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Redaktion: Simone Dovifat, Kristine Fankhänel, Jörg Ratz
Verlag/Vertrieb: Cornelsen Software GmbH & Co, Berlin
Preis: (kommerzielle Lernsoftware)
Kurzbeschreibung:
Systemanforderungen: PC (mind. 386er Prozessor), mind
8MB Arbeitsspeicher., CD-Rom-Laufwerk, VGA-Grafikkarte, Soundkarte mit
Lautsprecher oder Kopfhörer
Die Erstinstallation erfordert etwas mehr Aufwand, nicht so sehr im technischen
Bereich, sondern vielmehr weil einige grundsätzliche Überlegungen
und Entscheidungen nötig sind, um den Kindern ein optimales Arbeiten
zu ermöglichen
Nutzungsbedingungen: Wahl zwischen Betrieb von der CD-Rom aus und Betrieb
von der Festplatte aus
Das Programm wendet sich an Kinder der Klassen 3-6. Die Kinder sollten
grundsätzliche Fertigkeiten im Umgang mit dem Computer beherrschen,
könnten sie aber auch wahlweise in den ersten Arbeitsstunden mit diesem
Programm lernen (u.a. mit Hilfe des begleitenden Schülerhandbuchs,
s.u.).
Da die Schüler sehr viel mit der Datenbank arbeiten, müssen sie
in der Lage sein (bzw. es im Laufe der Arbeit lernen), gezielt nach Informationen
zu suchen und sich dabei nicht zu "verirren".
Eine wichtige Voraussetzung ist, daß die Lerngruppe Erfahrungen mit
offenen Lernsituationen und freiem Arbeiten hat. Schüler und Lehrer
sollten also schon aus anderen Zusammenhängen mit Lernarrangements
vertraut sein, in denen sie gemeinsam gesetzte Ziele relativ selbständig
erarbeiten.
WINNIE ist bewußt für den fächerübergreifenden
schulischen Unterricht und für offenes Lernen entworfen. Ein Einsatz
in anderen Lernsituationen bietet sich vom Konzept her nicht an, auch für
den Nachmittagsmarkt ist es nicht konzipiert (was meine Tochter nicht daran
hindert, sich ausdauernd zu Hause damit zu beschäftigen, Anm. d. Verf).
Bezüge zu übergreifenden gesellschaftlichen Themen ergeben sich
durch die Projektorientiertheit in vielfältiger Form. Die im Beiheft
genannten Projektbeispiele beschäftigen sich mit Themen des Umweltschutzes,
der Beobachtung und Gestaltung der schulischen Umgebung.
Zielsetzung von WINNIE ist es, die Kinder zu eigenständiger
Arbeit anzuregen, ihnen die Möglichkeit zu geben (vor allem im Rahmen
von projektorientiertem und fächerübergreifendem Unterricht),
sich eigene Ziele zu setzen und diese auf dem ihnen gemäßen
Weg zu erreichen. WINNIE steht damit im Zusammenhang konstruktivistischer
Lerntheorien, also der Vorstellung, daß Menschen auf vielfältige
Art lernen und jeder seinen eigenen Lernweg verfolgen muß.
Nach Aussage der Herausgeber soll das Programm als Ergänzung zu anderen
Medien und Materialien (Sachbücher, Karteikästen, Bastelmaterial)
verstanden werden, idealerweise in der Medienecke der Klasse stehen und
für die Schüler direkt zugänglich sein.
WINNIE IM GRÜNEN KLASSENZIMMER bietet Informationen und Grundlagen zu vielen berichen des Sachunterrichts / Biologieunterrichts der Grundschule. Die zugrundeliegende Datenbank kann von der Lehrkraft bei Bedarf ergänzt werden, was allerdings einen gewissen Aufwand erfordert. Hier scheint mir ein Problem zu liegen: Der Rahmen der wählbaren Projekte wird in der Realität wohl sehr stark durch das vorgegeben sein, was die Datenbank an Möglichkeiten bietet (das ist allerdings nicht wenig).
WINNIE MIT DER WERKZEUGKISTE bietet den Kindern die Möglichkeit, Ergebnisse zu sammeln, weiter zu bearbeiten und durch eigene Arbeiten zu ergänzen. Dafür stehen Schreibwerkzeug, Malwerkzeug sowie ein Rechenblatt und -falls gewünscht - ein Taschenrechner zur Verfügung. Die Ergebnisse können in individuellen "Arbeitsmappen" abgeheftet werden; in Aufgabenmappen können weitere Aufgaben zur Bearbeitung bereitgestellt werden.
Durch die Kombination von Informationsdatenbank einerseits und individuellen
Arbeitsmappen andererseits bieten sich den Kindern unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten
auf verschiedenen Schwierigkeitsniveaus. Durch zusätzliche "Aufgabenmappen"
kann die Lehrkraft bei Bedarf strukturierend und steuernd eingreifen. Grundfertigkeiten
und technische Möglichkeiten werden zudem im Schülerhandbuch
ausführlich und genau erklärt.
Die Verknüpfung zwischen den einzelnen Bereichen erfolgt für
jeden Benutzer (einzelnes Kind bzw. Gruppe) in einer eigenen "Zentrale",
von der aus man zu den Arbeitsmappen, den Aufgabenmappen, den Rechenmöglichkeiten
und der Datenbank gelangen kann.
Die Bildschirmgestaltung ist sachlich, aber ansprechend, und im ganzen
übersichtlich, wobei m.E. eine Bildschirmaufteilung in drei verschiedene
Bereiche (plus Menüleiste, plus - eventuell - Rechenblatt) schon im
Grenzbereich für Kinder dieses Alters liegt. Durch Voreinstellungen
kann die Lehrkraft allerdings steuern, wieviele der möglichen Bereiche
sie den Kindern tatsächlich zur Verfügung stellen will.
Die Gestaltung ist erfreulich klar und frei von zusätzlich sich öffnenden
Fenstern und herumfliegenden Extra"Gimmicks" (manche mögen
dies allerdings für einen Nachteil halten).
Das Programm nutzt die aktuellen multimedialen Möglichkeiten in vielfältiger
Weise (Ton, Bild, Video, spannend eine kleine Simulation zur Entwicklung
einer Meisenpopulation über einige Jahre hinweg).
Da das Programm für den projektartigen Unterricht konzipiert ist,
steht es bewußt im Gesamtzusammenhang mit anderen Medien. Sinnvoll
eingesetzt werden kann es nur, wenn Ergebnisse in der Gruppe vorgestellt
und bearbeitet werden.
Lehrerhandbuch: sehr genau und detailliert, gibt wichtige Informationen über die Zielsetzungen und Einsatzmöglichkeiten; erfordert entsprechend beim Ersteinsatz einen gewissen Uafwand
Schülerhandbuch: sehr durchdacht, erfordert aber relativ hohe Bereitschaft, sich durch längere Zusammenhänge durchzuarbeiten und dazu längere Texte zu lesen
Mein Gesamteindruck ist ausgesprochen positiv, ich würde das Programm als Lehrerin sicherlich einsetzen. Erfreulich finde ich vor allem den pädagogischen Ansatz, Schüler möglichst selbstbestimmt lernen zu lassen. Auch die Darstellung ist sehr durchdacht, mit genauen Formulierungen und Hinweisen sowie sorgfältigen Details (z.B. die "Pass-Tiere" statt Passwörtern). Die eher sachliche Ausgestaltung der Bildschirmoberfläche empfinde ich als ausgesprochen wohltuend.
Fragwürdig erscheinen mir folgende Aspekte:
Inwieweit ist das Programm für eine normale, entsprechend belastete
Lehrkraft im normalen Unterricht einsetzbar? Ist es eventuell doch nur
für besondere "Sternstunden" nutzbar? M.E. erfordert es
doch einen ziemlich hohen zeitlichen und organisatorischen Aufwand.
Inwieweit widerspricht die de facto starke Vorgabe der Inhalte durch die
Datenbank dem Anspruch eines offenen selbstbestimmten Unterrichts (geheime
Lenkung?)
Wenn es sich um selbstbestimmtes Lernen handeln soll, warum darf dann der
Lehrer als "superuser" in jede Arbeitsmappe gucken (und eventuell
auch noch schreiben), ohne um Erlaubnis zu fragen? Ist das nicht eventuell
eine stärkere (und vor allem subtilere) Kontrolle als bei normalen
Heften, die man zumindest erst mal aushändigen muß (diese Frage
gilt allerdings für viele Bereiche der Arbeit am Computer)?
Die Erwartungen an die Schüler (in Bezug auf selbstorganisiertes Arbeiten)
sind m.E. ziemlich hoch: Sie müssen recherchieren, ohne sich allzusehr
zu "verirren", Frusterlebnisse verkraften können und selbständig
ihre Ergebnisse zusammenfassen.
(Berlin, 29.05.98, Susanne Politt)
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