Alexander Botte
Sehr geehrte Damen und Herren, wie viele von Ihnen sicherlich registrieren werden, erhalte ich hier auf der 2. Fachtagung der GIB zum zweiten Male die Gelegenheit, die Arbeit des Fachinformationssystems Bildung vorzustellen. Dafür möchte ich zunächst meinen Dank an die Initiatoren dieser Veranstaltung richten. Dies ist sicher einerseits Ausdruck der engen Verbundenheit der GIB mit unserem Modellversuch; ich hoffe aber andererseits, annehmen zu dürfen, daß unser Projekt "Literaturdokumentation Bildung auf CD-ROM" tatsächlich für den durch diese Tagung angesprochenen Personenkreis von besonderer Bedeutung ist und daher diese etwas herausgehobene Aufmerksamkeit zu Recht in Anspruch nimmt.
Wir haben mit der Herstellung dieser CD-ROM, d.h. konkret mit der Zusammenstellung einer aus relativ zahlreichen Zulieferungen gespeisten Literaturdokumentation Neuland betreten. Es gäbe verschiedene Aspekte dieses Unternehmens, die man einer näheren Betrachtungen unterziehen könnte. Frau Bambey wird dies morgen im Rahmen des Workshops 1 für unsere produktionsseitigen Erfahrungen tun. Ich möchte im Rahmen einer ersten Bilanz nach acht Monaten zu folgenden Fragestellungen berichten:
1. Akzeptanz der CD-ROM bei der anvisierten Klientel:
- Anvisierter Abnehmerkreis,
- Vertriebsbilanz,
- Vertriebsperspektiven.
2. Perspektivische Verbesserungen der CD-ROM und Anpassung an die Nutzerwünsche:
- Abdeckung der wesentlichen Inhaltsbereiche,
- Weiterentwicklung des Rechercheinstrumentariums,
- Steigerung der Aktualität der Information
3. Neuerungen auf der Ausgabe 1995 der CD-ROM:
- quantitative Veränderungen,
- Neuerungen im Bereich der
Oberfläche und Präsentation.
Wenn man die Marktaussichten eines Informationsproduktes, wie es die Literaturdokumentation Bildung auf CD-ROM darstellt, einschätzen will, so kann man sich wohl am ehesten am Vertrieb einer gedruckten Spezialbibliographie orientieren. Im Vergleich zum Druckwerk hat die CD-ROM die Vorteile, daß sie weit größere Anwendungsmöglichkeiten bietet und als relativ neuestes Informationsmedium besondere Attraktivität genießt. Andererseits ist sie gegenüber dem Druckmedium dadurch benachteiligt, daß sie nur für einen eingeschränkten Benutzerkreis überhaupt in Frage kommt, der nämlich über die technischen Voraussetzungen verfügt. Nachteilig wirkt sich sicher auch aus, daß es gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich immer noch Vorbehalte, wenn auch abnehmende, gegenüber den elektronischen Informationsmitteln gibt.
Unter den genannten Voraussetzungen muß man den Kreis der Einrichtungen, die mit unserem Produkt CD-ROM realistischerweise erreicht werden sollten, in folgenden drei Bereichen sehen:
1. mittlere und größere wissenschaftliche Bibliotheken von Einrichtungen mit einem pädagogischen Schwerpunkt (u. a.: Hochschulbibliotheken, Fachbereichsbibliotheken, landesweite Einrichtungen der Aus- und Fortbildung, Forschungsbibliotheken),
2. Informationsvermittlungsstellen im pädagogischen Feld,
3. Zentrale Bibliotheken der Bildungsverwaltung und Bildungspolitik (Ministerien, Behörden).
Alle übrigen Abnehmerkreise, die man als potentielle bezeichnen könnte, haben unter gegenwärtigen Bedingungen nur eine eher eingeschränkte Nutzungserwartung an eine CD-ROM-Datenbank, die vor allem in der voraussichtlich zu geringen Häufigkeit der Inanspruchnahme ihre Begrenzung findet. Zu nennen wären hier:
- Einzelpersonen (Wissenschaftler, Studenten, Lehrer)
- Einrichtungen der pädagogischen
Praxis (Schulen, Erwachsenenbildung usw.)
Soweit man die Verbreitung der
CD-ROM im letzteren Feld der pädagogischen Praxis fördern will,
muß man dies auch durch eine besondere Preisgestaltung
unterstützen, die der geringeren Nutzungsfrequenz und auch der
geringeren Kaufkraft dieser Klientel angepaßt ist. Wir haben
dies bisher für den gesamten Bereich der Schule und der
praktischen Lehreraus- und -fortbildung gemacht, indem wir diesen
Einrichtungen auf Beschluß des Koordinierungsausschusses und auf
Basis einer Vereinbarung mit der Softwarefirma eine besonders
günstige sogenannte "Schulversion" zu 100.- DM
anbieten können.
Bis Anfang November 1994 wurden
als Einmalexemplar oder im Abonnement für Netz- und
Einzelplatzversionen 116 Exemplare verkauft. Diese verteilen sich
wie folgt auf spezifische Kundenkreise:
Art der Institution Verkauf
Freiexemplare
Universitätsbibliotheken 31
Fachbereichsbibliotheken 16
(i.d.R. erziehungswiss. FB)
Pädagogische Hochschulbibliotheken 13
Sonstige Fachhochschulbibliotheken 8
Landesinstitute, Landesmedienstellen, 25 100
Landesbibliotheken, Ministerien
Sonstige Aus- und Fortbildungseinrichtungen 1
Fachinformationseinrichtungen 8 17
Forschungseinrichtungen 5
Stadtbibliotheken 3
Verlage 2
Privatpersonen 4
Stand: 10.11.1994
Darunter befinden sich 20 Exemplare zum reduzierten Preis für die Schulversion. Wie man sieht, gehört dazu keine einzige Schule, sondern es handelt sich durchweg um Lehrerbildungseinrichtungen. Außerdem konnten die Herausgeber-Institutionen zu diesem Preis Zweitexemplare bestellen.
Diese Bilanz der Verkaufszahlen ergibt allerdings nur ein sehr unvollständiges Bild über den gesamten Vertrieb bzw. über die aktuelle Verbreitung der "Literaturdokumentation Bildung auf CD-ROM". Über den Verkauf hinaus wurden noch 117 Freiexemplare verschickt. Freiexemplare wurden selbstverständlich vergeben an die 14 zuliefernden Institutionen, die dieses Projekt zusammen mit FIS Bildung als Herausgeber tragen. Einige CD-ROMs wurden als Tausch-Exemplare eingesetzt.
Weiterhin wurden auf Beschluß des Koordinierungsausschuß insgesamt 100 Freiexemplare nach einem bestimmten Proporz an die Kultusministerien der Länder vergeben, die diese im eigenen Haus und an Einrichtungen der pädagogischen Praxis weiterleiten konnten. Danach dürfen wir wohl davon ausgehen, daß zur Zeit alle Kultusbehörden und alle kulturhoheitlichen Einrichtungen der Lehreraus- und -fortbildung - soweit sie über die technischen Voraussetzungen verfügen! - mit unserer CD-ROM ausgestattet sind. Praktisch vollständige Verbreitung gilt wohl auch für die relativ überschaubare Zahl der freien pädagogischen Forschungseinrichtungen und der pädagogischen Informationsvermittlungsstellen, die ja großenteils identisch sind.
In Bezug auf die staatlichen Stellen und die Einrichtungen der Lehreraus- und -fortbildung können wir mit gewissen Abstrichen auch für Österreich und die Schweiz die Aussage treffen, daß eine weitgehende Verbreitung der CD-ROM gesichert ist. Allerdings sind in der Schweiz wie zum Teil auch in Österreich die Universitätsbibliotheken noch unterrepräsentiert. Zur Zeit befinden sich in Österreich 11 und in der Schweiz 7 CD-ROMs. Hinzu kommt im Ausland lediglich noch eine, die von einem pädagogischen Fachbereich einer belgischen Universität erworben wurde.
Betrachtet man nun vor dem Hintergrund dieser Zahlen und der Ausgangserwartungen die bisherige Vertriebsbilanz unserer CD-ROM, so kann man durchaus von einer Art "Erfolgsstory" sprechen.
Schon nach acht Monaten Vertriebszeit kann festgestellt werden, daß dieses Informationsmittel mit knapp 240 Exemplaren in größtenteils einschlägigen Multiplikatoreinrichtungen verankert ist. Dies wird auch deutlich im Vergleich mit den CD-ROM-Produkten der verwandten Fachinformationseinrichtungen der Sozialwissenschaftler und Psychologen, die vergleichbare Abonnentenzahlen erst nach zwei bis vier Jahren Marktpräsenz erreicht haben.
Zur besseren Ausschöpfung der Absatzmöglichkeiten bieten sich vor allem die Hochschulbibliotheken an. Dort, wo UBs einen Zugang zu CD-ROM-Laufwerken eröffnen, kommt es in der Regel zu hohen Auslastungen der Geräte. Der Multiplikatoreffekt ist hier besonders groß, die Hochschulbibliotheken sind die klassischen Einrichtungen der CD-ROM-Nutzung.
Wir können davon ausgehen, daß wir zur Zeit in der Bundesrepublik noch ca. 30 bis 40 Bibliotheken von Hochschulen, in denen Pädagogik eine relevante Rolle als Studienfach spielt, zusätzlich versorgen können. Wir sind optimistisch, daß wir im Laufe des nächsten Jahres, vor allem mit der neuen Ausgabe, weitgehend dieses Ziel erreichen können.
Außerhalb der Bundesrepublik
sehen wir die Situation so: In Österreich und in der Schweiz
erwarten wir bei Hochschulen noch einen zusätzlichen Absatz von
ca. 10 Scheiben. Im übrigen Ausland werden die Absatzchancen
dieser CD-ROM generell aufgrund des Schwerpunktes auf der
deutschsprachigen Literatur nicht zu hoch einzuschätzen sein.
Auch wenn wir die nächste Ausgabe mit einer englischsprachigen
Oberfläche versehen, wird man in der Regel nur mit
Deutschkenntnissen guten Gebrauch von der CD-ROM machen können.
Eine Senkung des Preises wird im gesamten Hochschulbereich kaum zu einer nennenswerten Absatzsteigerung führen, da unsere CD-ROM preislich am unteren Rand vergleichbarer Produkte rangiert.
Dies heißt jedoch nicht, daß mit Blick auf die Hochschulbibliotheken die Finanzierungsfrage keine Rolle spielt. Die jüngsten Restriktionen in den Bibliothekshaushalten sind ja allgemein bekannt, und sie wirken sich vor allem negativ auf die Bereitschaft aus, feste, über Jahre verpflichtende Abonnements einzugehen.
Die Beschaffungspolitik der wissenschaftlichen Bibliotheken wird angesichts des ständig wachsenden Angebots an CD-ROM-Datenbanken selektiver werden. Kriterien der Auswahl werden dabei vor allem sein, wie die fächerübergreifenden Bibliotheken ihre defizitären Informationsbereiche sinnvoll ergänzen können und wie sie dies gleichzeitig möglichst rationell tun können.
Unter diesem Gesichtspunkt wird es gerade für Hochschulbibliotheken, die ja in der Regel ein sehr breites Fächerspektrum vertreten, interessant, mit einer CD-ROM mehrere verwandte Fachgebiete abzudecken. Nur geringe Erfolgsaussichten sehe ich in Zukunft für CD-ROMs, die Datenbanken präsentieren, die mehrfach angeboten werden.
Grundsätzlich sei die perspektivische Empfehlung ausgesprochen, die Angebote auf dem Medium CD-ROM gut zu koordinieren und ggf. auch eine Kooperation vorzuziehen, denn die Verwaltung einer stets größer werdenden Anzahl von CD-ROMs bedeutet zum Beispiel für die Hochschulbibliotheken einen größeren Belastungsfaktor bei Schulungsaufwand u.a.
Eine andere Belastung, die
besonders leicht die großen Bibliotheken trifft, ist die
Preispolitik der Softwarehäuser, die für Netzwerknutzung
pauschal sehr viel höhere Lizenzgebühren verlangen als für
Einzelversionen. Da eine spezifische CD-ROM in der Praxis nur
sehr selten simultan von zwei oder gar 20 Terminals aus
angesprochen wird, zielt diese Regelung auf eine potentielle
Situation, die die absolute Ausnahme darstellt. Hier muß auf
allgemeiner Ebene etwas geschehen. Die Bibliotheken selbst
engagieren sich stark auf diesem Feld, und wir haben auf dem
letzten Dataware-User-Treffen den Eindruck gewonnen, daß diese
Firma da auch zu Konzessionen bereit ist.
Nun noch einige Bemerkungen zum Ziel der Verbreitung der CD-ROM in Bereichen der Bildungspraxis, speziell in Schulen. Dieses Ziel war u. a. sicher auch als bildungspolitische Absicht mit der Einrichtung unseres Modellversuchs verbunden. Deshalb sollten wir neben dem besonderen finanziellen Angebot auch weitere Anstrengungen in dieser Richtung unternehmen.
Dabei muß man sich ehrlicherweise aber bewußt sein, daß die Realität des schulischen Alltags zur Zeit z. B. nur eher geringe Verwendungsmöglichkeiten für eine Literaturdatenbank auf CD-ROM bereithält. Sei es Schulverwaltung oder Unterrichtsvorbereitung, nur relativ wenige Situationen sind vorstellbar, in der tatsächlich eine Literaturdokumentation zur Unterstützung herangezogen würde.
Problematisch wird die Nutzung an Schulen vor allem auch durch die derzeitige Unmöglichkeit, eine rasche Literaturversorgung mit dem Literaturnachweis zu verbinden.
Ein zukünftig eventuell in der Bedeutung anwachsendes Feld der schulischen Nutzung ist die propädeutische Behandlung elektronischer Informationsmittel in der Oberstufe: In entsprechend ausgestatteten Schulen können Schülergruppen die bibliographische Recherche exemplarisch anhand unserer CD-ROM einüben und dabei inhaltliche Impulse für bestimmte Schulfächer aufnehmen.
Zweifellos bedarf die Verbreitung
solcher Nutzungsweisen noch der Zeit; vorläufig hängt sie sehr
stark vom Engagement einzelner Personen in den Schulen ab.
Langfristig können auf diesem Feld nur über die Vermittlung der
Kultusverwaltungen und der Lehrerbildungseinrichtungen Erfolge
erzielt werden.
Zur Bewertung der Qualität einer CD-ROM-Literaturdatenbank können jenseits der Fragen der formalen Organisation im wesentlichen drei Leistungsbereiche herangezogen werden:
1. Vollständigkeit in Bezug auf das thematische Zielgebiet: Abdeckung der wesentlichen Inhaltsfelder,
2. Exaktheit und Tiefe der dokumentarischen Erschließung: Weiterentwicklung des Rechercheinstrumentariums,
3. Steigerung der Aktualität der Information: Verkürzung des Update-Intervalls.
Das erste Kriterium ist mit Sicherheit am schwierigsten zu fassen und empirisch zu überprüfen, wenn es um ein so komplexes Themengebiet wie das gesamte Bildungswesen geht. Außerdem ist "Vollständigkeit" ein für Dokumentare verhängnisvoller Begriff. So wird in der Regel jede Dokumentationsstelle scheitern, wenn sie nur ein oder zwei einschlägige Wissenschaftler die Datenbank befragen läßt. Mindestens einer von beiden wird das Fehlen eines eigenen Beitrags in einem just neu begründeten Mitteilungsblatt feststellen.
Empirisch fundieren läßt sich, daß unsere CD-ROM zu allen größeren Themen des Bildungsbereichs mit umfangreichen Literaturhinweisen aufwarten kann; dies gilt in gewissem Maße sogar auch für die erkannten sogenannten Defizitbereiche, d. h. für die Themenfelder, für die wir bislang keine zentral zuständige Zulieferinstitution haben. Drei dieser Defizitbereiche seien hier speziell betrachtet: Gesamtrecherchen im Themenfeld "Berufliche Bildung" erbringen über 22.000 Titel, im Themenfeld "Hochschule" über 11.000 und im Themenfeld "Migrations- und Ausländerpädagogik" über 5.000 Titel.
Eine qualitative Bewertung dieser Nachweise ist natürlich ohne ausführliche Expertise unmöglich. Dennoch scheint mir die Aussage erlaubt, daß aufgrund der Erfahrung und des Renommees der an der CD-ROM beteiligten IuD-Stellen und der Vielseitigkeit des Herangehens an die Literatur mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, daß auch für die Randbereiche die zentralen Literaturtitel erfaßt wurden.
Als vorläufiges Fazit zum Punkt
inhaltliche Abdeckung der pädagogischen Themenbereiche möchte
ich formulieren: Die relative Vollständigkeit der thematischen
Abdeckung ist der entscheidende Vorzug dieser
Literaturdokumentation, der ja letztlich auch mit dem hohem
Aufwand der komplizierten Datenaggregierung erwirkt wurde und
wird.
Verbesserungen sind jedoch auch in dieser Hinsicht möglich durch die Einbeziehung weiterer Zulieferer. Wir haben schon in der zu Beginn des nächsten Jahres erscheinenden Ausgabe für das Themengebiet "Hochschule" die Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hinzugewonnen.
Mit einer ersten, noch relativ kleinen Zulieferung ist die "Projektgruppe Hochschulforschung" an der nächsten Ausgabe beteiligt, von der wir ab 1995 für ihr Spezialgebiet zentrale und qualitativ hochwertige Erschließungen erwarten können. Mit Hilfe dieser neuen Partner kommen wir sicher auch im Themenfeld "Hochschulbildung" zu einer kompetenten Vertretung der relevanten Literatur.
Mit der nächsten Ausgabe wird auch die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung mit ihrem einmaligen Bestand an historischer Bildungsliteratur auf der CD-ROM vertreten sein. Die Bibliothek ist der Fernleihe angeschlossen und unterstützt mit besonderen Serviceleistungen vor allem auch die Funktion der Literaturversorgung.
Weiterhin gehen wir davon aus, daß wir auf der übernächsten Ausgabe der CD-ROM die Integration der Daten der "Literaturdokumentation Berufsbildung" in der einen oder anderen Form auf der CD-ROM vollziehen können. Diese Datenbank wird bis Frühjahr nächsten Jahres durch ein Projekt vorbereitet und dann am BIBB federführend weiterbetreut. Damit dürfte dann die CD-ROM auch auf diesem Gebiet nicht nur mit ausreichender, sondern mit besonderer Präsenz aufwarten können.
Die Einbeziehung der Schweizer Daten ist für die Ausgabe 1995 nicht möglich gewesen. Dieses Vorhaben muß auf die Ausgabe 1996 verschoben werden, weil in der Schweiz zur Zeit eine Neuorganisation und Zentralisierung der Literaturdokumentation im Gange ist, die die dort vorhandenen relativ geringen Ressourcen noch bindet. Wir erhoffen uns jedoch von diesem Schritt noch einmal einen besonderen Impuls für den Absatz der CD-ROM in Schweizer Hochschulen, der bisher noch eher gering ist.
Mit den soweit geplanten Erweiterungen des Zulieferkreises dürften wir bis spätestens 1996 ein von der Integrationsleistung her so interessanten Informationsdienst anbieten, daß eine im Sinne der oben angesprochenen strengeren Selektion bei der Anschaffung von CD-ROMs durch Hochschulbibliotheken ausreichende Attraktivität gewährleistet sein sollte, um der CD-ROM einen dauerhaften Platz in diesem Abnehmerkreis zu sichern.
Die Strategie, durch quantitative Ausdehnung der Zahl der Zulieferer an FIS Bildung die Qualität der CD-ROM zu verbessern, sollte damit aber zu einem gewissen Abschluß kommen. Wir werden dann insgesamt 19 Datenzulieferungen in der Geschäftsstelle zu integrieren haben, was auch bei bester Routinisierung der Abläufe einen ganz erheblichen Zeitaufwand bei jedem Update unvermeidbar macht.
Leicht nachvollziehbar ist, daß
sich die quantitative Erweiterung deutlich mit den anderen Zielen
der qualitativen Verbesserung, wie der Weiterentwicklung der
dokumentarischen Erschließungsleistungen und der Steigerung der
Aktualität unserer Daten stößt. Verbesserungen auf diesen
beiden Feldern sind unter den bei uns gegebenen heterogenen und
komplizierten Produktionsbedingungen besonders schwer zu
erreichen. Gleichzeitig sind sie aber von hoher Bedeutung für
die Zufriedenheit mit dem Produkt, und sie sind gerade dann von
steigender Dringlichkeit, wenn die Datenbank weiter anwächst.
Das zentrale Instrument der Recherche sind die Schlagwörter bzw. Deskriptoren. Angesichts der dezentralen Herstellungsweise der Daten und angesichts des gewaltigen Bestandes an historischen Dokumenten können wir keine Perspektive ins Auge fassen, die von der Zugrundelegung eines konsistenten, für alle Dokumente gültigen Deskriptorenbestandes ausgeht. Wir sind darauf angewiesen, die vorgefundenen Schlagwörter für die Erschließung zu verwenden und den einzelnen Kooperationspartnern ihre Freiheit auch zukünftig zu belassen, ihre themenspezifischen Varianten in ihrer Verschlagwortung zum Ausdruck zu bringen.
Daraus folgt, daß wir bezüglich der Schlagwörter den eingeschlagenen Weg der Synonymkontrolle weiterverfolgen und optimieren müssen. Lediglich im Bereich der formalen Ansetzung (Verwendung von nachgestellten Kommata z. B.) werden wir uns um die Festlegung von Regeln bemühen.
Bei einer Datenbank unserer
Größenordnung wäre die Ergänzung der Deskriptoren-Abfrage
durch die Möglichkeit einer systematischen Recherche aufgrund
eines Klassifikationschemas wünschenswert. Wir haben auf der
letzten Tagung der Zulieferer beschlossen, ab 1995 eine neue
Systematik anzuwenden. Allerdings ist die Übernahme der
Systematik für die Kooperationspartner freiwillig; sie ist
lediglich verbindlich für die Zulieferungen zur Bibliographie
Pädagogik. Obwohl die Verwendung dieser Systematik auf der
CD-ROM gravierende Probleme aufwirft, wäre es perspektivisch bei
einem erwarteten jährlichen Zuwachs von 25.000 bis 30.000
Dokumenten durchaus sinnvoll, baldmöglichst eine parallele
systematische Strukturierung der Daten einzuführen. Wir werden
dies auf der nächsten Tagung noch einmal zum
Gegenstand machen.
Wie schon erwähnt, beschleunigt die große Zahl der Zulieferer und die Tatsache, daß vorläufig noch mit jedem Update völlig neue Datenstrukturen zu integrieren sind, nicht gerade unsere Herstellungsabläufe in der Geschäftsstelle. Bei Konsolidierung des Zulieferstammes und bei Routinisierung der Abläufe kann perspektivisch wohl davon ausgegangen werden, daß zwischen dem Zeitpunkt der letzten Datenzulieferung und dem Erscheinen der CD-ROM nicht mehr als drei Monate liegen. Diese Zeitspanne wird aber kaum zu unterbieten sein.
Es wird angesichts unserer
dezentralen Produktionsweise also auch zukünftig so sein, daß
wir in puncto Aktualität hinter den Anbietern zurückstehen, die
im wesentlichen in zentraler Weise die dokumentarische
Erschließung betreiben.
Sicher werden wir noch vor Ablauf des Modellversuchs im Jahre 1996 mit unseren Partnern überlegen, ob wir auf ein halbjährliches Update kommen könnten. Von der jährlich anfallenden Datenmenge her wäre ein solcher Aktualisierungsrhythmus mehr als gerechtfertigt. Fraglich ist, ob alle Beteiligten, auch die Geschäftsstelle von FIS Bildung, dabei verläßlich mitziehen können. Wir werden dies prüfen.
Eine weitere Möglichkeit wäre,
den gedruckten Dienst, die Bibliographie Pädagogik, in
neuer Weise mit der CD-ROM zu koppeln. Die Idee ist, mit einer
eventuell stark verkleinerten Zahl der Zulieferer, die einen
übers Jahr kontinuierlichen Datenzuwachs garantieren können,
eine vierteljährliche Aktualisierung zwischen den
CD-ROM-Ausgaben zu produzieren, die als gedruckter Dienst in
einfacher Ausstattung erscheint. Die CD-ROM und die gesamte
Bibliographie Pädagogik folgten weiterhin im jährlichen
Abstand.
Die nächste Ausgabe wird statt bisher 14 nun 17 zuliefernde Institutionen verzeichnen. Die Da-tensammlung wird deutlich anwachsen um ca. 30.000 neue Nachweise (47.000 neu zugelieferte Daten vor Duplizitätsprüfung). Die neuen Daten sind überwiegend tatsächlich neu, also aus den Erscheinungsjahren 1993 und 1994. Gleichzeitig haben wir eine intensive Nachkorrektur der alten Daten vorgenommen und mit einem neuen Duplizitätsprüfcode den alten Datenbestand auf Dubletten durchforstet.
Leicht gestiegen ist auch der
Anteil an Referaten, der bei den neuen Erschließungen über
24 % liegen wird; gegenüber ca. 12 % im bisherigen
Gesamtdatenbestand. Weiterhin besteht hier natürlich im
Vergleich zu anderen Produkten dieser Art eine bedeutsame
Diskrepanz.
Wir haben eine ganze Reihe vor allem kleinerer Verbesserungen bei der Handhabung und der Oberflächenoptik der CD-ROM vorgenommen. Dabei wurde jedoch davon ausgegangen, daß sich am grundsätzlichen Erscheinungsbild möglichst wenig ändern sollte. Nur die wichtigsten Veränderungen seien hier erwähnt.
Es wird in der nächsten Ausgabe eine englische Sprachversion zur Verfügung stehen, was bedeutet, daß die Software-Oberfläche und die Feldbezeichner in dieser Sprache vorgefunden werden. Dabei hat es keine Veränderungen an den Daten gegeben; weder wurden die Deskriptoren noch etwa die Sachtitel ins englische übersetzt. Inwieweit dieses Angebot den Absatz im nicht-deutschsprachigen Ausland fördert, bleibt abzuwarten.
Ab sofort kann auch die lange angekündigte Macintosh-Plattform eingesetzt werden, allerdings bisher nur in englischer Sprache. Da die deutschsprachige Oberfläche und die Hilfstexte für die allernächste Zeit erwartet werden, steht sie wahrscheinlich mit dem Erscheinen der neuen Ausgabe zur Verfügung.
Eine wichtige Neuerung betrifft
die Einführung einer produktspezifischen Hilfefunktion für die
Kategorien der Suchformate. Für jede Suchkategorie kann mit F1
eine von uns verfaßte Hilfe aufgerufen werden. Für die Ausgabe
der Dokumente sind solche produktspezifischen Hilfefunktionen
nicht möglich, so daß wir leider bestimmte Felder, die nur zur
Ausgabe vorgesehen sind, über den Bildschirm nicht beschreiben
können.
Bei den Anzeige- und Ausgabeformaten haben wir - entsprechend den zu uns gedrungenen Nutzerwünschen - einige Ergänzungen vorgenommen, soweit dies mit vertretbarem finanziellen Aufwand realisierbar war. So gibt es jetzt weitgehend die von anderen Datenbankanbietern gewohnten Standardformate auch bei uns.
Des weiteren haben wir einige zusätzliche Indexierungen in Auftrag gegeben. So können zukünftig Deskriptoren und Personennamen sowohl im Feldindex, wie bisher, als auch im Wortindex gesucht werden. Für die Felder "Titel" und "Abstract" werden auch die Umgebungsoperatoren indiziert. Das heißt, es können logische Und-Verknüpfungen auf bestimmte "Nahe"-Distanzen begrenzt werden.
Soweit zur Ausgabe 1995. Lassen
Sie mich noch die folgende Schlußbemerkung anfügen. Im
Rahmen des Modellversuchszeitraums, der ja auf die Jahre 1995/96
verlängert worden ist, werden wir eine empirisch gestützte
Analyse von Bildungsinformationsdiensten vorlegen. Im Wege der
Erstellung dieser Untersuchung werden wir auch eine Befragung der
Nutzer unserer CD-ROM durchführen. Diese Befragung wird sicher
weiteren Aufschluß geben, in welcher Richtung Veränderungen und
Neuentwicklungen gewünscht werden. Wir sind aber auch im
gegenwärtigen Stand schon überzeugt, daß das Konzept
Literaturdokumentation Bildung auf CD-ROM noch einige Jahre seine
Tragfähigkeit unter Beweis stellen wird.
Anschrift des Verfassers
Alexander Botte
Leiter Modellversuch FIS Bildung
Berliner Str. 31-35
65760 Eschborn
Tel.: (06169) 4841-45; Fax: -61