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Mit Beginn des Winter-Semesters 1997/98 hat an der Humboldt-Universität ein Modellversuch für die Lehrerstudenten begonnen. Sein Ziel ist es, im Rahmen des erziehungswissenschaftlichen Begleitstudiums angehende Lehrer in einen sinnvollen Umgang mit den Neuen Informations- und Kommunikationstechniken so einzuführen, daß sie den Computer nutzbringend für ihr Fachstudium und für ihre spätere Tätigkeit als Pädagogen nutzen können.
Ziel des Modellversuchs ist es, Berührungsängste abzubauen und auch Anfängern/Studenten mit geringen Vorkenntnissen den Umgang mit den Neuen Medien näher zu bringen. Angehenden Lehrern soll im Rahmen des erziehungswissenschaftlichen Begleitstudiums an konkreten Übungen gezeigt werden, wie sie die neuen Informations- und Kommunikationstechniken nutzbringend und sinnvoll für ihr Fachstudium und für ihre spätere Tätigkeit als Pädagogen einsetzen können.
Dies soll durch eine multimediale Vorlesung, mittels einer tutorenunterstützten Übung und am häuslichen Computer erreicht werden.
Für diejenigen, die noch keinen eigenen Computer besitzen, stehen im PC-Rechnersaal des Rechenzentrums in der Dorotheenstraße 50 Arbeitsplätze zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es an den Fakultäten mehr als 20 "CIP-Räume" mit vernetzten Computerübungsplätzen.
Prof. Diepold von der Abteilung Pädagogik und Informatik am Institut für Wirtschafts- und Erwachsenenpädagogik hat die Aufgabe übernommen, zusammen mit den Universitäten Dortmund und Halle eine Konzeption für eine informations- und kommunikationstechnische Grundbildung zu entwickeln, eine Reihe von multimedialen (Selbst-) Lernmaterialien zu erstellen und über das Netz wie auf CD-ROM zugänglich zu machen. Im Zentrum des Humboldt-Modellversuchs steht dabei die Konzeption "handlungsorientierten Lernens": Es werden Anstöße für die tägliche Nutzung des Computers gegeben, der Gebrauch der Technik wird systematisch reflektiert und in größere erziehungswissenschaftliche und gesellschaftliche Bezüge gestellt.
Im Rahmen eines des von der Bund-Länder-Konferenz für Bildungsplanung und Forschungsförderung finanzierten Modellversuchs sollen Möglichkeiten der Erweiterung akademischen Lehrens und Lernens durch das Internet erprobt werden. Dazu gehören
Im Rahmen des Modellversuchs sollen angehende Lehrer mit der passiven und aktiven Nutzung elektronischer Kommunikationstechniken so vertraut gemacht werden, daß ihre Qualifikationen den zu erwartenden zukünftigen Standards professioneller Lehrertätigkeit entsprechen. Dazu gehören:
Entwickelt und erprobt werden soll in Zusammenarbeit mit dem Rechenzentrum der Humboldt-Universität ein Informations- und Kommunikationssystem, in das sich Studenten aus den öffentlichen CIP-Räumen ebenso wie über Modem von ihrem häuslichen Computer-Arbeitsplatz aus einwählen können. Über dieses lokale Netz und den eigenen WWW-Server der erziehungswissenschaftlichen Institute ist dann der Zugriff auf die CD-ROM-Datenbanken der Humboldt-Universitätsbibliothek, auf die bereits existierenden Datenbanken der erziehungswissenschaftlichen Institute (Bibliographie Medienpädagogik, Literaturdokumentation Berufliche Bildung, Bibliographie Pädagogik und Informatik, diverse Lernsoftware), auf die von der Abteilung Pädagogik und Informatik entwickelte elektronische Studienberatung (mit Vorlesungskommentar) der erziehungswissenschaftlichen Institute, auf externe Datenbanken wie die des STN Karlsruhe und auf die weltweiten Ressourcen des Internets möglich.
Der Umgang mit diesen Systemen soll "handlungsorientiert" erfolgen; das bedeutet in diesem Zusammenhang: Studenten können nicht nur Informationen zu Studienprogrammen und Prüfungsordnungen, zu Lehrveranstaltungen, Zeiten, Orten, Voraussetzungen u. a. gezielt und miteinander kombinierbar abrufen, sondern aktiv an elektronischen universitären Diskussionsforen mitwirken, mit ihren Dozenten über E-Mail kommunizieren, Hausaufgaben und Seminararbeiten online abgeben oder in Gruppen an gemeinsamen Projekten zusammenarbeiten, ohne daß dafür in jedem Falle ein Raum belegt oder ein gemeinsamer Termin gefunden werden muß. Damit würden vorhandene Ressourcen der Universität effektiver und kostensparend genutzt und gleichzeitig neue hochschuldidaktische Möglichkeiten des Fernstudiums (distant learning, distant teaching) erfahrbar, die thematisiert und reflektiert werden sollten.
Ein entscheidendes Moment für die Akzeptanz der neuen Informations- und Kommunikationstechniken ist die sinnvolle, konstruktive und kritische Nutzung des Computers für die eigene Arbeit. Erst wenn für Lehrerstudenten der Computer als tägliches "Denkzeug" selbstverständliches Arbeitsmittel geworden ist, wird man erwarten können, daß sie ihn auch als Arbeits- und Unterrichtsmittel in der Schule einsetzen werden. Die Verankerung im reflektierten, täglichen Gebrauch ermöglicht den Transfer der Nutzung in der späteren Schularbeit, und zwar sowohl für die eigene Arbeit des Lehrers am Schreibtisch als auch für die Arbeit der Schüler im Unterricht.
Ein rohstoffarmes Land wie die Bundesrepublik muß eine hochwertige schulische, betriebliche und akademische Ausbildung vermitteln, um junge Menschen für die Informationsgesellschaft zu qualifizieren. Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung will mit diesem Modellversuch einen Schwerpunkt in der Lehrerausbildung setzen, der wegweisend für andere sein soll. Viele Fragen sind zu klären: Was müssen Lehrer über die Möglichkeiten und Gefahren von Computern und Multimedia wissen, wenn sie damit verantwortlich in ihrem Fachunterricht umgehen wollen? Wie kann man mit Computerhilfe das eigene Lernen fördern? Wie können Lehrerstudenten das Internet nutzen, um Materialien für ihre Vorbereitung und Ideen für Unterrichtsprojekte zu finden? Wie können sie vom häuslichen Arbeitsplatz aus ihren eigenen Rechner als "Denkzeug" für ihre Arbeit einsetzen? Wie können Lehrerstudenten bereits in ihrem Studium Computer und Internet sinnvoll für ihr Studium gebrauchen? Wie können sie damit zum "lebenslangen Lernen" befähigt werden?
Eine begleitende Evaluation soll dafür sorgen, daß Konzept, Medien und Lehrveranstaltungen den Interessen der Lehrerstudenten wie den Anforderungen ihrer späteren Tätigkeit entsprechen. Interessierte Studenten (Anfänger wie Fortgeschrittene) sind zur Teilnahme an der Vorlesung "Erziehungswissenschaft in der Informationsgesellschaft", do, 12-14, Ul 9, Raum 208 eingeladen. In der begleitenden Übung (di 16-18, GS 7, 113) haben vor allem Anfänger die Möglichkeit, unter Anleitung erste Schritte ins Netz zu wagen. Dort finden sie auch Tutoren, die bei evtl. auftretenden Schwierigkeiten beim selbständigen Gebrauch des Mediums (z.B. Modemanschluß vom häuslichen Computer) behilflich sind.
Verantwortlich:Prof. Dr. Peter Diepold
Abt. Pädagogik und Informatik
Philosophische Fakultät IV
Geschwister-Scholl-Str. 7
10099 Berlin
diepold@educat.hu-berlin.de
Die Mitarbeiter des Modellversuchs:
Dr. Uwe Konerding
Susanne Politt
Prof. Dr. Dieter Schaale
zum ausführlichen Text des Modellversuchs-Antrags an die BLK (ca. 20 Seiten)
Der Modellversuch im Überblick und zur CD-ROM
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