Astrid Diening

Literaturverwaltungssysteme im Vergleich

In diesem Beitrag werden die Ergebnisse einer vergleichenden Untersuchung von vier bibliographischen Literaturverwaltungssystemen vorgestellt. Die Analyse und Bewertung dieser Literaturverwaltungssysteme erfolgte für die Informationsvermittlungsstelle der Biologisch-Medizinischen-Sektion der Max-Planck-Gesellschaft.

Folgende Literaturverwaltungssysteme wurden unter dem Betriebssystem MS-DOS analysiert und bewertet:

- EndNote Plus (Cherwell Scientific Publishing), Vers. 1.0

- Pro-Cite (Personal Bibliographic Systems), Vers. 2.0

- Reference Manager (Research Information Systems), Vers. 5.05

- VCH Biblio (VCH Verlagsgesellschaft), Vers. 2.2

Alle vier Systeme sind auf einem IBM-kompatiblen PC einzusetzen. EndNote Plus, Pro-Cite und Reference Manager sind auch als Programm für den Apple-Computer erhältlich. Desweiteren sind seit einiger Zeit Windows-Programme von VCH Biblio und Reference Manager auf dem Markt.

1 Was ist ein Literaturverwaltungssystem und wozu kann man es einsetzen?

Wissenschaftliche Informationen, insbesondere Literaturreferenzen, sind zunehmend in elektronischer Form, z. B. Suchergebnisse aus Online- und CD-ROM-Datenbanken, erhältlich. Eine Verwaltung auf elektronischer Basis bietet sich daher geradezu an, insbesondere bei großen Mengen an Literaturdaten.

Bei den analysierten Literaturverwaltungssystemen handelt es sich um Datenbanksysteme, die hauptsächlich zur Verwaltung von bibliographischen Literaturdaten in elektronischer Form auf einem PC eingesetzt werden können.

Eine Literaturreferenz setzt sich aus verschiedenen Feldern wie Autor (AU), Titel (TI), Quelle (SO) zusammen. Neben den bibliographischen Angaben kann sie noch andere inhaltsbeschreibende Informationen wie ein Abstract oder Schlagworte (Keywords) enthalten. In einem Literaturverwaltungssystem sind die Felder einer Literaturreferenz bzw. deren Inhalte einzeln oder in Kombination suchbar.

Neben den grundlegenden Eigenschaften wie Datenaufnahme, Suchen und Wiederauffinden von Literaturstellen und Datenausgabe ist die Erstellung formatierter Referenzlisten, Bibliographien genannt, ein besonderes Kennzeichen bibliographischer Literaturverwaltungssysteme. Die Anwender erfahren eine wertvolle Unterstützung im Prozeß des Schreibens von Veröffentlichungen, da die Literaturzitate nur einmal in das Literaturverwaltungssystem eingegeben werden müssen. Der Ausgabestil bzgl. Abkürzungen, Zeichensetzung und Schrift kann entsprechend den vom System mitgelieferten Zeitschriftenformaten bestimmt werden. Eine Liste von Literaturreferenzen wird dann für die Ausgabe automatisch entsprechend dem gewählten Stil formatiert.

Der Vorteil von Literaturverwaltungssystemen gegenüber anderen Datenbanksystemen, z. B. dBase, liegt darin begründet, daß ein Literaturverwaltungssystem dem Benutzer eine fertige Datenbankstruktur bietet. Man braucht sich wenige Gedanken über die Definition der verschiedenen Datenfelder und Referenztypen machen. Es kann nach der Installation sofort mit der Dateneingabe begonnnen werden.

2 Welche Kriterien wurden angelegt?

Als Grundlage der Analyse und Bewertung der bibliographischen Literaturverwaltungssysteme wurden Untersuchungskriterien aufgestellt, die sich in der Hauptsache auf Anforderungen zur Bewertung von Retrievalsoftware im allgemeinen und speziell von bibliographischen Literaturverwaltungssystemen stützen (vgl. Tenopir u. Lundeen 1988; Sieverts u. Hofstede 1991; Sieverts et al. 1992). Die Untersuchungskriterien sind folgenden Kategorien zugeordnet:

3 Einzelergebnisse

Im folgenden werden die Ergebnisse der Analyse der Literaturverwaltungssysteme zu den einzelnen Untersuchungskategorien in Tabellenform dargestellt.

4 Zusammenfassung

Jedes der analysierten Systeme bietet die grundlegenden Funktionen wie Dateneingabe, Datenpflege, Indexierung, Retrieval und Datenausgabe mit Bibliographieerstellung. Bezüglich dieser Grundfunktionen bestehen allerdings Unterschiede in der Ausführung und im Umfang. Das beste Literaturverwaltungssystem gibt es nicht. Jedes der analysierten Systeme weist Stärken und Schwächen auf.

Die Systeme EndNote Plus und Reference Manager überzeugen durch die Gestaltung ihrer Benutzerschnittstelle. Dies ist insbesondere auf die aufgabengerechte Gestaltung des Bildschirmlayouts und eine überwiegend menüorientierte Eingabeform zurückzuführen. Beide Systeme stellen die vom Benutzer zu lösende Aufgabe, nicht die Programmstruktur in den Vordergrund. Dem Einsatz dieser Systeme ist daher gegenüber dem Einsatz von Pro-Cite und VCH Biblio der Vorzug zu geben. Trotz der größeren Flexibilität von EndNote Plus wird Reference Manager als das geeignetere Literaturverwaltungssystem angesehen, da dieses System für wichtige Datenfelder, wie z. B. Schlagworte, einsehbare Register führt. Diese spielen für die Einhaltung der Begriffskonsistenz bei Eingabe und Suche eine wichtige Rolle.

Pro-Cite und VCH Biblio sind im Vergleich zu EndNote Plus und Reference Manger in einigen Funktionen mächtiger, die Komplexität dieser Systeme erfordert aber eine längere Einarbeitungszeit. Auffallend ist, daß bei diesen Systemen öfters die Programmstruktur im Vordergrund steht. Pro-Cite eignet sich für erfahrene EDV-Nutzer. Der Einsatz von VCH Biblio kann nicht empfohlen werden, da das Programm umständlich in der Anwendung ist und seine Benutzerhilfen unzureichend sind. Der Vorteil der größeren Flexibilität dieses Systems wird dadurch in den Hintergrund gedrängt. Allerdings scheint das Windows-Programm eine Verbesserung zu versprechen.

Literatur:

Tenopir C., Lundeen G. (1988): Managing your information. Neal-Schuman Publishers, New York.

Sieverts EG., Hofstede M. (1991): Software for information storage and retrieval tested evaluated and compared. Part 1: General introduction. The electronic library. 9, 145-154

Sieverts EG., Figdor J., Bakker S., Hofstede M. (1992): Software for information storage and retrieval tested evaluated and compared. Part 3: End-user software. The electronic library 10, 5-19

Anschrift der Verfasserin

Astrid Diening
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