich gute Personalausstattung entwickelte sich rückläufig. Durch die Reduzierung des Personals konnte Mitte der 80er Jahre nur eine relativ eng begrenzte Literaturüberwachung und -auswertung entsprechend der Aufgabenstellungen des Bundesinstituts durchgeführt werden. Es wurden zwar Einzelanfragen mit den traditionell vorhandenen Mitteln beantwortet, aber eine zielgerichtete Informationsarbeit zur Unterstützung der Forschung im eigenen Hause war nicht möglich.
So wurde bei der 1985/86 durchgeführten Evaluierung des Bundesinstituts die Situation auf dem Gebiet der Dokumentation wie folgt eingeschätzt: "Die Forschungsarbeit im BIBB leidet unter der unzulänglichen Unterstützung durch zentrale Dienste. Es fehlt eine moderne, wissenschaftlichen Ansprüchen entsprechende Dokumentation..."
2. Die Entwicklungen der
Literaturdokumentation
nach der Gründung des Berufsbildungsforschungsnetzes
Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz setzte für die Literaturdokumentation auf dem Gebiet des Berufsbildungswesens ein neues Zeichen. Die Gründungsmitglieder setzten sich von Anfang an für die Entwicklung einer Literaturdokumentation ein, die umfassend und systematisch aufgebaut und aktuell relevante Literatur für einen breiten Nutzerkreis nachweist.
Um mögliche Konzepte und Organisationsformen für eine Literaturdokumentation zu entwickeln, sollte zunächst die Ist-Situation auf dem Gebiet der Literaturdokumentation für die berufliche Bildung in der Bundesrepublik untersucht werden. So wurde im Zeitraum 1992/93 eine durch die Gründungsmitglieder der Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz in Auftrag gegebene und durch das BMBW geförderte Expertise "Literaturdokumentation Berufliche Bildung" durch Herrn Prof. Dr. Diepold und Herrn Dr. Ziegler erarbeitet. Die Erarbeitung der Expertise wurde durch eine Expertengruppe unterstützt, in der auch das Bundesinstitut für Berufsbildung mitwirkte. Sowohl von der Arbeit an der Expertise als auch an dem nachfolgenden Projekt der "Einrichtungsphase für eine Literaturdokumentation Berufliche Bildung", gingen positive Impulse für die Organisation und den Inhalt der Informations- und Dokumentationsarbeit im Bundesinstitut aus.
Bereits vor der Gründung des Berufsbildungsforschungsnetzes im Juni 1991 wurden vom Bundesinstitut und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Gespräche zur Kooperation auf dem Gebiet der Literaturdokumentation aufgenommen. Sie wurden durch die von der Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz ausgelösten Aktivitäten unterstützt.
Die ersten Ansätze zum Aufbau der Kooperationsbeziehungen auf diesem Gebiet reichen bis in den Zeitraum Ende der 70er Jahre zurück. Es gelang aber nicht, ein tragfähiges Konzept der Kooperation zu entwickeln. Das war umso bedauerlicher, da die an beiden Institutionen bearbeiteten Forschungsgegenständen eine ganze Reihe enger inhaltlicher Berührungspunkte aufweisen, die z. B. eine koordinierte und kooperative Literaturauswertung durchaus sinnvoll erscheinen lassen. Bei der Realisierung von Forschungsaufgaben wurde diese Kooperation schon seit Jahren erfolgreich praktiziert. Die Anfang 1991 begonnenen Gespräche, die seit dieser Zeit kontinuierlich weitergeführt wurden, brachten bisher insgesamt folgende Ergebnisse:
2. Die inhaltliche Erschließung der Literatur wird seit dem 01.01.1993 nach den gleichen Kriterien wie beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vorgenommen. D.h. unter anderem eine vertiefende inhaltliche Erschließung der Literatur, die vor allen Dingen dem Nutzer bei Recherchen zugute kommt. Die Anfertigung von Referaten für Monographien, deren Anteil bei der Auswertung wesentlich erhöht wurde, ist auf Kernzeitschriften für die Berufsausbildung erweitert worden.
3. In gemeinsamen Diskussionen wurde der Schlagwortbestand des Thesaurus Berufsbildung des Bundesinstituts mit der Schlagwortliste Arbeitsmarkt und Beruf des IAB abgeglichen. Somit steht zu Fragen der Arbeitsmarkt-, Berufs- und Berufsbildungsforschung ein gemeinsames Arbeitsinstrument für die Verschlagwortung und Recherche zur Verfügung. Diese gemeinsame Schlagwortliste befindet sich zur Zeit in der Erprobung und soll Anfang 1994 in einer Neuauflage als gemeinsame Publikation erscheinen.
4. Um Synergieeffekte auf dem Gebiet der Literaturauswertung zu nutzen, werden die Ergebnisse der Literaturauswertung der hauseigenen Publikationen ausgetauscht und somit Doppelarbeiten vermieden.
5. Die Erfassung der Daten wird jetzt im Bereich der Dokumentation direkt mit Hilfe des Softwareprogramms Allegro am Rechner vorgenommen. Für den Datenaustausch mit dem IAB, der zur Zeit per Diskette erfolgt, existiert ein Umsetzungsprogramm zum Großrechner.
6. Aus den Datenbeständen vom Bundesinstitut und dem IAB wurden zum Fachkongreß des BIBB 1992 Fachdokumentationen zu den Foren "Die neuen kaufmännischen Berufe (Büro, Handel, Banken und Versicherungen)" sowie "Umweltschutz in der beruflichen Bildung" erarbeitet. Damit wurde erstmals nach vielen Jahren von der Dokumentation des Bundesinstituts auch wieder ein auf einen inhaltlichen Forschungsgegenstand ausgerichtetes Dokumentationsmaterial vorgelegt.
Gleichzeitig wurden im BIBB die inhaltlichen Schwerpunkte der Literaturauswertung diskutiert. Die Auswertung der Literatur erfaßt jetzt Quellen zu folgenden Schwerpunkten:
- Berufsbildungspolitik und -recht,
- berufspädagogische Forschung,
- Finanzierung, Planung und Statistik der Berufsbildung,
- Berufs- und Qualifikationsforschung,
- Ausbildungsordnungsforschung,
- berufliche Erwachsenenbildung, einschl. Fernunterricht,
- Didaktik und Methodik der Berufsbildung,
- Medienentwicklung und -didaktik,
- Personal in der beruflichen Bildung,
- Behinderte und Benachteiligte in der Berufsbildung,
- Zusammenhänge zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem,
- international vergleichende Berufsbildungsforschung.
Als ein erstes Ergebnis der Arbeit insgesamt erscheinen die vom Bundesinstitut herausgegebenen "Literaturinformationen zur beruflichen Bildung" neben einem veränderten Layout auch mit einem verbesserten Inhalt. In sie fließt die Auswertung von Monographien und grauer Literatur sowie von 250 (im Schwerpunkt deutschsprachige) Zeitschriften ein. Neben der Steigerung des Auswertungsumfangs durch die Zunahme der Auswertungen bei Monographien und Sammelbänden werden die Dokumentennachweise verstärkt mit Referaten versehen. Für rechnergestützte Recherchen wird der Inhalt der Literaturquellen zusätzlich nach weiteren Gesichtspunkten systematisch erschlossen.
Die Ausrüstung mit APC begann in der Dokumentation erst 1993, so daß z.Z. Recherchen nur mit traditionellen Mitteln möglich sind. Durch die Kooperation mit dem IAB besteht aber durch die Nutzung der dort vorhandenen Technik die Möglichkeit, in den Datenbeständen der Literaturinformationen zur beruflichen Bildung ab 1986 zu recherchieren.
Es laufen die Vorbereitungen, mit Hilfe der BIBBMAIL-Box einen Zugang zu den Datenbanken des IAB zu schaffen. Gleichzeitig wird geprüft, wie die BIBBMAIL-Box zu einem späteren Zeitpunkt als eine von mehreren Möglichkeiten genutzt werden kann, eine am BIBB bestehende Literaturdatenbank Berufliche Bildung der Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen.
3. Die weiteren Aufgaben für
den Aufbau
der Literaturdokumentation Berufliche Bildung
Die Entwicklung der Literaturdokumentation im Bundesinstitut in den kommenden Jahren orientiert sich an den Empfehlungen und Realisierungsschritten, die die bereits erwähnte Expertise vorschlägt.
Anläßlich des ersten Forums des Berufsbildungsforschungsnetzes im Februar 1993 in Oldenburg erklärte der stellvertretende Generalsekretär des Bundesinstituts, Herr Dr. Pütz, daß das Bundesinstitut generell bereit ist, den Aufbau und die Koordination der Aufgaben für eine Literaturdokumentation Berufliche Bildung zu übernehmen. Damit wurde eine wichtige Entscheidung getroffen und einer der Empfehlungen der Expertise gefolgt, die auf der Grundlage eines Kooperationsverbundes für die Literaturauswertung die Schaffung einer Leitstelle für die Koordinierung der Arbeiten am Bundesinstitut vorsieht.
In dem bis zum März 1994 auslaufenden Projekt der "Einrichtungsphase" werden einige wichtige Vorarbeiten für das Gesamtvorhaben geleistet. Erwähnt seien hier die Grundsätze für die zukünftige gemeinsame Literaturauswertung, für die aber noch konkrete Festlegungen der Verantwortlichkeiten für eine kooperative und koordinierte Zusammenarbeit auf diesem Gebiet getroffen werden müssen, die Abstimmung einer gemeinsamen Schlagwortliste der am zukünftigen Kooperationsverbund beteiligten Einrichtungen für die Literaturdatenbank Berufliche Bildung und der Aufbau einer Testdatenbank, um Fragen der Kompatibilität unterschiedlicher Zulieferungen zufriedenstellend lösen zu können.
Die vollständige Übernahme der Arbeiten für eine Literaturdokumentation Berufliche Bildung bringt eine Reihe von zusätzlichen Aufgaben für den Bereich der Dokumentation des Bundesinstituts mit sich, denen er z.Z. nicht gewachsen ist. Dazu gehören:
- der Aufbau einer retrospektiven Literaturdatenbank und die Führung der Literaturdatenbank unter Einbeziehung von Auswertungsergebnissen der Kooperationspartner,
- die Bereitstellung einer rechnergestützten Literaturdatenbank mit einem entsprechenden internen und externen Datenbankservice und
- die Wahrnehmung vielfältiger Möglichkeiten der Informationsvermittlung.
Deshalb ist die Realisierung der Literaturdatenbank Berufliche Bildung an zwei Voraussetzungen geknüpft:
2. Am Bundesinstitut müssen durch eine personelle Verstärkung im Bereich der Dokumentation die bereits bestehenden tragfähigen Ansätze auf dem Gebiet der Literaturdokumentation entsprechend der Zielstellung des Gesamtkonzeptes ausgebaut werden.
Beide genannten Punkte befinden sich z.Z. in der Entscheidungsphase, so daß 1994/95 das durch das Berufsbildungsforschungsnetz initiierte Vorhaben der Schaffung einer Literaturdatenbank Berufliche Bildung verwirklicht werden kann.
Anschrift des Verfassers:
Dr. Bernd Christopher
Referat K4 "Informationsvermittlung, Dokumentation,
Bibliothek"
Bundesinstitut für Berufsbildung
Fehrbelliner Platz 3
10707 Berlin
Tel. (030) 86 432-230
Fax: (040) 80 432-607
Heinz Ziegler
Literaturdokumentation Berufliche Bildung
Ziele und
Fortschritte
eines vom BMBW geförderten Projekts
1
Die Berufsbildung steht gegenwärtig vor ungewöhnlichen Herausforderungen. Die notwendigen Anstrengungen zur Sicherung des Standorts Deutschland treffen nicht zuletzt auch die Berufsbildung. Wer Berufsbildung gestalten will, ist auf das Vorhandensein einer fundierten Informations- und Dokumentationsbasis angewiesen. Diese jedoch bietet ein ebenso unübersichtlich-vielgestaltiges und zersplittertes Bild wie die Praxis der beruflichen Bildung selbst. Deshalb setzt sich die 1991 gegründete Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz nachhaltig für den Aufbau einer umfassenden, systematisch aufgebauten und aktuell gehaltenen Literaturdokumentation Berufliche Bildung ein. Um - als einen ersten Schritt - die Ist-Situation zu erheben und mögliche Konzepte und Organisationsformen zu entwickeln, beantragte einer der Gründer der Arbeitsgemeinschaft, die Kommission Berufs- und Wirtschaftspädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, beim Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft die finanzielle Förderung eines solchen Expertisenprojekts.
Die in ständigem Kontakt mit dem Modellversuch FIS Bildung erstellte Expertise wurde im Frühjahr 1993 veröffentlicht. Neben einer Bestandsaufnahme werden Gestaltungsvorschläge einer Literaturdokumentation Berufliche Bildung und Probleme einer Literaturdatenbank diskutiert. Die Expertise mündet in prinzipielle Empfehlungen sowie Vorschläge für Realisierungsschritte.
Durch die aktive Beteiligung einer Reihe von Institutionen und die weitere Unterstützung des BMBW wurde es möglich, mit der praktischen Umsetzung der konzeptionellen Vorschläge zu beginnen. Über einige Ergebnisse und die geplanten weiteren Schritte wird im folgenden berichtet.
2
Die Bestandsaufnahme der Expertise kommt unter anderem zu folgenden Aussagen:
Das Kernstück einer Dokumentation sind heute Datenbanken, in denen Dokumentationsergebnisse gespeichert sind. Zu einer komplexen Dokumentation zur beruflichen Bildung gehören vor allem Forschungsdatenbanken, Literaturdatenbanken, Mediendatenbanken und Datenbanken von Bildungsangeboten. Die Expertise konzentriert sich auf Literaturdokumentation und Literaturdatenbanken.
Gegenstand der Literaturdokumentation Berufliche Bildung ist alle Fachliteratur mit Bezug zur beruflichen Bildung - von der beruflichen Grundbildung bis zur beruflichen Weiterbildung, sowohl die schulische als auch die betriebliche Komponente der Aus- und Weiterbildung einschließend - sowie Fragen der Qualifikationsverwertung, wie sie insbesondere in der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung behandelt werden. Nicht eingeschlossen sind Lehrbücher und andere Unterrichtsmaterialien; sie sind den Medienbanken zugeordnet.
Fast 30 Informations- und Dokumentations-Stellen geben an, Literatur zur beruflichen Bildung zu dokumentieren. In vielen Fällen geschieht die Dokumentation jedoch unter so stark einschränkenden Vorgaben und Bedingungen, daß eine breitere oder öffentliche oder kooperative Nutzung der Dokumentationsergebnisse nicht möglich oder uninteressant ist.
Nur einige wenige Einrichtungen sind es, die - wenn auch mit großen Unterschieden hinsichtlich Art und Tiefe der Erschließung - in nennenswertem Umfang, langfristig orientiert, kontinuierlich und zuverlässig - Literatur zur beruflichen Bildung erfassen, erschließen und auf Computern unterschiedlicher Größe Datenbanken aufbauen. Dabei ist die berufliche Bildung - ausgenommen die Datenbasis beim Bundesinstitut für Berufsbildung - immer nur Teil einer inhaltlich breiter definierten Datenbank. Zu diesen Einrichtungen gehören:
- das Bundesinstitut für Berufsbildung, Berlin,
- das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg,
- das Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest,
- die Pädagogische Arbeitsstelle des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, Frankfurt am Main,
- das Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung, München.
Einige weitere Institutionen dokumentieren im Rahmen ihrer Hauptthematik spezielle Sektoren aus dem Literaturaufkommen mit Bezug zur beruflichen Bildung. Auch einige kommerzielle Datenbanken sowie einige laufend erscheinende Verlagspublikationen erfassen Teile der Literatur zur beruflichen Bildung.
Eine weitere Gruppe von Datenbanken umfaßt solche, die zu relativ scharf abgegrenzten (zumeist pädagogischen) Gebieten Literatur möglichst vollständig nachweisen und dabei auch die entsprechende auf berufliche Bildung bezogene Literatur einschließen (wie Fernstudium/Fernunterricht, Fremdsprachenunterricht, Mathematikdidaktik, Psychologie).
Schließlich bleiben Datenbanken (und laufende Verlagsprodukte) zu nennen, die spezielle Dokumentenarten nachweisen und dabei thematisch auch berufliche Bildung einschließen. Hierzu gehören vor allem Legalia und Parlamentaria.
3
Zusammenfassend zeigt der Blick auf das Feld der Literaturdokumentation zur beruflichen Bildung etwa folgendes Bild:
Viele Institutionen sind auf diesem Feld tätig. Ihre Aktivitäten, Zuständigkeiten, Überschneidungen, Abgrenzungen und Leistungsangebote sind für Benutzer und andere Informationsstellen kaum überschaubar. Bedeutende qualitative Unterschiede sind bei der Dokumentenerschließung (vor allem hinsichtlich Indexierung und Referierung), bei den Bereitstellungsformen der Datenbasis sowie bezüglich der Informationsleistungen zu erkennen. Es fehlt eine Einrichtung, die die (Informations- und) Dokumentationsaktivitäten für den Bereich Berufliche Bildung koordiniert oder auch nur umfassend auskunftsfähig dazu ist. Bei dieser Gesamtlage findet ein Nutzer (oder eine andere Informations- und Dokumentations-Einrichtung) nur schwer schnellen und verläßlichen Zugang zur Gesamtheit der verfügbaren Informationen.
Somit zeigt sich eine Situation, in der einerseits die Notwendigkeit der Koordination, der Verbesserung der Transparenz bzw. des Zugangs für den Nutzer und der Verbesserung der Leistungen offensichtlich ist, in der andererseits auch gute Voraussetzungen gegeben sind, auf denen aufgebaut werden kann.
Die Expertise kommt zu dem Schluß, daß eine deutliche Verbesserung der Literaturdokumentation und -information zur beruflichen Bildung unter den aktuellen Bedingungen erreicht werden könnte,
- wenn in Kooperation der besonders leistungsfähigen Informationseinrichtungen (siehe Punkt 2) eine gemeinsame Literaturdatenbank Berufliche Bildung aufgebaut und bereitgestellt werden könnte;
- das Bundesinstitut für Berufsbildung seine Dokumentations- und Informationsaktivitäten verstärken und weiter qualifizieren würde.
4
Im folgenden wird der Abschnitt 6.1 - Empfehlungen - der Expertise auszugsweise wiedergegeben:
Empfehlung 1
Die Expertise hält mit der DFG-Denkschrift die Einrichtung einer 'Literaturdokumentation Berufliche Bildung' im Rahmen des Berufsbildungsforschungsnetzes und in Kooperation mit einem Fachinformationssystem (FIS) Bildung für dringend notwendig. Es soll Nutzern aus der Wissenschaft, aus betrieblichen und schulischen Bildungseinrichtungen, aus der Verwaltung, aus der Politik und aus dem Bereich der Medien Informationen über ... deutschsprachige Veröffentlichungen aus dem Bereich beruflicher Bildung verfügbar machen, und zwar aktuell, ... verläßlich und benutzerfreundlich. Es sollte darauf geachtet werden, die Literaturdokumentation Berufliche Bildung paßfähig zu einem Fachinformationssystem Bildung (FIS Bildung), das gegenwärtig als Modellversuch erprobt wird, zu gestalten.
Empfehlung 2
Wichtigstes Arbeitsinstrument einer Literaturdokumentation Berufliche Bildung ist eine Literaturdatenbank. Dafür wird ein Jahresaufkommen von 3000 bis 4000 Dokumentennachweisen geschätzt. Es sollte angestrebt werden, die eher grundsätzlichen bzw. qualitativ anspruchsvollen Beiträge mit einem Abstract zu versehen ...
Um der Literaturdatenbank möglichst schnell eine größere Wirksamkeit zu verschaffen, sollte versucht werden, aus vorhandenen Beständen retrospektiv - mindestens über die letzten Fünf Jahre - eine gemeinsame Datenbank aufzubauen ...
Empfehlung 3
Es gibt mehrere Institutionen, die in nennenswertem Umfang bereits Literatur zur Berufsbildung dokumentieren, und zwar schwerpunktmäßig
- für den schulischen Bereich der beruflichen Bildung das Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (LSW) in Soest sowie das Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung (ISB) in München,
- für den betrieblichen Bereich das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Berlin,
- für die berufliche Weiterbildung/Erwachsenenbildung die Pädagogische Arbeitsstelle des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (PAS) in Frankfurt am Main sowie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg,
- für die Komponente Berufs- und Qualifikationsverwertung das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.
Testrecherchen haben gezeigt, daß Überschneidungen gering sind und sich die Titelnachweise beeindruckend ergänzen. Eine Zusammenführung von Dokumentationsergebnissen dieser (und ggf. weiterer) Einrichtungen in eine gemeinsame Datenbank würde zu einer deutlich verbesserten Datenbankqualität führen.
Es wird daher empfohlen, einen Kooperationsverbund der o. a. Institutionen zu gründen. Einschlägige Literatur aus dem Bereich beruflicher Bildung sollte von ihnen wie folgt ausgewertet werden:
- BIBB und IAB werten Literatur, darunter die Kernzeitschriften zur Berufs- und Wirtschaftspädagogik, entsprechend ihren Aufgabenfeldern - möglichst mit Abstract - vollständig aus;
- Aufsätze in anderen Zeitschriften mit explizitem Bezug zu Berufsbildung sowie Literatur über das berufsbildende Schulwesen werden durch den Dokumentationsverbund der Schulpädagogischen Institute (LSW, ISB u. a.) dokumentiert und durch Schlagwörter und ggf. Referate erschlossen;
- Beiträge aus dem Bereich der beruflichen Erwachsenen- und Weiterbildung werden durch PAS und IAB bibliographisch erfaßt und durch Schlagwörter erschlossen.
Die Bestände aus der gemeinsam aufgebauten Datenbank sollten von den an der Kooperation beteiligten Einrichtungen - einschließlich des FIS Bildung - vollständig oder in Auszügen übernommen, in ihre eigenen Datenbanken integriert und von ihnen ohne Einschränkungen benutzt werden können ...
Empfehlung 4
Die Koordinierung dieses Verbunds sollte einer Leitstelle übertragen werden. Die Autoren der Expertise sind der Meinung, daß diese Leitstelle unter Beiordnung eines unabhängigen Fachbeirats am ehesten am Bundesinstitut für Berufsbildung angesiedelt werden könnte.
Zu den Aufgaben dieser Leitstelle würden gehören:
2. Bereitstellung der Datenbank (für Inhouse-Nutzung und Auftragsrecherchen, für Kooperationspartner, Angebot als Online-Version, CD-ROM, Diskettendienst usw.),
3. Herstellung gedruckter Dienste.
Empfehlung 5
Informationsvermittlungsstellen. Im weiteren Bereich der Berufsbildung sind spezialisierte Datenbanken eingerichtet, von denen Forschung, Administration und Praxis der Berufsbildung profitieren können ... Doch sind besondere Anstrengungen nötig, dieses verfügbare Angebot an Datenbanken und anderen Informationsversorgungsleistungen für Benutzer transparent zu machen sowie ihnen Zugangswege und Nutzungsmöglichkeiten zu eröffnen.
Empfehlung 6
Dokumentenbereitstellung. Der Nachweis aktueller Literatur zu bestimmten Fragestellungen genügt heutzutage nicht mehr; vielmehr wird von Benutzern nachdrücklich gefordert, eine einfache und schnelle Bereitstellung der Originalliteratur (der Volltexte) zu sichern. Deshalb sollten Voraussetzungen und Organisationsformen geschaffen werden, mit denen dieser Forderung entsprochen werden kann ... durch die Angabe von Standorten ... eines Kopierdienstes, durch Online-Ordering, durch Kopplung mit einer Volltextdatenbank.
Wir empfehlen, zum Anfang die Dokumentenbereitstellung insbesondere auf Zeitschriften zu konzentrieren, qualifizierte Standortangaben zu vermitteln sowie den Zugang zu grauer Literatur zu verbessern.
5
Im Abschnitt 6.2 der Expertise, der Realisierungsschritte vorschlägt, heißt es unter anderem:
Unter den Teilnehmern der vier Expertenrunden, die die Expertise begleiteten und unterstützten, bestand Konsens darüber, daß die Empfehlungen der Expertise unter den gegenwärtigen Bedingungen durchaus Chancen für eine schnelle Umsetzung haben. Es wird vorgeschlagen, diese Umsetzung in zwei Schritten durchzuführen: ...
Phase 1: Entwicklungsphase des Kooperationsverbundes
In die erste Phase fällt eine Reihe wichtiger Aufgaben zur Vorbereitung der Einrichtung einer Literaturdokumentation Berufliche Bildung. Dazu gehören:
(1) der Aufbau des Kooperationsverbundes ...
(2) die Schaffung der Voraussetzungen für eine gemeinsame Datenbank,
(3) der Aufbau einer Testdatenbank.
Dahinter stehen Arbeiten wie
- Bestimmung von Kriterien für die Dokumentierwürdigkeit ...;
- Abstimmung der Quellenverteilung (wer welche Quellen verbindlich überwacht und auswertet);
- Erarbeitung des semantischen Formats der gemeinsamen Datenbank und Herstellung der Kompatibilität der Formate der Zulieferer zum Format der gemeinsamen Datenbank;
- Erarbeitung des der gemeinsamen Datenbank zunächst zugrunde zu legenden verbalen Ordnungssystems (das im Laufe der Zeit dem Inhalt und dem Auftrag der Datenbank immer besser angepaßt werden muß);
- Herstellung einer für praktisches Arbeiten vertretbaren Äquivalenz der Indexierungen, insbesondere Erarbeitung von Konkordanzlisten;
- Prüfung von Möglichkeiten, qualitative und methodische Unterschiede der inhaltlichen Erschließung zu reduzieren;
- programmtechnische Realisierung der Umsetzungen und Lösung des Dublettenproblems;
- Erprobung von Organisation und technologischen Abläufen des kooperativen Datenbankaufbaus.
Um die Organisation zu vereinfachen und die Zusammenarbeit qualitativ zu verbessern, sollte das Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, das maßgeblich an einem Kooperationsverbund der schulpädagogischen Institute beteiligt ist, eine Mittlerrolle zum schulisch orientierten Dokumentationsbereich übernehmen. Im Bereich betrieblicher Berufsbildung und Arbeitsmarktforschung könnte der Kooperationsverbund die 1992 begonnene intensive Kooperation zwischen BIBB und IAB nutzen.
Unter den methodischen Arbeiten ist die Herstellung einer ausreichenden Äquivalenz der Indexierungen die mit Abstand schwierigste und aufwendigste; ihre Probleme und Auswirkungen sind gegenwärtig nur prinzipiell, aber nicht im Detail abzusehen.
Die skizzierten Aufgaben sind unabhängig von der politischen Entscheidung über die Einrichtung einer Leitstelle an einer bestimmten Institution. Sie könnten im Rahmen eines zeitlich begrenzten Projekts im Anschluß an die Expertise und im Kontakt mit dem Modellversuch FIS Bildung durchgeführt werden.
Phase 2: Einrichtung der Leitstelle
Es ist zu erwarten, daß 1993 die Entscheidung darüber fallen wird, ob das Bundesinstitut für Berufsbildung ... den Aufbau und die Koordinierung der Literaturdokumentation Berufliche Bildung übernehmen wird. Mit Abschluß der Entwicklungsarbeiten der Phase 1 wäre dann sukzessive die Überführung in einen regulären Betrieb möglich.
Aufbau der Literaturdatenbank Berufliche Bildung. Schwerpunkt der Arbeit ist der Beginn des laufenden Aufbaus der aktuellen Literaturdatenbank ...
Retrospektive Literaturdatenbank... Die erste Aufgabe dieser Phase wäre es deshalb, eine Literaturdatenbank Berufliche Bildung retrospektiv - etwa fünf Jahre zurück - aus vorhandenen Beständen aufzubauen und sie möglichst schnell für eine Nutzung bereitzustellen.
Während der Phase 2 sollte ein Konzept für die Entwicklung der Leistungen der Datenbank erarbeitet, erprobt und realisiert werden. Zu solchen Leistungen sollten gehören: Ausführung von Auftragsrecherchen ..., Diskettendienste ..., gedruckte Informationsdienste ...
Ferner sollte geprüft werden ...: Bereitstellung von Datenbank-Kopien, Möglichkeiten von CD-ROM-Ausgaben ..., Möglichkeiten der Bereitstellung über Hosts.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist der Ausbau der Informationsvermittlungskapazität bei der Leitstelle wie bei den Kooperationspartnern ... Darüber hinaus sollten Konzepte entwickelt werden, die auf qualitative Verbesserungen der Datenbank zielen ... In dieser Zeit sollte auch Gelegenheit sein, sich gründlicher Fragen der Dokumentenbereitstellung zuzuwenden, Vereinbarungen zu treffen, die den Benutzer schnell und unbürokratisch zu den Volltexten kommen lassen ... Notwendig sind Konzepte und ihre Verwirklichung für eine planmäßige Öffentlichkeitsarbeit, die den Kooperationsverbund und die Leitstelle Literaturdokumentation Berufliche Bildung und ihre verschiedenen Leistungsangebote breit bekanntmachen.
6
Das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft fördert ein Anschlußprojekt, das es ermöglicht, wesentliche Teile der Phase 1 der Realisierungsschritte (vgl. Abschnitt 5) zu bearbeiten.
So werden auf der Grundlage detaillierter Analysen der Kernzeitschriften Kriterien für die Dokumentier- und Referierwürdigkeit sowie für die Quellenverteilung erarbeitet. Etwa 20 000 von den fünf Kooperationspartnern zur Verfügung gestellte thematisch einschlägige Literaturnachweise der letzten fünf Jahre sind Basis für die Abstimmung einer verbindlichen Schlagwortliste für die gemeinsame Datenbank sowie von Konkordanzlisten zur Überführung der von den Kooperationspartnern vergebenen Schlagwörter in Schlagwörter des gemeinsamen Ordnungssystems. Eine Auswahl der Nachweise wird zur Lösung der Kompatibilitätsprobleme und zum Aufbau einer Test-Datenbank genutzt werden.
Mit Abschluß des Projekts im Frühjahr 1994 werden somit die Voraussetzungen geschaffen sein, um
- eine retrospektive Literaturdatenbank Berufliche Bildung - etwa über die letzten fünf Jahre - aufzubauen (die in das CD-ROM-Vorhaben des Modellversuchs FIS Bildung integriert werden könnte);
- einen Probebetrieb der gemeinsamen Literaturdokumentation Berufliche Bildung zu entwickeln und sukzessive in den Routinebetrieb überzuführen;
- schrittweise ein Angebot von Informationsleistungen auf- und auszubauen.
Nachdem das Bundesinstitut für Berufsbildung auf dem ersten Forum des Berufsbildungsforschungsnetzes in Oldenburg verbindlich erklärt hat, daß es Aufbau und Koordinierung einer Leitstelle für die Literaturdokumentation Berufliche Bildung übernehmen wird und erste Anzeichen einer Aktivierung seiner Dokumentationsaktivitäten sichtbar werden, bestehen gute Aussichten für eine Realisierung der entwickelten Vorschläge und eine damit einhergehende spürbare Verbesserung der Literaturinformation im Bereich der beruflichen Bildung.
7
Im Rahmen des Anschlußprojekts wurde auf Anregung des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft eine Publikation
erarbeitet. Die Broschüre, die sich zur Zeit beim BMBW im Druck befindet, gibt einen Überblick über traditionelle und moderne Verfahren und Hilfsmittel der Literaturermittlung, führt mehr als einhundert deutschsprachige Fachzeitschriften zur beruflichen Bildung auf, charakterisiert 28 für das Gebiet relevante gedruckte Informationsmittel, ferner 17 Datenbanken, die online oder als CD-ROM bzw. Diskettendienst zugänglich sind, sowie zehn Recherchedienste. Im letzten Teil werden 27 Institutionen mit ihren einschlägigen Informationsangeboten und Informationsleistungen aufgeführt. Dabei wurde Wert darauf gelegt, daß alle Angaben von den Einrichtungen autorisiert sind, also den tatsächlichen aktuellen Stand wiedergeben.
Anschrift des Verfassers:
Dr. Heinz Ziegler
BMBW-Projekt "Literaturdokumentation Berufliche
Bildung"
Straße der Pariser Kommune 36
10243 Berlin
Tel.: (030) 592 61 62
Karlheinz Fingerle
Angebot und Vermittlung von Fachinformation zum Bildungswesen
Probleme aus der Sicht des Wissenschaftlers
1. Zum Umfang der Fachinformation zum Bildungswesen
Fachinformation zum Bildungswesen umfaßt als Begriff mehr als Literaturdokumentation. Neben Referenz-(Verweis-)Datenbanken oder -Katalogen mit Angaben zu Publikationen zum Bildungswesen und Dokument-Datenbanken - Bibliotheken mit archivierten Volltexten (einschl. aller Beigaben wie Tabellen, Abbildungen usw.) - ist daher die Aufmerksamkeit zu richten auf alle Formen des Verweises oder der Bereitstellung, auch der Sammlung und systematischen Aufbereitung von gegenständlichen und nicht-gegenständlichen (aber an Medien als materielle Träger) gebundenen Artefakten.
Als Beispiele mögen einige unsystematisch zusammengestellte Punkte dienen:
Sammlung und Dokumentation von Lehr- und Lernmitteln, Ausbildungsmitteln
Hier gibt es nicht nur Defizite in der Dokumentation. Es fehlt mit wenigen Ausnahmen (Schulmuseen, Schulwandbildersammlungen, Mustersammlungen für die gewerbliche Ausbildung) überhaupt der politische Wille zur systematischen Sammlung, Konservierung, Dokumentation und wissenschaftlichen Erforschung.
Dokumentation und Statistik über Stundentafeln, Bildungsgänge, Richtlinien, Rahmenlehrpläne
Bis zum Anfang der achtziger Jahre wurden zum Beispiel vom Landesinstitut für Curriculumentwicklung, Lehrerfortbildung und Weiterbildung (später: Landesinstitut für Schule und Weiterbildung) in Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit dem Hessischen Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung sowie dem Pädagogischen Zentrum in Berlin Dokumentationen zu Stundentafeln und Bildungsgängen, Fächern usw. der Sekundarstufe II (gymnasiale Oberstufe und alle Teile des beruflichen Schulwesens) erstellt. Diese Materialien gaben zur Entwicklung und Bewertung von Bildungsgängen in allen Bundesländern zuverlässige, differenzierte und übersichtliche Informationen, die durch die gelegentlichen Zusammenstellungen der Kultusministerkonferenz und der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (zum Beispiel die mehrfach erschienene BLK-Dokumentation "Abschlüsse im Sekundarbereich II") nicht mehr erreicht werden, vor allem weil ihnen die Erschließungstiefe fehlt, die von den Dokumentationen des Landesinstituts benutzt wurde.
Amtliche Bildungsstatistik
Über die unzureichende Qualität und mangelnde Vergleichbarkeit der amtlichen Bildungsstatistik möchte ich hier nicht weiter sprechen. Für mich gilt, daß Gewinnung und Veröffentlichung zuverlässiger bildungsstatistischer Daten zu den zentralen Aufgaben der Fachinformation zum Bildungswesen gehören.
Dokumentation der Lernsoftware
Als letzten Punkt dieser unsystematischen Aufzählung sei die Sammlung, Dokumentation, Bewertung und Bereitstellung von Lernsoftware genannt.
In der Mailbox des Bundesinstituts für Berufsbildung finden wir seit Anfang November 1993 die Datenbank über Lernsoftware SODIS, die als Verweisdatenbank vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit anderen Landesinstituten im Rahmen eines Modellversuchs zusammengestellt und vom Niedersächsischen Landesinstitut dem BIBB für BIBBMAIL zur Verfügung gestellt wurde. Interessierte können diese Datenbank über eine Modem- und/oder eine DATEX-P-Verbindung auf ihren Rechner holen und am eigenen Arbeitsplatz Lernsoftware recherchieren. (Es handelt sich um die Datenbank, die im Rahmen eines BLK-Modellversuchs in den Jahren 1988 bis 1991 zusammengestellt wurde. Aktuellere Fassungen dieser "Datenbank für pädagogische Software" können bei den beteiligten Landesinstituten von Lehrern bestellt werden.)
Die Herstellung, Fortschreibung und Pflege solcher Software-Dokumentationen wird in Zukunft zu den zentralen Aufgaben der Dokumentation zum Bildungswesen gehören. Ich hoffe, daß die beteiligten Institute die Dokumentationsarbeit auch fortsetzen, wenn keine Modellversuchsmittel mehr fließen, und nicht wie Anfang der siebziger Jahre bei der Dokumentation von Bildungsgängen und Stundentafeln die Arbeit nach Beendigung einer Bezahlung aus Modellversuchsmitteln einstellen.
Exkurs:
Herausgeber, Gutachter, Redakteure, Lektoren werden wie schon bei den Printmedien (z. B. in der Form der "reviewed periodicals") mehr als bisher auf die Qualität und Professionalität in Inhalt und Form achten müssen. Dokumentations- und Zitiernormen werden verändert werden müssen (z. B. bei dem Zitieren eines Dokuments, das nach einem neuen TeX-Lauf wegen eines veränderten Seitenformats eine andere Seitenzählung hat).
2. Zur aktuellen Situation der
Fachinformation
und ihrer Nutzung
Nach diesen - für manche Zuhörer vielleicht wie Zukunftsmusik klingenden Bemerkungen - will ich einige Aspekte der aktuellen Situation ansprechen:
Die Lehrenden und Studierenden der verschiedenen Teildisziplinen und Hochschulstandorte der Erziehungswissenschaft zeigen nach meiner Wahrnehmung ganz unterschiedliche Verhaltensweisen: Während mir Kollegen bekannt sind, die es nicht für nötig hielten, für einen kurzen Handbuchartikel zu recherchieren, welche wissenschaftlichen Arbeiten zu dem behandelten Thema vorlagen, gibt es andere, die durch ihre wissenschaftliche Sozialisation - zum Beispiel in der Beschäftigung mit Themen der historischen Pädagogik - die Normen und Techniken der wissenschaftlichen Literaturrecherche so erworben haben, daß es für diese auch selbstverständlich ist, in ihren eigenen Arbeiten die vorhandene Literatur aufzuarbeiten und dies - wenigstens im Ansatz - auch von den Studierenden zu verlangen.
Florian Tennstedt und Karl-Heinz Nickel geben in einer für Studentinnen und Studenten der Sozialarbeit (die Sozialpädagogik einschließend) geschriebenen Ausarbeitung sogar an, welcher Zeitumfang nach Klärung des Themas in der Regel für die Literaturrecherche angesetzt werden sollte: mindestens drei Stunden für Hausarbeiten und Referate und mindestens ein Tag für Studien- und Examensarbeiten.
Solche Zeitvorgaben werden problematisch, wenn man sie unbesehen auf andere Teildisziplinen und andere Universitäten übertragen wollte; denn was in der angegebenen Zeitspanne ermittelt werden kann, hängt von den sehr unterschiedlichen Bedingungen an den verschiedenen Universitäten und in den verschiedenen Teildisziplinen ab. Die Qualität wird durch Randbedingungen (Infrastruktur und Kosten) beeinflußt:
Die gesammelte Literatur wird an vielen Bibliotheken nur lückenhaft sachlich erschlossen. CD-ROM-Datenbanken und/oder Online-Recherchemöglichkeiten können noch nicht überall genutzt werden. Bibliographische Hilfsmittel zur Dokumentation und sachlichen Erschließung von Monographien und anderen selbständigen Druckschriften sind wohl fast überall verfügbar, wenn man keine zu großen Ansprüche an die Tiefe der Erschließung stellt, zum Beispiel durch die Nationalbibliographien und Verzeichnisse lieferbarer Bücher. Große Defizite bestehen bei der inhaltlichen Erschließung der Beiträge zu periodisch erscheinenden (z. B. Zeitschriftenartikel) und anderen Sammelschriften aller Art (z. B. Beiträgen zu Festschriften) und bei der Dokumentation von Quellen (zum Beispiel einschlägiger Verbandsschriften). BIB-report und ADIEU haben wohl viele Jahre lang für viele Erziehungswissenschaftler eine Grundversorgung dargestellt, die viele zufriedengestellt hat. Die Auswahl der ausgewerteten Zeitschriften, die nicht allen Teildisziplinen der Erziehungswissenschaft angemessen war und ist, die geringe sachliche Erschließungstiefe, Probleme mit dem verwendeten Thesaurus und die allenfalls jahrgangsweise Kumulation der Daten (ADIEU als Titelkompilation des BIB-reports bis zum Ende des Jahres 1990) waren und sind Mängel, die wohl für viele durch die Aktualität der bibliographischen Nachweise aufgewogen wurden.
Der Wissenschaftsrat hat sich an verschiedenen Stellen dafür ausgesprochen, online verfügbare Benutzer-Kataloge (OPAC) wissenschaftlicher Bibliotheken einzuführen, diese miteinander zu verbinden und mit dem Nachweis von Titeln zugleich die Online-Bestellung zu ermöglichen. Auch Titelaufnahmen älterer Bestände sollen retrospektiv so erfaßt werden, daß die bibliographischen Daten und die Nachweise über das Vorhandensein der Titel über Datennetze ermittelt werden können. Wer an einer Universität arbeitet, die noch nicht einmal die in ihren eigenen Sammlungen vorhandene Literatur über das Hochschulnetz den an der Universität arbeitenden Wissenschaftlern und Studierenden bibliographisch erschließt, mag diese Forderungen für utopisch halten. Jeder der einmal Billy Barons Liste der über das Internet zugänglichen Bibliothekskataloge nicht nur gelesen hat, sondern auch zur bibliographischen Recherche benutzt hat, weiß, daß das hier geforderte nicht nur in anderen Staaten, sondern auch in einigen Bibliotheksregionen der Bundesrepublik Deutschland schon bibliothekarischer und dokumentarischer Alltag ist - selbstverständlich mit allen Schwierigkeiten, die ein Verbund unterschiedlicher Rechner- und Bibliothekssysteme zur Folge hat.
Für die nicht-kommerzielle Forschung, Lehre und Studium sollten diese Kataloge weiterhin öffentlich zugänglich sein, ohne daß dafür Entgelte bezahlt werden. Leider gibt es zu dieser Forderung bereits Gegenbeispiele: Die Titelaufnahmen der Deutschen Nationalbibliographie sind gegenwärtig über STN International über das Fachinformationszentrum Karlsruhe online nur zu Preisen verfügbar, die für eine laufende Nutzung dieser Dienstleistung gut ausgestattete Haushalte voraussetzen. Da die Daten der Deutschen Bibliothek aber auch auf CD-ROM zur Verfügung gestellt werden, ist von den einzelnen Universitäten zu fordern, daß sie Hochschulangehörigen über die hochschulinternen Rechnernetze Zugriffsmöglichkeiten auf CD-ROM-Datenbanken ermöglichen.
3. Folgerungen zu den Aufgaben
der Fachinformation
als Teil einer umfassenden Logistik
Angesichts der gegenwärtigen Situation der Fachdokumentation zum Bildungswesen halte ich die folgenden Forderungen für begründet:
Der Schwerpunkt der gegenwärtigen Arbeiten muß darin liegen, daß eine Erschließungstiefe gesichert wird, die valide Recherchen ermöglicht. Bei bibliographischen Recherchen darf nicht zu viel "Müll" (oft noch teuer berechnet!) geliefert werden, und es muß gesichert werden, daß nicht zu viel Relevantes übersehen wird. Dies Problem läßt sich nicht dadurch lösen, daß zum Zwecke der Recherche teuer bezahltes Dokumentationspersonal eingesetzt wird, sondern dadurch, daß Titelaufnahme und Sacherschließung professioneller und vollständiger werden. Wissenschaftliche Dokumentare sollten den Schwerpunkt ihrer Arbeit in dem zuletzt genannten Bereich sehen.
Die Diversität des zu Erschließenden muß beachtet werden. Die bisherigen Verengungen erziehungswissenschaftlicher Dokumentationen mit einem schulpädagogischen Bias müssen überwunden werden. So gilt es zum Beispiel, bei der Dokumentation das ganze Spektrum berufs- und wirtschaftspädagogischer Dokumente zu erfassen. Die Expertise von Diepold und Ziegler hat hier wichtige Weichen gestellt, zeigt aber auch, wieviel noch zu tun ist, um die Literaturdokumentationen zur beruflichen Bildung als Dienstleistung mit größerer Vollständigkeit öffentlich bereit zu halten.
Für die Zukunft muß beachtet werden, daß Formen des elektronischen Publizierens zunehmen werden. Wenn wir nicht im "Datenmüll" ersticken wollen, müssen die Wissenschaftler darauf achten, daß die elektronischen wissenschaftlichen Journale und Monographien sorgfältig redigiert werden. Vielleicht noch mehr als bei den gedruckten Medien ist zu beachten, daß wir in der Erziehungswissenschaft die "Spreu" vom "Weizen "trennen müssen: Elektronische "reviewed periodicals" mit von wissenschaflichen Gutachtern ("peers") vor der Publikation begutachteten und ausgewählten Beiträgen müssen in bibliographischen Datenbanken genauso dokumentiert werden wie die gedruckten Veröffentlichungen. Im Gegensatz zu bisherigen Surrogaten, z. B. der Bereitstellung von Dokumenten über Telefax, können elektronische Publikationen, wenn sie in betriebssystemübergreifenden Formaten gespeichert sind (z. B. TeX, Adobe PostScript, Adobe Acrobat, Microsoft RTF usw.), auch sofort über das Netz zur Verfügung gestellt werden. Zu den Aufgaben der Dokumentation wird es auch gehören, die Migration der bibliographischen Daten und elektronischen Originaldokumente auf neue Hardware und auf neue Betriebssysteme so zu organisieren, daß nicht das gegenwärtig Dokumentierte für zukünftige Generationen verloren sein wird. Das Vertrauen darauf, daß es in Zukunft genügend Hardware- und Software-Museen geben wird, die auch das Lesen rezenter CD-ROMs und anderer Speichermedien sichern werden, erscheint mir leichtsinnig. Gegenwärtig zweifeln auch Experten daran, daß diese Aufgabe adäquat gelöst werden kann. Daher erscheint es mir erforderlich, daß wichtige Dokumente (selbstverständlich auch Referenz-Dokumente) wie bisher auch in gedruckter Form veröffentlicht werden.
Schließlich fordere ich, daß die Fachdokumentation zum Bildungswesen als Teil einer fachübergreifenden Logistik gesehen wird, deren Ziel es sein muß, fachlich relevante Dokumente in möglichst kurzer Zeit der Fachöffentlichkeit und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Hier müssen Bibliotheken, Archive, Museen, Informations- und Dokumentations-Stellen usw. eng zusammenarbeiten, um relevante Dokumente bedarfsgerecht und rechtzeitig bereitzustellen. Wer wissenschaftliche Literatur "just-in-time" haben will, sollte in den Fällen die Kosten tragen, in denen für herkömmliche Dokumente zusätzliche Transferkosten (z. B. für Telefax-Kopien) entstehen. Wer elektronische Dokumente anfordert oder wer bereit ist, bei Printmedien ein paar Tage zu warten, sollte allenfalls eine Schutzgebühr gegen den Mißbrauch der Dienste zahlen müssen, im übrigen aber diese Dienste unter denselben Bedingungen nutzen dürfen wie gegenwärtig die öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken. Ich befürchte, daß konstitutive Merkmale der Wissenschaft verloren gehen könnten, wenn der öffentliche Nachweis der Existenz und die öffentliche Verfügbarkeit wissenschaftlicher Dokumente nicht mehr gesichert werden können.
Während das System der Dokumentation ausgebaut wird, werden nicht nur in öffentlichen, sondern auch in wissenschaftlichen Bibliotheken ältere Bücher, Dissertationen, sog. "graue" Veröffentlichungen und Doppelstücke im Reißwolf vernichtet. Viele der vernichteten Dokumente werden für die wissenschaftliche Arbeit weiterhin gebraucht. Manchmal habe ich einen Alptraum, daß wir eine gut ausgebaute Fachdokumentation haben werden und die Dokumente nicht mehr zu finden sein werden. Nur durch ein in allen Teilen aufeinander abgestimmtes System kann verhindert werden, daß wir Ergebnisse der Fachdokumentation eines Tages wie "Rote Listen ausgestorbener und gefährdeter Arten" lesen müssen. Nicht nur die bibliographischen Daten, sondern auch die Dokumente müssen archiviert und für die wissenschaftliche Arbeit bereitgehalten werden.
Anschrift des Verfassers:
Dr. Karlheinz Fingerle, Professor
für Erziehungswissenschaft
Universität · Gesamthochschule Kassel
Fachbereich 2: Berufspädagogik, Polytechnik, Arbeitswissenschaft
Heinrich-Plett-Str. 40
D34109 Kassel
Tel.: (0561) 804-4212
E-mail: fingerle@hrz.uni-kassel.de
Monika Wederhake-Gottschalk
Angebot und
Vermittlung
von Fachinformation zum Bildungswesen
Probleme aus der Sicht der Bibliothekarin
Als Fachreferentin für Erziehungs- und Bildungswissenschaften und seit 13 Jahren in der Praxis (UB Dortmund), möchte ich zur derzeitigen Situation Stellung beziehen.
Zu meinen Aufgaben gehört die bibliothekarische Betreuung der erziehungswissenschaftlichen Fachbereiche hinsichtlich der Buch- und Zeitschriftenerwerbung, der Bestandserschließung, der Benutzung und - immer stärker in den Vordergrund tretend - der Fachinformation.
Die Benutzergruppen sind die Lehrenden und Studierenden der Universität Dortmund, im SS 93 waren dies 1650 Diplom-Pädagogikstudierende, 2100 Sonderpädagogikstudierende und insgesamt ca. 4250 Studierende im Lehramt: Primarstufe: 1770, Sekundarstufe I: 1380, Sekundarstufe II: 1100.
1. Zum Angebot von
Fachinformation in Bibliotheken
allgemein
Was bieten wissenschaftliche Allgemeinbibliotheken, Universitätsbibliotheken an Fachinformation?
Zunächst ist es die Bestandsverzeichnung in den aktuellen Katalogen: Schlagwort-, Stichwort-, OPAC (Online Public Access Catalog) und Alphabetischer Katalog. Daneben gibt es verschiedene Möglichkeiten begrenzt Fachinformation, d. h. fachbibliographische Daten, anzubieten. Bibliotheken können Bestandsverzeichnisse nach Fachgebieten erstellen, so zum Beispiel
- Verzeichnisse von vorhandenen Büchern zu bestimmten, aktuellen oder häufig nachgefragten Themenbereichen, in regelmäßigen Zeitabständen herausgeben;
- Neuerwerbungslisten erstellen, z. B. in Dortmund zweimonatlich;
- Verzeichnisse der laufend vorhandenen Zeitschriften - fachlich geordnet - zusammenstellen;
- fachspezifisch die Bücher der Lehrbuchsammlung nachweisen.
Derartige Serviceleistungen erbringen auch Öffentliche Bibliotheken, zumeist Großstadtbibliotheken.
Weitergehender Service wird für ausgewählte Benutzerkreise einer Bibliothek erbracht. Zum Beispiel werden für die Wissenschaftler Current-Contents-Dienste angeboten. An der Universität Dortmund können die ProfessorInnen bis zu 20 Zeitschriften benennen, die in der Zentralbibliothek vorhanden sind, von denen regelmäßig, nach Eingang des Heftes, das Inhaltsverzeichnis kopiert und zugeschickt wird, auf Kosten der Bibliothek. Gegen Kostenabrechnung ist eine Aufsatzkopie möglich. Aufgabe von Bibliotheken ist es, aktuelle Literaturdokumentation über die erschienenen Monographien zu erstellen.
Eine aktuelle, fachspezifische oder spezialbibliographische Literaturdokumentation von Zeitschriftenaufsätzen und Beiträgen in Sammelwerken ist nicht die Aufgabe von Bibliotheken, obwohl hier solche Fachinformationen umfangreich nachgefragt werden.
Diese Aufgabe fällt anderen Institutionen zu, wie Fachinformationszentren und Forschungsinstitutionen. Im Bildungsbereich haben sich einzelne Personen dieser Aufgabe in den 60er Jahren angenommen, hervorzuheben ist Herr Heiner Schmidt mit seinem Verlag Pädagogische Information und Dokumentation, Duisburg, oder die Zusammenarbeit der Institutionen des DOPAED.
Bibliotheken gewährleisten zum einen die Bereitstellung der Bücher und Zeitschriften und zum anderen die Bereitstellung der Literaturinformation. Diese Bereitstellung von Fachinformation geschieht zunehmend in und mit neuen Medien.
2. Die Fachinformation
nachfragenden Benutzergruppen
in der Bibliothek
Für welche Benutzergruppen muß die Universitätsbibliothek fachspezifische Literaturinformation bereitstellen? Wer fragt Fachinformation zum Bildungswesen nach?
Da sind zunächst alle Angehörigen der Hochschule, der erziehungswissenschaftlichen Fachbereiche und die Fachdidaktikter anderer Fachbereiche, die mit sehr unterschiedlichen Informationswünschen die Bibliothek aufsuchen. Diese Zielgruppen, die mit den vorhandenen fachbibliographischen Informationen vertraut sein sollten und auch die neuen Angebote kennen sollten, sind
- die Lehrenden, die für die eigene Forschung Literatur suchen, die Literatur für ihre Lehrveranstaltungen, für Grundvorlesungen oder für Seminare des Hauptstudiums benötigen,
- die Studierenden, die für Lehrveranstaltungen, für Referate, Klausuren, Semesterarbeiten Literatur suchen und die für ihre Staats- oder Diplomarbeit Literatur benötigen,
- DoktorantInnen.
Außerhalb der Hochschulen fragen Literatur zum Bildungswesen nach
- ReferendarInnen, insbesondere vor der zweiten Staatsprüfung,
- LehrerInnen im Beruf,
- SchülerInnen der Sekundarstufe II in Leistungskursen des Gymnasiums oder der Fachschule oder Fachoberschule wie z. B. in der Erzieherausbildung.
Hinsichtlich des Spezialisierungsgrades der gesuchten Literatur unterscheiden sich die BenutzerInnen sehr deutlich. Es bilden sich zwei Gruppen heraus. Werden auf der einen Seite überwiegend Monographien oder Übersichtsartikel aus Sammelwerken gesucht, wird auf der anderen Seite insbesondere für die Forschung die Literatursuche breit angelegt "möglichst alles" oder nur das "Neueste" oder das "Speziellste" oder "graue Literatur" gesucht, um sie dann selbst zu sichten.
Hingegen suchen die BenutzerInnen aus der Region, die LehrerInnen in der Praxis aktuellste Artikel zur direkten Anwendung und sofortigem Einsatz in der Schule. Wichtiges Kriterium ist hier, ob die Literatur in der Bibliothek vorhanden ist, nachdem sie - wegen der Aktualität - häufig in der Bibliographie BIB-Report gesucht wurde.
3. Wie erfolgt die Vermittlung
von Fachinformation
zum Bildungswesen?
Zunächst ist es notwendig, die verschiedenen Arten der Verzeichnung von Literatur den Benutzergruppen zu vermitteln:
Es sind zunächst die Kataloge der Bibliotheken, die Nationalbibliographien und die Buchhandelsverzeichnisse zu erläutern. In einem weiteren Schritt ist auf die umfangreiche Verzeichnung von Literatur in Fachbibliographien und Spezialbibliographien einzugehen.
Haben Studierende im Grundstudium Veranstaltungen zur Literatursuche in der Bibliothek oder mit bibliothekarischer Unterstützung besucht, und zwar fachspezifisch, so ist der Grundstein für spätere spezialisierte Literatursuche bereits gelegt.
Aus meiner Erfahrung ist die wirkungsvollste Vermittlung der Möglichkeiten der Literatursuche über die Einbeziehung in eine Lehrveranstaltung gegeben. Gelingt es, das Interesse der TeilnehmerInnen über die thematische Literatursuche auf die unterschiedlichen Medien zu lenken, sind wichtige Schritte zum wissenschaftlichen Arbeiten getan. Diese Literatursuche sollte m. E. Eingang finden in Studienelemente des Grundstudiums.
Eine genaue Formulierung des Themas, die auch die Problemstellung beinhaltet, ist notwendig und eine weitere wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Literatursuche. Unwichtig ist es, ob dies für ein Referat oder eine Studienarbeit erfolgt.
Die Aufgabe einer fachspezifischen bibliographischen Einführung in der Universitätsbibliothek, ist die Vermittlung der unterschiedlichen Suchmöglichkeiten und die erfolgversprechendsten Strategien der Literatursuche, ganz besonders für Studierende in der Phase vor der Diplomarbeit; zum Beispiel veranstalte ich seit Jahren mit Lehrenden aus dem Fachbereich Sondererziehung und Rehabilitation sogenannte "Workshops für Diplomanden", die in der Regel mit dem Nachweis einer Literaturrecherche abschließen und von den Studierenden als wesentliche Erleichterung der Prüfungsvorbereitungen eingeschätzt werden. Die Einführung in die Literatursuche erfolgt zum einen noch konventionell mit den gedruckten Diensten, das heißt manuelles Blättern in Bibliographien wie ZEUS oder BIB-Report, zum anderen über die bereitgestellten CD-ROM Literaturdatenbanken und in einem weiteren Schritt, falls es gewünscht wird oder dies angebracht erscheint - da kostenpflichtig -, über Online-Datenbankrecherchen.
1990 wurde in der UB Dortmund als erste deutschsprachige Fachbibliographie auf CD-ROM die Literaturdokumentation Bildungswesen des Landesinstituts Schule und Weiterbildung (LSW) des Landes Nordrhein-Westfalen, Soest, im Einzelplatz angeboten und nach Schulungsveranstaltungen rege genutzt. Bis 1988 hatten wir einen Online-Zugang zu dieser Datenbank über das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW, Düsseldorf. Die nachlassende Aktualität sowie die eingängigeren, einfacheren Suchmöglichkeiten in später erworbenen CD-ROM Literaturdatenbanken haben zu einem Rückgang der Benutzung dieser Bibliographie geführt.
Eine Besonderheit für die spezielle Klientel der Erziehungswissenschaften Studierenden ist eine nicht übersehbare Skepsis gegenüber den neuen Medien. "Ich wollte doch nichts mit Computern zu tun haben" habe ich schon häufig vernommen. Erst sehr viel später als in den Ingenieurwissenschaften und viel respektvoller nähern sich diese Benutzergruppen den Angeboten, mit Computern zu recherchieren, nicht maßgebend ist es, ob in den Katalogen der Bibliothek, im OPAC oder in Literaturdatenbanken gesucht werden muß.
Unabhängig vom Medium sind den Studierenden und anderen Literatursuchenden die Notwendigkeit der Erstellung einer Suchstrategie, einer genauen Formulierung des Themas, zu dem Literatur gesucht wird, zu vermitteln, zum Beispiel die Unterschiede zwischen Stich- und Schlagwort. Es sind hierarchische Strukturen zu erläutern, die Einordnung in einen über- oder untergeordneten Sachverhalt ist einsichtig zu machen, Synonyme sind zu berücksichtigen und vieles mehr.
Endnutzer an den CD-ROM Datenbanken suchen nach einem Thema ohne Einsatz spezifischer Feldindikatoren, wie z. B. Schlagwort oder Thesaurus, nachzulesen u. a. bei Wilfried Lehmler.
Um eine Rückmeldung aus unseren Einführung zu erhalten, bitten wir die TeilnehmerInnen am Ende der Veranstaltungen einen kurzen Fragebogen auszufüllen.
An dieser Stelle möchte ich meine Ausführungen mit einem Beispiel einer Literatursuche in Teilen des CD-ROM Netzes der UB Dortmund illustrieren. Mit Sondermitteln des Wissenschaftsministeriums Nordrhein-Westfalens wurde an allen Hochschulen des Landes ein einheitlicher CD-ROM-Server installiert. Der Eingangsbildschirm ist somit identisch, was von den Studierenden, die zwischen Bochum, Essen und Dortmund pendeln, sehr positiv vermerkt wird.
Abb. 1: Allgemeine
bibliographische Datenbanken, Bibliothekskataloge,
Buchhandelsverzeichnisse
Abb. 2: Fachbibliographische Datenbanken
Ich suche zum Thema Bildungswesen Monographien mit Erscheinungsjahr 1992 und 1993. Die Allgemeinbibliographien auf CD-ROM weisen in etwa eine gleiche Oberflächengestaltung auf.
Abb. 3: Beispiel Verzeichnis lieferbarer Bücher
VLB: Die Suche nach Stich- und Schlagwort ergibt 46 Titel (8/93).
DNB2 (Deutsche Nationalbibliographie): Ergebnis 36 Titel.
HBZ (Hochschulbibliothekszentrum NRW): Unter der CD-ROM Oberfläche der Fa. Dataware ist in dieser Datenbank z. Z. keine Schlagwortsuche möglich. Allerdings bekomme ich Nachweise aus den Titelstichwörtern und 8 Hinweise auf Buchstandorte in den angeschlossenen Bibliotheken Nordrhein-Westfalens. (4/93)
Im Katalog der UB Dortmund (OPAC) finde ich 22 Buchtitel ausgewiesen (4/93).
3.1 Zu den fachspezifischen Literaturnachweisen
Bei ZEUS (Zentralblatt für Erziehungswissenschaft und Schule) als gedruckter Fachbibliographie waren zu Beginn meiner Recherchen (10/93) der Jahrgang 1992 komplett vorhanden und 4 Hefte vom Jahrgang 1993 in der Bibliothek.
In der Sektion B: Bücher fand ich unter dem Schlagwort "Schulwesen" - Bildungswesen nicht enthalten - in den 9 Heften insgesamt 18 Einträge mit Erscheinungsjahr 1992; über das Register mit Mehrfacheintragungen fand ich 36 Titeleinträge.
In der CD-ROM Literaturdatenbank Bildungswesen des LSW (Stand: 9/93), fanden sich 30 einschlägige Monographien.
In der CD-ROM WISO (Stand: 10/93), ebenfalls unter CD-ROM Oberfläche der Fa. Dataware finden sich unter dem Schlagwort "Bildungswesen" mit Erscheinungsjahr >1991 74 Hinweise. Eine Einschränkung auf die Art der Publikation ist hier nicht möglich.
Abb. 4.: Beispiel WISO
Online enthielt die Datenbank SOLIS mit Update 30.9.1993 41 Hinweise, davon 11 Monographien.
Die Bibliographie Pädagogik war leider nicht hinzuzuziehen. Derzeit liegt der Jahrgang 1989 vor.
Meine Analyse der Daten in den genannten Allgemein- und Fachbibliographien ergab in allen Publikationen Überschneidungen und es gab in allen Datenbanken Unikate. Meine Schlußfolgerung:
Ohne die aktuellen CD-ROM Allgemeinbibliographien können keine befriedigenden Ergebnisse bei der fachspezifischen Literatursuche erzielt werden.
Ich möchte hier einige Probleme, die aus wiederkehrenden Benutzeranfragen in der Praxis zu benennen sind, aufzeigen. Sie beziehen sich auf den derzeitigen Stand der CD-ROM WISO.
- Die Suche nach der Veröffentlichungsart muß unbedingt möglich sein, z. B. um Monographien anzusehen, die anschließend im Bibliothekskatalog gesucht werden können.
- Eine Liste der ausgewerteten Zeitschriften wird von den BenutzerInnen häufig nachgefragt. Eine solche Liste sollte in der CD-ROM Datenbank abrufbar sein.
- Die Kurztitelanzeige sollte nach Erscheinungsjahr sortieren, nicht nach Eingabedatum in die Datenbank.
- Eine Markierung des Datensatzes muß möglich sein und direkt angegeben werden.
- Die Voreinstellung der Datenausgabe sollte ein Vollformat vorsehen, da immer wieder Literatursuchende nur die Kurztitel auf ihre Diskette übertragen.
Abb. 5: Beispiel Exportmöglichkeit in WISO
Ich möchte noch auf eine CD-ROM Oberfläche hinweisen, die m. E. eine sehr benutzerfreundliche ist. PSYNDEX und RSWB (Raumordnung, Städtebau, Wohnungswesen, Bauwesen) laufen als deutschsprachige Datenbanken unter dieser Oberfläche der Fa. Silverplatter, englischsprachig laufen unter dieser Software neben vielen anderen die Fachbibliographien ERIC, PSYCINFO, SOCA. Hervorzuheben ist hier, daß hierarchische Strukturen im Thesaurus bereits eingeführt sind.
Je nach Themenstellung können viele weitere Datenbanken, insbesondere im Online-Dialog von Interesse sein, so z. B. ESA-IRS oder CELEX für Europa, europäisches Recht und die Europäische Union.
Die Datenbanken SOMED, MEDLARS oder ECER (Exceptional Child Education Resources), REHADAT (vom Institut der Deutschen Wirtschaft kostenlos bereitgestellt) sind für die Sondererziehung von Interesse, ferner auch das Weiterbildungsinformationssystem KURS DIREKT.
Welche der vorhandenen CD-ROM Datenbanken werden im Dortmunder Kommunikationsnetz am häufigsten benutzt? Nach der Anzahl der Aufrufe der Datenbanken steht WISO, dicht gefolgt vom VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher) an der Spitze. Es folgt die Kopierfunktion. Wie wichtig nach der Recherche die Ausgabe der Ergebnisse ist, kann daraus abgeleitet werden. Entweder die Endnutzer schreiben die wichtigen Daten ab oder - ganz überwiegend - sie ziehen sich die Ergebnisse auf eine mitgebrachte formatierte Diskette und können sich so eine eigene Datensammlung zu ihrem Thema aufbauen. Eine Papierausgabe ist in Dortmund nicht vorgesehen, der Verwaltungsaufwand mit Kostenabrechnung ist zu groß.
Abb. 6: Datei auf eigene Diskette kopieren
3.2. Zu den technischen Voraussetzungen
Leider haben sich für die Bedienung der CD-ROM Literaturdatenbanken bisher noch keine Standards durchgesetzt, daher sind der Vielfalt der Recherchemenüs oder der Tastaturbelegungen keine Grenzen gesetzt.
Es gibt Anzeichen, daß größere Einheitlichkeit auch bei den Herstellern angestrebt wird, und die Aussage eines Kollegen in Dortmund von 1992 nicht mehr so relevant erscheint, daß sich die Hersteller mit immer neuen Tastenkombinationen für die gleiche Funktion gegenseitig überbieten wollen. Hier ist unbedingt eine Vereinheitlichung zu fordern.
Für die z. T. sehr aufwendigen Installationsprozesse muß in der Bibliothek neues Know-how erworben werden. Jedes Programm muß auf seine Netzwerkfähigkeit, Sicherheit, Stabilität, Funktionalität und Benutzungsführung getestet werden.
3.3. Zu den bibliothekarischen Bedingungen
Ob eine Fachbibliographie als CD-ROM in der Bibliothek angeschafft wird, ist nicht nur abhängig von den technischen Gegebenheiten und Möglichkeiten, sondern als weitere wichtige Erwerbungskriterien sind zu erfragen:
- Ist die CD-ROM überwiegend ein Substitut von Printmedien, kann auf eine Medienart verzichtet werden?
- Wie häufig erfolgt ein Update? Wie häufig erscheinen die Hefte?
- Wie hoch ist der Preis, insbesondere im Vergleich zu den gedruckten Diensten? Z. B. WISO 1993 8.550,00 DM, Soz FachInfDienst 1.280,00 DM, PSYNDEX 1993 1.606,00 DM, Psychologischer Index 202,00 DM, RSWB 1993 1.824,00 DM.
- Gibt es einen Lizenz- oder Kaufvertrag? Gelten die Preise für die Lizenzen für Einzelplatz- oder Mehrplatzversionen?
Ein Problem stellt die Rückgabeforderung für CD-ROMs einiger Hersteller nach einem Update dar. Bibliotheken erhalten ihre Etatmittel zum Erwerb von Medien, wenn Rückgaben gefordert werden, so sind besondere Verträge notwendig. Die Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände hat Anforderungen an die Hersteller und Anbieter von CD-ROM aus der Sicht der Bibliotheken erarbeitet.
- Bei der Sichtung des Marktes ist ferner wesentlich, ob dieselbe Datenbank von unterschiedlichen Anbietern vertrieben wird und ob von dem Anbieter bereits andere Produkte mit der gleichen Oberfläche vorhanden sind.
- Wichtig ist zudem, ob es Begleitmaterial zur Benutzung der Datenbank gibt, von welcher Qualität dies ist, oder ob zusätzliche Benutzungshinweise erstellt werden müssen.
4. Literaturbeschaffung, Literaturbereitstellung
Die Bereitstellung der in den Recherchen nachgewiesenen Literatur ist originäre Aufgabe der Bibliotheken. Bei sinkenden Erwerbungsetats und rasant steigenden Zeitschriftenabonnementpreisen ist dies ein schwieriges Unterfangen. Ist die Literatur in den Katalogen der Bibliothek vorhanden, so ist der Standort/die Signatur zu ermitteln und eine Ausleihe zu tätigen. Ist das Buch oder die Zeitschrift nicht in der eigenen Bibliothek vorhanden, so kann es durch eine "Fernleihe" beschafft werden. Nachdem in den regionalen oder bundesweiten Katalogen die Standorte wesentlich schneller zu ermitteln sind, müssen allerdings noch einige Wochen Wartezeit durch die Bearbeitung in den Bibliotheken eingeplant werden. Da dies die Schwachstelle in der Literaturbeschaffung ist, wird von Seiten der Bibliotheken daran gearbeitet, dies zu beschleunigen.
Ich kann von einem Projekt berichten, das in NRW ab November 1993 zum Einsatz gelangt: Das Express-System für die Bestellung und Lieferung von Zeitschriftenaufsätzen JASON-NRW = Journal Articles Sent On Demand. Zeitschriftenaufsatz - Schnellbestellsystem zunächst zwischen den UBs Bielefeld, Münster und Dortmund.
Auf der Basis der Zeitschriftenbestände der Schwerpunktbibliotheken NRW - Erziehungswissenschaften werden an der UB Dortmund gepflegt - soll das Express-System den aktuellen Zeitschriftenbestand der Schwerpunktbibliothek nachweisen und in Verbindung mit einer Bestell- und Lieferkomponente zu einer optimierten Nutzung der in NRW verfügbaren Zeitschriftenressourcen beitragen.
Bestellkomponente: Datenbank im Bibliotheks- oder Hochschulnetz mit PC-Arbeitsplatz und Anschluß an Internet, um E-Mail-Nachrichten zu verschicken.
Lieferkomponente: über Post, Fax oder Ausdruck in der eigenen Bibliothek oder elektronischer Versand - E-Mail.
Dies kann kein kostenloser Service der Bibliotheken sein:
Für interne Benutzer, d. h. Universitätsangehörige kostet eine Papier- oder E-Mail Ausgabe 3,00 DM, eine Post- oder Faxzustellung 6,00 DM; für externe Benutzergruppen das Doppelte.
Eine Transaktionsnummer muß in der bestellenden Hochschule in der Bibliothek erworben und dort die Gebühren bezahlt werden.
5. Wünsche an die Literaturdatenbank Bildung
Das Ziel sollte aus bibliothekarischer Sicht unbedingt eine gemeinsame Publikation sein. Die Zusammenführung der vorhandenen Datenmengen in eine Fachbibliographie sollte vorrangig sein. Diese Veröffentlichung sollte in drei Arten den BenutzerInnen zugänglich sein:
- gedruckt, nach Sachgebieten zusammengestellt und mit Registern versehen;
- als CD-ROM für eine kostenneutrale Suche der Hochschulangehörigen und sonstigen BenutzerInnen mit einer Software, die eingeführt ist und sich bereits bewährt hat;
- als Online-Datenbank bei einem Host, der fachlich verwandte Datenbanken anbietet z. B. DIMDI.
Wenn geplant ist, für das Fach Psychologie in der Zentralstelle für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) die Bibliographien "DAMBAUER" und "PSYNDEX" zusammenzubringen, warum sollte es in den Erziehungswissenschaften nicht möglich sein, "ZEUS" und die "Bibliographie Pädagogik" zusammenzubringen - und dies vor dem Hintergrund geringer öffentlicher Mittel, die eine Doppel- oder Mehrfachverzeichnung noch weniger einsichtig machen?!.
Ein zweimal jährliches Updating wäre wünschenswert sowie ein Online-Ordering, z. B. mit der UB Erlangen-Nürnberg oder für NRW über JASON mit der UB Dortmund. Zudem könnten gedruckte Spezialbibliographien zu aktuellen Themen in unterschiedlichen Zeitabständen aus einem so umfangreichen Datenbestand die Nutzung weiter erhöhen und spezialisierte Nachfrage befriedigen.
Monika Wederhake-Gottschalk M. A.
Universitätsbibliothek Dortmund
Vogelpothsweg 76
Postfach 50 03 60
44222 Dortmund
Tel: 0231-75 5038
Fax: 0231-75 6902
E-Mail: wederhak-ge@zb.ub.uni-dortmund.de
Hartmut Müller
Angebot und Vermittlung von Fachinformation zum Bildungswesen
Probleme aus der Sicht des Dokumentars
1. Problem: Integrierte Nutzung im Bereich ABD
Einen direkten, integrierten und umfassenden Zugang zu Archiven, Bibliotheken und Dokumentationsstellen (ABD) fordern heute viele Wissenschaftler. Für ihre Zwecke ist es dabei gleichgültig, in welchem Teil von ABD sie die Basis für ihre Forschungsarbeit finden. Gewiß, auch sie wissen, daß die Sammlung von Unikaten in den Archiven oder die von Veröffentlichungen zur Forschung in den Bibliotheken jeweils spezifische Verfahren und Methoden zur Aufbereitung erfordert und die Erschließung dieser Quellen für die Datenbanken von Informations- und Dokumentationsstellen wiederum eigenen Gesetzmäßigkeiten zu folgen hat. Das hält sie aber nicht davon ab, diese Differenzen beim Aufbau ihrer persönlichen Wissensspeicher zu übergehen und für sich einen "integrierten" Zettelkasten oder eine entsprechende Datenbank zur Verfügung zu halten. Denn schließlich haben die Primär- und Sekundärinformationen aus den drei Abteilungen von ABD für die Forschung vieles gemeinsam. Trotzdem operieren die jeweils zuständigen Einrichtungen für die Außenwelt, für ihre Nutzer, und das nicht nur bei uns, sondern weltweit, voneinander getrennt.
Für diese unbefriedigende Situation sind aber die Mitarbeiter und Verantwortlichen in Archiven, Bibliotheken und Informations- und Dokumentations-Stellen nicht allein zuständig. Ihnen wurde und wird es auch von ihren Nutzern leicht gemacht, an ihrem antiquierten beruflichen Selbstverständnis festzuhalten. Mit der massiven Verbreitung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien verändern sich allerdings die Arbeitsbedingungen sowohl der Archivare, Bibliothekare und Dokumentare wie der Wissenschaftler. Ohne die unmittelbare Nutzung von Kommunikationstechnologien am Arbeitsplatz und im Arbeitsprozeß können alle Beteiligten nicht mehr auskommen. Der persönliche Umgang mit moderner Informationstechnik führt zu einer Annäherung ihrer Interessen. Wissenschaftlern fällt es leichter, unsere elektronisch gespeicherten Informationsangebote zu nutzen. Archivare, Bibliothekare und Dokumentare grenzen sich weniger mit dem üblichen Argument voneinander ab, daß ihre jeweils spezifischen Aufgaben und Arbeitsweisen völlig inkompatibel seien. Sie suchen nach gemeinsamen Wegen im Interesse ihrer Nutzer. Dieser Prozeß wird noch forciert durch die Anforderungen leistungsfähiger Software-Produkte für Datenbanken in lokalen PC- oder überregionalen Verbundnetzen.
Im Bereich Bibliothek und Dokumentation unseres Instituts folgte daraus, die Trennung der Bereitstellung von primären und sekundären Quellen aufzugeben und die Datenbanken benutzerorientiert aufzubauen. Wir nennen dieses ein Informationssystem. Ein Informationssystem soll ein Themenfeld vollständig abbilden und beschreiben, damit die relevanten Zielgruppen in der Lage sind, die jeweils notwendigen Informationen und Originalquellen nachgewiesen zu bekommen und zu erhalten. Die Aufbereitung erfolgt mittels der Methoden und Techniken der Dokumentation.
2. Problem: Methoden und
Verfahren zur
Informationsaufbereitung
Was ist Dokumentation? Bereits der Große Brockhaus aus 1953 definierte Dokumentation:
- "Sie ist ... die Sammlung, Ordnung und Nutzbarmachung von Dokumenten, d.h. aller Gegenstände, die zum Studium, zur Belehrung und Beweisführung dienen;
- sie verwendet möglichst rationelle Methoden, Normen und Richtlinien für die Organisation und Technik der geistigen Arbeit;
- sie befaßt sich mit der zweckmäßigen Erfassung und Ordnung des Wissens- und Erfahrungsgutes in allen Fachgebieten;
- an ihrer Lösung wirken ... nicht nur die Sammlungsbetreuer, sondern im Erfahrungsaustausch auch die Sammlungsbenutzer mit".
Abstrakt galt oder gilt diese Definition für alle wissenschaftlichen Disziplinen. Mein Vortrag befaßt sich jedoch mit Information und Dokumentation (IuD) zu den Sozialwissenschaften. Meine These hierzu lautet: Information und Dokumentation zu den Sozialwissenschaften begründet sich immer noch und unabhängig von ihren fachlichen Belangen auf Definitionen, die von anderen Disziplinen bestimmt wurden. Vor allem die Naturwissenschaften schafften eine ihnen selbst genügende praktische Umsetzung allgemeiner Grundsätze der Dokumentation und gaben diese als selbstverständliche, gesetzmäßige Ableitung der theoretischen Vorgaben aus. Dementsprechend wurde und wird in unserer Profession kaum über fachspezifische Orientierungen in der Informations- und Dokumentationsarbeit gesprochen.
Dabei könnten die wissenschaftlichen Disziplinen selbst Grund genug sein, aus den jeweiligen Grundsätzen und dem methodischen Vorgehen der Forschung Rückschlüsse auf die Reproduktion ihrer Ergebnisse für Information und Dokumentation zu ziehen. Befragte man Naturwissenschaftler zu ihren Definitionen aller physikalisch relevanten Elemente bzw. deren Zuständen in chemischen Verbindungen, wird man insgesamt allgemeingültige und nur wenig voneinander abweichende Ergebnisse erhalten. Sollen dagegen Sozialwissenschaftler Definitionen ihrer wissenschaftlichen Grundelemente abgeben, beispielsweise zum Thema sozialer Schichten und Gruppen oder auch der Dimension Zeit, werden wesentliche Divergenzen ihre Aussagen bestimmen. Gewiß, auch im Detail erweisen sich naturwissenschaftliche Phänomene als ebenso vielschichtig wie die der Sozialwissenschaften. Trotzdem lassen sich selbst diese mittels Daten und Fakten konkreter beschreiben. Die Divergenzen beider sind real. Den Sozialwissenschaften darf daher auch ohne die üblichen ideologischen Scheuklappen unterstellt werden, daß in ihrem Bereich eindeutige und allgemein verbindliche Aussagen nur selten möglich sind.
Hier sollen aber nicht die Besonderheiten von Sozial- und Naturwissenschaften diskutiert werden. Es geht um Information und Dokumentation. Fakt ist: die EDV-gestützte Informationsverarbeitung zu den Sozialwissenschaften hat von der zu den Naturwissenschaftlern sicherlich wesentliche Impulse erhalten. Die Methoden und Verfahren der Erschließung von Informationen und Dokumenten in den "harten" Disziplinen wurden jedoch mechanisch von den "weichen" Disziplinen übernommen. Sie dominieren diese noch heute und schränken sie ein. Besonders wichtig ist daher die Weiterentwicklung unserer Instrumente zur Informationsaufbereitung. Mit Hilfe neuer Ansätze läßt sich die Qualität der elektronischen Informationsprodukte wesentlich verbessern.
Die traditionellen (Deskriptoren, Kurzreferate) und moderneren (Volltextrecherche, Kontextanalyse) Methoden der Information und Dokumentation reichen nicht aus, das Quellenmaterial zu unserem Fachgebiet so zu erschließen, daß die mehrdimensionalen Bezüge der Dokumente erkennbar und dadurch diese den Nutzern erst verfügbar werden. Sie entsprechen nicht der Leistungsfähigkeit der heute üblichen Informationstechnologien.
So sieht z. B. das in unserem Institut aufgebaute Informationssystem Medienpädagogik eine Form der Informationsaufbereitung vor, die sich einerseits an den Dokumenten, anderseits an der zu bearbeitenden Disziplin erschließt. Orientierung an den Dokumenten meint, die Informationen zu einer Quelle zu speichern, die den spezifischen Inhalt des einzelnen Dokuments wiedergeben und die eine optimale Sachrecherche ermöglichen. Im Ergebnis ergibt sich die kontrollierte Recherche auf der Basis eines Wörterbuchs (Thesaurus) und die Freitextrecherche im Titel bzw. im Kurzreferat. Orientierung an der Disziplin meint die Einordnung der Quellen zu einer vorgegebenen Wissenschaftssystematik.
Resultat hiervon ist eine Datenbank, die eine wesentlich durchsichtigere Struktur der gespeicherten Informationen aufweist. Weiterhin besteht die Möglichkeit der quantitativen Auswertung der gespeicherten Informationen zum Zweck der Ermittlung des Forschungs- und Sachstandes im Bereich der Medienpädagogik und der implizierten Medienforschung. Die Datenbanken können selbst zum Objekt von Forschung werden, vor allem in Verknüpfung mit den gespeicherten Deskriptoren, deren wesentliche Funktion in einer präzisen Wiedergabe der Dokumentinhalte liegt.
3. Problem: Informationsflut und Informationskrise
Archivare, Bibliothekare und Dokumentare zugleich als Verwalter des Überflusses und des Mangels auszugeben werden diejenigen akzeptieren, die auf die Leistungen dieser Berufe und ihrer Institutionen angewiesen sind und sie häufiger in Anspruch nehmen. Oder anders ausgedrückt, die Nutzer von Bibliotheken und Informationssystemen sind konfrontiert mit der Dualität von Informationsflut und Informationskrise, wobei letzteres als Produkt des erstgenannten Phänomens anzusehen ist. Im ursprünglichen Sinn bezog sich die Literatur- und noch nicht Informationsflut genannte Problematik auf die exponentiell zunehmende, nicht mehr überschaubare Zahl der Veröffentlichungen aus Wissenschaft und Forschung, bestand die Informationskrise im Mangel an Informationen zu den publizierten Forschungsergebnissen und sollte durch den Aufbau von EDV-gestützten Datenbanken überwunden werden. Der als Lösung des Problems angesehene Computereinsatz in Bibliotheken, Informations- und Dokumentationsstellen erfüllte zunächst die gesetzten Erwartungen. Indem jedoch zur weiter wachsenden Literaturproduktion das Produkt Information hinzukam, wurde ungewollt der gegenteilige Effekt erreicht, die Verschärfung der Informationskrise.
Die Leistungsangebote der Datenbanken, in denen Sekundärinformationen zu gedruckten Quellen (Bibliographische bzw. Referenz-Datenbanken) oder Primärinformationen (Fakten- und Volltext-Datenbanken) abgespeichert sind, haben zu einer qualitativen Verschlechterung des Informationsangebots und einer nicht hinreichend erhöhten Verarbeitungskapazität bei den Informationsnutzern geführt. Von 1980 bis 1993 stieg die Anzahl der Datenbanken weltweit von 400 auf ca. 6.000. Momentan erfährt die Situation eine weitere Zuspitzung, da durch neue Satz- und Drucktechniken sowie elektronische und optische Speichermedien die bisherige exponentielle Progression der Informationsangebote noch übertroffen wird.
"Wir ertrinken an Informationen, aber hungern nach Wissen" schrieb John Naisbitt bereits 1984 vor dem Hintergrund, daß sich "die wissenschaftliche und technische Information ... heute pro Jahr um 13 Prozent (vermehrt), was bedeutet, daß sie sich alle fünfeinhalb Jahre verdoppelt". Naisbitt ersetzt das Verhältnis von Informationsflut und Informationskrise durch das Begriffspaar Information und Wissen und ermöglicht damit einen überzeugenden Zugang zu dem zu analysierenden Problem. Überzeugend insoweit, da zu häufig Wissen und Information gleichgesetzt, die Zunahme des Wissens mit der Vermehrungsstatistik von Bibliotheken oder mittels der Zuwachsraten von Zeitschriftenaufsätzen bestimmt wird. Auch die weiteren Standards zur Messung der 'Wissens'explosion orientieren sich an Daten, die lediglich äußere Merkmale der Wissensproduktion repräsentieren: Budgets der Forschung und Forschungsförderung, personelle Ressourcen, Veränderungen der Berufsfelder, Bildungsstatistiken oder z. B. Produktivitätskennziffern. Wissen wird bei Verwendung dieser Standards funktional definiert als das, was objektiv bekannt ist, ein geistiges Eigentum, das mit einem (oder mehreren) Namen verbunden ist und durch ein Copyright oder eine andere Form sozialer Anerkennung (z. B. Veröffentlichung) seine Bestätigung erhält.
Der Gleichsetzung von Information und Wissen ist deren Differenz gegenüberzustellen. Wird die 'Wissensexplosion' mit dem beschleunigten Anwachsen von Informationen und Informationsträgern gleichgesetzt, so entsteht der Eindruck, daß sich z. B. Wissen und Veröffentlichungen gleichermaßen exponentiell vervielfacht haben. Die Diversifikation des Wissens ist zwar auch charakteristisches Element der Informationsgesellschaft. Jedoch, mit ca. sechs Millionen Begriffen gelingt es Wissenschaft und Technik, ihre Gegenstände, Inhalte und Ergebnisse zu beschreiben. Demgegenüber kommen jedes Jahr weltweit mehr als sechs Millionen wissenschaftliche Publikationen auf den Markt. Die 'Wissensexplosion' sollte daher vor allem auf die Veröffentlichung von Wissen bezogen werden, sie ist Resultat der wiederholten Darstellung des Wissens in Informations- und Kommunikationsmedien. Die Menge des veröffentlichten Wissens ist ein Vielfaches des faktischen Wissens. Dementsprechend ergibt sich für die Lösung der heutigen Ausprägung der Informationskrise, die Kluft zwischen den in Datenbanken gespeicherten Informationen zu dem dahinter verborgenen Wissen zu überbrücken, also diejenigen Informationen selektieren zu können, die das benötigte Wissen tatsächlich enthalten.
Daraus folgt, daß die Informationsprodukte der Informations- und Dokumentations-Stellen auch analytischer Art sein sollten. Das beginnt damit, daß die Inhalte der Datenbanken für ihre Nutzer einsehbar werden. Im Gegensatz zu gedruckten Diensten oder Zettelkästen wirken sie häufig wie die sogenannten 'schwarzen Löcher' im Universum. Sie saugen Informationen auf und lassen diese danach verschwinden. Ein großes Problem von bibliographischen Datenbanken zu sozialwissenschaftlichen Themen ist demnach heute, daß nach einer Recherche die Unsicherheit bleibt, ob die potentiell vorhandenen Nachweise der relevanten Quellen auch tatsächlich gefunden und ausgegeben worden sind. Ergänzend zur bereits oben geforderten Strukturierung der Datenbanken benötigt auch die Forschung Profildienste und State-of-the-Art-Reports, die aus der laufenden Erschließung von Dokumenten zu speziellen Sachthemen entstehen. Auch die Auswertung der Datenbankinhalte unter formalen, inhaltlichen oder zeitlichen Gesichtspunkten kann eine große Hilfe zur optimierten Nutzung von Datenbanken sein.
4. Schlußbemerkung
Mit meinen Ausführungen habe ich versucht, vor allem zwei Problemkreise anzusprechen. Der erste betrifft den Zusammenhang von Bibliotheken und Informations- und Dokumentations-Stellen. Der Autor nimmt sich nicht von denen aus, die zu häufig vergessen, daß Information und Dokumentation nicht nur auf den Beständen der Bibliotheken aufbauen, sondern in erster Linie dazu dienen, diese in ihrer ganzen Breite für die Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar zu machen. Gerechterweise muß aber auch gesagt werden, daß die Bibliothekare uns dabei nur bedingt entgegenkommen. Es besteht eine Konkurrenz und gegenseitige Abgrenzung, die keiner Seite nützt, insbesondere nicht den Nutzern.
Zweitens wollte ich auf einige Defizite bei der von meiner Profession geleisteten Arbeit hinweisen. Die Information und Dokumentation zu den Sozialwissenschaften bedarf einer eigenen Identität. Die klassischen Methoden und Verfahren der Informationsaufbereitung reichen nicht aus, um die Ergebnisse dieser Forschung adäquat wierderzugeben. Nicht die Quantität bestimmt die Bedeutung einer Datenbank. Nicht die Menge des Outputs kennzeichnet eine professionelle Informationsvermittlung.
Den Dokumentaren und den Bibliothekaren ist die Frage zu stellen: Was nützen riesige Daten- oder Buchbestände, wenn wesentliche Teile davon nicht aktiviert werden können?
Antworten wir darauf und ändern wir die Vorbedingungen!
Anschrift des Verfassers:
Dipl.-Soz. Harmut Müller
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung
Postfach 90 02 80
60442 Frankfurt/Main
Tel.: (069) 24 708-420/1
Fax: (069) 24 708-4444
Thomas Feuerstein
Informations-
und Kommunikationsaustausch
zwischen Hochschulen und Einrichtungen
der Bildungspraxis
Erfahrungen
und Konsequenzen
am Beispiel von SONETT
Aufgaben und Ziele von SONETT
- Anschluß und Nutzung des X.25-Wissenschaftsnetzes über DFN;
- Austausch von Computerprogrammen für die Soziale Arbeit, Verteilung von Updates und Dateien (z. B. SOLDI, CISS, BICO u.ä.);
- Informationen zu Software, Literatur, Behindertenhilfsmittel, Soziale Einrichtungen etc.;
- Nationaler und internationaler Erfahrungsaustausch, Kooperation im Rahmen des europäischen Verbundes ENITH (European Network for Information Technology in Human Services) und des amerikanischen Netzes CUSSNET (Computer Use in Social Services Network), Kontakte zu Osteuropa;
- Fachkonferenzen für Nutzer mit gemeinsamen fachlichen Interessen (wie Behinderte, Jugendarbeit etc.), gemeinsame Entwicklungen, gemeinsame Unterrichtseinheiten, Publikationen, Hochschulpolitik und Verwaltung;
- Unterstützung von lokalen Netzen für Sozialarbeiter und Klienten;
- Nutzung von Informationsmedien der empirischen Sozialforschung und Statistik.
Erfahrungen mit dem
SONETT-Projekt
nach Ablauf der 3jährigen Projektphase
Faßt man unsere Erfahrungen und Anregungen zusammen, so ist besonders hervorzuheben, daß
- ohne Unterstützung des Rechenzentrums und des Fachbereichs Informatik ein WIN-Anschluß inkl. Konfiguration des Verbindungsaufbaus nicht zustande gekommen wäre;
- der Dialog im SONETT über die Selbstthematisierung von SONETT/DFÜ noch keinen medialen Charakter für den fachlichen Austausch in Forschung, Lehre und sozialpädagogischer Praxis bzw. auf der Konferenzebene der Fachbereichsleiter/-innen angenommen hat;
- UNIX und OSITEL/400 als Kommunikationssoftware benutzerunfreundlich für E-Mail und den Import/Export von Informationen ist;
- komfortablere Benutzeroberflächen mit Brettsystem und zumutbaren Import/Exportmöglichkeiten von Informationen notwendig wären;
- ein didaktisch aufbereitetes DFÜ/SONETT-Nutzerhandbuch der erste notwendige Schritt für weitere DFÜ-Fronarbeit von DFÜ-Unverzagten nach der Projektphase von SONETT wäre;
- Telekommunikation in der Ausbildung von Sozialpädagogen/-innen noch Pilotcharakter für Minoritäten mit instrumentalisierenden statt fachlich-inhaltlichen Tendenzen hat;
- eine Akzeptanzbreite bei Professoren/-innen, Studenten/-innen und Sozialpädagogen/-innen in der Praxis von einer Unterstützung durch DFÜ-geschultes Personal und letzten Endes davon abhängig ist, daß der Nutzeraufwand für DFÜ zu einem produktiven Verhältnis sich entwickelt zum Nutzen durch DFÜ.
Und nun? Was tun? - Ein Zukunftsszenario
Voraussetzungen für den Informations- und Dokumentationsaustausch von Hochschulen und Einrichtungen der Bildungspraxis
Hochschulexterne Voraussetzungen
- Standardisierung und Vereinheitlichung der DFÜ-Hard- und Software durch intelligente Installations-, Systemerkennungs- und Konvertierungsprogramme (Konfigurationsprobleme, Kompatibilitätsschwierigkeiten zwischen amerikanischen, deutschen und fernöstlichen Modems; Unterschiede in der Informationsübertragung [Protokolle, Darstellungsmodi, Verpackungen]; in der Bedienersprache (Ende, Exit, logout, logoff, quit) u. a. m.;
- DFÜ-Softwareergonomie für benutzerfreundliches E-Mail und den Import/ Export von Informationen (z. B. durch konfigurierte leicht konfigurierbare Pointprogramme);
- Einrichtung von DFÜ-Supports für Installations-, Konfigurations- und Konvertierungsprobleme.
Hochschulinterne Voraussetzungen
- Gateways zwischen professionellen Netzen (z. B. WIN) und Bürgernetzen (z. B. Computernetzwerk LINK-Systeme), zwischen Datex-P- (Packetvermittlungstechnik "data exchange packet"), ISDN- und Telefonverbindungen (z. B. BTX -> Fernuniversität Hagen -> WIN -> SONETT bzw. andere NUA oder Mailbox des FB Informatik -> WIN -> SONETT bzw. andere NUA);
- Bereitstellung von themenspezifischen Datenbanksegmenten, Softwareinformationen, Dokumentationen und aktuellen Informationen in den Brettern und Verzeichnissen der Bürgernetze (Beispiele: SOLIT (Literatur zu Theorie und Praxis der sozialen Arbeit) in SONETT; SODIS (Software-Dokumentations- und Informationssystem für die allgemeinbildende Schule) in BIBBMAIL (Informations- und Kommunikationsdienst des Bundesinstituts für Berufsbildung);
- Einrichtung von Fachkonferenzen für bildungs- und forschungsrelevante Fragen;
- Bereitstellung und Finanzierung von Laboringenieuren/-innen bzw. vergleichbarer Mitarbeiterstellen für den EDV-Bereich pädagogischer Studiengänge (vgl. KFS-Papier "Informatik in der sozialen Arbeit. Beschäftigung von hauptamtlichem Personal");
- Weiterbildungsangebote in den Bildungsinstitutionen Schule, Hochschule, Weiterbildung, außerschulische Jugend- und Erwachsenenbildung: Einführung in die Welt der Informations- und Datenbankanbieter (Mailbox- und Datenbankführer) und in der DFÜ-Handling (Kommunikationssoftware);
- Entwicklung und Finanzierung von didaktisch-aufbereiteten zielgruppenorientierten DFÜ-Nutzerhandbüchern, wie z. B.
- und abrufbaren Hilfen in Form von ausdruckbaren Dokumentationen (wie z. B. die von BIBBMAIL).
Schlußwort
Ich sehe die Notwendigkeit, Dahrendorfs "Bildung ist Bürgerrecht" angesichts der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zu aktualisieren. Dabei sehe ich eine öffentlich-rechtliche Aufgabe darin, den Zugang zu Information und Dokumentation als Medien von Bildung angesichts neuerer Entwicklungen zu entprivatisieren, entkommerzialisieren und bürgernah zu gestalten.
Anschrift des Verfassers:
Prof. Dr. Thomas Feuerstein
Fachhochschule Wiesbaden
Fachbereich Sozialwesen
Kurt-Schumacher-Ring 18
65197 Wiesbaden
Tel.: (0611) 949 5315
Fax: (0611) 949 5303
E-mail: Feuerstein@Informatik.fh-Wiesbaden.d400.de
Diann Rusch-Feja
Resümee der
Podiumsdiskussion:
"Was nun, was tun? - Ein Zukunftsszenario"
Einleitung
Nachdem kurz neueste Entwicklungen auf dem Gebiet der Bildungsdokumentation erläutert wurden, war die Podiumsdiskussion ein Forum, auf dem Anforderungen und Probleme von Seiten der Entscheidungsträger, der Produzenten und der Anwender (Bibliothekare, Informationsvermittler, Wissenschaftler) angesprochen und nach Lösungsvorschlägen gesucht wurde.
Die Diskussion wurde von Professor Dr. Peter Diepold geleitet, der auch eine kurze Einleitung in die Problematik aus seiner Sicht als Wirtschaftswissenschaftler gab. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren:
- Prof. Dr. Thomas Feuerstein, Fachhochschule, Wiesbaden
- Annemarie Nase, Informationszentrum Sozialwissenschaften (IZ), Bonn
- Ministerialdirektor Peter Schermer, Hessisches Bildungsministerium, Wiesbaden
- Ministerialrat Dr. Gerhard Silvestri, Österreichisches Bildungsministerium, Wien
- Jürgen Theuerkauf, Universitätsbibliothek Erlangen
Jeder der Teilnehmer begann mit einer Darstellung der Probleme aus seiner Sicht, worauf eine offene Diskussion folgte. Da vielfältige Aspekte angesprochen wurden, haben sich die Herausgeber dieses Bandes dafür entschieden, Problemkreise und Lösungsansätze im folgenden zusammenzufassen. Der Beitrag von Herrn Professor Dr. Feuerstein, der über das "Projekt Soziale Netzwerk Telekommunikation" an der FHS Wiesbaden berichtet, wurde in diesem Band gesondert wiedergegeben.
1. Den Wettberwerb im
Bildungswesen
und in der Bildungsinformation international bestehen
Auf allen Ebenen steigen die Anforderungen: Bildungswesen - Bildungsinvestition - Zukunftsinvestition! In der postmodernen Gesellschaft wird Information zur Voraussetzung für wirtschaftlichen Wachstum. Die internationalen Entwicklungen haben gezeigt, daß Investitionen gerade für Bildungsinformation erforderlich sind. Auch der Vergleich mit Bildungssystemen anderer Länder ist sehr wichtig. Vor allem in die Infrastruktur der Informationsversorgung sollte investiert werden. Das bezieht sich nicht nur auf die technischen Bedingungen, die die Netzwerkbedienung ("Daten-Highways") möglich machen, sondern auch auf die netzinternen Strukturen, die die sinnvolle Benutzung dieser Quellen unterstützen. Durch die Vernetzungsmöglichkeiten ist es zunehmend möglich und wichtig, schnell, effektiv und kostengünstig an die benötigten Informationen zu gelangen.
2. FIS-Bildung - erfolgreich gediehen
16 Länder und der Bund hatten sich auf das Vorhaben geeinigt, ein Fachinformationssystem (FIS) für Bildungswesen als Modellversuch zu finanzieren. Die Leistungen von FIS-Bildung wurden positiv gewürdigt. Die erfolgreiche Arbeit und die Ergebnisse führten zur Forderung, daß das "Pflänzchen in Zukunft erfolgreich blühen und gedeihen möge". Die CD-ROM Bildung, die im Modellversuch FIS-Bildung mit Hilfe der zuliefernden Bibliotheken und Dokumentationsstellen erarbeitet wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Das Ziel war, möglichst viele Datenbestände von möglichst vielen Stellen einzubringen und diese Informationen anderen in einer kostengünstigen, allgemein zugänglichen Lösung zur Verfügung zu stellen. In der zukünftigen Entwicklung sind neue Qualitätsstufen vorgesehen (einheitliche Ordnungsmittel, Abstracts etc.) sowie eine Erweiterung, um Informationen aus den Bereichen Allgemeinbildung, Berufs- und Hochschulbildung etc. mit einzuschließen.
Eine zweijährige Verlängerung des Modellversuchs über die Befristung Ende 1994 hinaus ist in Aussicht gestellt, und der weiteren Finanzierung als Regeleinrichtung nach Ablauf des Modellversuchs wird mit Optimismus entgegengesehen. Sogar die Vorbehalte gegen einen "gemeinsamen Datenpool", der im Vorlauf zum Modellversuch und in der schriftlichen Darstellung des Projekts niedergelegt wurden, sind abgebaut worden. Auch die Online-Modalitäten für die durch FIS-Bildung zusammengestellte Datenbank sollten erprobt werden.
3. Die Problematik der Literaturversorgung
Das DFG-Sondersammelgebiet Bildung für einschlägige deutsche und ausländische Literatur existiert in der Universitätsbibliothek der Universität Erlangen seit 1949 und seit 1982 werden die Titel mit EDV erfaßt. Nachweise über diese Medien findet man gedruckt in der Reihe B der Deutschen Bibliographie und in der Bibliographie Pädagogik. Seit 1993 können die Bestände ("ELIS") über Internet recherchiert werden.
Wesentliche Auswirkungen der Mittelverknappung sind jedoch in der Literaturversorgung zu spüren. Probleme für Bibliotheken inkl. des DFG-Sondersammelgebiets Bildung sind die schrumpfenden Erwerbungsetats, die verminderte Kaufkraft durch die Teuerungsrate gerade im wissenschaftlichen Bereich sowie die Zoll- und Portoerhöhungen, die leider statt als Betriebskosten aus den Buch- und Zeitschriftenetats gedeckt werden müssen. Dies erschwert den Bibliotheken, ihrer Pflicht hinsichtlich der Literaturversorgung nachzukommen. Wenn z.B. Bibliotheken Zeitschriftenabonnements abbestellen oder Bücher nicht kaufen können, dann sind erhöhte Anforderungen über das Fernleihnetz an einigen wenigen Bibliotheken mit geringeren Mitteln zu bewältigen. Fazit: Wenn diese Entwicklung anhält, werden die Bibliotheken kaum noch in der Lage sein, die benötigte Literatur zur Verfügung zu stellen.
Bibliotheksverbundsysteme, Netze und neue Technologien werden notgedrungen neue Möglichkeiten schaffen. Sie dürfen aber nicht darauf hinauslaufen, daß die Literaturversorgung noch teurer und zeitlich noch aufwendiger wird. Eher sollten gerade die neuen Technologien dazu dienen, eine uneingeschränkte Literaturversorgung zu sichern, einschließlich der grauen Literatur inklusive Dokumentenlieferung. Dies erfordert zunehmend Kooperationsabsprachen wie beim Projekt BGK-OS/2, an dem Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen (DIMDI, DBI, Südwest-Bibliotheksverbund, Niedersächsischer Bibliotheksverbund, PICA, FIZ Karlsruhe etc.) teilnehmen und Schnittstellen zu ausländischen Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen und -systemen herstellen.
4. Neue Ansprüche an die
Informationsvermittlung
und Informationsbereitstellung
- Fragen der Informationsdarbietung
Bibliothekare und Informationsvermittler müssen aufpassen, daß die Informationsströme nicht an den Bibliotheken und Dokumentationsstellen vorbeilaufen. In vielen Fällen lehnte das Bibliothekspersonal neue Entwicklungen ab - heute müssen wir ihnen nachlaufen. Den bestehenden Organsationsstrukturen wurde zuviel Beachtung auf Kosten der strukturellen Änderungen in der Informationswelt geschenkt. Man müsse mehr den Bedürfnissen der Benutzer nach breiteren Informationen nachkommen und Formalitäten nicht überbewerten. Weniger Ausführlichkeit in der Form des bibliographischen Nachweises und bei der Regelanwendung sind erforderlich, zumindest wenn es um zeitliche Abstriche geht: Der Benutzer ist daran interessiert, Informationen über benötigte Literatur zu erhalten und diese schnell zu bekommen. Es ist ihm meistens egal, wieviel Seiten das Werk hat, welches Format oder ob ein Punkt auf der Titelkarte an der richtigen Stelle steht. Ziel muß sein, den Bedürfnissen der Benutzer näher zu kommen, ohne Qualitätsverlust.
Im Wesentlichen ist der Benutzer an einer Aussage über den Inhalt und die Verwertbarkeit der Informationen interessiert. Daher werden mehr Bemühungen nach Kooperation zwischen Bibliotheken und Informationsstellen bei der Erschließung gefordert. Hier gibt es schwierige Schnittstellen, sowohl bei der Einheitlichkeit als auch bei der Qualität. Was sollen die Datenbanken inhaltlich zusätzlich leisten? Kurzreferate, Abstracts, einschlägige Verschlagwortung, Bestandsnachweise etc.? Einige Verleger bieten sogar die Inhaltsverzeichnisse online oder maschinenlesbar an.
Endbenutzer müssen künftig mit Unterstützung von Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen selbständig in Datenbanken recherchieren können. Allerdings muß eine auf das Wesentliche beschränkte Interessenlage des Benutzers vorausgesetzt werden. Es sind nur wenige Kategorien, die ihn interessieren: Wie aktuell ist das Dokument? Was steht im Abstract? etc.
Zu den Benutzerfragen gehört auch, daß die Universitäten zunehmend vernetzt werden, doch besteht keine Einheitlichkeit bei der Bedienung und Benutzeroberfläche von CD-ROMs, OPACs etc. Meistens kann man dennoch den gesuchten Nachweis ermitteln jedoch oft mit einiger Mühe. Des halb müssen benutzerfreundliche Oberflächen entwickelt werden. Dies trifft insbesondere für die Benutzung der Netze zu, damit der Benutzer z.B. gleich weiß, in welchem Datenpool er sich bewegt und was er sucht.
Für Wissenschaftler ist die "graue Literatur" von nicht unerheblicher Bedeutung. Die Beschaffung und Verteilung sollte nicht dem Zufall überlassen bleiben. Eine Regelung muß gefunden werden, die andere Distributionsmethoden zum Nutzen der Wissenschaft einführt. Zu beantworten ist auch die Frage, wie man arbeitsteilig vorgehen kann, um zuverlässig mehr Aufsätze, Hochschulschriften und graue Literatur zu verzeichnen einschließlich des Verfügbarmachens für mehrere Leute.
- Berufsveränderung - wieso zwei getrennte Berufe: Bibliothekar und Dokumentar?
Die Tätigkeiten der Bibliothekare und Dokumentare wachsen zusammen. Auch der grenzüberschreitende Charakter der neuen Netze führen dazu, Informationsprofessionals noch enger zusammenzubringen: Wir müssen uns aus dem deutschen oder deutschsprachigen Rahmen zumindest in den europäischen Raum begeben.
Probleme und unterschiedliche Ansichten zum Thema: verfügbares Personal für die intermediäre Informationsvermittlung. Das vorhandene Personal hat oft andere Aufgaben wahrzunehmen und ist mit den neuen Technologien zumindest in der Netzwerknutzung wenig geschult. Es gibt noch keinen Weg zum effektiven Umgang mit der Information. Wir müssen unsere Arbeitsweisen drastisch verändern. Es gibt Ansätze in dieser Hinsicht, aber es gibt noch große Angst vor der Informationsflut und vor den elektronischen Entwicklungen. Die Kommunikation wird stärker über WIN oder Internet stattfinden. Entsprechende Fort- und Weiterbildung hinsichtlich der neuen Anforderungen muß gewährleistet sein.
- Nicht nur auf e i n technisches Trägermedium stützen
Ein Informationspool sollte zur Verfügung gestellt werden. Mehrere Produkte können davon abgeleitet werden: Ein sehr offenes, reichhaltiges Angebot wird gefordert. Was vorhanden ist, sollte für alle nachgewiesen werden. Themenspezifische Aspekte und Standardprofildienste können abgeleitet werden, jedoch sollten auch interdisziplinäre Zugriffe gewährleistet sein. Mehr Flexibilität in der Informationsdarbietung ist zu gewährleisten.
CD-ROM ist eine rationelle Form der Gegenwart, die Zukunft dieses Mediums ist jedoch ungewiß. Die Nutzung des Online-Zugriffs - vor allem über Informationsnetze - zeigt weltweit eine steigende Tendenz. Bei den Netzen, über die Produzenten Informationsleistungen anbieten, herrscht wenig Einheitlichkeit. Aus ihrer Sicht ist das Nadelöhr der Experte in der Bibliothek oder Informationsstelle, der die Information weitervermittelt und von dem die Informationsproduzenten abhängig sind. Weiterhin ist es ein Problem der Zugriffsmöglichkeiten selbst. Endnutzer begeben sich häufiger selbst an die Geräte und verlangen nach einer nutzerfreundlichen Recherche-Oberfläche. Wenn die Kommunikation stärker über Netze verläuft, wie im Internet, dann stehen neue Probleme an: Umfang und Qualität der Datenfernübertragung, Datenformate, DFÜ-Dokumentenarten und Übertragungsanforderungen, die Bedienung von verschiedenen Strukturen und Benutzeroberflächen, verschiedene Protokolle und Netzwerkverbindungen u. a. Die Akzeptanzfragen spielen hier eine nicht unwesentliche Rolle und die Unterstützung durch DFÜ-Personal ist ein wichtiger Aspekt sowie die Entwicklung von zielorientierten DFÜ-Nutzerhandbüchern.
5. Urheberrechtliche Aspekte und Lizenzen
Es werden dringend Regeln für die Netzlizenzen gebraucht (sowohl für CD-ROM als auch für Nutzung von Daten und Dokumenten aus Netzen). Zunächst wird an die Zugriffsmöglichkeiten und -modalitäten gedacht, wie die Benutzung geregelt wird: bei manchen Produkten geht es nach Anzahl der eingeschalteten Benutzer oder nach potentiellen Nutzern, manche bieten Campus- oder Länderlizenzen für die Benutzung ihrer Dienstleistungen an. Ein Beispiel: Die Verteilung von CD-ROMs an die Schulen scheitert daran, daß die urheberrechtlichen Fragen nicht geklärt sind.
Ferner gibt es Copyright-Probleme bei den Quellentexten bzw. Volltexten. Die urheberrechtlichen Probleme - vor allem in offenen Netzen - sind nicht geregelt, wenn man einen Teil einer Datenmenge abzieht, benutzt (z. B. in einer eigenen Datenbank oder in einer Veröffentlichung) und sogar weiterverkauft.
Das Urheberrecht in Deutschland sieht anders als im Ausland aus. Aber auch dort werden die ersten Erfahrungen mit elektronischem Publizieren gemacht. Zusatzdienstleistungen von Firmen in Zusammenarbeit mit Bibliotheken wie Online-Dokumentenlieferung haben unterschiedliche Kostenberechnungen, in manchen Fällen ohne Copyright-Anteile für den Verlag oder sogar für den Autor (zum Beispiel zusammengestellt aus Artikelkosten, Urheberrechtkosten und Übertragungs-/Dokumentenlieferungskosten).
Auch Verlage stoßen nun auf den elektronischen Publikationsmarkt vor. Jetzt ist die Frage, wie Datenbankanbieter sowie Benutzer künftig mit diesen Partnern umgehen. Die Gesellschaft Information Bildung (GIB) bietet ein gutes Forum dafür, diese neuen Probleme sichtbar zu machen und die urheberrechtlichen sowie andere Fragen mit den Verlagen zu klären.
Für Wissenschaftler ist ebenfalls ein neuer Aspekt des Publizierens mit den Netzwerken hinzugekommen: die Schnelligkeit der Informationsverbreitung (GMD-Schrift). Ein "Schriftstück" im Netz kann zum Ausdruck angeboten werden und steht dann bereits unter Copyright, ohne über die traditionellen Publikationswege zu gehen.
6. Brauchen Wissenschaftler neue Leistungen?
Bildung selbst ist ein vielschichtiger Bereich, der zugleich Informationen zu den soziokulturellen Bedinungen, den Kulturzusammenhängen und vielen kulturpolitischen Aspekten mit einschließt. Das Spannungsfeld zwischen Erziehungswissenschaft und Fachdidaktik könnte jedoch durch ein verbessertes Informationsangebot geglättet werden.
In der Diskussion wurde sichtbar, daß die Informationslage erheblich verbessert werden muß:
2. Ein offenes Angebot wird gewünscht, durch das die Kluft zwischen Wissenschaft und Praxis überbrückt und gewährleistet wird.
3. Die Informationsflut und weniger das Informationsdefizit stellt das Hauptproblem für die Wissenschaftler dar. Daraus ergeben sich z.B. eine verstärkte Kooperation aller Akteure. Kooperation statt Hierarchie muß das Verhältnis zwischen Forschung und Information bestimmen. Wissenschaftler brauchen Informationen aktuell, partiell aufbereitet und vergleichend. Das erfordert, die Durchlaufzeiten für wissenschaftliche Arbeiten in den Bibliotheken zu verkürzen. Weiterhin wird künftig von Bibliothekaren und Dokumentaren erwartet, daß sie "parzelliertes Wissen" (auch aus verschiedenen Quellen) zusammenführen (Stichwort: "Value-added Information"). Weiterhin sollen themenspezifische Dokumentationen angelegt werden. Eine verbesserte Übersicht über das Forschungsfeld wird gewünscht: wer arbeitet woran? Das wäre eine mögliche weitere Aufgabe für die Informationsvermittler an Informationsstellen und Bibliotheken.
4. Es betrifft aber auch die "Pflege der Wissenschaftskultur", Maßstäbe, die an wissenschaftliches Arbeiten gestellt werden. Hierzu sind alle Wissenschaftler, Informationsmitarbeiter und Bibliothekare gefordert. Die neuen Möglichkeiten mittels der Netze verändern auch die Arbeitsweisen sowohl von den Wissenschaftlern als auch von Bibliothekaren, Dokumentaren und allen, die den Wissenschaftlern zuarbeiten. Die Zukunft beginnt ab sofort - nicht erst im Jahr 2000. Das gilt auch für die Wissenschaftler als Benutzer von elektronischen Medien, die ihnen das Informations- und Dokumentationswesen anbietet. Sie müssen sich den neuen Anforderungen stellen, die die zunehmende Internationalisierung mittels der Informations- und Kommunikationstechnologie mit sich bringt.
5. Gefordert wurden außerdem mehr Kooperation und intensivere Verbindungen zu europäischen und anderen ausländischen Netzen. Fachkonferenzen zwischen Nutzern mit gemeinsamen Fachinteressen sollen angeboten werden sowie Informationen über Unterrichtseinheiten, Software, über Veranstaltungen u. a.
7. Schlußbemerkungen
Ziel muß es sein, den Bildungsbereich zu modernisieren und zu entkommerzialisieren. Bildungsinformation muß als gesellschaftspolitische Aufgabe verstanden werden. Jeder daran Beteiligte sollte dafür eintreten, daß öffentliche Förderung erfolgt und Informationsdienstleistungen nicht primär kommerziell betrieben werden. Von den Amerikanern könnten wir das Prinzip der "Data Highways" (Datenautobahnen) übernehmen. Ziel ist eine Demokratisierung, bei der Information Bürgerrecht ist.
Das Fortbestehen von FIS-Bildung muß gesichert werden.
Die elektronische Kommunikation wird sich schnell weltweit entwickeln und noch stärker verbreiten. Die Welt des Internet zu beherrschen - das sollte unser Ziel sein. In dieser Richtung sind andere Wissenschaften viel weiter, aber hoffentlich finden wir, Erziehungs- und Geisteswissenschaftler, bis zum Jahre 2000 oder früher den Anschluß.
Die Gesellschaft Information Bildung ist ein notwendiges Gremium. Wir müssen weiter miteinander diskutieren und zusammenarbeiten, um nicht nur an dem Fortschritt beteiligt zu sein, sondern ihn auch zu beeinflussen.
Anschrift der Verfasserin:
Dr. Diann Rusch-Feja
Bibliothek und Wissenschaftliche Dokumentation des
Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung
Lentzeallee 94
D-14195 Berlin
Tel.: (030) 829 95 230
Fax: (030) 824 99 39
e-mail: ruschfeja@mpib-berlin.mpg.d400.de
Teilnehmer und
Aussteller
Bambey, Doris, FIS-Bildung Frankfurt/Eschborn
Barkowski, Susanne, DIPF, Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin
Barmettler, Dr. Hugo, Institut für Berufspädagogik, Dokumentation Zollikofen-Schweiz
Bartel, Dr. Heinz, DIPF - IuD Frankfurt
Bassauer, Johannes, Bibliothek der Pädagogischen Hochschule Freiburg
Bausch, Mechthild, Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsforderung Bonn
Bergmann, Harald, Universität Jena, Institut für Erziehungswissenschaften
Birke, Peter, DIPF - Bibliothek - IuD Frankfurt
Bitter, Bernhard, Landesinstitut für Schule und Weiterbildung Soest
Bodem, Claudia, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen
Botte, Alexander, FIS-Bildung Frankfurt/Eschborn
Christopher, Dr. Bernd, Bundesinstitut für Berufsbildung Berlin
Delling, Manfred, M. A., Deutsches Institut für Fernstudien Tübingen
Denzer, Albrecht, DIPF - Bibliothek - ID Frankfurt
Diepold, Prof. Dr. Peter, Humboldt-Universität, Pädagogik und Informatik, Berlin
Dorner, M., Ruhr-Universität Bochum, Institut für Pädagogik, Vergleichende Bildungsforschung
Fabian, Christoph, Borgloh
Feuerstein, Prof. Dr. Thomas, Fachhochschule Wiesbaden
Fingerle, Prof. Dr. Karlheinz, Universität - GHS Kassel (Ahnatal)
Flintjer, Dr. B., Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Furrer, M., Pestalozzianum Zürich, Bibliothek/Mediothek
Giere, Ursula, UNESCO - Institut für Pädagogik Hamburg
Grebing, Dr. Renate, Informationszentrum für Fremdsprachenforschung der Universität Marburg
Grubits, Peter, Österreichisches Institut für Jugendforschung Wien
Grzesik, Gisela, Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft, Bibliothek, Bonn
Hilberg, Frau, Justus-Liebig-Universität Giessen, Wirtschaftspädagogik
Hochwald, Dr. Karl-Heinz, Landesinstitut für Schule und Weiterbildung Soest
Hollenberger, Monika, Pädagogische Zentralbibliothek Baden-Württemberg, Stuttgart
Horlebein, Dr. Manfred, Universität Erlangen - Nürnberg, Lehrstuhl Pädagogik
Jelich, Franz-Josef, Forschungsinstitut für Arbeiterbildung Recklinghausen
Kiel, Dr. Ewald, Institut für Interkulturelle Didaktik der Georg-August-Universität Göttingen
Klingmüller, Dr. Bernhard, Freie Universität Berlin, Projekt WISTA
Knobelsdorff, Angelika von, Technische Universität Berlin, Universitätsbibliothek, Erziehungs-wissenschaften
Kohls, Dr. Rosemarie, DIPF- IuD Frankfurt
Kretzschmar, Rüdiger, DIPF - Bibliothek - ID Frankfurt
Labouvie, Yrla M., Zentralstelle für Psychologische Information und Dokumentation an der Universität Trier
Liebl, Peter, Pädagogische Arbeitsstelle des Deutschen Volkshochschul-Verbandes Frankfurt
Mandler, Rudolf, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaften
Martini, Dr. Renate, DIPF- IUD Frankfurt
Maslankowski, Dr. Willi, Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft Bonn
Meyer, Manfred, Int. Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen München
Meyer, Peter, Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung Rohr-Schweiz
Müller, Hartmut, DIPF, Bibliothek - ID Frankfurt
Nase, Annemarie, Informationszentrum Sozialwissenschaften Bonn
Norpoth, Susanne, FIS-Bildung Eschborn/Frankfurt
Peske, Dr. Ortwin, Humboldt-Universität zu Berlin, Pädagogik und Informatik
Peters, Robert, Hessisches Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung Wiesbaden
Pohlmann, Dr. J., Universitätsbibliothek Osnabrück
Richard-Malmede, Waltraud, Stadtbücherei Bochum
Riege, Herr Dr., Informationszentrum Sozialwissenschaften Bonn
Rommel, Dr. Hans-Georg, EURYCLEE, Rheinbach
Rost, Dr. Friedrich, Freie Universität Berlin, Erziehungswissenschaften
Rüdiger, Cyprian, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit Nürnberg
Rusch-Feja, Dr. Diann, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Bibliothek/wiss. Dokumentation, Berlin
Sauer, Elke, DIPF - Bibliothek - ID Frankfurt
Scheffler, Dr. Christine, DIPF - IuD Frankfurt
Schermer, MinDir Peter, Hessisches Kultusministerium Wiesbaden
Schick von Flotow, Lukardis, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaften
Schray, Dorothee, Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung München
Schubert, J., Sächsisches Staatsinstitut für Bildung und Schulentwicklung. Comenius-Institut, Bibliothek Dresden
Schubring, Dr. Gert, Institut für Didaktik der Mathematik, Universität Bielefeld
Schulze, Christa, Hessisches Kultusministerium Bibliothek Wiesbaden
Senegalia, Maria, DIPF - Bibliothek - ID Frankfurt
Silvestri, MinRat Mag G., Amtsbibliothek des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst in Wien
Stallmeister, W., Fernuniversität Hagen, Universitätsbibliothek
Stenzel, Brigitte, DIPF - IuD Frankfurt
Straub, Werner, Landesinstitut für Schule und Weiterbildung Soest
Strelcyk, Nikolaus, Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt
Suppa, Peter, Staatliche Landesbildstelle Hessen Frankfurt
Sziburies, Dr. Ute, Martin-Luther-Universität Halle, Zweigstelle Kröllwitz
Theers, Ralf, Hessisches Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung Wiesbaden
Theuerkauf, Jürgen, Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, Bildungsforschung
Wederhake-Gottschalk, Monika, M.A., Universitätsbibliothek Dortmund
Welte, Norbert, Kath. Religionspädagogische Dokumentationsstelle München
Wettlaufer, Dorothea, Hessisches Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung Wiesbaden
Ziegler, Dr. Heinz, BMBW-Projekt, Berlin
Aussteller und Produkte
Expertise Literaturdokumentation Berufliche Bildung
Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft sowie Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Fehrbelliner Platz 3, 10707 Berlin
EG-Lit
(Datenbank/Diskettendienst)
Informationssystem Medienpädagogik /ISMP)
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), Schloßstr. 29, 60486 Frankfurt
SOLIS (Datenbank)
Informationszentrum Sozialwissenschaften (IZ), Lennéstr. 30, 53113 Bonn
CD-ROM LSW (Literaturdatenbank)
CICADE-Software
Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (LSW), des Landes Nordrhein-Westfalen, Referat Z 3, Paradieser Weg 64, 59494 Soest
CD-ROM Bildung
ERIC (CD-ROM)
Modellversuch FIS Bildung, Berliner Str. 31-35, 65760 Eschborn
Datenbank Erwachsenen Bildung
Pädagogische Arbeitsstelle des deutschen Volkshochschulverbandes (PAS), Holzhausenstr. 29, 60322 Frankfurt