Wolfgang Meyer
Deutschland hat auf dem Gebiet der schulischen Nutzung elektronischer Netzwerke im Vergleich zu anderen Industrieländern einen deutlichen Nachholbedarf. Während in Großbritannien ca. 4000 Schulen allein das von BT (British Telecom) betriebene Schulnetzwerk CAMPUS 2000 nutzen, ist in Deutschland die Zahl der vernetzten Schulen noch im Bereich der Hunderter.
Computer- und
Telekommunikationsnetze stellen heute unabhängig von
Entfernungen und lokalen Rahmenbedingungen Bildungsangebote
bereit und vernetzen Lerngruppen. Mailbox-Systeme bieten die
schnelle Übermittlung von Text-, Bild-, Ton- und Video- und
Programmdateien sowie den Zugang zu Computer-Konferenzen und
Datenbanken.
Elektronische Post erlaubt es, papierlos Briefe, Aufzeichnungen, Informationen zu versenden. Die Texte entstehen auf einem Computer und erreichen den Empfänger über das Telefonnetz. Zwischenstation ist ein Mailbox-Rechner. Email ist schnell. Sobald ein elektronischer Brief fertiggestellt ist, kann er abgeschickt und Augenblicke bis wenige Stunden später von seinem Empfänger gelesen werden. Elektronische Post kann zu jeder Tages- oder Nachtzeit abgeschickt bzw. empfangen werden, unabhängig von internationalen Zeitzonen. Der Zugang zu einem Mailbox-System kann über jeden Telefonanschluß erfolgen. Professionelle Systeme sind zuverlässig. Auf Wunsch erhält der Absender automatisch eine Empfangsbestätigung und weiß damit genau, ob und wann sein Brief gelesen wurde. Verteilerlisten erleichtern die Handhabung von "Massensendungen": Wenn die Namen und Kennungen der Adressaten bekannt sind, kann eine Mitteilung gleichzeitig an eine Gruppe von Empfängern geschickt werden. Der zusätzliche Zeitaufwand beträgt nur Sekunden, wenn der Brief statt an einen an hundert Empfänger geschickt wird.
Im Schuljahr 1991/92 konnten über 100 Schulen in verschiedenen Bundesländern das britische Schulnetz CAMPUS 2000 erproben. Sie kommunizierten überwiegend mit britischen, aber auch mit skandinavischen, australischen, amerikanischen und kanadischen Partnern. Viele beteiligten sich an Projekten, überwiegend im Bereich des Fremdsprachenunterrichts.
Es hat sich gezeigt, daß die als elektronische Post in Projekten ausgetauschten Daten - Arbeitsberichte, Referate, landeskundliche Informationen, persönliche Mitteilungen und Rückfragen - eine Bereicherung des Unterrichts sind. Sie unterscheiden sich nicht nur durch die Aktualität von didaktisch aufbereiteten Lehrbuchtexten, sondern vor allem durch Authentizität.
"The notion of students being
the providers, as well as the consumers, of information available
online is an important one for citizens of the Information
Age."
*
* ***
* * ****** CAMPUS GOLD
* * * ********* -----------------------------
* * ****** Main Menu
* **
*
<1> Electronic mail
<2> Databases
<3> Caucus Conferencing
<4> File transfer
<5> Noticeboard
<6> Enquire (Directory of users)
<7> Premium services (eg ECCTIS, DIALOG)
<8> Information & support
<9> Update of latest Campus news
Bild 1: CAMPUS 2000 Main Menue
Computer-Konferenzen sind orts- und zeitunabhängige Diskussionsforen. Die Teilnehmer treffen sich nicht persönlich. Diskussionsbeiträge können als elektronische Post von jedem Ort und zu jeder Zeit geliefert werden. Jeder Teilnehmer kann sich einen Überblick über den gesamten Diskussionsstand verschaffen. Die Konferenz ist dabei das kollektive Gedächtnis der Gruppe.
Computer Conferencing wird seit vielen Jahren genutzt. Im RAPPI-Projekt (Reseau d'ateliers pédagogique pilote) experimentierten bereits 1985 ca. 50 Schulen aus Kanada, Frankreich, Italien und Großbritannien mit dem neuen Medium.
Das wichtigste Kriterium zur Unterscheidung von Konferenzen ist die Regelung der Zugangsberechtigung:
- Offene Konferenzen können von allen Teilnehmern eines Netzwerkes genutzt werden;
- geschlossene Konferenzen sind einem eingeschränkten Teilnehmerkreis vorbehalten;
- in anonymen Konferenzen ist
nicht erkennbar, von wem einzelne Beiträge stammen. Sie erfreuen
sich als neue Spielart des betrieblichen Vorschlagswesens in den
USA großer Beliebtheit.
Anwendungsmöglichkeiten für Computer-Konferenzen im schulischen Kontext:
- Austausch von Informationen und Erfahrungen, insbesondere im Rahmen von Projekten;
- Ausarbeitung von Berichten, Materialien etc. durch eine Gruppe von Menschen, die an verschiedenen Orten wohnen;
- Koordination von Projekten auf nationaler und internationaler Ebene;
- interaktive Durchführung von
Fernkursen: die Teilnehmer haben Kontakt zu allen anderen
Kursteilnehmern und zum Tutor.
1992 wurde das Projekt World Tour
als CAUCUS-Konferenz durchgeführt. 100 Klassen gingen auf eine
virtuelle Weltreise und besuchten ihre Mitschüler in zwölf
ausgewählten Schulen in Großbritannien, Irland, USA,
Australien, Japan, Belgien, Rußland, Schweden und Ostfriesland.
Für jeweils eine Woche war eine der zwölf Schulen Gastgeber
für die Weltreisenden, mußte für einen angenehmen
"Aufenthalt" der Gäste sorgen und deren
Informationsbedürfnis als virtuelle Touristen befriedigen. Die
Norder Schülerinnen und Schüler schrieben zunächst eine
Kurzinformation über die Stadt. Es folgten Beschreibungen
ostfriesischer Sitten und Gebräuche, des lokalen
Freizeitangebotes und der Anreise vom nächsten Flughafen.
Wir unterscheiden zwischen
Datenbanken für Schulen, die im Kontext von Modellvorhaben oder
durch Unterstützung aufgeschlossener Schulbehörden und
Universitäten angeboten werden, und kommerziellen Datenbanken,
deren Nutzung im Unterricht sinnvoll erscheint.
Das gemeinsame Problem aller bisherigen Versuche auf diesem Gebiet ist das der kritischen Masse. Dies betrifft sowohl den Umfang des zusammengetragenen Materials als auch der aktiven Nutzer. Statt eine Reihe erfolgloser Bemühungen aufzuzählen, beschränken wir uns auf ein herausragendes Beispiel, die Hampshire Database bei CAMPUS 2000.
In den kommenden Jahren wird auch
für deutsche Schulen das INTERNET an Bedeutung gewinnen. Zur
Zeit ist ein vollwertiger INTERNET-Zugang für deutsche Schulen,
der über den Austausch von elektronischer Post und das
Abonnieren von Foren hinausgeht, mit zu hohen Kosten verbunden.
HAMPSHIRE EDUCATION CAMPUS 2000
LOCAL DATABASE
1 Database Help / Commands 11 Modern Language Database
2 Geography GCSE Pupils' Work 12 COMMS - Communications
3 IT Register - Support Team 13 Needs of the Future Group
4 TELETEXT NEWS in text format 14 IT INSET Course Details
5 Marwell Zoo Database 15 News in German + SKY
6 Micronews (back numbers) 16 Flexible Learning
7 Software Reviews 17 Contact System Manager
8 School Library Database 18 Italia Novanta
9 Intercultural Education 10 Places to Visit in Hampshire
Die interessanteste Abteilung
verbirgt sich hinter dem Menüpunkt 4. Hier können aktuelle
Nachrichten des Tages abgerufen werden. Es sind täglich
mehrseitige Meldungen, die aus dem britischen Videotext, dem
französischen Minitel und neuerdings auch aus dem deutschen
Fernsehen stammen. Wer diese Meldungen täglich abruft und auf
der Festplatte ablegt, hat in kurzer Zeit einen Fundus von
Texten, der als Mini-Datenbank genutzt werden kann. Die
Suchfunktion der Textverarbeitung kann eingesetzt werden, um
Namen oder Begriffe aufzufinden.
Der Modellversuch MODIS in Nordrhein-Westfalen hat gezeigt, daß Pressearchive in besonderer Weise als Informationsquelle für die Arbeit in unterschiedlichen Fächern geeignet sind, wobei auf ergänzende Recherchen in Fachdatenbanken weitgehend verzichtet werden kann.
Die Gebührenstruktur der
kommerziellen Dienste hält in der Regel schulische Nutzer fern.
Eine Reihe von Datenbanken ist für Schulen schlicht zu teuer.
Die Verlagsgruppe Handelsblatt bietet über Datex-J rund zwanzig
Pressedatenbanken an, darunter AFP, Berliner Zeitung, Der
Tagesspiegel, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung und Wirtschaftswoche.
Die Anschaltgebühr beträgt DM 36,00 pro Stunde und im Schnitt
DM 3,50 pro Dokument. Bei der geringen Geschwindigkeit von
Datex-J laufen bei ernsthafter Nutzung schnell hohe Gebühren
auf.
Die deutschen Datenbankanbieter offerieren bisher keine Sonderkonditionen für Schulen. In Großbritannien und den USA ist die Bereitschaft der kommerziellen Anbieter, Schulen die Benutzung ihrer Dienste zu finanzierbaren Preisen zu ermöglichen, deutlich größer.
CAMPUS 2000 zum Beispiel hat ein
Gateway zu PROFILE EDUCATION mit Financial Times, Times &
Sunday Times, Guardian, Daily Telegraph, Independent, New
Scientist und Today. Die Bestände reichen bis in die
Mitte der achtziger Jahre zurück. Recherchen sind schnell und
können auch in mehreren Zeitungen gleichzeitig durchgeführt
werden. Die Kosten liegen bei knapp DM 90,00 pro Stunde.
Zusätzliche Kosten für Recherchen und angezeigte Dokumente
entstehen nicht.
DIALOG CLASSMATE ist eine Auswahl von 85 aus dem von DIALOG Information Services angebotenen 450 Datenbanken von einem der größten amerikanischen Datenbankanbieter. Bildungseinrichtungen können CLASSMATE zu einem Bruchteil des Preises für kommerzielle Kunden nutzen. CAMPUS berechnet einen Aufpreis von ca. DM 36 pro Stunde. Das Angebot reicht von Agriculture bis Travel und deckt viele Bereiche ab, die für Schule und Ausbildung von Interesse sind. Der weniger geübte Benutzer kann sich über Menüs führen lassen; der Profi kommt mit direkten Befehlen schneller zum Ziel. Das Menü zeigt die thematische Gliederung der Datenbanken:
1 Agriculture & Nutrition 8
Law & Government
2 Bibliography-Books & Monographs 9 Medicine, Biosciences,
3 Business Information 10 News & Current Affairs
4 Chemistry 11 Popular Information
5 Computers & Electronics 12 Science & Technology
6 Directories & Reference 13 Social Sciences Humanities
7 Education 14 Official Airline Guide
Das Untermenü News & Current Affairs läßt erkennen, welche riesigen Textbestände durchsucht werden können:
News & Current Affairs
U.S. Regional Newspapers (Full Text)
1 Boston Globe
2 Chicago Tribune
3 Los Angeles Times
4 Philadelphia Inquirer
5 San Francisco Chronicle
6 San Jose Mercury News
7 Washington Post Online
Newspapers (Abstracts & Summaries)
8 National Newspaper Index (tm)
9 Newsearch
10 USA Today Decisionline
Financial News (Abstracts & Summaries)
11 Standard & Poor's News 7/85 - present
12 Standard & Poor's News 6/79 - 6/85
13 Canadian Business & Current Affairs
Current Affairs (Abstracts & Summaries)
14 Facts on File
15 Current Digest of the Soviet Press
16 Magazine Index (tm)
17 Canadian Business & Current Affairs
Newswires (Full Text)
18 UPI News (most current 6 months)
19 UPI News (1983 forward)
Deutsche Schulen können DIALOG Classmate zu einem günstigen Preis auch direkt abonnieren. Der Zugang erfolgt über das Datennetz GNS Tymnet, das in Deutschland eine Reihe von Einwählknoten unterhält. Einschließlich der Netzwerkgebühren kostet eine Stunde Datenbankrecherche 15 USD.
Handbücher, Arbeitsbücher,
Lehrerhandbücher und eine Videokassette mit einem
"Qick-Start" Selbstlernprogramm erleichtern die
Durchführung eines Unterrichtsprojekts Datenbankrecherche.
CompuServe ist ein rasch wachsender amerikanischer Online-Dienst mit rund 2,5 Mio Teilnehmern. Er bietet elektronische Post und eine große Anzahl von Foren und kommerziellen Informationsdiensten, insgesamt etwa 2000 Datenbanken. 700 Fachpublikationen und Zeitschriften liegen im Volltext vor, darunter Daily Telegraph, Financial Times, Observer, Economist, European, Washington Post. Durch die 10 Knotenrechner in Deutschland sind die Kosten für die Basisdienste moderat; die Monatsrechnung des Autors (für Email und die gelegentliche Nutzung von Foren) liegt bei etwa 15 Mark.
Ein für Schulen sicher interessanter Ort im CompuServe Cyberspace ist das SPIEGEL-Forum, das nach seiner Einführung im Frühjahr 1994 bis zum Ende des Jahres über 20.000 Datenreisende aufgesucht haben. Es enthält ausgewählte Artikel, Grafiken und Fotos. Die verantwortlichen Redakteure schätzen die Möglichkeit der direkten Diskussion mit den Lesern.
Am 20.12.1994 stellte sich der Sächsische Ministerpräsident als erster deutscher Politiker den Fragen der Teilnehmer einer Online-Konferenz im SPIEGEL-Forum. Das Wall Street Journal Europe berichtete am 22.12.94 unter folgender Überschrift:
Meeting in Cyberspace Helps Germans Edge Onto the Infobahn
Governor of Saxony Fields Questions, Gets a Lesson On Baud and Megabyte
The 64-year-old governor of the
eastern German state of Saxony is no Al Gore, the U.S. vice
president who has claimed a front seat in the bandwagon rolling
down the infobahn. Techno-novice though he is, however, Mr.
Biedenkopf is believed to be the Continent's first leading
politician to field inquiries from the public in a
town-meeting in cyberspace.
Auf die Frage, ob Schulen einen kostenlosen Zugang zum Internet erhalten könnten, antwortete Biedenkopf: "Soweit der Zugang zu Internet für den Schulunterricht notwendig ist, muß ihn der Staat als Schulträger auch finanzieren." Und an anderer Stelle: "Das müssen die Pädagogen entscheiden. Für den Zugang zum Internet gilt nichts wesentlich anderes als für Experimente im Chemieunterricht oder für Expeditionen im Geographieunterricht."
Das vollständige Protokoll der Online-Konferenz, in die sich über 500 CompuServe-Nutzer eingeschaltet hatten, kann aus dem SPIEGEL-Forum geladen werden.
Andere Foren enthalten deutsche,
amerikanische, britische und französische
Nachrichten, das Wetter, Filmkritiken, usw.
CNNFORUM CNN-Nachrichten
APO Associated Press
OLT On-Line Today
USNEWS Nachrichten
APFRANCE französische Nachrichten
DPANEWS Deutsche Presseagentur
WEATHER Weltweites Wetter mit aktuellen Satellitenbildern
EBERT Eberts's Movie Guide: Filmkritiken
EDFORUM Education
Ein Gateway zum Internet
ermöglicht seit einigen Monaten den Zugang zu den
USENET-Newsgroups des Internet.
ECHO ist eine nichtkommerzielle Organisation, die Datenbanken in allen Amtssprachen der Europäischen Union anbietet. Die Aufgaben von Echo sind, über Informationsdienste in der EU zu informieren und Benutzer durch Anleitung, Ausbildung und die Bereitstellung von Dokumentationsmaterial zu unterstützen. Die meisten Echo-Datenbanken sind kostenlos.
Sie lassen sich in vier Hauptkategorien einteilen:
- Benutzerhilfe: Datenbanken, Hosts, Produzenten und Informationsvermittler in Europa
- Gemeinschaftsforschung: Gemeinschaftsprogramme für wissenschaftliche und technische Forschung
- Terminologie: Begriffe und Abkürzungen in allen Gemeinschaftssprachen
- Wirtschaft: Wechselkurse und
Ausschreibungen.
Dazu kommen Übungsdatenbanken,
zugänglich über DatexJ, DatexP oder eine Einwahlnummer in
Luxemburg.
Über das Netz ist in den letzten Monaten auch in Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen soviel geschrieben worden, daß wir uns hier auf schulische Nutzungsmöglichkeiten beschränken. In der amerikanischen Zeitschrift The Computing Teacher erscheint seit etwa zwei Jahren die Kolumne Mining the INTERNET. Hier werden praktische Ratschläge gegeben, mit welcher Software unterrichtsrelevante Informationen von welchen Servern geladen werden können. Speziell auf Schulen zielt eine neue Zeitschrift, Classroom Connect, die erfolgreiche Beispiele aus der Schulpraxis vorstellt und praktische Hilfen anbietet. Auch Email-Adressen für elektronische Schulpartnerschaften werden vermittelt.
Neue benutzerfreundliche Software und damit verbunden der Verzicht auf kryptische Befehle machen das Internet auch für Schulen interessant. Ein Teil des Netzes, das World Wide Web (WWW), wird es auch bei uns innerhalb weniger Jahre zu einer unverzichtbaren Ressource für die Arbeit in der Schule machen. Der Hypermedia-Dienst hat enorme Zuwachsraten und ist enorm ausbaufähig. Texte, Bilder, Audio- oder Videodateien sind im WWW über Schlüsselwörter (Hyperlinks) miteinander vernetzt, die bei Bedarf eingesehen oder gehört werden können. Sie werden einfach dazugeladen. Da sie in der Regel auch Hypermedia-Dokumente sind, erfolgen von ihnen aus weitere Verzweigungen. Das Gute für den Anwender ist, daß er nicht wissen muß, auf welchem Rechner sich die aktuelle Datei befindet.
Judi Harris (a. a. O.) berichtet über ein Internet-Projekt der Hillside Elementary School. Schüler der 6. Klasse hatten den Auftrag, zu verschiedenen Themen Material zu sammeln und dieses als WWW-Seiten aufzubereiten. Unter ihrer WWW-Homepage kann sich jeder Internet-Nutzer die Ergebnisse ansehen. Eine Gruppe hat ihre mit MOSAIC in HTML (Hypertext Markup Language) über Dinosaurier geschriebenen Seiten mit auf einem Server in Berkeley gespeicherten Informationen verbunden.
Die Schüler haben hiermit in ihrem Projekt die Arbeitsergebnisse auf eine bisher nicht mögliche Weise einem weltweiten Publikum zugänglich gemacht. Auch Lehrer beginnen, über das WWW ihren Schülern Informationen aufzubereiten. Unter ihrer Homepage kann das Material abgerufen werden.
Bleibt zu hoffen, daß der
Nachfragedruck aus deutschen Schulen so anwächst, daß
Netzwerkanbieter, Kultusbürokratie und Schulträger zu einer
Gesamtlösung finden, die es den Schulen ermöglicht, sich
anzukoppeln. In den skandinavischen Ländern ist man schon einen
großen Schritt weiter und bietet interessierten Schulen zu
erschwinglichen Preisen einen vollen Internet-Zugang.
Die hohe Speicherkapazität der kleinen Silberscheibe ermöglicht es, ganze Zeitungsjahrgänge, 25-bändige Lexika und Wörterbücher und/oder eine Vielzahl von Bildern, kurzen Audiosequenzen oder Videoclips darauf unterzubringen. Die Materialkosten sind im Vergleich zum Buchdruck extrem gering, und mit der Höhe der Auflage sinken häufig die Preise in für die Schule interessante Regionen. Der Vorteil gegenüber den Online-Diensten ist der Wegfall von Telekommunikationskosten. Der Nachteil, die geringere Aktualität, ist im Schulbetrieb von geringerer Bedeutung.
Eine Vorreiterrolle bei der
Einführung von CD-ROM-Applikationen in den Unterricht spielte
wiederum England. Eine Secondary School in England verfügte
schon vor einigen Jahren über 50 oder mehr Computer, die häufig
vernetzt sind. Es lag nahe, die Einsatzmöglichkeiten für
CD-ROM-Datenbanken in einem großen vom National Council for
Educational Technology (NCET) koordinierten Modellversuch zu
evaluieren. Von Dezember 1991 bis Februar 1992 erprobten 30
Grundschulen und 523 Sekundarschulen die neue Technologie. Zur
CD-ROM-Ausstattung gehörten u.a. Grolier's Electronic
Encyclopedia, World Atlas, Library of the Future
( eine Sammlung von mehr als 1000 Werken der Weltliteratur), The
Times and The Sunday Times, The Guardian. Bei
den Schülern war große Begeisterung festzustellen. Die
Schulbibliothekare berichteten, daß Schüler, die sonst nie in
den Räumen gesehen wurden, mit den CD-ROM-Datenbanken
arbeiteten. Die Rückmeldungen aus den Schulen waren so positiv,
daß das Department for Education für die Finanzjahre 1992 und
1993 jeweils 4 Mio. Pfund zur Verfügung stellte, um alle
Secondary Schools mit CD-ROM-Laufwerken und Software
auszustatten. 1994 folgte ein 4,5 Mio. Pfund Programm, um 2000
Grundschulen mit Multimedia-Computern und CD-ROMs zu versorgen.
Eine unabhängige
Evaluationsgruppe wählte 20 Titel nach folgenden Kriterien aus:
Kategorien Evaluationskriterien
- Enzyklopädien/Nachschlagewerke - Übereinstimmung mit dem
National Curriculum
- Atlanten und Führer - Inhalt und Reichweite
- Wörterbücher - altersbezogene Lesefertigkeiten
- Literarische Werke - Benutzer-Interface, Präsentationsformen
- Zeitungen Interaktivität, Möglichkeiten
- Statistische Daten - Angemessenheit des Zusatzmaterials
- Bibliographien - Gesamtqualität des Titels
- sonstiges Unterrichtsmaterial
Ausgewählt wurden u.a. Anglo
Saxons, Busy Town, Creepy Crawlies, Information Finder World Book
Encyclopedia, Just Grandma and me, Mammals Multimedia, Microsoft
Dinosaurs, Microsoft Encarta, Microsoft Art Gallery, Microsoft
Musical Instruments, New Kid on the Block. Einige diese Titel
sind hervorragend für den Einsatz im Englischunterricht oder im
bilingualen Fachunterricht geeignet. Deutschsprachige
CD-ROM-Titel, die im Unterricht eingesetzt werden könnten, sind
noch rar oder zu teuer. Folgende Titel kommen
zum Beispiel in Betracht:
Frankfurter Allgemeine Zeitung
auf CD-ROM
TAZ auf CD-ROM
Bild der Wissenschaft
verschiedene Duden-Wörterbücher
Deutsche Klassiker (erscheint im Frühjahr 1995)
Noch werden in Deutschland erst an ganz wenigen Schulen Online- oder CD-ROM-Datenbanken eingesetzt. Es bleibt viel zu tun, um hier den Vorsprung anderer Länder aufzuholen.
Für den Unterricht zeichnet sich der Beginn eines Umbruchs ab.
- Das traditionelle Lehrwerk wird an Bedeutung verlieren. Interaktive Multimedia-Lernsysteme, die den Zugriff auf Texte, Bilder, Ton und Filmsequenzen ermöglichen, elektronische Post, Datenbanken, Computer-Konferenzen, online-Hypermedia-Datenbanken (WWW) werden zunehmend wichtiger und eröffnen neue didaktische und methodische Perspektiven.
- Schüler benutzen "echte" Systeme, wie sie auch in der Arbeitswelt eingesetzt werden. Sie überwinden damit die Isolation des Klassenraumes und heben die Künstlichkeit der Lernsituation auf.
- Internationale Kommunikation und die Teilnahme an internationalen Projekten ermöglichen die zweckgerichtete Anwendung von Fremdsprachen in einem realen Kontext.
- Elektronische Post überwindet politische und kulturelle Grenzen und ermöglicht interkulturelles Lernen. Die Schüler entdecken Gemeinsamkeiten, aber auch kulturelle Unterschiede und lernen, diese zu respektieren.
- Die globalen Herausforderungen Umweltschutz, Klima, Regenwald, Krieg wurden in einer Reihe von Projekten aufgegriffen. Die Schüler erkennen gemeinsame Interessen und die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns.
- Der Lernstil ändert sich. Lernen wird zunehmend ein kooperativer Prozeß, sowohl innerhalb der Gruppe / Klasse als auch zwischen elektronisch vernetzten Gruppen. Mehr Selbständigkeit und die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, führen zu mehr Verantwortungsbewußtsein bei den Schülern.
- Aufgaben und Rolle des Lehrers
sind neu zu definieren. Die Rollenvorstellung des
lehrbuchgestützten, omnipotenten Wissensvermittlers ist nicht
mehr zeitgemäß. Der Lehrer schafft Rahmenbedingungen und wird
zum Berater.
Anschrift des Verfassers:
Wolfgang Meyer
Ölmühlenweg 2
D-26506 Norden
Tel. (04931) 21 46; Fax: (04931) 16 80 95
E-Mail: 100345.2672@CompuServe.com