Heinz Ziegler
0 Einführung
Nach wie vor arbeiten die meisten Literaturdatenbanken (Referenzdatenbanken) mit einem Schlagwortfeld, dem ein kontrolliertes Vokabular zugrunde liegt. Fast immer sind die Schlagwortlisten strukturiert: In einfachen Fällen ist das Vokabular in einige Hauptgruppen gegliedert, und es gibt Synonymverweise; in vielen Fällen aber sind die Strukturen differenzierter in Richtung eines Thesaurus ausgebaut.
Auch die im Aufbau befindliche Literaturdatenbank Berufliche Bildung wird für das Schlagwortfeld ein kontrolliertes und strukturiertes Wörterbuch benutzen, weil nach unserer Auffassung auf diese Weise der Benutzer, und insbesondere der gelegentliche Benutzer, noch am ehesten zu den gesuchten Informationen findet. Eine Voraussetzung hierfür ist freilich eine leistungsfähige Recherchesoftware mit einer gut selbsterklärenden und einfach zu bedienenden Oberfläche, eine Software, die dem Benutzer die durch die Strukturierung und vielfache Verknüpfung des Wortguts gebotenen Möglichkeiten zur Hinführung auf für ihn relevante Suchwörter sowie zur Erleichterung und Verbesserung der Recherche erschließt. Erstaunlicherweise haben wir eine solche Software - für PC, möglichst mit Fenstertechnik und Mausbedienung, netzfähig und zu einem erschwinglichen Preis - bisher nicht gefunden. Zwar gibt es alle dafür erforderlichen Komponenten in voller Ausprägung in dem einen oder anderen Produkt, aber bisher hat offenbar noch kein Softwarehersteller diese Komponenten in einem Programm vereinigt. Vielleicht macht dieser Erfahrungsaustausch auf ein solches Produkt aufmerksam.
Die Entscheidung für eine bestimmte Software hat auch Folgen für den Datenbasenhersteller, vor allem hinsichtlich der Indexierung. Läßt es beispielsweise die Recherchesoftware nicht zu, bei Eingabe des allgemeinen Suchbegriffs HOCHSCHULE wahlweise zugleich automatisch nach allen spezifischeren Unterbegriffen wie UNIVERSITÄT, FACHHOCHSCHULE, KUNSTHOCHSCHULE usw. zu suchen, so muß man entweder dem Rechercheur zumuten, alle diese Begriffe einzeln einzugeben (was gewiß nicht nutzerfreundlich wäre), oder es muß beim Indexieren des Dokuments beispielsweise zu dem spezifischen Begriff FACHHOCHSCHULE zusätzlich der Oberbegriff HOCHSCHULE vergeben werden. Bereits dieses einfache Beispiel zeigt die Rückwirkung der Recherchesoftware auf die Gestaltung der Datenbank.
Wegen dieser Zusammenhänge wurden
für die Literaturdatenbank Berufliche Bildung "Anforderungen
an die Recherchesoftware" zusammengestellt. Im folgenden
werden hieraus einige auf den Thesaurus bezogene Anforderungen
betrachtet. Das ist freilich nur einer der für die Bewertung
wichtigen Aspekte; aber in Anbetracht des Aufwandes, den die
Erarbeitung und Pflege eines strukturierten Wörterbuchs
erfordert, ist die Hervorhebung der Frage schon berechtigt,
welche Funktionen die Software anbieten sollte, damit die durch
ein strukturiertes Wörterbuch gegebenen Möglichkeiten
leichteren und erfolgreicheren Recherchierens auch genutzt werden
können.
Die verschiedenen
Software-Handbücher und Anleitungen benutzen für bestimmte
Strukturbeziehungen unterschiedliche Bezeichnungen. Im
vorliegenden Aufsatz wird wie folgt verfahren: Als Synonyme
werden alle Begriffe bezeichnet, die der gleichen Synonymgruppe,
der gleichen (bedingten) Äquivalenzklasse zugeordnet sind,
unabhängig davon, ob es sich um echte Synonyme handelt. Der
Begriff Assoziation oder assoziative Beziehung wird im
Sinne eines "Siehe-auch-Verweises" gebraucht; es ist
der Hinweis von einem Begriff auf möglicherweise relevante
andere Begriffe, die (meist) in anderen Hierarchiezweigen stehen
(zum Beispiel der Hinweis von EUROPÄISCHE UNION als politische
Organisation auf EU-LÄNDER als Ländergruppe oder von
PERSONALPLANUNG auf PERSONALABBAU). Bild 1 und Bild
2 veranschaulichen diese Beziehungen.
Bild 1 Hierarchie (Ober-/Unterbegriffe), Äquivalenz (Synonyme),
Assoziation
(Siehe-auch-Verweis)
Bild 2 Gruppenbildung
mittels freier Relation; Assoziation
- Verwaltung. Im strukturierten Wörterbuch sollen mindestens folgende Beziehungsarten verwaltet werden:
- Synonymie (bedingte Äquivalenzklassen)
- Hierarchie mit der Möglichkeit der Polyhierarchie
- Assoziation
- Gruppenbildung. Erwünscht ist ferner die Verfügbarkeit von mindestens einer weiteren, frei definierbaren Relation (für Gruppenbildung ohne Beachtung der Primär-Hierarchie).
- "Freie" Schlagwörter. Im strukturierten Wörterbuch sollen auch Begriffe verwaltet werden, die (noch) nicht in die Struktur eingeordnet sind.
- Textliche Erläuterung. Es soll möglich sein, einem Begriff eine kurze textliche Erläuterung zuzuordnen.
- Anzahl der Relationen. Die Anzahl der von einem Begriff ausgehenden Beziehungen zu anderen Begriffen soll nicht begrenzt sein.
- Länge. Die zulässige
Länge für einen Wörterbuchbegriff soll nicht kleiner als etwa
100 Zeichen sein.
- Alphabetische Liste
- Alle Begriffe des Wörterbuchs einschließlich der "freien" Schlagwörter sollen sich als alphabetische Liste anzeigen lassen.
- "Freie" Schlagwörter sollen gekennzeichnet sein.
- Belegungshäufigkeit: Zu jedem Begriff soll die Belegungshäufigkeit (Anzahl der Literaturnachweise, die diesen Begriff als Schlagwort enthalten) angegeben werden.
Es wäre hilfreich, wenn das Modul
in der Lage wäre, alle Begriffe, die einer bestimmten Trunkierung
entsprechen, in alphabetischer Folge anzuzeigen. Für
rechtstrunkierte Begriffe wird diesem Wunsch durch die normale
alphabetische Anzeige entsprochen, die Anzeige sollte aber auch
bei Links- bzw. Links-und-Rechts-Trunkierung möglich sein.
- Strukturanzeige. Es soll möglich sein, zu jedem Begriff - durch direkte Eingabe des Begriffs oder durch Markieren in der alphabetischen Liste bzw. in der Strukturanzeige - sich dessen Umfeld zeigen zu lassen. Zu diesem Umfeld gehören:
- eine eventuelle textliche Erläuterung
- Oberbegriff(e) (der nächsthöheren Ebene)
- Unterbegriffe (der nächsttieferen Ebene)
- Synonyme
- assoziierte Begriffe
- Begriffe, die durch weitere Relationen [s.o. zu Gruppenbildung] zugeordnet sind.
Außerdem sollte die Belegungshäufigkeit angezeigt werden.
Aus der Anzeige sollte erkenntlich sein, ob ein Begriff am Anfang oder Ende einer Hierarchieleiter steht; anders gesagt: Es sollte zu erkennen sein, ob ein angezeigter Oberbegriff noch Oberbegriffe über sich oder ein angezeigter Unterbegriff noch Unterbegriffe unter sich hat. Dieselbe Strukturanzeige soll auch beim Aufruf eines Synonyms erscheinen.
- Navigieren. Es soll möglich sein, sich die Begriffe der höchsten Ebene anzeigen zu lassen und von da aus (durch Markieren/Anklicken eines Begriffs) sich auf einzelnen Zweigen der Hierarchie nach unten und erforderlichenfalls auch wieder nach oben oder über assoziierte Begriffe in andere Hierarchiezweige zu bewegen.
Es soll möglich sein, jederzeit und unter Beibehaltung des aktuell gewählten Begriffs zwischen alphabetischer Anzeige, Strukturanzeige und Navigieren zu wechseln.
- Kopieren. Es soll
möglich sein, Begriffe in der Anzeige zu markieren, die dann
automatisch in die Recherchefrage übernommen werden.
- Synonyme. Neben der Recherche nach der Äquivalenzklasse insgesamt soll es auch möglich sein, nur nach einem einzelnen Element, einem bestimmten Synonym zu recherchieren.
- Automatische Erweiterung nach unten. Es soll möglich sein, wahlweise alle Unterbegriffe (bis zum Ende der Hierarchieleiter) automatisch in die Recherche einzubeziehen.
Es soll möglich sein, die mittels der freien Relation [s. o. zu 1.1 "Gruppenbildung"] hierarchieübergreifend zu einer Gruppe zusammengefaßten Begriffe wahlweise automatisch in die Recherche einzubeziehen.
- Trunkierung (Maskierung). Es soll zwei Joker geben: einen für ein Zeichen, einen für mehrere (oder kein) Zeichen.
Trunkierung soll uneingeschränkt rechtsseitig, linksseitig sowie beidseitig und auch bei Zeichenketten, die Leerzeichen enthalten, zulässig sein. Der Joker für ein Zeichen soll auch innerhalb der Zeichenkette benutzt werden dürfen.
Trunkierung soll sowohl bei der direkten
als auch bei der sequentiellen Recherche möglich sein.
Im folgenden sind einige Aspekte der aufgeführten Anforderungen herausgegriffen mit dem Ziel, die Problematik anschaulicher werden zu lassen; eine tiefergehende Diskussion läßt der vorgegebene Rahmen nicht zu. Natürlich stehen die genannten Anforderungen nicht nur untereinander in Zusammenhang, sondern haben auch zu anderen Elementen der Recherchesoftware Beziehung, zu den Möglichkeiten der Volltextrecherche beispielsweise, und darüber hinaus zu grundlegenden Faktoren, wie die ins Auge gefaßte Nutzerklientel und andere Intentionen des Datenbasenherstellers. Hierauf wird aber nicht eingegangen.
Bei der heutigen Leistungsfähigkeit auch einfacher Computersysteme kann - bei Vorliegen eines strukturierten Wörterbuchs - die Zusammenführung bedeutungsähnlicher Benennungen ausschließlich dem Computer überlassen werden. Damit ist die früher übliche und auch heute noch oftmals praktizierte Differenzierung in erlaubte Deskriptoren und verbotene Nichtdeskriptoren überholt. Dies führt zu zwei wesentlichen Vorteilen: Das Dokument kann "konkret" indexiert werden, das heißt, zur Kennzeichnung des Inhalts darf ein sehr spezifischer Begriff benutzt werden, und - was in Anbetracht der zunehmenden Endnutzernähe solcher Systeme vielleicht von noch größerer Bedeutung ist - das System kann so eingerichtet werden, daß jeder Benutzer für seinen Einstieg in das System das Wortgut vorfindet, das ihm aus seinem Berufs- und Erfahrungskreis am ehesten geläufig ist. Letzteres spielt gerade bei Datenbanken eine Rolle, die für Benutzer sehr unterschiedlicher Berufe und Bereiche gedacht sind. Die projektierte Literaturdatenbank Berufliche Bildung ist eine solche Datenbank.
Für die Recherchesoftware bedeutet dies:
- Automatische Zusammenführung von Begriffen zu Äquivalenzklassen und Möglichkeit, nach der Äquivalenzklasse insgesamt zu recherchieren.
- Möglichkeit, auch nach jedem Synonym einzeln zu recherchieren, um eine Untermenge spezifischerer Dokumente erhalten zu können (Zusammenhang mit der Methode "konkreter" Indexierung).
- Transparenz der Äquivalenzklassen, das heißt, der Benutzer muß nachsehen können, welche Begriffe zur Äquivalenzklasse gehören (siehe auch 2.6).
Bei Datenbanken, die durch das Zusammenführen von Nachweisen aus unterschiedlichen anderen Datenbanken aufgebaut werden, wie dies bei der geplanten Literaturdatenbank Berufliche Bildung der Fall sein wird, ist bei jeder Lieferung mit dem Auftauchen neuer Schlagwörter zu rechnen. Ein Wörterbuch, das unter solchen Bedingungen benutzt wird, muß besonders lebendig und flexibel sein. So darf es keine Probleme bereiten, neue Begriffe in das Wörterbuch aufzunehmen oder die Struktur zu verändern. Für die Recherche- und Verwaltungssoftware bedeutet das:
- Automatische Aufnahme neuer Begriffe in das Wörterbuch;
- Anzeige dieser Begriffe im alphabetischen Wörterbuch mit einer Kennung, die besagt, daß der Begriff (noch) nicht in die Wörterbuchstruktur eingebaut ist;
- Möglichkeit des Ausdrucks einer
alphabetischen Liste dieser Begriffe als eine Voraussetzung für
die Wörterbuchpflege (für die Vorbereitung der Einordnung in
die Struktur).
Jeder Benutzer bewegt sich in
relativ gefestigten Begriffs- und Denkmustern, die u. U. von den
Mustern des Indexierers oder des Datenbank-Verantwortlichen
deutlich abweichen. Assoziationen helfen, von einem Muster ins
andere zu finden. Assoziationen werden vielfach auch aufgrund von
Erfahrungen der Indexierer oder professionellen Rechercheure
eingebaut. Sie nehmen dem Benutzer einen Teil des Nachdenkens (wo
er denn wohl noch suchen könnte) ab bzw. vermeiden Suchen am
falschen Platz. Weil assoziative Verweise deutliche Hilfen sind,
sich in einem strukturierten Wörterbuch zu bewegen und
Rechercheverluste zu vermeiden, soll die Software assoziative
Beziehungen verwalten. Eine wahlweise automatische Einbeziehung
assoziativer Begriffe in die Recherche erscheint aber nicht
erforderlich, da diese Siehe-auch-Verweise immer der
individuellen Auswahl bedürfen.
Eine zu weitgehende hierarchische und insbesondere polyhierarchische Gliederung eines Wörterbuchs kann dazu führen, daß der Sinn der Gliederung ins Gegenteil verkehrt wird: Das Wörterbuch wird unübersichtlich. Auch aus diesem Grunde sind freie Relationen nützlich, die eine Gliederung von Wörterbucheintragungen außerhalb der primären Hierarchiestruktur ermöglichen. Die Anzeige solcher Strukturen weist den recherchierenden Benutzer auf bestimmte Zusammenhänge hin; lassen sich die Strukturen für die Recherche aktivieren, so erspart das dem Rechercheur die Eintragung der Einzelbegriffe. Bild 1 zeigt, wie dem Begriff ALTE BUNDESLÄNDER die einzelnen Bundesländer - von BAYERN bis SCHLESWIG-HOLSTEIN - zugeordnet werden, ohne eine zusätzliche Hierarchiestufe einzufügen. Noch deutlicher wird das Prinzip in Bild 2 am Beispiel der Gruppen EU-LÄNDER und OECD-LÄNDER, wobei die Gruppe OECD-LÄNDER ja noch auf weitere, im Bild nicht dargestellte Hierarchiezweige, wie z. B. ASIEN oder AMERIKA, zugreift.
Oftmals ist die Länge der Wörterbucheintragung begrenzt, beispielsweise auf 60 oder gar nur 40 Zeichen. Zwar hat die überwiegende Mehrzahl der Wörter noch deutlich weniger Zeichen, muß man aber ein längeres Wort kürzen, so ist dies um so ärgerlicher. Am häufigsten davon betroffen sind Namen von Institutionen. Vor allem der gelegentliche Benutzer hat Mühe, einen gesuchten Begriff, der im Wörterbuch gekürzt ist, zu finden, manchmal auch bei der Entschlüsselung einer Kürzung. Es gibt heute keinen überzeugenden Grund mehr, die Länge einer Eintragung so stark einzuschränken.
Für den Benutzer wird der Thesaurus interessant, wenn er sich in ihm bewegen kann und aus ihm Anregungen zur Verbesserung seiner Fragestellung erhält. Die Anzeige des Wörterbuchs und seiner Strukturen hat einen doppelten Sinn: Zum einen soll sie helfen, relevante, dem Suchziel am besten dienende Suchbegriffe zu finden, zum anderen soll sie den Thesaurus und über ihn zugleich die Arbeit des Recherchesystems transparent machen. Wenn zum Beispiel das Recherchesystem nach einer Äquivalenzgruppe recherchiert, so muß dem Recherchierenden die Möglichkeit gegeben sein, die Elemente dieser Gruppe zu erfahren; er darf dem System nicht blindlings ausgeliefert sein.
Viele überflüssige Eingaben oder
Eingabeversuche könnten dem Recherchierenden erspart werden,
wenn aus der Strukturanzeige immer zu erkennen wäre, ob ein
angezeigter Unterbegriff weitere Begriffe unter sich hat.
Im folgenden werden einige Beipiele aus verfügbaren PC-Datenbanken bzw. entsprechender Software gebracht, die eher zufällig sind. Sie haben hier keinen anderen Sinn, als die Berechtigung der vorgetragenen Forderungen und Wünsche beispielhaft zu veranschaulichen und zu unterstreichen. Mit diesen Beispielen ist keine kritische Auseinandersetzung mit der erwähnten Software verbunden, denn eine solche Bewertung müßte auch andere Aspekte berücksichtigen.
Die CD-ROM-Datenbank
Literaturdokumentation Bildung benutzt keinen Thesaurus, intern
werden aber Synonyme verwaltet. Die Synonymverwaltung arbeitet
verdeckt und erlaubt keinen Einblick in die Zusammensetzung der
Synonymgruppe. So ist der Benutzer auf Probieren angewiesen, was
Zeit kostet und unter Umständen auch frustriert. Ein Beispiel
zeigt Bild 3. An dieser
Bild 3 Beispiele der
Zusammenfassung von Begriffen bei verdeckt geführten
Synonymgruppen
Stelle geht es nicht um die Frage, ob die Zusammenfassung oder Nicht-Zusammenfassung bestimmter Begriffe zu einer Äquivalenzklasse dem einen eher sinnvoll erscheint und dem anderen weniger, sondern darum, daß dem Recherchierenden die Kontrolle darüber entzogen wird, nach welchen Begriffen er tatsächlich recherchiert und welche ihm wichtig erscheinenden Begriffe möglicherweise nicht in die Suche einbezogen sind. Das Beispiel zeigt, wie notwendig eine Offenlegung der Synonymbeziehungen wäre. Eine Suche nach dem einzelnen Synonym ist nicht möglich. Suchbegriffe können aus der alphabetischen Liste in die Suchfrage kopiert werden.
Die Software ODARS, die u. a. für CD-ROM REHADAT des Instituts der deutschen Wirtschaft verwendet wird, hat für das Feld "Suchbegriffe" ebenfalls eine Synonymverwaltung. Anders als bei CD Answer kann man hier die Synonymgruppe einsehen (Bild 4 und 5). Die Häufigkeitsangabe beim Suchwort bezieht sich auf das Synonym, nicht auf die gesamte Äquivalenzklasse. Eine Recherche nach dem einzelnen Synonym ist aber dennoch nicht möglich.
Obwohl die Datenbank KURS DIREKT Weiterbildungsveranstaltungen ausweist, ist ihre Struktur mit der einer Literaturdatenbank vergleichbar. In dieser Datenbank gibt es eine Systematik; sie kann als Thesaurus interpretiert werden. Jedem verbalen Begriff ist gleichberechtigt eine Notation zugeordnet; andere Synonyme gibt es nicht. Die Begriffe sind hierarchisch in einer Baumstruktur gegliedert. Zu zahlreichen Begriffen gibt es assoziative Verweise. Beim Start einer Recherche werden in jedem Fall automatisch alle zu einem Begriff gehörenden Unterbegriffe bis zum Ende der Hierarchieleiter mit eingeschlossen. Die in den Abbildungen (Bild 6 bis 8) zu erkennenden Tasten ("Tiefer", "Höher") gestatten das Navigieren, auch hin zu Assoziationen (Taste "Verweis"). Vor dem Suchwort steht in jedem Fall die Belegungshäufigkeit. Die Taste "Übernahme" kopiert den Begriff in die Recherchefrage.
Die vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Soest auf CD-ROM herausgegebene Literaturdatenbank Bildungswesen benutzt als Software CICADE-Multimedia (Version 3.01 für Windows). Über eine Schaltfläche kann der DOPAED-Thesaurus eingesehen werden, und es lassen sich Begriffe markieren und in die Recherchefrage kopieren. Für die Auswahl des Wortguts ist es vorteilhaft, im Thesaurus blättern und in den Strukturen frei navigieren zu können. Der Thesaurus läuft aber völlig autonom neben dem Recherchesystem; dadurch wird der Benutzer auch zu fehlerhaften Schlüssen und Eingaben verleitet. So sind im Thesaurus Synonyme ausgewiesen, und in der Thesaurusanzeige steht beispielsweise (Bild 9 bis 11):
REIFEPRÜFUNG - benutzt
für ABITUR
Bild 4 Alphabetische
Anzeige der Suchbegriffe mit Belegungshäufigkeit bei ODARS
Bild 5 Anzeige aller
Synonyme zum Stichwort LEHRLING
Bild 6 KURS DIREKT.
Eröffnungsbildschirm
Bild 7 Anzeige der
ersten Ebene
Bild 8 Bewegen im
"Thesaurus"
Bild 9 Eröffnungsbildschirm.
Feld 720-Thesaurus als Suchfeld aktiviert
Bild 10 Strukturanzeige zum Begriff REIFEPRÜFUNG -
hiernach steht REIFEPRÜFUNG
auch für ABITUR
Bild 11 Rechercheergebnisse - sie zeigen:
Die in Bild 10 angekündigte Verknüpfung wird nicht realisiert.
Das ist aber eine rein theoretische Fiktion. In der Datenbank selbst werden die beiden Begriffe völlig gleichartig und isoliert voneinander behandelt. Wie das Rechercheergebnis ausweist, sind sie nicht miteinander verknüpft: Die Suche nach REIFEPRÜFUNG liefert 371 Nachweise, nach ABITUR weitere 17 Nachweise (ein Nachweis enthält beide Suchwörter im sog. "Thesaurus"-Feld). Verläßt man sich also auf die Aussagen des Thesaurus, so führt das unter Umständen zu beträchtlichen Rechercheverlusten. Dieses Beispiel unterstreicht besonders anschaulich die Notwendigkeit, den Thesaurus und seine Strukturen tatsächlich in die Recherchesoftware zu integrieren.
Das verbreitete System LARS verwaltet in der Standardversion keinen Thesaurus, jedoch wird in der speziellen Bibliotheksanwendung ein Thesaurusmodul angeboten. Die folgenden, zum Vergleich genannten Angaben, beruhen auf Informationen des Herstellers. Danach wird die Hierarchie durch Notationen, die der Anwender zusätzlich vergeben muß, organisiert. Polyhierarchie ist möglich. Neben der Hierarchie wird auch Synonymie und Assoziation verwaltet. Alle diese Beziehungen können eingesehen, Unterbegriffe und Assoziationen wahlweise in die Recherche automatisch einbezogen werden. Neben dem Thesaurus wird eine Indexliste aufgebaut. Im Thesaurusfeld vorhandene, aber noch nicht in die Thesaurusstruktur eingefügte Begriffe erscheinen nur dort. Da sie nicht besonders gekennzeichnet sind, ist die Thesauruspflege möglicherweise erschwert. Auch die Belegungshäufigkeit wird nur in der Indexliste (die also nicht identisch ist mit der alphabetischen Thesaurusliste) angezeigt, nicht im Thesaurus. Vorausgesetzt, der Thesaurus ist tatsächlich integriert - und nicht nur, wie bei der CICADE-Version - danebengestellt, würde das beschriebene LARS-Modul dennoch einen wesentlichen Teil der Anforderungen erfüllen.
Für das ebenfalls verbreitet angewendete LIDOS der Doris Land Software-Entwicklung, Oberasbach, war gerade die Thesaurusfunktion ein Element, das LIDOS vor anderen auszeichnete. Deshalb wurde auch LIDOS (Vers. 3.3) hinsichtlich einer Verwendung für die Literaturdatenbank Berufliche Bildung geprüft. Von den Eigenschaften seien mit Bezug auf das behandelte Thema die folgenden genannt: Die Länge der Thesaurusbegriffe ist auf nur 40 Zeichen begrenzt, die Belegungshäufigkeit ist aus der Anzeige nicht zu ersehen, hierarchieübergreifende assoziative Beziehungen werden nicht verwaltet, freie Schlagwörter im Thesaurusfeld verhindern das Laden des entsprechenden Nachweises. Dies alles sind Eigenschaften, die, wie eingangs dargelegt wurde, aus unserer Sicht unbefriedigend sind und in einem positiven Sinne verändert werden sollten.
Abschließend soll kurz das
Programmsystem vorgestellt werden, das uns bei der Entwicklung
der Literaturdatenbank Berufliche Bildung unterstützt. Das AIDOS/M
(Version 3.1) der DataPrint GmbH, Dresden, ist hinsichtlich der
Wörterbuchverwaltung und des Instrumentariums für die
Eingabeprüfung von Nachweisen das mächtigste uns bekannte
PC-Programm für Literaturverwaltung und Recherche dieser
Preisklasse (etwa 3.200,- DM). Wir benutzen das Programm für den
Aufbau von Testdatenbanken und Thesaurus. Das Programm verwaltet
in einer Datenbank 10 autonome Datenbasen (mit je max. 64.000
Nachweisen), jede mit maximal 31 strukturierten Wörterbüchern
und 31 Klassifikationen. Im Wörterbuch sind Oberbegriffe,
Unterbegriffe, Synonyme, Assoziationen und 10 weitere, frei
definierbare symmetrische oder gerichtete Relationen und auch
textliche Anmerkungen möglich. Ein Wörterbuchbegriff darf 60
Zeichen lang sein. Das Wörterbuch läßt sich alphabetisch und
systematisch - jeder Begriff mit seinem Umfeld - anzeigen; dabei
wird immer zu jedem am Bildschirm sichtbaren Begriff die
Belegungshäufigkeit mit angezeigt. Es besteht die Möglichkeit,
den Zugang für Nachweise mit freien Schlagwörtern zu sperren
oder zu öffnen. Läßt man freie Schlagwörter zu, so werden
diese in der alphabetischen Liste besonders gekennzeichnet, und
sie lassen sich auch gesondert ausdrucken, was die
Thesauruspflege erleichtert. Bei der Recherche, die gleichzeitig
über mehrere Datenbasen laufen kann, lassen sich alle
Thesaurusbeziehungen automatisch aktivieren. Trunkierung ist
rechts und links auch mehrfach möglich. Hinsichtlich
Thesaurusverwaltung und Recherche genügt dieses DOS-Programm
nahezu allen eingangs genannten Anforderungen. Würde das
Programm von einigen Mängeln in anderen Bereichen befreit und in
einer Windows-Version vorliegen, wäre es sicherlich eine für
unsere Zwecke beinahe ideale Software.
Anschrift des Verfassers:
Dr. Heinz Ziegler
Straße der Pariser Kommune 36
10243 Berlin
Tel. (030) 294 73 77