Robert Funk
In Hinblick auf die bestehende und sich noch erweiternde Informationsflut ergeben sich für eine Nation, die vom Wissenstransfer abhängig ist und immer abhängiger wird, Probleme mit unüberschaubaren Folgen. Diese Probleme lassen sich mindern, indem man das Informationsbewußtsein insbesondere bei Lehrern und Schülern verstärkt. Um sach- und zeitgerecht auszubilden, ist es unerläßlich geworden, die elektronische Datenverarbeitung in die Ausbildung einzubeziehen. Die Notwendigkeit hierzu ist bisher erkannt, aber durch verschiedene Schwierigkeiten ist die Einbeziehung nur unvollständig realisiert. Das trifft auch auf die Ausbildung zur Arbeit mit elektronischen Literatur- und Informationsdatenbanken zu. Dieser Mangel, der auch schon bei den gedruckten Auskunfts- und Informationsmitteln bestand, hat sich in unserer Diskussion gezeigt.
Folgende Beiträge erscheinen wichtig:
- Das für Schulen geeignete elektronische Informationsmaterial ist nicht sehr umfassend. Dies gilt sowohl für die Software - 80% ist ungeeignet - als auch für das Datenmaterial, d. h. die Daten- und Informationsbanken.
- Hierdurch sind die Grenzen der Nutzung der elektronischen Informationsdienste in der Schule und im Unterricht festgelegt.
- Nach genauen Überprüfungen stellt der Lehrer fest, daß der Einsatz im Unterricht meist irrelevant ist, bzw. der Arbeitsaufwand, bis Datenbanken und Software einsetzbar sind, unvertretbar hoch ist. Konkret: Lernsoftware ist meist nicht gut durchdacht, die Hersteller geben sich nicht viel Mühe.
- Die Datenbankübungen sind im EDV-(Informatik)-Unterricht kaum von Bedeutung.
- Auch hier fand die aktuelle Qualitätsdiskussion statt, hinter der steckt, daß wir als Kunden nicht zufrieden sind.
- Es wurde auf einige aktuelle Projekte verwiesen, die in nachfolgenden Referaten und in den Workshops vorgestellt wurden.
- Bei der Nutzung von elektronischen Informationen stehen die politischen und nicht die pädagogischen Argumente im Vordergrund.
- Die Euphorie, die sich mit
Internet verbindet, sollte sich in Grenzen halten.
Hier wurde eine Vielzahl von kritischen Anmerkungen vorgetragen:
- häufige Staus auf den Datenautobahnen,
- mangelnde Vorkenntnisse zur Nutzung,
- technische Voraussetzungen,
- häufige Irreführungen,
- geringe Qualität vieler
Internet-Informationen.
Ein deutsches Schulnetz könnte hier sicherlich wesentliche Verbesserungen bringen.
Veränderungen im Bereich elektronischer Informationsdienste sollten genutzt werden, um Verbesserungen auch für die Aus- und Fortbildung insbesondere in Schulen in der nächsten Zukunft zu erreichen.
Die wichtigsten Veränderungen sind:
- Hochleistungs-Netze durch Glasfaser,
- mehr Konkurrenz durch die Privatisierung der Bundespost,
- kommerzielle Nutzung des Internet,
- Wertschöpfung der Information
verändert unser Bewußtsein.
Einige Forderungen wurden in der Diskussion aufgestellt:
- Information ist ein Bürgerrecht. Deshalb sollte niemand durch überteuerte Preise ausgeschlossen werden.
- Die boomende EDV- und Informationsbranche muß sich der Probleme annehmen. Diese sind insbesondere die Erhöhung der Qualität der aus- und fortbildungsrelevanten Daten- und Informationsbanken und die Schaffung solcher Produkte.
- Die Kosten für die Informationsnutzung müssen finanzierbar sein. Die Bibliotheken haben zu wenig Geld für die Informationsnutzung.
- Als spezielle Forderung wurden mehr schulgeeignete elektronische Zeitschriften (Volltext) genannt. Im Bereich der Zeitungsdatenbanken finden wir aber schon schulgeeignete Produkte.
- Die technischen Voraussetzungen
schaffen wiederum Barrieren, die abzubauen sind. Es wurde die
Software von der Stange gefordert, und diese selbstverständlich
im Laienmodus.
Die Daten- und Informationsbankanbieter sollten langfristig denken. Es geht darum, schon in Schulen den Grundstein zu legen für ein Informationsbewußtsein, das sich später, in Studium und Beruf, in konkrete Nachfrage wandelt: "Schüler und Studenten von heute sind die Nutzer von morgen!"
Die Diskussion hat auf
verschiedene Punkte aufmerksam gemacht, die es in innovative
Lösungsvorschläge umzusetzen gilt. Man sollte nicht klagen,
sondern konstruktive Lösungsvorschläge erarbeiten. Allein mit
Geld läßt sich die Situation der Informationsnutzung in
Ausbildungseinrichtungen nicht nur verbessern; Taten sind genauso
gefragt.
Anschrift des Verfassers
Prof. Dr. Robert Funk
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Bibliothekswissenschaft
Clara-Zetkin-Str. 26
10099 Berlin
Tel.: (030) 8236 966; Fax: (030) 8243 052