Konzeption zur Qualifizierung der Lehramtsstudierenden im Bereich "Neue Medien und Informationstechnologien"
- Zur Implementation und zum Transfer von Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Modellversuch "Informatische Bildung für
Lehrerstudenten" in das Lehramtsstudium -
1. Ausgangslage und Voraussetzungen
2. Zur Konzeption "Neue Medien und Informationstechnologien" in die Lehrerausbildung
A. Verankerung im Lehramtsstudium
B. Zusatzqualifikation "Medien und Informationstechnologien" im Zusammenhang mit dem Lehramtsstudium
1. Ausgangslage und Voraussetzungen
Die heutigen Entwicklungen in der Informations- und Kommunikationstechik nehmen in immer größerem Umfang Einfluss auf alle gesellschaftlichen Bereiche. Dies gilt auch für das Bildungswesen. Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer von Medien und Informations- und Kommunikationstechnologien stark bestimmten Welt auf. Das Lehren und Lernen mit und über neue Medien [ 1 ] erhält einen bedeutenden Stellenwert.
Die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), als technische Basis neuer Medien, bietet vielfältige Formen eines neuen pädagogischen Umgangs mit Informationen, insbeson- dere ergeben sich mannigfaltige Möglichkeiten ihrer
Gewinnung, Verarbeitung, Auswertung, Darstellung und Präsentation. Sie erlauben die überregionale Gestaltung und Verbreitung multimedialer Produkte ebenso wie
die damit verbundene internationale Kommunikation und Kooperation über die weltweit verteilten informationellen Datenbestände.
Für die Schule ergibt sich die Aufgabe,
- die heranwachsende Generation bei der Herausbildung von Kompetenz, Urteilsfähigkeit und verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Medien zu fördern;
- die neuen Medien für die Gestaltung von Lehr-/Lernprozessen zu nutzen, die einen hohen Grad aktiver und kreativer Betätigung aufweisen;
- sich auf die veränderten Bedingungen für Lehren und Lernen mittels neuer edien einzu- stellen und diese Prozesse aktiv mitzugestalten.
- Die damit verbundenen Chancen und Risiken für Lehr- und Lernprozesse stellen eine Her- ausforderung für die Theorie und Praxis der Erziehung und Bildung dar.
In diesem Zusammenhang erhält der alte Begriff der Medienkompetenz eine völlig neue Dimension, nicht nur als schillernde Projektionsfläche für die noch neuen, z. T. unbekannten Möglichkeiten der Information und Kommunikation sondern auch als Schlüsselbegriff für die zukünftig auszubildenden Fähigkeiten und Fertigkeiten auf diesem Gebiet.
Danach meint Medienkompetenz nicht vorrangig den in der klassischen Medienpädagogik favorisierten souveränen Umgang mit Overhead-Projektor und Video.
Vielmehr sollten weiterreichende Elemente von Medienkompetenz ins Auge gefasst werden wie sie etwa in der Konzeption des Europäischen Zentrums für Medienkompetenz vorgeschlagen werden.[ 2 ]
Angehende Lehrerinnen und Lehrer sind auf die mit dem Einsatz neuer Medien verbundenen Aufgaben in der Regel nicht hinreichend vorbereitet. Bisher ist daher vor allem versucht worden, notwendige Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten durch Lehrerfortbildung zu vermitteln. Entsprechende Aktionen sind zwar sehr wichtig, reichen aber auf die Dauer für den notwendigen Kompetenzerwerb nicht aus. Deshalb stellt sich der Lehrerbildung die Aufgabe, bereits während des Studiums einen angemessenen Kompetenzerwerb zu Fragen der neuen Medien zu ermöglichen. Diese Forderung einer "Medienbildung" gilt prinzipiell für alle zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer. Die Realisierung dieses Anspruchs setzt ein entspre- chendes Lehrangebot im Lehramtsstudium voraus.
Entsprechende Forderungen auf bildungspolitischem Gebiet durch Bund und Länder haben bisher kaum Niederschlag in den Studien- und Prüfungsordnungen gefunden. Mit dem Modellversuch "Informatische Bildung für Lehrerstudenten" wurde versucht, die Frage zu beantworten, welche inhaltlichen Schwerpunkte solch eine Grundausbildung ausmachen und wie sie in die komplexe Struktur der Lehramtsausbildung integriert werden könnten.
2. Zur Konzeption "Neue Medien und Informationstechnologien" in die Lehrerausbildung
Mit den folgenden konzeptionellen Überlegungen sollen Wege aufgezeigt werden, wie der vielfach betonte Notwendigkeit und Dringlichkeit einer Grundausbildung aller künftigen Lehrerinnen und Lehrer Rechnung getragen werden kann.Dabei stützen wir uns auf Erfahrungen und Ergebnisse des Modellversuches "Informatische Bildung für Lehrerstudenten", die u.a. zu folgenden grundsätzlichen Anforderungen an solch eine Konzeption [ 3 ]führten :
- Für alle Lehramtsstudierenden muss eine Qualifikation zur "Medienbildung" verpflichtend geregelt sein. Sie muss eine grundlegende Einführung in den Umgang und die Nutzung moderner Medien und Informations- und Kommunikationstechnologien zum Ziel haben. Entsprechend muss das Angebot der Universitäten sein.
- Es bedarf dazu verbindlicher Regelungen in den Studien- und Prüfungsordnungen, die gegebenenfalls auch die Struktur der Lehrerausbildung verändern.
- Mindestvoraussetzungen sind eine (Pflicht-)Lehrveranstaltung, die zu grundlegenden Fragen einführt und Anleitung für die zweckmäßige Nutzung neuerMedien gibt.
- Unterstützt werden muss das durch Studienmaterial [ 4 ], das zur selbständigen Arbeit der Studierenden für die mehr technisch-handwerklichen Fertigkeiten im Umgang mit neuen Medien, die Vertiefung der theoretischen und konzeptionellen Grundlagen und die Anwendung in Bildung, Schule und Unterricht geeignet ist. Dieses Material muss zugleich differenzierten Zugängen der Studierenden Rechnungtragen, da erfahrungsgemäß die Voraussetzungen und individuellen Schwerpunktsetzungen der Studierenden sehr unterschiedlich sind.
- Auf den mit der einführenden Lehrveranstaltung gelegten Grundlagen ist bewusst in anderen Lehrdisziplinen des Lehramtsstudiums anzuknüpfen und darauf aufzubauen. Das sichert immanent die notwendige Vervollkommnung und Weiterentwicklung der Medienkompetenz der Studierenden und ihre Befähigung zum selbständigen und schöpferischen Anwenden der sich rasant vollziehenden Entwicklungen in den Informations- und Kommunikationstechnologien.
- Die konzeptionellen Überlegungen müssen unter Einbeziehung der Fachdidaktiker entwickelt werden.
Das Lehrangebot zum Bereich "Neue Medien und Informationstechnologien" soll dazu dienen, dass sich die Studierenden wenigstens grundlegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in den folgenden inhaltlichen Bereichen aneignen
und schrittweise weiterentwickeln:
(1) Grundlagen der Verwendung und Gestaltung von Medien in Bildung, Schule und Unterricht
(2) Erziehungs- und Bildungsaufgaben im Medienbereich und ihre schulische Umsetzung
(3) Nutzung von Medien und Informationstechnologien für Lehr- und Lernprozesse
Für die 1. Phase der Lehrerausbildung wird vorgeschlagen: Eine
Pflichtveranstaltung zum Bereich (1) sollen alle Lehramtsstudierenden im Grundstudium absolvieren. Darüber hinaus sollten sie Veranstaltungen aus den Bereichen (2) und (3) besuchen, die als Wahlpflicht- oder Wahlveranstaltungen anerkannt werden können oder als Zusatzveranstaltungen gelten. Dazu sollten einige Zusatzangebote je nach den Möglichkeiten der Hochschulen zur Wahl gestellt werden.
Studienbegleitend oder nach Abschluss des Lehramtsstudiums soll eine Zusatzqualifikation zu "Medien und Informationstechnologien" eingerichtet werden, mit der Lehrende ausgebildet werden, die in der Lage sind, sich in besonderer Weise der innovativen Aufgaben im Bereich von Medien und Informationstechnologien in Bildung, Schule und Unterricht anzunehmen.
Diese Konzeption folgt der folgenden schematisierten Modellvorstellung und wird im folgenden erläutert:
| A. Verankerung im
Lehramtsstudium |
| Grundlegung |
in einer Pflichtveranstaltung
(bzw. alternativ in Wahlpflicht-/Wahlveranstaltungen) |
| Vertiefung |
im frei zu wählenden Studienbereich der Erziehungswissenschaft
(2SWS) |
| im Wahlpflichtbereich der Erziehungswissenschaft (4 SWS) |
| im fachdidaktischen Bereich |
| in hochschulspezifischen Zusatzangeboten |
A. Verankerung im Lehramtsstudium
1. Pflichtveranstaltung im Grundstudium
Grundlagen der Verwendung und Gestaltung von Medien in Bildung, Schule und Unterricht
Ziel solch einer Veranstaltung soll es sein, wesentliche Grundlagen an Wissen und Können zu Elementen von Medienkompetenz zu entwickeln.
Inhaltliche Schwerpunkte sind:
- gesellschaftliche, bildungspolitische, ökonomische, ethische und rechtliche Aspekte des Einsatzes neuer Medien und Informations- und Kommunikationstechnik,
- Entwicklungen im Bereich der Medien sowie der Informations- und Kommunikationstechnik,
- Aufgaben der Schule im Bereich der Medien und Informations- und Kommunikationstechnik,
- Konzepte und Prinzipien der Medienerziehung, Mediendidaktik und informatischen Bildung,
- Auswahl und Nutzung von Medien und informationstechnischen Systemen für die Neugestaltung von Lehr- und Lernprozessen sowie für die Schulentwicklung,
- grundlegende Arbeitstechniken, die mit der Anwendung neuer Medien in Bildung und Er- ziehung verbunden sind.
Diese Veranstaltung soll in Einheit von Vorlesungsformen, Übungsphasen und selbständiger Arbeit der Studierenden gestaltet werden. Die einzelnen Lehrveranstaltungen sollen in ihrer Gestaltung handlungsorientierenden Gesichtspunkten Rechnung tragen, sie müssen die sinnvolle und kritische Nutzung neuer Medien durch die Studierenden in dieser Lehrveranstaltung einschließen, in exemplarischer Weise den praktischen Umgang mit den Informations- und Kommunikationstechnologien für Studium und späteren Beruf in den Mittelpunkt stellen.
Diese Veranstaltungen sollen zugleich eine relativ einheitliche Grundlage für weiterführende Studien in der Erziehungswissenschaft, der Fachdidaktik und den Fachwissenschaften zur Anwendung neuer Medien und Informationstechnologien gewährleisten.
Anhand der im Modellversuch entwickelten Materialien können die Studierenden z.B. in selbständiger Arbeit mit der CD-ROM oder den Materialien auf dem educat-Server notwendige Grundfertigkeiten erwerben und sich über grundlegende Anwendungen und theoretische Konzepte zum Umgang mit neuen Medien informieren. In Verbindung mit den Lehrveranstaltungen und solche Selbstinstruktionsmaterialien sollte eine tutorielle Begleitung für den anwendungsbezogenen Umgang mit den neuen Medien gesichert werden.
Die Veranstaltung umfasst 2 SWS im Grundstudium. Sie ist für alle Lehramtsstudierenden als verpflichtend auszuweisen und als Leistungsnachweis im Bereich Erziehungswissenschaft anzurechnen.
Es ist anzustreben, dass künftig für die Anmeldung zur Prüfung beim Landesamt für Lehramtsprüfungen ein Nachweis über die erfolgreiche Teilnahme an einer Einführungsveranstaltung zum Umgang mit neuen Medien und Informationstechnologien vorzulegen ist.
Anmerkung: Die hier genannte Veranstaltung kann - wenn man den Anspruch aufgibt, alle Lehramtsstudierenden in grundlegende Fragen der Verwendung und Gestaltung von Medien in Bildung und Erziehung einführen zu wollen, - auch als Wahlpflicht- oder Wahlveranstaltung angeboten werden. Diese Art einführender Veranstaltung könnte dann etwa im Rahmen der Lehrveranstaltungen des studium generale oder als "Einführung in die Erziehungswissenschaft" angeboten werden.
2. Wahlpflicht- oder Wahlveranstaltungen
2. 1. Vertiefung zu ausgewählten Themen der Pflichtlehrveranstaltung
Eine erste Vertiefung zu Themen aus dem Pflichtbereich kann im Rahmen eines Seminars aus dem frei zu wählenden Studienbereich des erziehungswissenschaftlichen Anteils des Lehramtsstudiums (2 SWS) erfolgen, sofern in diesen Veranstaltungen ein deutlicher Bezug zur Medienbildung erkennbar ist.
2.2. Erweiterung und Vertiefung der medienpädagogischen Grundkenntnisse im Wahlpflichtbereich des Hauptstudiums der Erziehungswissenschaft
Mit einem Angebot an Hauptseminaren (4SWS), in denen der Schein erworben wird, sollen die Grundlagenkenntnisse der Studierenden zu neuen Medien erweitert und zu speziellen Aspekten wie der Selektions- und Entscheidungskompetenz für den Tätigkeitsbereich des Lehrers vertieft werden. Zugleich soll Wissen und Können, um konstruktiv und verantwortungsbewusst auf Anforderungen an Bildung und Erziehung zu reagieren, weiterentwickelt werden.
Inhaltliche Schwerpunkte sind:
- Erziehungs- und Bildungsaufgaben im Bereich von Medien und Informationstechnologien,
- Medienerziehung/Informatische Bildung im fachlichen und fächerübergreifenden Unterricht,
- Medienpädagogik und Schulentwicklung.
Hierfür ist ein Themenangebot mit deutlichem Bezug zu Medien und Informationstechnologien vorwiegend durch die erziehungswissenschaftlichen Bereiche wie z.B. Allgemeine Pädagogik, Schulpädagogik, Grundschulpädagogik, Pädagogik und Informatik sowie Museumspädagogik zur Verfügung zu stellen.
2.3. Vertiefung im Grund- oder Hauptstudium im fachdidaktischen Bereich
Die in der Erziehungswissenschaft erfolgte Grundlegung im
medienpädagogischen Bereich findet ihre Erweiterung und fachspezifische Umsetzung in der fachdidaktischen Ausbildung und in den wissenschaftlichen Fächern derLehramtsstudiengänge.
Die Verantwortung für diesen Teil der Ausbildung liegt ausschließlich bei den Fachdidaktiken und den Fächern. Anzustreben ist sowohl eine integrative Nutzung der mit der Einführung gelegten Grundlagen in diesen Disziplinen als auch ein explizites Angebot an Themen, die den Umgang mit neuen Medien in Schule, Bildung und Erziehung zum Hauptgegenstand haben und damit das Wissen und Können der Studierenden weiter vertiefen.
Inhaltliche Schwerpunkte sollten sein:
- Grundlagen der Nutzung von Medien und Informationstechnologien in Lehr- und Lernprozessen,
- Nutzung von Medien und Informationstechnologien im fachlichen und überfachlichen Unterricht,
- Eigene Gestaltung von Medien für fachliche und überfachliche Lehr- und Lernprozesse.
3. Hochschulspezifisches Zusatzangebot
Über die in den Studienplänen und Prüfungsordnungen ausgewiesenen Anforderungen hinaus sollten durch Einrichtungen der Universitäten Angebote unterbreitet werden, mit denen Studierende ihre Kenntnisse und ihr Können zu ausgewählten und speziellen Gebieten der Anwendung neuer Medien und Informationstechnologien in Bildung, Schule und Unterricht erweitern können. Diese Zusatzangebote sollen vorwiegend der Ergänzung der unter 1. und 2. genannten Veranstaltungen dienen.
3.1. Projektorientierte Zusatzkurse
Durch Universitätseinrichtungen sollten Themen zur projektorientierten Einführung in Einzelthemen der Gestaltung und Anwendung neuer Medien und Informationstechnologien für Lehramtsstudierende angeboten werden [ 5 ]. Auf diesem Wege sollen Studierende selbst projekt-, handlungs- und anwendungsorientierte Arbeitsweisen kennenlernen und sich gleichzeitig Themenbereiche zu neuen Medien erschließen.
3.2. Tutorien, Projekttutorien
Die Ergebnisse des Modellversuches "Informatische Bildung für Lehrerstudenten" zeigen, dass von studentischen Hilfskräften begleitete und angeleitete Lernprozesse bei Studierenden, die mit Ängsten und Vorbehalten an die Nutzung neuer Medien und Informationstechnologien herangehen, gut angenommen werden.
Es sollten daher Möglichkeiten geschaffen werden, spezielle tutorielle Angebote für Lehramtsstudierende zu realisieren. Der Schwerpunkt der Arbeit sollte hier im Heranführen der Lehramtsstudierenden an die an instrumentell-qualifikatorischen Aneignungskompetenzen der Nutzung neuer Medien liegen.
In diesem Rahmen sollten Projekttutorien zu speziellen Themen neuer Medien und informatischer Bildung für Lehramtsstudierende gefördert werden, um weiterführende Erkenntnisse an die Studierenden zu vermitteln und den Anwendungsaspekt für Studium und späteren Beruf zu vertiefen.
3.3. Veranstaltungen von wissenschaftlichen und Service-Einrichtungen zur Einführung in Nutzungsmöglichkeiten moderner Medien und Informationstechnologie in Bildung, (Hoch-)Schule und Unterricht
Hierbei sollte es sich um Einführungen zu Einzelthemen der Nutzung neuer Medien und Informationstechnologien als Informations-, Kommunikations- und Arbeits- und Lernmittel in der Hand des Lehrers handeln, die in loser Reihenfolge für Lehramtsstudierende angeboten werden. Ergänzt werden sollten diese einführenden Veranstaltungen durch ein Angebot von Tutorien bzw. Projekttutorien zur weiteren Vertiefung des Wissens und Könnens der Teilnehmer.
B. Zusatzqualifikation "Medien und Informationstechnologien" im Zusammenhang mit dem Lehramtsstudium
Für die Schulen ist es bedeutsam, dass sie über Lehrende verfügen, die sich in besonderer Weise der innovativen Aufgaben im Bereich von Medien und Informationstechnologien annehmen. Mittel- und langfristig geht es darum, dass die Schulen in die Lage versetzt werden, mit ihrem Lehrpersonal gegenwarts- und zukunftsbedeutsame Konzepte für ihr Schulprofil bzw. Schulprogramm zu entwickeln, in deren Rahmen die Medienpädagogik und die Informationstechnische Grundbildung einen angemessenen Stellenwert erhalten. Dies setzt Lehrerinnen und Lehrer voraus, die über grundlegende Qualifikationen hinaus in der Lage sind, innerhalb der Schule Planungs-, Beratungs-, Qualifizierungs- und Unterstützungsfunktionen für die Entwicklung und Umsetzung schulspezifischer Konzepte zur Medienbildung zu übernehmen.
Für diesen Bedarf wird vorgeschlagen, ein Zertifikatsstudium "Medien und Informationstechnologien" im Zusammenhang mit dem Lehramtsstudium einzurichten
[ 6 ].
Es soll eine freiwillige Zusatzausbildung sein, die auf das Lehramtsstudium bezogen ist und studienbegleitend oder nach Abschluss des Lehramtsstudiums absolviert werden kann.
Bei der Einrichtung solch einer Zusatzqualifikation handelt es sich nicht um ein neues Studienfach für Lehramtsstudierende. Vielmehr dient die Möglichkeit zum Erwerb dieser wichtigen Zusatzqualifikation der Profilbildung im Rahmen des Lehramtsstudiums an der jeweiligen Universität. Eine solche Zusatzqualifikation kann zugleich die Einstellungschancen im schulischen und außerschulischen Bereich erhöhen.
Das Zertifikatsstudium soll den Studierenden einen angemessenen Kompetenzerwerb zu Fragen der Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien in Bildung, Schule und Unterricht ermöglichen. Es dient der wissenschaftlichen Vorbereitung auf die Auseinandersetzung mit der Informationstechnik und deren Nutzung in Erziehung und Bildung.
Es beansprucht, mit Hilfe eines wissenschaftlichen Studiums auf die pädagogische Praxis vorzubereiten, das Verständnis von Analyse, Entwicklung und Anwendung informationstechnischer Systeme in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und insbesondere der Bildung zu entwickeln. Es bezieht sich auf theoretische, technische und praktische Grundlagen der Informationstechnik, ihrer Anwendung in Lern- und Kommunikationsprozessen in den Schulfächern. Im Zusammenhang des Studiums sollen die Studierenden die Möglichkeit erhalten, die Handhabung von bzw. den Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien in hinreichender Weise zu üben. Die Zusatzqualifikation soll insbesondere auf folgende Kompetenzen bei den Studierenden zielen:
- Die Studierenden sollen Entwicklungen der Informationstechnologien in gesellschaftliche Zusammenhänge einordnen, Wechselwirkungen zwischen Informationstechnologien und ihrem Einsatzfeld erkennen sowie Folgen technischer Entwicklungen für den gesellschaftlichen Wandel analysieren können, sie sollen Bedingungen der Konstruktion, Produktion und Verbreitung von Medien im gesellschaftlichen Zusammenhang analysieren können und Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten wahrnehmen, um eine am Gemeinwesen orientierte Medienkultur mitzugestalten.
- Die Studierenden sollen wissenschaftliche Grundlagen erwerben, um pädagogische Konzepte für die Umsetzung der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien im Unterricht einschätzen zu können und diese in eigenen pädagogischen Überlegungen und unterrichtlichen Aktivitäten wirkungsvoll einsetzen zu können.
- Die Studierenden sollen selbst Projekte und Unterrichtseinheiten zu den modernen Informations- und Kommunikationstechnologien im eigenen Unterrichtsfach und fächerübergreifend professionell gestalten können.
- Die Studierenden sollen wissenschaftliche Grundlagen erwerben, die es ihnen ermöglichen, praktische und anwendungsnahe Fragestellungen zur informatischen Grundbildung ihrer Schülerinnen und Schüler mit wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten.
- Die Studierenden sollen die wissenschaftlichen Grundlagen erwerben, um später personale und institutionelle Bedingungen für die Nutzung moderner Informationstechnologien zu durchschauen und entsprechende schulische Konzepte mitgestalten zu können
Die Zugangsvoraussetzungen zum Zertifikatsstudium entsprechen den Zugangsvoraussetzungen für das Lehramtsstudium.
Das Studium soll einen Umfang von ca. 28 SWS haben. Davon sollen 24 SWS auf Veranstaltungen an der Universität und ca. 4 SWS auf ein vierwöchiges Praktikum entfallen.
Die Studienleistungen können zum Teil durch Studienleistungen im Rahmen des Lehramtsstudiums erbracht werden, und zwar durch Studienleistungen im erziehungswissenschaftlichen, fachdidaktischen und fachwissenschaftlichen Studium für Lehrämter. Solche Studienleistungen sollten bis zum Umfang von 16 SWS anrechenbar sein. Die weiteren Studienleistungen sowie das vierwöchige Praktikum müssen zusätzlich erbracht werden. Es ergibt sich daraus ein Mehraufwand von einem Semester gegenüber der Regelstudienzeit.
Das Lehrangebot wird durch die an der Lehrerausbildung beteiligte Einrichtungen gewährleistet. Damit soll zugleich die Verbindung von Fragestellungen der Informatik mit der Erziehungswissenschaft, den Fachdidaktiken und mit den Fachwissenschaften gefördert werden. Das vierwöchige Praktikum ist an einer Medieninstitution durchzuführen und muss durch einen Praktikumsbericht nachgewiesen werden.
Für die Zulassung zur Prüfung sollten gefordert werden:
- eine Bescheinigung über die erfolgreiche Teilnahme an der Einführungslehrveranstal- tung im Grundstudium,
- drei Leistungsnachweise aus unterschiedlichen Themenbereichen; ein Leistungsnachweis sollte die Gestaltung, Analyse oder Bewertung eines Multi-Media- Produktes umfassen,
- ein Nachweis über das vierwöchige Praktikum.
Die Prüfung soll im Anschluss an die Erste Staatsprüfung für ein Lehramt erfolgen.
Anmerkungen:
- Neue Medien sind angesichts der Entwicklung Informations- und
Kommunikationstechnik vor allem gekennzeichnet durch
- die Möglichkeit der interaktiven Nutzung, d. h. der Nutzer ist nicht nur ausschließlich Empfänger, sondern kann selbst durch die Verwendung entsprechender Rückkanäle Inhalte bzw. Aktionen auslösen,
- die integrative Verwendung verschiedener Medientypen, d. h. dynamische (Video- und Audiosequenzen) werden mit statischen (z. B. Text und Daten) Medien kombiniert,
- Digitalisierung, Vernetzbarkeit und damit verbunden auch ein enorm gesteigertes Datenvolumen, das durch den Einsatz von Kompressionsverfahren schnell und direkt transferiert werden kann.
- prinzipielle globale Aktualität und Zugänglichkeit für alle und durch die tendenzielle Nicht- Kontrollierbarkeit von Datentransfers (vgl. u.a. Booz, Allen & Hamilton, 1995, S. 27)
- die Kommunikation und Kooperation mit neuen Medien raum- und
zeitversetzt, d. h. asynchron, zu gestalten und dadurch die Mobilität und Erreichbarkeit der Menschen zu erhöhen. zurück
- In der Konzeption des Europäischen Zentrums für Medienkompetenz werden folgende Kompetenzbereiche vorgeschlagen (siehe Hillebrand/Lange, S.35/36):
- Selbstbestimmung- und Orientierungskompetenzen. Hier geht es um die Fähigkeit unterschiedlicher Zielgruppen, sich selbständig über die Konsequenzen neuer Medienentwicklungen und ihrer Konsequenzen für den eigenen Arbeitsbereich zu informieren, entsprechenden Handlungs- und Qualifikationsbedarf zu bestimmen und zu realisieren.
- Selektions- und Entscheidungskompetenzen. Hierunter werden Fähigkeiten verstanden, sich unter bestimmten Bedingungen für oder gegen inhaltliche Angebote, Anwendungen, technische Lösungen und Bildungsmaßnahmen zu entscheiden.
- Instrumentell-qualifikatorische Aneignungskompetenzen. Hierbei geht es um die grundlegenden Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit neuen Medien, ihre Inbetriebnahme, Bedienung, Wartung und Pflege.
- Konstruktiv-qualifikatorische Aneignungskompetenzen. Hierunter werden Fähigkeiten zur reflektierten Bewertung inhaltlicher Angebote und Dienste verstanden, um einen effektiven, kreativen und kritischen Umgang mit den Materialien zu gewährleisten.
- Lern- und Gestaltungskompetenzen. Bei diesem Kompetenzbereich geht es um die generelle Fähigkeit und Bereitschaft, auf Anforderungen der Informationsgesellschaft konstruktiv und verantwortungsbewusst zu reagieren, Konsequenzen für eigenes Handeln, die Bewältigung von Problemen und die Ausschöpfung der Chancen der Informationsgesellschaft zu ziehen.
zurück
- Die folgenden Vorschläge stützen sich darüberhinaus auf konzeptionelle Vorstellungen zu einer "Basisqualifikation" für Studierende aller Lehrämter im Bereich "Medien und Informationstechnologien", die im Rahmen des von der Bertelsmann-Stiftung geförderten Hochschulnetzwerkes "Lehrerausbildung und neue Medien" erarbeitet wurden. zurück
- Die auf der im Modellversuch entwickelten CD-ROM bzw. auf dem educat-Server liegenden Materialien stellen solch eine Grundlage für den Bereich informatischer Bildung von Lehramtsstudierenden dar. Die erarbeiteten Materialien sind vorrangig auf die Vermittlung von nstrumentell-qualifikatorischen Kompetenzen der Mediennutzung ausgerichtet. Dazu gehören u.a. die Kommunikation mittels elektronischer Post, die Nutzung elektronischer Diskussionsforen, das Abonnement elektronischer Zeitschriften, die Nutzung elektronischer bibliografischer Hilfsmittel, der Bezug von Informationen, die für die berufliche Tätigkeit als Lehrer relevant sind, die gemeinsame Erarbeitung von Hypertexten in elektronischen Arbeitsgruppen, Kenntnisse und Fertigkeiten zum Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechniken in der Schule (Multimedia, virtueller Klassenraum u.a.), die Nutzung des Computers als Werkzeug und Medium bei der Bewältigung der Arbeitsaufgaben. Eine weitere Zielrichtung der Materialien ist es, angehende Lehrer mit dem drastischen Wandel der informationellen Umwelt und der dort ablaufenden Prozesse vertraut zu machen, Lernen in einer von Medien bestimmten Zeit als offenes System zu verstehen, um so erste Selbstbestimmungs- und Orientierungskompetenzen zu erwerben. zurück
- Solche Projekte wurden im Rahmen des Modellversuches IKARUS(Informations- und Kommunikationstechnologische Ausbildung im Rahmen des Universitären Lehramts-Studiums) an der Uni Dortmund realisiert. zurück
- Es kann hierbei an Erfahrungen der Universität Bremen, an der seit 1997 ein Zertifikatsstudium "Informationstechnische Grundbildung -Lehrerausbildung" durchgeführt wird, angeknüpft werden. Ebenso sind die konzeptionellen Bemühungen im Rahmen des Hochschulnetzwerk: Lehrerausbildung und neue Medien zu berücksichtigen, eine Zusatzqualifikation zu "Medien und Informationstechnologien in Erziehung, Unterricht und Bildung" im Zusammenhang mit der Lehramtsausbildung einzurichten.
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