Jürgen Philipp (Audiovisuelles Medienzentrum, Bergische Universität Wuppertal)

 Virtuelles Lehren und Lernen im WWW - Ergebnisse einer Studie über virtuelle Lehr- und Lernangebote im Internet

 
" Studium online - Deutschlands Universitäten müssen sich sputen "
Mit diesem Aufmacher ging vor wenigen Wochen die Bertelsmann - Stiftung in die Medien, um über die Konferenz eines Expertenkreises von Bertelsmann Stiftung und Heinz Nixdorf Stiftung zu berichten. Thema: Der multimediale Bildungsmarkt der Zukunft.

Kernthesen:

Nach der Prognose des Medien- und Bildungsexperten Peter Glotz wird "...bereits in fünf Jahren (...) mindestens die Hälfte aller Studenten an virtuellen Hochschulen studieren". Wenn Sie angesichts solcher Zukunftsszenarien in Sorge darüber geraten, dass Sie oder Ihre Hochschule möglicherweise den Aufsprung auf den Hochgeschwindigkeitszug in die virtuelle Welt verpasst haben, kann ich Sie beruhigen. Die Ergebnisse einer Studie zu virtuellen Lehr- und Lernangeboten im Internet ,die wir am Medienzentrum der Bergischen Universität Wuppertal im Auftrag des MSWWF des Landes NRW seit September des vergangenen Jahres durchführen, belegen nicht die Erfüllungswahrscheinlichkeit der von Peter Glotz aufgestellten Prognose.

Gleichwohl stehen "Virtualität" und "Virtuell" als neue Leitbegriffe in der medien-, bildungs- und gesellschaftspolitischen Diskussion des neuen Jahrzehnts und werden "Multimedia" als Schlagwort und Leitbegriff der 90er Jahre ablösen bzw. ergänzen. Das World Wide Web (WWW) wächst täglich um eine Vielzahl von Angeboten in unterschiedlichen Bereichen.
In der Bildung eröffnen sich damit neue Möglichkeiten bei der Wissensvermittlung und beim Wissenserwerb.
 

Ausgangslage

Zielmarken der Bundesregierung

Auch für die Bundesregierung "hat die beschleunigte Nutzung und Verbreitung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien wirtschafts-, forschungs-, technologie- und bildungspolitische Priorität"
Das Aktionsprogramm trägt dem allerdings in nur einer von 10 übergreifenden Zielformulierungen Rechnung. Mit einer durchgängigen Modernisierung schulischer und beruflicher Ausbildungssysteme soll "jedem Schüler und jeder Schülerin ein Basiswissen für den verantwortungsbewussten Umgang mit modernen Iuk-Techniken (verschafft werden), auf wirtschaftlich selbständiges Handeln vorbereitet und Lehrkräften multimediale Wissensvermittlung ermöglicht werden." (Aktionsprogramm der Bundesregierung, S. 10)

Die Bundesregierung formuliert ihre konkreten Zielmarken mit der flächendeckenden Nutzung vernetzter Computer an Hochschulen und dem Ausbau des Deutschen Forschungsnetzes (DFN) zum Hochgeschwindigkeitsnetz im Gigabitbereich bis zum Jahr 2000 und mit der Ausstattung aller Schulen, beruflichen Ausbildungsstätten, Einrichtungen der allgemeinen und beruflichen Weiterbildung mit multimediafähigen PC- und Internetanschlüssen bis zum Jahr 2001. Bis 2005 glaubt sie mit verbesserten Zugangsvoraussetzungen zu den neuen Medien (Internet für alle) und einer Stärkung der Medienkompetenz auch die Akzeptanzdefizite bei Angehörigen der Bildungseinrichtungen bei der Informations- und Kommunikationstechnologie zu beseitigen.

Ob man aber allein mit einem primär technologieorientierten Ansatz den Anforderungen an die sich zunehmend entwickelnde Wissensgesellschaft gerecht werden kann, ist zweifelhaft. Wichtig ist, dass die bislang etablierten Strukturen und Methoden unseres Bildungswesens an die Herausforderungen des lebenslangen Lernens angepasst werden. Die substantiellen Forderungen der Bildungsreform dürfen dabei nicht nur auf Verkürzung von Ausbildungszeiten und Ressourcenökonomie fokussiert werden, vielmehr gilt es, die Entwicklung einer neuen Medien- und Lernkultur zu fördern, die den veränderten Formen der Wissensgenerierung, der Wissensverteilung und der Wissensnutzung Rechnung trägt.

Anforderungen an virtuelle Bildungsszenarien

Die sich in virtuellen Bildungsszenarien entwickelnden Formen des Wissensaufbaus erfordern auch neue Formen der Informationsaufbereitung und des Informationsmanagements. Hierfür "werden völlig neue Anforderungen an das Selbstmanagement, an die autodidaktischen und kommunikativen Fähigkeiten der Studierenden gestellt." (Zimmer, S. 36).
"Kompetenz im Sinne einer gezielten Informationsselektion und -verarbeitung wird zu der zentralen Schlüsselkompetenz im Informationszeitalter. " (BIG-Studie, S. 9).

Das Lernen in virtuellen Lernumgebungen muss aber nicht nur gelernt, sondern auch gelehrt werden. Wenn die Potentiale digitaler Medien im Bildungssystem ausgeschöpft und etabliert werden sollen, müssen Lehrende das Lehren und Lerner das Lernen mit digitalen Bildungsmedien und virtuellen Szenarien erlernen. Gelingen wird der Aufbau entsprechender Kompetenzen jedoch nur, wenn auf der einen Seite den Lehrenden differenzierte Qualifizierungsangebote zur Verfügung stehen und auf der anderen Seite den Lernenden eine medienspezifische Lernberatung durch entsprechend qualifizierte Lehrende zuteil wird.

Je größer der Bildungsmarkt umso größer wird die Nachfrage nach Übersicht.
Diese Übersicht fehlt bisher für virtuelle Lehr- und Lernangebote, die mittlerweile durchaus zahlreich entwickelt und erprobt werden. Die Chancen dezentraler, asynchroner Lernumgebungen, die dem Studierenden ein eigenverantwortliches und selbstorganisiertes Lernen bieten, können häufig nur unzureichend oder gar nicht genutzt werden, weil neben den hinlänglich bekannten Defiziten bei der technischen Infrastruktur und fehlender Didaktik vor allem kein geeignetes Informationssystem für virtuelle Bildungsangebote zur Verfügung steht.

Einen Überblick über die Gesamtheit dieser Bildungsangebote zu bekommen, wird allein schon durch den Umfang des Internets erschwert, ist vor allem aber auf Grund der Tagesaktualität des WWW fast unmöglich. Deshalb ist es mit Blick auf diese Problematik sowohl für Anbieter als auch Anwender von wachsender Bedeutung, Erhebungen, Kategorien und Bewertungen des vorhandenen Angebotsspektrums zur Verfügung zu haben. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Quantität und vor allem Qualität des Angebotes in den jeweiligen Themenkomplexen.

Trotz vielfältiger Entwicklungsaktivitäten und wissenschaftlicher Publikationen zu diesem Themenfeld liegt bislang keine Dokumentation des Gesamtangebotes netzbasierter Lehr- und Lerneinheiten vor. Dadurch begründet fehlt auch eine Systematik, nach der die unterschiedlichen Angebote eingeordnet, bewertet und damit für den interessierten Nutzer leicht zugänglich gemacht werden können. Dieses Defizit steht im Mittelpunkt einer Studie, die im Auftrag des MSWWF des Landes NRW am AVMZ der Bergischen Universität Wuppertal zu "Virtuellem Lehren und Lernen im WWW" durchgeführt wurde.
 

Zielsetzung der Studie

Im Gegensatz zu einer Reihe anderer Untersuchungen konzentriert sich diese Studie konsequent auf das WWW als primäres Distributionsmedium und Informationsplattform virtueller Bildungsangebote. Im Vordergrund steht dabei zunächst die grundlegende Problematik effizienter Suchstrategien zur Datenerhebung bestehender Angebote "Virtuellen Lehrens und Lernens".

Entwicklung von Untersuchungsstrategien

Erst vor dem Hintergrund der aus einer differenzierten Suche - aus dem Blickwinkel des "unbedarften Suchenden" - resultierenden Ergebnisse können Defizite im Umgang mit virtueller Lehre und dem WWW erkannt und aufgezeigt werden. Nur so können sinnvolle Fragestellungen hinsichtlich einer Optimierung und Systematisierung sowohl der Suche als auch der Dokumentation abgeleitet werden, um schlussendlich einen umfassenden Überblick über das Angebot im WWW bieten zu können.

Drei Recherchestrategien wurden verfolgt.
 

1. Suche über Metasuchmaschinen

Defizite im Umgang mit virtueller Lehre und dem WWW können nur auf der Basis von Ergebnissen erkannt und aufgezeigt werden, die das Vorgehen und damit die Netzrecherche eines "unbedarften Suchenden" spiegeln. Nur so können sinnvolle Fragestellungen hinsichtlich einer Optimierung und Systematisierung sowohl der Suche als auch der Dokumentation abgeleitet werden, um einen umfassenden Überblick über das Angebot im WWW bieten zu können.

In der ersten Suchstrategie sind daher konsequent die Werkzeuge zum Einsatz gekommen, die ein bildungsinteressierter Internetnutzer auch verwenden würde. Zur Optimierung der Suche wurde ein umfangreiches Korpus von Suchtermen entwickelt. Die Suche selbst wurde mit Hilfe der Meta-Suchmaschine MetaGer.de durchgeführt.

Die Analyse der ermittelten Daten (über 700 Treffer, davon mehr als 50% irrelevant) im Rahmen der ersten Suchstrategie zeigte auf, dass es für den unbedarften Internet-Nutzer schwierig ist, Angebote aus dem Bereich des virtuellen Lehrens und Lernens überhaupt zu finden, zu bewerten und anzuwenden. Die verwendete Suchstrategie, von der anzunehmen ist, dass sie ein unbedarfter Nutzer anwenden würde, führt zu Materialien, die zwar online vorliegen, die jedoch oftmals nur in einem sehr entfernten Sinne - z.T. auch überhaupt nicht - mit Online-Lernen in Verbindung stehen. Terminologische Defizite zeigen sich hier vor allem hinsichtlich der Begriffe "virtuell" und "Virtualität". Diese oft schlagwortartig gebrauchten Ausdrücke, werden mitunter aufgrund ihres prestige- bzw. marketingträchtigen Gehalts unreflektiert und ohne jede terminologische Einordnung verwendet, was dazu führt, dass ein breites Spektrum an im engen Sinne irrelevanten Ergebnissen bei der Suche erzielt wird.

Die Ursachen hierfür sind in unterschiedlichen bereits zuvor beschriebenen Defiziten begründet. Sie lassen sich festmachen an technischen Unzulänglichkeiten der Informations- und Wissensaufbreitung durch die Wissensproduzenten, an unzureichenden Kenntnissen der Bildungsanbieter aus den Hochschulen in bezug auf die Gesetzmäßigkeiten und Wirkzusammenhänge des WWW.

 

2. Suche über die Homepages der Hochschulen (Top-Down Perspektive)

Da zahlreiche Defizite bereits nach der Auswertung der ersten Recherchestrategie festgestellt wurden und über 50 % der Ergebnisse rausworfen werden mussten, ergab sich die Notwendigkeit einer 2. Strategie.

Auf der Basis der vom Rechenzentrum der Universität Frankfurt/Main im Internet angebotenen und weitgehend vollständigen Zusammenstellung der WWW-Adressen der deutschen Universitäten und Fachhochschulen

<http://www.rz.uni-frankfurt.de/unihome/www.hochschulen.html>

wurden 164 Verweise untersucht.

Auf der Basis dieser Suchstrategie konnten 132 URL an Hochschulen identifiziert werden, die zu Angeboten führen, in denen das Internet als unterstützendes und ergänzendes Medium der Präsenzlehre genutzt wird. Die Verteilung auf die Hochschulen erwies sich dabei als sehr unterschiedlich. An einigen Hochschulen konnte mit Hilfe dieses Verfahrens kein Angebot nachgewiesen werden an anderen hingegen ergab die Suche eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote in den verschiedenen Fächern.

Aufgrund unzureichender Informationsaufbereitung, dem Fehlen von internen Suchmaschinen oder der Nichtanmeldung von Sites bei den Suchmaschinen konnten die Projekte und Entwicklungen netzbasierter Lehre an einigen Standorten nicht gefunden werden. Die meisten Hybridangebote sind so eng an den Lehrbetrieb des jeweiligen Lehrstuhls angebunden, dass ihre übergeordnete Bedeutung im Rahmen einer Konzeption multimedialen Lehrens nicht gesehen wird, bzw. ein derartiges Konzept noch gar nicht vorhanden ist.

Fast alle Angebote, die mittels dieser Suchstrategie gefunden wurden, sind als Bottom-up-Entwicklungen aus der Lehre erwachsen. Die Bündelung dieser Aktivitäten, deren Systematisierung und Kategorisierung würde ihnen einen höheren Stellenwert in der Diskussion um den Einsatz des Internet in der Lehre verleihen. Der bildungspolitische Stellenwert netz- und medienbasierter Lehre an den Hochschulen schlägt sich derzeit kaum in der Präsentation dieser Aktivitäten auf den Homepages der Hochschulen nieder. Nicht nur die Tatsache, dass nur wenige Hochschulen auf den Einstiegsseiten Informationen zu ihren netzbasierten Lehrangeboten bereitstellen, auch Konzeptionen der Hochschulen zum Einsatz der neuen Medien sind selten dort zu finden. Eine der Ausnahmen ist die Universität Düsseldorf, die unter dem Stichwort Multimedia direkt von ihrer Homepage in die Präsentation ihres Multimediakonzepts verlinkt.
 

3. Suche auf den Homepages der Lehrstühle - das Beispiel RWTH Aachen (bottom-up Perspektive)

Die 2. Recherchestrategie hat gezeigt, dass sich so bereits viel mehr hochschulbezogene Angebote finden lassen, als über eine allgemeine Suche. Allerdings liessen sich immer noch nicht alle Projekte finden, die aber sehr wohl von Fachtagungen und Konkressen bekannt waren. (z.B.) Mandel. Es dokumentierte aber, dass es an den einzelnen Lehrstühlen eine Vielzahl von Angeboten geben muss, welche sich jedoch aufgrund fehlender bzw. inkorrekter interner Suchmaschinen nicht finden lassen und die auch nicht in ein Gesamtkonzept eingebunden sind.

Da auch über die 2. Suchstrategie weitere Defzite festzustellen waren (keine einheitliche Terminologie, keine Hinweise auf Leitseiten der Unis, d.h. keine konsequente Multimediastrategie usw.), wurde als einzige Möglichkeit zur konsequenten und möglichst vollständigen Datenerhebung die sehr aufwendige 3. Recherchestrategie entwickelt und exemplarisch für die Hochschulen Aachen und Hagen durchgeführt.

Die Recherche an der RTWH Aachen ergab in den neun Fakultäten 73 Links, die auf Seiten verweisen, auf denen den Studierenden ergänzende Informationen und Materialien zu den Veranstaltungen des Lehrstuhls angeboten werden. Hinter dem einzelnen Link verbergen sich in der Regel Lehreinheiten mit mehreren Elementen eines Hybridangebotes. Bei der detaillierten Betrachtung der Ergebnisse zeigt sich, dass die meisten Nachweise von veranstaltungsergänzenden Informationen und Materialien auf die Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften entfallen. An zweiter Stelle steht die Fakultät für Bauingenieurwesen, gefolgt von der Fakultät für Bergbau/Hüttenwesen/Geowissenschaften und den Wirtschaftswissenschaften.

 Die quantitative Auswertung der gefundenen Angebote nach Elementen, wie sie für das Hybridangebot definiert wurden, ergab, dass in erster Linie Übungen angeboten werden, an zweiter Stelle Skripten im Netz angeboten werden und an dritter Stelle ergänzende Online-Materialien, wie Lexika oder interaktive Lehrbücher und eine Lernumgebung zur Verfügung gestellt werden.

Die Vielzahl der an der RWTH Aachen aufgefundenen Angebote zeigt, dass an fast allen Lehrstühlen bereits netzbasierte Ergänzungen zum traditionellen Lehrangebot entwickelt werden. Eine Stichprobe an anderen Präsenzuniversitäten hat ein ähnliches Bild ergeben, so dass dieses methodische Vorgehen als überaus effizient angesehen werden kann. Nach der ersten sorgfältigen Tiefenrecherche des vorliegenden Korpus von Suchergebnissen und der groben Kategorisierung sowie der Einbeziehung der aus der Analyse abzuleitenden Ergebnisse ist die Grundlage für die Herausbildung eines aussagekräftigen Strukturasters gegeben.

Ziel der Feinkategorisierung soll die Entwicklung eines Strukturrasters sein, dass sowohl dem Anbieter als auch dem Nutzer eine eindeutige Zuordnung einzelner Angebote nach schlüssigen und aussagekräftigen Merkmalen liefert sowie eine erste sinnvolle Suche über den Datenbestand ermöglicht. Dazu gehört vor allem die klare Unterscheidung zwischen tatsächlichen "Formen virtuellen Lehrens und Lernens" und Netzangeboten, welche lediglich über diesen Bildungsbereich informieren oder der Forschung entspringen.

Um diese Angebote voneinander abzugrenzen und eine möglichst hohe Trennschärfe zu erzielen, ist eine Strategie wie voranstehend beschrieben unabdingbar, denn erst nach Sichtung und Analyse aller möglichen Angebotsformen lassen sich sinnvolle Strukturkriterien für ein trennscharfes Raster herausarbeiten. Erst wenn auf diesem Wege virtuelle Bildungsgänge klar und eindeutig charakterisiert sind, kann eine weitergehende Aufbereitung vorhandener Daten und die Recherche weiterer Angebote erfolgen.
 

Strukturraster

Online vorliegende Informationen über Bildungsangebote

Formen virtueller Bildungsangebote

Ergebnisse der Studie

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie liegen zum einen in den grundlegenden methodischen Erkenntnissen und Erfahrungen für Untersuchungen des WWW im Sinne einer Methodik virtueller Feldforschung, zum anderen in der Entwicklung eines Strukturrasters zur Systematisierung, sowie der zentralen Erfassung und Präsentation virtueller Lehr- und Lernangebote der Hochschulen und anderer Bildungsträger. Damit sind Grundlagen geschaffen für die Entwicklung von Methoden und Standards zur Generierung eines Online-Informationsdienstes für virtuelle Bildungsangebote, der bedarfs- und zielgruppenorientiert strukturierte Informationen bereithält zu den Fragen: Das durch die Studie vorliegende Datenmaterial liefert dabei zukunftsweisend eine fundierte Basis für die qualitative Analyse, Beschreibung und Dokumentation von Lehr- und Lernangeboten im WWW. Von wachsender Bedeutung wird dabei das Problem der Nutzungsmöglichkeit virtueller Bildungsangebote sein.

Hier hinaus lassen sich auch zunehmend ökonomische Wirkungszusammenhänge ausmachen. Je stärker sich das WWW als Marktplatz für Bildungsgut profiliert, umso restriktiver werden die Barrieren bei der Nutzung. Die Verfügbarkeit von virtuellen Bildungsangeboten wird zunehmend beschränkt auf selektierte Zielgruppen, die sich vor allem aus den beruflichen Fort- und Weiterbildungsinteressierten rekrutieren. Diese Klientel ist in der Regel bereit, den von den Bildungsanbietern festgesetzten Preis für virtuelle Bildungsangebote zu zahlen, der nicht nur durch die Qualität des Angebots, sondern auch durch den Markennamen der anbietenden Bildungsinstitution - den "brand" - bestimmt wird.

Aber nicht nur auf dem finanziell lukrativen Markt der Fort- und Weiterbildung ist der Zugang zu virtuellen Bildungsangeboten kaum noch frei. Auch in den Institutionen der Erstausbildung lassen sich Tendenzen erkennen, die zeigen, dass die Nutzung virtueller Bildungsangebote nicht allgemein und frei zugänglich organisiert wird. Auch hier wird das Angebot zunehmend auf selektierte Zielgruppen, die unmittelbar am Lehr-/Lernprozess Beteiligten, beschränkt (zum Beispiel durch Password-Kontrollen). Die Gründe hierfür liegen zum einen in den Restriktionen des Urheberrechts, zum anderen aber auch in der bislang nur wenig ausgeprägten Motivation, das generierte Wissen über den Kreis der unmittelbar am Lehr-/Lernprozess Beteiligten hinaus allgemein zugänglich zu machen.

Die Wissensproduzenten der Hochschulen sehen das Netz primär als technologische Plattform, mit der die Orts- und Zeitbindung des Lehrens und Lernens aufgehoben und eine strukturelle Verbesserung der traditionellen Präsenzlehre erreicht werden kann.

Ob jedoch der Zugang zum Internet zu einem entscheidenden Faktor für die Qualität von Bildung und Ausbildung wird, und ob es tatsächlich mit dem Einsatz der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien zu einem "Quantensprung in der Wissensvermittlung" (Herzog, S. 39) kommen wird, hängt nicht zuletzt davon ab, inwieweit es gelingt, den Übergang von der Informations- zur Wissensgesellschaft zu leisten. Dies bedeutet vor allem Wissen als bewertete Information zu begreifen und für den Wissensaufbau entsprechende Entwicklungsleistungen einzufordern (für die Strukturierung, Selektierung und Bewertung von Informationen).

Die angesichts des Überangebotes von Information und Kommunikation von Peter Glotz definierten Bildungsziele "Filterfähigkeit, mediale Skepsis und Zeitökonomie" formulieren erste Ansätze für "eine zentrale, bisher unbegriffene Aufgabe unserer Bildungsinstitutionen von der Grundschule biszur Universität" zur Entwicklung der von Roman Herzog angemahnten "Pädagogik für das Informationszeitalter".