Empirische Begleitforschung:
Ergebnisse
Über alle drei Semester zusammengefasst konnten am
Anfang der Veranstaltungen insgesamt 633 Personen befragt
werden; 132 Personen nahmen zusätzlich noch an der Ausgangsbefragung teil und gaben ihre Code-Nummern so an, dass
die Fragebögen einander zugeordnet werden konnten. Die
befragten Personen lassen sich hinsichtlich der von ihnen besuchten Veranstaltungen in vier Gruppen einteilen: 1) Teilnehmer an beiden Veranstaltungen des Modellversuchs, 2) Teilnehmer an der zum Modellversuch gehörenden Vorlesung,
aber nicht am Proseminar, 3) Teilnehmer am Proseminar, aber
nicht an der zum Modellversuch gehörenden Vorlesung, 4)
Teilnehmer an keiner der zum Modellversuch gehörenden
Veranstaltungen. Bei jeder Befragung und in jedem Semester
entfielen auf jede dieser Gruppen mindestens zwei Personen
(siehe Anhang C). Damit ist es angesichts der Aufteilung der
Personen möglich, die Auswirkungen der beiden zum Modellversuch gehörenden Veranstaltungen bei der Datenanalyse voneinander zu unterscheiden.
Als Voraussetzung für die weitere Datenanalyse
mussten die Fragen im zweiten, dritten und vierten Block
testtheoretisch analysiert werden (siehe Anhang D). Dies war
notwendig, da jeder dieser Frageblöcke für jeweils
eine eindimensionale Größe stehen sollte und die
Antworten auf die Fragen innerhalb eines Blockes durch eine
einzige Zahl dargestellt werden sollten. Als Ergebnis der
testtheoretischen Analyse musste der Fragebogen zum Problemlöseverhalten am Computer von den weiteren Analysen
ausgeschlossen werden (siehe Anhang D). Beim Fragebogen zur
Computerängstlichkeit erfassen dagegen 11 der 20 Items die
selbe eindimensionale Größe (siehe Anhang D).
Diese 11 Items werden im folgenden genutzt, um Computerängstlichkeit zu erfassen (siehe Anhang D1). Beim
Fragebogen zum Selbstvertrauen erfassen alle 9 Items dieselbe
eindimensionale Größe (siehe Anhang D). Entsprechend wird das Selbstvertrauen im folgenden aufgrund all
dieser 9 Items bestimmt (Siehe Anhang D2). Für die Fragen des ersten und fünften Frageblockes waren keine
testtheoretischen Analysen nötig. Die Fragen in diesen
Blöcken zielen nicht auf eine gemeinsame eindimensionale
Größe ab, und die Antworten auf diese Fragen sollten auch nicht durch eine einzige quantitative
Größe zusammengefasst werden. Sie werden im folgenden einzeln analysiert.
Als erstes interessieren hier die allgemeinen Merkmale
der befragten Personen (siehe Anhang E). 69.2% der Befragten
waren weiblich (siehe Anhang E1) und 71.8 % waren Studierende
für das Lehramt (siehe Anhang E5). Das Durchschnittsalter betrug 24.2 Jahre (siehe Anhang E2) und das durchschnittliche Studiensemester war 3.4 (siehe Anhang E6). 8.9%
der Befragten hatten bereits ein Studium abgeschlossen (siehe
Anhang E3), und 24.6 % hatten bereits eine Berufsausbildung
hinter sich (siehe Anhang E4).
Über die drei Semester hinweg blieben diese Werte
mit einer Ausnahme weitgehend konstant. Die Ausnahme bildet
der Frauenanteil. Im Wintersemester war der Frauenanteil
höher als in den beiden Sommersemestern (siehe Anhang
E1). Sowohl die Modellversuchsvorlesung, als auch das Modellversuchsseminar scheinen jeweils eine spezielle Klientel
angezogen zu haben. Bei den Besuchern der Modellversuchsvorlesung war der Frauenanteil wesentlich niedriger als bei
denen, die die Modellversuchsvorlesung nicht besucht haben
(siehe Anhang E1), der Anteil der Lehrerstudenten war
höher (siehe Anhang E5), und das durchschnittliche Studiensemester war niedriger (siehe Anhang E6). Bei den Besuchern des Proseminar war das Durchschnittsalter höher
als bei denen, die das Proseminar nicht besuchten (siehe
Anhang E2), der Anteil von Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung war höher (siehe Anhang E4), und das
durchschnittliche Studiensemester war ebenfalls höher
(siehe Anhang E6).
74.6 % der Befragten besaßen zum Zeitpunkt der
Befragung einen Computer (siehe Anhang E9) und 96.5% hatten
Computererfahrung (siehe Anhang E11). Die durchschnittliche
Dauer des Computerbesitzes betrug 4.0 Jahre (siehe Anhang
E8), die durchschnittliche Dauer der Computererfahrung 6.3
Jahre (siehe Anhang E10). Die Personen mit Computererfahrung
nutzten den Computer im Halbjahr vor der Befragung im Durchschnitt 5.7 Stunden die Woche und in der Woche direkt vor der
Befragung 5.1 Stunden. Der Anteil der Befragten, die einen
eigenen Computer besitzen, stieg über die drei Semester
hinweg statistisch bedeutsam an (siehe Anhang E9). Ansonsten
zeigen sich bei den allgemeinen Daten zur Computernutzung
keine statistisch bedeutsamen Effekte.
Die Werte für Computerängstlichkeit betragen
bei einer Normierung der Skala auf den Bereich von 0 für
die kleinste erfassbare Ängstlichkeit und 100 für
die größte erfassbare Ängstlichkeit im Mittel
(42.7). Die Werte für das Selbstvertrauen, am Computer
neue Anwendungen zu lernen, betragen bei einer Normierung der
Skala auf den Bereich von 0 für das kleinste erfassbare
Selbstvertrauen und 100 für das größte erfassbare Selbstvertrauen im Mittel (60.3). In beiden
Fällen liegt der Wert also in der 'computerzugeneigten'
Hälfte der Skala, aber verhältnismäßig
nahe an der Skalenmitte. Im Vergleich zu den Personen, die
das Proseminar nicht besuchten, waren die Personen, die es
besuchten, im Mittel ängstlicher (siehe Anhang E7).
Außerdem hatten sie weniger Selbstvertrauen, neue Anwendungen zu lernen (siehe Anhang E8). Die Besucher der Modellversuchsvorlesung unterschieden sich weder bezüglich
der Computerängstlichkeit, noch bezüglich des
Selbstvertrauens statistisch bedeutsam von den Personen, die
diese Vorlesung nicht besuchten (siehe Anhang E7 und E8).
Ebenso wenig hat sich die durchschnittliche Computerängstlichkeit und das durchschnittliche Selbstvertrauen, neue Anwendungen zu lernen, über die Zeit
verändert (siehe Anhang E7 und E8).
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den 11 Fragen zu
speziellen Erfahrungen mit dem Computer (Siehe Anhang E13, E14, E15, E16, E17,E18, E19, E20, E21, E22, E23). Der Anteil
der Proseminarteilnehmer, der über die jeweilige Erfahrung verfügte, war für alle erfragten Themenbereiche kleiner, als bei den Personen, die das Proseminar nicht
besuchten. In 7 von 11 Fällen ist dieser Unterschied
statistisch signifikant. Die Teilnehmer der Modellversuchsvorlesung unterschieden sich dagegen in ihren speziellen
Computererfahrungen nicht von denen, die nicht an dieser
Vorlesung teilnahmen. Ebenso wenig veränderten sich die
speziellen Computererfahrungen statistisch signifikant
über die Zeit.
Auch bei den Fragen zur Art der Computernutzung unterscheiden sich die Teilnehmer des Proseminars von den Nichtteilnehmern. Sie beschäftigten sich weniger mit Datenbanken, aber mehr mit Textverarbeitung als die Personen, die
das Seminar nicht besuchten. Dagegen unterscheiden sich die
Teilnehmer der Modellversuchsvorlesung bezüglich der Art
der Computernutzung nicht von den Personen, die die Modellversuchsvorlesung nicht besuchten. Ebenso wenig hat sich die
Art der Computernutzung über die Zeit verändert
(siehe Anhang E26, E27, E28, E29, E30, E31, E32, E33).
Der wesentliche Befund besteht also darin, dass sich
Proseminarteilnehmer von den Personen, die nicht am Proseminar teilgenommen haben, unterschieden. Sie hatten insgesamt
eine geringere Nähe zum Computer. Dieser Befund
überrascht insofern wenig, als sich das Proseminar in
erster Linie an Computeranfänger richtete und als dies
auch in der Außendarstellung sehr deutlich gemacht
worden war. Die Außendarstellung scheint also Erfolg
gehabt zu haben.
In pädagogischen Verwendungszusammenhängen
interessiert immer wieder, inwieweit sich Männer und
Frauen abgesehen von ihren biologischen Merkmalen unterscheiden. Dies wurde auch hier untersucht (siehe Anhang F). Frauen
und Männer unterschieden sich nicht in Hinblick auf die
allgemeinen Merkmale, die ihren Bildungsgang kennzeichnen
(siehe Anhang F1). Sie unterschieden sich aber
deutlich in Hinblick auf ihre Beziehung zum Computer. Insgesamt hatten
die Männer eine positivere Beziehung zum Computer. Sie
hatten weniger Angst vor dem Computer, mehr Selbstvertrauen,
neue Anwendungen zu lernen (siehe Anhang F2) und insgesamt
mehr Erfahrung am Computer (siehe Anhang F3, F4).
Außerdem unterschieden sich
Männer und Frauen in der Art, wie sie den Computer nutzen. Männer
spielten und programmierten mehr; Frauen nutzten den Computer mehr zur
Textverarbeitung (siehe Anhang F5).
Um wenigstens einen Teil der Wirkung der Lehrveranstaltungen des Modellversuchs zu erfassen, wurde untersucht, wie
sich die Computerängstlichkeit und das Selbstvertrauen
im Laufe der Veranstaltungen veränderte. Bei beiden
Variablen zeigen sich über alle Veranstaltungen und alle
drei Untersuchungsdurchgänge zusammengefasst signifikante Veränderung über das Semester. Die Computerängstlichkeit sank und das Selbstvertrauen, neue
Anwendungen zu lernen, stieg (siehe Anhang G, G1, G2). Die
Computerängstlichkeit sank allerdings bei den Teilnehmern der Modellversuchsveranstaltungen nicht signifikant
stärker als bei den anderen befragten Personen. Es gibt
lediglich eine nichtsignifikante Tendenz in der erhofften
Richtung bei den Proseminarsteilnehmern (siehe Anhang G1).
Dagegen stieg das Selbstvertrauen, neue Anwendungen zu lernen, bei den Proseminarsteilnehmern sogar statistisch signifikant stärker als bei denen, die nicht am Proseminar
teilgenommen hatten. Allerdings kehrt sich dieser Effekt im
zweiten der drei untersuchten Semester um (siehe Anhang G2).
Vermutlich liegt dies daran, dass die Lehre in diesem Semester weniger auf die psychischen Aspekte des Umgangs mit dem
Computer abzielte.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Begleitforschung,
dass die CD in Auseinandersetzung mit der Personengruppe entwickelt worden ist, für die sie auch gedacht ist. Soweit
Wirkungen des Unterrichts mit der CD haben festgestellt werden können, sind sie positiv. Natürlich lässt
sich damit über die vielen unterschiedlichen Teile der
CD wenig aussagen. Hier wären detailliertere Untersuchungen nötig. Andererseits ist die CD ja auch als eine
Materialiensammlung gedacht, die in Auseinandersetzung mit
den Nutzern und der sich ständig veränderten Technologie immer wieder aktualisiert werden soll. In diesem
Sinne ist diese Begleitforschung nur der Anfang für eine
hoffentlich immer weiter fortschreitende Entwicklung der CD.
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