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Der Weltatlas, das Internet und andere Neue Medien im Unterricht der Hauptschule - ein Erfahrungsbericht

Axel Jost

Allenthalben liest man von der Notwendigkeit, den Neuen Medien und dem Internet einen gewichtigen Rang im Unterricht einzuräumen. In einem auch ansonsten sehr lesenswerten Artikel schreibt Rainer Busch in der C'T 6/97 auf S.280: Der Umgang mit neuen Medien wird somit zur Schlüsselkompetenz in Wirtschaft und Wissenschaft und stellt eine große Herausforderung an das Bildungswesen dar. Der Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien muß zu einem allgemeinen Bildungsgut werden. (...) Die neuen Medien müssen (...) als Hilfsmittel in allen Fächern akzeptiert und eingesetzt werden. Letzteres geschieht nach meinem Dafürhalten immer noch zu selten; entweder, weil die technische Ausstattung der jeweiligen Schule dies nicht erlaubt, oder aber, weil im hektischen Unterrichtsalltag keine Zeit zur Verfügung zu stehen scheint. Der folgende Erfahrungsbericht will zeigen, dass auch ohne perfekte Ausstattung und mit nur relativ geringem Zeitaufwand zumindest ein positiver Einstieg in die neuen Kommunikationstechnologien möglich ist.

Rahmenbedingungen

Der Erfahrungsbericht bezieht sich auf die Arbeit mit der 10_B einer Hauptschule in Ratingen im zweiten Halbjahr des Schuljahres 1996/97. Die technische Ausstattung sah folgendermaßen aus: Es gab einen (nämlich den) Netzrechner(Siemens/Nixdorf) mit 16MB RAM und Multimedia-Ausrüstung; ferner standen 4 Pentium-Rechner (P90 mit 8MB RAM) mit CD-ROM-Laufwerk, aber ohne Soundkarte zur Verfügung. Nahezu alle Rechner hatten während der Erprobungszeit mit technischen Problemen zu kämpfen, auch gab es immer wieder Schwierigkeiten mit den zwar vorhandenen, aber leider veralteten Nadeldruckern. Alle Rechner waren mit dem Betriebssystem Windows 95 ausgestattet. Zunächst einmal konnte - dank einer aufgeschlossenen und verständnisvollen Schulleiterin - fürdie Erprobung über mehrere Monate hinweg eine wöchentliche Doppelstunde freigeschaufelt werden (Freitag 5./6.; das planmäßige Fach hier war Arbeitslehre/Wirtschaft , das sich ja - jedenfalls obigem Zitat zufolge - besonders den neuen Technologien widmen sollte). Zudem durfte die Klasse aufgeteilt werden: In einer Woche hatte die HW-Gruppe, in der nächsten die AT-Gruppe Unterricht. Die kleinen Gruppen garantierten, dass allen beteiligten Schülerinnen und Schülern so rasch wie möglich geholfen werden konnte (im Rahmen der bescheidenen Fähigkeiten des Lehrers, versteht sich). Auch war es mir auf diese Weise möglich, alle Arbeitsgruppen im Blick zu behalten und so zu verhindern, dass mit den neuen, in langen Verhandlungen mit dem Schulträger regelrecht erstrittenen Geräten irgendwelches Schindluder getrieben wurde.

Ausgewählte Software

An Software konnten zwei Exemplare des Microsoft-Encarta -Weltatlas und eine Encarta -Enzyklopädie beschafft werden. Bei guten Kontakten zwischen Schule und Stadtbücherei sollte auch die längerfristige Ausleihe solcher Medien kein Problem sein. Des weiteren kamen sporadisch Microsofts Cinemania und das Strategie-Spiel Civilization II zum Einsatz. Die ebenfalls für die Erprobung besorgten Programme Chronicle of the 20th Century (DK Multimedia) und Holiday Island (Sunflowers) konnten leider nicht eingesetzt werden, weil diese Programme nur auf Rechnern mit Soundkarte lauffähig sind. Der einzige diesbezüglich vollständig eingerichtete Rechner blieb aber stets für den Internet-Zugang reserviert. Der Einstieg ins Internet erfolgte über AOL, dessen Düsseldorfer ISDN-Knoten sich als stabil und schnell erwiesen hatte. Das Internet wurde während des Unterrichts lediglich als Informationsquelle genutzt; es erfolgten also keine Email-Kontakte, und es wurde schon gar nicht der Versuch einer eigenen Worl-Wide-Web-Präsentation via Homepage unternommen. Solche Aktivitäten erfordern in der Regel doch deutlich mehr Einarbeitungs- und Vorbereitungszeit und sollten im Prinzip späteren Arbeitsphasen und/oder anderem Unterricht vorbehalten bleiben.

Ich hatte also zu Beginn der Arbeit eine gewisse technische Grundausstattung zur Verfügung, die zwar eine Menge zu wünschen übrig ließ, es aber dennoch ermöglichte, dass sowohl das Internet als auch andere neue Technologien (CD-ROM) von ca. 10-12 Schülerinnen und Schülern in Kleingruppen gleichzeitig genutzt werden konnten. Auch ergab sich aus diesen Rahmenbedingungen gleichsam wie von selbst eine gemeinsame Aufgabe, ja ein gemeinsames Ziel: nämlich das Erproben dieser neuen Medien im und für den Unterricht.

Allerdings hatte ich zu Beginn dieses Unterrichts noch keinerlei Konzept dafür; dieses entwickelte sich, jedenfalls ansatzweise, erst während der Arbeit, die sich rückschauend in mehrere Phasen gliedern läßt.

Vorerfahrungen

Bevor diese Phasen unten ein wenig näher erläutert werden, seien noch einige grundsätzliche Bemerkungen gestattet. Die beteiligten Schülerinnen und Schüler hatten im Verlauf ihrer Schulzeit mehrfach Bekanntschaft mit Computern in der Schule gemacht, allerdings meist mit DOS-basierten Textverarbeitungen und Spielen à la Mahjongg oder Tetris . Schulischen Umgang mit Windows 95 hatten sie bislang so gut wie nicht gehabt. Einige Schülerinnen standen den neuen Technologien ablehnend gegenüber, vermutlich aus der Furcht heraus, den damit an sie herangetragenen Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Allerdings gab es auch einige Schülerinnen und Schüler, die zu Hause mit Windows -Programmen arbeiteten und die sofort bereit waren, den anderen bei kleineren Problemen zu helfen. Nicht zuletzt deshalb wurde auf eine längere Einführungsphase in das Betriebssystem und sein Zubehör verzichtet. Gezeigt wurde, wie ein Anwendungsprogramm gestartet und beendet wird, ferner, wie der Rechner heruntergefahren und ausgeschaltet wird. Der Rest der technischen Einweisung (Einsatz der Zwischenablage, Multitasking etc.) wurde erst nach der dritten Sitzung erklärt und demonstriert. Dank eingeschalteter Task-Leiste war es für die meisten Schülerinnen und Schüler dann kein Problem, zwischen den Anwendungen zu wechseln, um eigene Dokumente zu erstellen.

Demzufolge stellte sich auch schnell heraus, dass die meisten Probleme der Schülerinnen und Schüler weniger im Umgang mit den neuen Medien als bei althergebrachten Arbeits- und Lerntechniken lagen: Schwierigkeiten mit dem sinnentnehmenden, verstehenden Lesen, z.B. von Webseiten oder auch von meist schnell gefundenen Enzyklopädie-Artikeln, erwiesen sich nämlich als besonders hohe Hürde beim Versuch eines produktiven Umgangs mit den neuen Medien. Hinzu kam dann das Problem, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu müssen, z.B. beim Auswählen von geeigneten Hyperlinks oder beim Finden von Begriffen bei der Stichwortsuche. So wurde auch den Schülerinnen und Schülern zumindest gegen Ende der Arbeit klar, dass sie ohne die Fähigkeit, Texte sinnrichtig zu erfassen, auch im Computerzeitalter aufgeschmissen sind - jedenfalls dann, wenn es um das zielgerichtete Sammeln und Weiterverarbeiten von Informationen geht.

Spielerische Bekanntschaft mit den Neuen Medien

Diese Phase war für alle Beteiligten die vielleicht frustrationsreichste. In meinem Bestreben, den Schülerinnen und Schülern in puncto Neue Medien wirklich etwas zu bieten, ließ ich z.B. den Encarta -Weltatlas auf dem Internet -Rechner laufen, damit die Schülerinnen und Schüler dank der Weblinks des Atlas (und mit Hilfe des Edel-Browsers Netscape 3.0) die gewaltigen Möglichkeiten erkennen sollten, welche die Verknüpfung verschiedener neuer Technologien bereithält. Leider war der immerhin mit 16MB RAM ausgestattete Rechner für dieses Multitasking zu schwachbrüstig (eine zusätzliche 32Bit-Winsock musste auch noch eingebunden werden); er wurde geradezu unerträglich langsam, und es kam immer wieder zu Programmabstürzen. Zudem konnten die Schülerinnen und Schüler gerade in der Anfangsphase kaum unterscheiden, ob sie nun gerade mit dem Atlas oder dem Internet arbeiteten und wie diese beiden Medien überhaupt zusammenhingen. Folge: Das Internet wurde künftig alleine genutzt und als Browser der proprietäre AOL-WWW-Client herangezogen - dies garantierte einigermaßen schnelle und vor allem absturzsichere Abläufe. Demnächst soll AOL ja auch einen modernen und komfortablen 32-Bit- Browser erhalten, so dass das Internet-Surfen insgesamt problemloser und komfortabler sein wird.

Die Enzyklopädie -Gruppen sahen sich erst im Angesicht des Computers vor das Problem gestellt, sich für irgendein Thema interessieren zu müssen - und demzufolge fiel zunächst niemandem überhaupt etwas ein, was der näheren Information hätte lohnen können.
Gutgemeinte Lehrer-Hinweise wie 'Guck doch einfach mal' oder 'Fangt doch irgendwie an' gingen in dieser Situation völlig ins Leere und führten im schlimmsten Falle sogar dazu, dass eine Dreiergruppe Mädchen eine gute halbe Stunde lang vor dem Programm saß, ohne überhaupt nur eine (Maus-)Taste zu berühren: Das Programm war ihnen so verhasst, daß sie stattdessen lieber eine vierstündige Mathe-Arbeit geschrieben hätten. Später immerhin gelangten auch sie zu produktiven Ergebnissen.

Bei den Internet-Gruppen gaben in dieser Phase diejenigen den Ton an, die das Internet von Freunden oder Besuchen im Internet-Café kannten und die insgesamt mehr an Spaß (Chats) denn an Information interessiert waren.

Am meisten Erfolg hatten noch die Nutzer/-innen des Encarta -Weltatlas: Sie schauten sich in verschiedenen Kartendarstellungen ihre Heimatstadt bzw. ihre Heimatländer und die gebotenen Zusatzinformationen an. Die eher textlastigen Bereiche Land und Leute und Landschaft und Klima wurden aber auch von diesen Gruppen sehr bald links liegen gelassen.

Cinemania -NutzerInnen erfreuten sich entweder an Fotos ihrer Lieblingsschauspieler und kleinen (in unserem Fall leider tonlosen) Filmclips. Da das Programm aber in Englisch gehalten ist, machte sich kaum jemand die Mühe, auch die mitgelieferten Texte verstehen zu wollen.

Ganz übel erging es denjenigen, die sich probehalber selbständig in Civilization II einarbeiten sollten, ohne dieses Strategiespiel zu kennen: Die Doppelstunde reichte überhaupt nicht aus, um auch nur in Ansätzen den Sinn des an sich hervorragenden Spiels erkennen zu lassen, geschweige denn, intelligent damit umzugehen - ein paar Figuren wurden bewegt, ein paar Erfindungen wurden gemacht, aber in erster Linie wurde wertvolle Zeit vergeudet.

So ergab sich am Ende der ersten Phase ein sehr zwiespältiges Bild: Eine Minderheit hatte etwas Spaß gehabt; die Mehrheit aber wußte wirklich nicht, was sie mit den angebotenen Medien anfangen sollte. Immerhin hatte sich für mich herauskristallisiert, dass sich für kurzfristige Einsätze von neuen Medien multimediale Datenbanken (z.B. elektronische Enzyklopädien) besser eignen als komplexe Simulationsumgebungen.

Erste Strukturierungen: Die Klassenfahrt

Die schließlich bevorstehende Klassenfahrt nach Italien (mitsamt den vorher zu verfassenden Referaten zu diesem Land) bot sich schließlich als gemeinsames Oberthema für die Arbeit mit dem Internet und den anderen Neuen Medien an. Auch hier erwies sich die Enzyklopädie mit ihrem geballten Informationsgehalt als der schwerste Informationsbrocken: Den Encarta -Basisartikel über Italien mit seinen zigtausend Wörtern las sich trotz der verständlichen Sprache, trotz der Auflockerung mit Bildern niemand durch. Demzufolge blieben auch die vielen darin enthaltenen weiterführenden Hyperlinks unberücksichtigt. Gefragter waren dann schon kleinere Informationshäppchen über zu besuchende italienische Städte wie Florenz und Venedig. Einige Schülerinnen und Schüler druckten diesbezügliche Artikel und Bilder aus und bauten sie in ihre Referate ein. Allerdings blieben im Vorfeld der Fahrt etliche dieser Informationen für die Schülerinnen und Schüler doch sehr abstrakt und relativ nichtssagend.

Ein Schüler erarbeitete mit Hilfe des elektronischen Weltatlas und dessen Pin-Explorer mögliche Routen für die Hinfahrt und las mit Hilfe des Entfernungsanzeigers die ungefähre Länge der Streckenabschnitte ab. Die Bitte, sich mit Hilfe von Cinemania mit dem Leben und Werk des in Rimini geborenen Regisseurs Federico Fellini auseinanderzusetzen, scheiterte trotz angebotener Hilfe am englischen Text des Programms. Zudem enthielt die CD-ROM keine Informationen über den auszugsweise in der Klasse gezeigten autobiographischen Fellini-Film Amarcord .

Mehr Glück hatte da ein Schüler, der sich die Geschichte des Autohauses Ferrari als Referat-Thema vorgenommen hatte und im Internet enorm fündig wurde. Die roten Renner aus Maranello sind mitsamt ihrer Historie hier aufs Eindrucksvollste präsentiert, es existiert sogar ein reichhaltiger und wohlbebildeter Online-Markt mit Gebrauchtfahrzeugen. Aufgrund dieser Informationen konnte der Schüler seinen Text komplett neu gestalten - das zunächst von ihm als Sekundärliteratur herangezogene Buch aus der Bücherei war völlig zweitrangig geworden. Hier wurde zum erstenmal im Verlauf des Unterrichts deutlich, welche Informationsfülle das Internet bereithalten kann, wenn man es entsprechend zielgerichtet anzuzapfen versteht. Ansonsten gestaltete sich die Suche im Internet z.B. nach Rimini für diejenigen Schülerinnen und Schüler, die zum ersten mal mit dem Netz der Netze Bekanntschaft machten, eher schwierig. Eine deutsche Suchmaschine fand dazu etwa lediglich das Wort Diskriminierung . Dass viele der schließlich doch noch gefundenen Informationen in italienisch waren, war ebenfalls kein großer Gewinn.

Zwischenergebnis: Wenn die Schülerinnen und Schüler im Internet selber suchen, ist dies sicherlich der Weg, der am nächsten an der Lebenswirklichkeit dran ist - es dürfte aber kaum schaden, wenn die Lehrerinnen oder Lehrer zumindest ein wenig mit einschlägigen URLs oder zumindest beim Umgang mit Suchmaschinen aushelfen können, wenn ihre Schülerinnen und Schüler nicht weiterkommen.

Erstellen eigener Dokumente

Nachdem jede Gruppe bereits drei Sitzungen hinter sich gebracht hatte, wurde mir klar, dass wir das eigentlich Nächstliegende bislang völlig unterlassen hatten, nämlich die gefundenen Informationen sofort am Rechner weiterzuverarbeiten, um ein eigenes Dokument mit Hilfe des Computers zu erstellen. Texte und Bilder aus dem Internet und von den CD-ROMs waren bislang bestenfalls ausgedruckt und irgendwo eingeklebt worden. Die produktiven Möglichkeiten der Text-Bild-Gestaltung, die ein Rechner bietet, waren im Rahmen des Unterrichts über Neue Medien noch gar nicht berücksichtigt, geschweige denn ausgeschöpft worden.

Daher begann die erste Sitzung nach der Italienfahrt nicht am Computer, sondern die Schülergruppe traf sich in einem Klassenraum, wo zunächst über mögliche Themen, die am Rechner mit Hilfe der Neuen Medien zu bearbeiten waren, beraten wurde. Da dies ein erster Versuch sein sollte, durften die Themen ruhig auch etwas einfacher sein. Recht schnell kristallisierten sich Interessenschwerpunkte heraus: Eine Gruppe schrieb einen Artikel über die aktuellen Ereignisse in Zaire und griff dazu auf Informationen der Enzyklopädie zurück, eine andere Gruppe wollte mit Hilfe des elektronischen Atlas eine Ferienreiseroute durch Kalifornien erstellen, eine dritte Gruppe eine Abhandlung über Griechenland schreiben, und die Gruppe am Internet-Rechner schließlich wollte die Möglichkeiten der Jobsuche via Internet erkunden und dokumentieren. Nun stand den Schülerinnen und Schülern das konkrete Ziel eines selbstgefertigen Produktes vor Augen, was einen regelrechten Motivationsschub auslöste.

Es wurde nun sehr viel gezielter gesucht, Informationen wurden sehr viel bewußter aufgenommen. Das alles forderte jedoch auch seine Zeit, so dass zu Beginn nicht viel mehr herauskam als eine in ein Wordpad -Dokument kopierte Sammlung von Zitaten, die der Weiterbearbeitung durch Kürzungen, eigene Zwischenüberschriften, neue Anordnung von Textteilen harrten. Ich war zufrieden, wenn die kopierten Zitate später mit schülereigenen Texten ergänzt oder kommentiert worden waren und wenn erkennbar war, dass die Lernenden eine sinnvolle Auswahl an Text- und Bildmaterial getroffen hatten.

In dieser Phase zeigte sich das oben angedeutete Problem mit dem sinnentnehmenden Lesen ganz besonders: Lesen und Verstehen sind Tätigkeiten, die einem (noch) niemand, auch keine Maschine, abnehmen kann. Selbst wenn der Rechner dem Benutzer demnächst Texte in wählbarem Tempo vorspricht, bringt dies zwar eine im Grunde erfreuliche Erweiterung der Darbietungsformen, bedeutet aber sicherlich keine Lösung für die Schwierigkeiten mit der sinnerfassenden Rezeption. In besonderen Fällen müssen die Inhalte dann eben doch vom Lehrer vorstrukturiert werden, müssen besonders leicht zugängliche Themen mit besonders leicht verständlichen Textdarbietungen in möglichst kleinen Schritten erarbeitet werden, was dem Konzept der Erziehung zu Selbständigkeit und Eigenverantwortung beim Erwerb von Wissen (Busch a.a.O., S.282) jedenfalls dann nicht unbedingt widerspricht, wenn dieses Verfahren als ein Schritt auf einem langen Weg hin zu genau diesem Ziel verstanden wird.

Die Stimmen der Schülerinnen und Schüler

Im Anschluss an die Arbeit, die mit dem Schuljahr zu Ende ging, verteilte ich folgenden kleinen Fragebogen, der keinesfalls den Anspruch erhebt, repräsentativ zu sein, sondern nur einige Stimmungen und Meinungen einholen wollte:

  1. Mit welchen Programmen und/oder Internet-Seiten hast du dich im Verlauf der Arbeit auseinandergesetzt?
  2. Was hat dir an dieser Arbeit Spaß gemacht und was nicht?
  3. Wie leicht ist dir die Einarbeitung in die Programme gefallen?
  4. Hat der Lehrer im Verlauf der Arbeit zuviel oder zuwenig gelenkt und gesteuert, oder war das Lehrerverhalten soweit in Ordnung?
  5. Das Internet und Programme auf CD-ROM werden allgemein Neue Medien genannt. Hältst du den Einsatz solcher neuen Medien im Unterricht für sinnvoll?
  6. Wie sollte ein solcher Unterricht deiner Meinung nach organisiert sein?
  7. Könntest du dir vorstellen, auch zu Hause mit den Neuen Medien zu arbeiten?
  8. Wie müssten diese Neuen Medien beschaffen sein?
  9. Wünschst du dir für später einen Computer? Warum bzw. warum nicht?
  10. Wünschst du dir für später einen Internet-Anschluss? Warum bzw. warum nicht?

Überraschend an dem Rücklauf war für mich, dass es niemanden gab, der den neuen Medien die Wichtigkeit abgesprochen hätte (Frage 5). So schrieb eines der Mädchen, die zunächst überhaupt nicht klargekommen waren: Der Einsatz der neuen Medien ist durchaus sinnvoll. In der Zukunft werden Computer immer wichtiger und der Gebrauch sollte vorher gelernt werden. Dies war zugleich der Tenor vieler ähnlich lautender Äußerungen. Mit der sechsten Frage hatte ich auf die Nennung möglicher alternativer Unterrichtsformen gehofft, die aber leider ausblieb. Die Schülerinnen und Schüler, die sich überhaupt dazu äußerten, begrüßten die Teilung der Klasse und die kleinen Gruppen, in denen der Unterricht stattfand. Auch dass die Themen individuell nach Schülerinteresse gewählt werden konnten, fand ihren Beifall. Ein Mädchen schrieb: Es sollte jeder 2-4 Stunden in der Woche Computerunterricht haben, weil dem Computer die Zukunft gehört. Zur siebten Frage schrieb sie weiter: Am Computer findet man alles viel schneller, alles sieht viel interessanter aus als in Büchern, und man bekommt auch Hilfe. Sie brachte damit den Hauptanteil der Antworten inhaltlich auf den Punkt. Einige andere Schülerinnen und Schüler äußerten hier noch Bedenken wegen zu geringer Computerkenntnisse, aber auch wegen konkurrierender eigener Interessen (Sport). Ähnlich wurden die beiden letzten Fragen beantwortet: Fast alle erwägen die Anschaffung eines eigenen Rechners aus den bereits genannten Gründen; und die meisten wollen sich auch einen privaten Internet-Anschluss zulegen. Bedenken gab es hier vor allem in finanzieller Hinsicht ( das Surfen ist auf die Dauer vielleicht zu teuer für mich ). Aber vor allem die Informationsfülle des Internet läßt den eigenen Anschluss wünschenswert erscheinen: Man bekommt alle Informationen viel einfacher , meinte ein Mädchen und fuhr fort: man bleibt immer auf dem neuesten Stand. Aber auch die Möglichkeit des Austauschs mit Menschen auf der ganzen Welt wurde mehrfach als Anschaffungskriterium genannt. Einem Jungen dünkte der Internet-Zugang gar als die Eintrittskarte in ein elektronisches Universum .

Fazit

So war ich am Schluss also doch sehr angenehm überrascht, wie positiv der Unterricht mit den Neuen Medien und dem Internet angekommen war - trotz aller Frustrationen, insbesondere in der Anfangsphase. Ich freue mich darüber, dass die Schülerinnen und Schüler die Wichtigkeit dieser Medien für ihre eigene Zukunft sehen und sich bereits auf ihrer Hauptschule einen gewissen Einblick in die praxisorientierte Anwendung multimedialer Techniken (Busch a.a.O.) verschaffen konnten.

Für mich persönlich bedeutet dieses Ergebnis der Umfrage, dass ich künftig in alle größeren Unterrichtseinheiten die Neuen Medien und insbesondere das Internet integrieren werde. Und ich werde mich davon nicht durch eine unzeitgemäße technische Ausstattung oder durch organisatorische Probleme abhalten lassen - dazu ist diese große Herausforderung an das Bildungswesen (noch einmal Busch a.a.O.) denn doch zu wichtig.

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