Elektronische Informationsdienste
im Bildungswesen

Eine Einführung

Am 17. und 18. November 1994 fand an der Humboldt-Universität zu Berlin und am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung die zweite Fachtagung der Gesellschaft Information Bildung (GIB) statt. Nachdem ein Jahr zuvor die GIB auf ihrer ersten Fachtagung in Frankfurt am Main eine generelle Standortbestimmung der Bildungsdokumentation in Deutschland vorgenommen hatte, war das Ziel der zweiten Fachtagung, die Nutzung elektronischer Dienste für Pädagogik, Erziehungswissenschaft und Bibliotheken vorzustellen, zu diskutieren und Konsequenzen für die Bildungsdokumentation zu ziehen.

Unter den fast 100 Teilnehmern der Berliner Tagung waren Hersteller von Fachinformationen (Dokumentare, Verleger, Medienspezialisten), Informationsvermittler (Bibliothekare) sowie Erziehungs- und Bibliothekswissenschaftler. Dies entspricht den Zielen der 1991 gegründeten GIB, Anbieter und Nutzer von Information im Bildungsbereich zusammenzubringen.

Das gewählte Tagungsthema zeichnet sich durch hohe Aktualität, nicht geringe Brisanz und erhebliche Konsequenzen für die Zukunft der Bildungsdokumentation und ihrer Berufe aus. Ein hochentwickeltes Land wie Deutschland ist auf ein funktionierendes Bildungssystem angewiesen, das seinen Absolventen die für die Zukunft nötigen Qualifikationen vermitteln kann. Für Bildung stehen aber zunehmend weniger Ressourcen zur Verfügung, dabei steigen die Kosten für traditionelle Bildungsmedien, Bücher und Zeitschriften. Doch entwickelt die Informationsgesellschaft auch Möglichkeiten der kostengünstigen Herstellung, Verarbeitung, Verbreitung und Nutzung von Informationen, die es dem Wissenschaftler, dem Bildungsadministrator, dem Lehrer oder dem Ausbilder ermöglichen, von seinem Arbeitsplatz aus über den vernetzten Computer nicht nur auf elektronische Kataloge, Datenbanken und Volltexte direkt zuzugreifen, sondern selbst Informationen anzubieten.

Das bleibt nicht ohne Konsequenzen für traditionelle Arbeit. Unter dem Aspekt weltweiter Vernetzung verwischen sich die Funktionen des Bibliothekars und des Dokumentars ebenso wie die des Wissenschaftlers und des Verlegers.

Internet, Online Public Access Catalogs, CD-ROM-Recherchen am Arbeitsplatz, virtuelle Bibliotheken oder Electronic Publishing sind einige der Schlagworte, die diese Entwicklung thematisieren. Zu den ungelösten Problemen elektronischer Informationsdienste gehören Themen wie Korrektheit und Authentizität von Informationen, das Recht auf Verschlüsselung von persönlichen Informationen gegenüber dem Versuch staatlicher Kontrolle, Datenschutz und Datensicherheit, neue Möglichkeiten der Indexierung, Qualität der Erschließung, Copyright, Kosten schneller Dokumentenlieferung u. a. m.

Auf der Tagung wurden Pilotprojekte und Innovationen präsentiert, Versuche zur Präzisierung und Kategorisierung von Qualitätsmerkmalen vorgestellt sowie Diskussionen über Kosten, Zweck und Nutzungen geführt. Sie sind auf den folgenden Seiten dokumentiert.

Während des Rahmenprogramms bestand die Möglichkeit, die Bibliotheken, CD-ROM-Netze, Volltextdatenbanken und Informationsdienste der veranstaltenden Berliner Institutionen praktisch kennzulernen.

Die GIB dankt der Humboldt-Universität, der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung und dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung für ihre Gastfreundlichkeit und deren Mitarbeitern für tatkräftige Unterstützung bei der Durchführung der Fachtagung. Wir danken den Autoren und den Berichterstattern für die zusätzliche Arbeit, die sie sich mit der Veröffentlichung ihrer Beiträge unterzogen haben, und Bärbel Bäcker von der Abteilung Pädagogik und Informatik der Humboldt-Universität für das Lesen der Korrekturen und die Herstellung der Druckvorlage.

Berlin, im Mai 1995

Peter Diepold Diann Rusch­Feja