Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät IV
HS: Lernen mit Multimedia
Dozent: Prof. Dr. Peter Diepold
Referent: Dirk Svensson
Analyse der Lernsoftware:
"1848-1949. Ein Jahrhundert deutsche Geschichte"
I. Das Programm auf einen Blick
Name: 1848-1949. Ein Jahrhundert deutsche Geschichte
Verlag/Vertrieb: Meyers Lexikonverlag, Bundeszentrale für politische Bildung
Preis: 99;- DM bzw. kostenlos über Bundeszentrale für politische Bildung
Systemvoraussetzung:- IBM-kompatibler PC (min. 486 DX/33 Mhz)
- min. 8 MB Arbeitsspeicher (empfohlen 16 MB)
- Windows 95/NT
- CD-ROM Laufwerk, Soundkarte
- SVGA-Grafik mit mind. 32 k Farben (Auflösung von 800x600 Pixeln)
Kurzbeschreibung
Benutzer: ab 14 Jahre
Einsatzort: Nachmittagsmarkt
Art des Programms: Multimediales Informationssystem
Lernziele:
Umfassende und ausführliche Vermittlung von historischen Ereignissen und Entwicklungen, vor allem Strukturen und Zusammenhänge der deutschen Geschichte im Zeitraum 1848 bis 1949.
Inhalt:
Der Aufbau der Lernsoftware bietet verschiedene Möglichkeiten auf den Inhalt zuzugreifen. Es gibt zunächst die Möglichkeit, eines der dreizehn chronologisch aufgebauten Kapitel zu starten. Kapitel 1 beginnt mit der Märzrevolution von 1848, Kapitel 13 endet mit Neubeginn und doppelte Staatsgründung. Der Schwerpunkt der CD-ROM liegt überwiegend auf dem zweiten Teil des genannten Zeitabschnittes. So beginnt der sechste Abschnitt bereits mit dem 1. Weltkrieg. Wenn man ein Kapitel gestartet hat, kann man nach einer kurzen Audioeinleitung, entweder die chronologische Zeitleiste hoch und runter scrollen oder sich die thematischen Kapiteltexte ansehen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, im Hauptmenü über die Suchfunktion zu speziellen Themen vorzudringen. Auch zu technischen und künstlerischen Ereignissen kann man sich über eine Zeitleiste informieren.
benötigter Zeitaufwand:
Dieser kann sehr unterschiedlich sein. Wenn man sich über ein komplexes Thema, wie z. B. die Weimarer Republik, informieren will, kann dies mehrere Stunden dauern. Biographien bzw. Begriffe zu einem enger gefaßten Themenkreis können in sehr kurzer Zeit abgefragt werden. Für die Durcharbeitung der gesamten CD-ROM sollte man mehrere Tage einplanen.
II. Didaktische Analyse
Wer soll das Programm nutzen?
In den beiliegenden Materialien des Programms wird keine spezielle Altersgruppe angegeben, für die dieses Programm konzipiert ist. Es wendet sich grundsätzlich an alle historisch Interessierten. Diese Tatsache beruht vermutlich darauf, daß man möglichst viele Menschen erreichen will und keine Käuferschicht von vornherein ausschließen möchte. Trotzdem denke ich, gibt es für das Programm eine Altersbegrenzung. So sollte der Nutzer mindestens 14 Jahre alt sein. Die Einschränkung bezieht sich weniger auf den Umgang mit dem Programm, dieser ist nach einer üblichen Einarbeitungsphase relativ leicht. Das Arbeiten mit der Maus, sowie ein einfaches Verständnis über Programmstruktur genügt, um mit dem Programm zurechtzukommen. Anspruchsvoller gestaltet sich dagegen die Erschließung des Inhalts. Das Programm bietet eine erstaunliche Vielzahl von Fachwissen. Auch die zahlreichen Quellen verlangen vom Benutzer eine gewisses Maß an kognitiven Fähigkeiten, um die gesamte Komplexität der historischen Zusammenhänge und die Einordnung der vielfältigen historischen Quellen zu verstehen.
Da das Programm nicht für den Unterricht erstellt wurde, gibt es auch keine spezielle Anleitung für Lehrer. Wenn Lehrkräfte das Programm dennoch in ihrem Unterricht einsetzen wollen, verlangt dies von ihnen, daß sie es sehr genau kennen und eine Auswahl der in Frage kommenden Artikel und Quellen vornehmen.
In welchen größeren Rahmen ist das Programm einzuordnen?
Vorrangig soll dieses Programm zu Hause genutzt werden. Die Nutzung ist für einen breiten Personenkreis angelegt. Also sowohl für jemanden, der sich für Geschichte interessiert und das Programm zu einer bestimmten Thematik als multimediales Lexikon nutzt, als auch für Schüler, die zum Beispiel ein Referat vorbereiten und sich Hintergrundwissen und Zusammenhänge zu einer ganzen Epoche erschließen wollen. Die Konzeption des Programm ist nicht explizit auf den Berliner Rahmenplan für das Fach Geschichte abgestimmt. Trotzdem kann man für den Zeitraum 1848-1949 alle Deutschland betreffende Daten, Begriffe und Namen finden. Es ist möglich das Programm im Unterricht auf unterschiedliche Art und Weise einzusetzen. Im lehrerzentrierten, traditionellen Unterricht kann man es zum Vorführen der zahlreichen interessanten Quellen, wie z. B. Videos, Audiovorträge, Tabellen, Statistiken nutzen. Dadurch verschenkt man aber die vielfältigen weiteren Möglichkeiten des Programms. Im offenen Unterricht bietet sich an, Schüler selbst zu einem bestimmten Thema arbeiten zu lassen. So kann im Rahmen des entdeckenden Lernens jeder Schüler selbst auf Entdeckungsreise gehen. Leider fehlen schriftliche Quellen, dies sollte vom Lehrer bei Vorbereitung beachtet werden. Voraussetzung für einen Einsatz ist natürlich, daß die Schule über die materiellen Voraussetzungen (entsprechende Anzahl an Computern) verfügt.
Wozu soll das Programm genutzt werden?
Intention des Programms ist es "deutsche Geschichte unter konsequenter Nutzung multimedialer Aufbereitung so lebendig und anschaulich wie möglich zu gestalten"(Begleitmaterial). Die mit 624 MB vollgepackte CD-ROM bietet zahlreiche Materialien, von Sachtexten, Kurzbiographien über Ton- und Filmdokumente bis zu Grafiken und historischen Aufnahmen, um sich über Ereignisse und Entwicklungen in der deutschen Geschichte zu informieren.
Worum geht es inhaltlich in diesem Programm?
Wie erwähnt gibt es mehrere Möglichkeiten mit dem Programm zu arbeiten. Den wichtigsten Bestandteil des Programms bilden 13 chronologisch aufgebaute Kapitel. Sie reichen von der Märzrevolution 1848/49 bis zur doppelten Staatsgründung 1949. Um ein Kapitel zu starten, klickt man im Hauptmenü auf eine, den Zeitabschnitt charakterisierende Person bzw. einen Gegenstand. Danach ergeben sich verschiedene Wege diesen Zeitabschnitt näher zu erforschen. Zum einen ein gesprochener Vortrag zur politischen Entwicklung in dieser Zeit. Zum zweiten gibt es eine tabellarische Übersicht zu den wichtigsten Ereignissen in diesem Zeitabschnitt und zum dritten kann man sich Sachtexte zu bestimmten Themen anzusehen. Ein anderer Weg sich Wissen zu erschließen, besteht in der Suchfunktion. Hier stehen etwa 4000 Dokumente aller Art zur Auswahl. Eine Besonderheit des Programms sind die angebotenen Vorträge. Prof. Dipper von der Universität Darmstadt setzte sich mit übergreifenden historischen Themen auseinander, so zum Beispiel mit "politischen Parteien", "Bürgertum" oder "Frauen". Das Programm versucht auch den Bezug zu anderen gesellschaftlichen Thematiken herzustellen. So werden über eine Zeitleiste die wichtigsten Ereignisse aus Kunst, Literatur, Wissenschaft und Technik des jeweiligen Kapitels genannt.
Abschließend kann gesagt werden, daß das Programm versucht weite Teile der Geschichtsforschung abzudecken, so gibt es Beiträge sowohl zur Politikgeschichte, als auch zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte.
Wie werden Inhalte und Ziele umgesetzt?
Wie schon gesagt wurde, handelt es sich bei dem Programm um ein multimediales Informationssystem. Wissen wird in verschiedener Form "nur" dargeboten. Dem Nutzer bleibt es selbst überlassen, wie lange er sich mit der Thematik befassen möchte. Das Programm bietet keine direkte Wissensanwendung bzw. -überprüfung. Die multimedialen Möglichkeiten werden ausgeschöpft. Es gibt nicht nur historische Ton- bzw. Videodokumente, sondern auch einige animierte Grafiken sowie zahlreiche historische Bilddokumente.
Wie schon gesagt, ist dieses Programm nicht für die Schule entwickelt worden, trotzdem ist die schulische Anwendung nicht von vornherein ausgeschlossen. Dies verlangt jedoch sehr genaue Kenntnisse der Lehrkraft über Aufbau und Inhalt des Programms. Im Rahmen des entdeckenden Lernens wäre ein Einsatz durchaus vorstellbar. Da das Programm nicht auf sozialer Interaktion basiert, mußten die materiellen Voraussetzung in der Schule stimmen. Maximal 2 Schüler pro Computer wären angebracht.
Welche technischen Hilfsmittel werden angeboten?
Das Programm benötigt, was erfreulich ist, keinen Computer der neuesten Generation, sondern begnügt sich mit einem 486 DX. Eine entsprechende Grafik- und Soundkarte wird zum problemlosen Abspielen der Audio- und Videosequenzen benötigt. Es gibt auf der CD-ROM auch eine ausführliche Hilfedatei, diese erklärt alle für das Benutzen des Programms relevanten Punkte. Da die Software für den Nachmittagsmarkt konzipiert wurde, gibt es leider kein gesondertes Begleitmaterial für Lehrer.
Das Programm stammt aus dem Jahr 1997. Die Strukturierung ist absichtlich sehr klar gehalten worden. So wurde auf jede überflüssige Spielerei verzichtet, was manchmal einen etwas altmodischen Eindruck erweckt. Hier schließt sich einer der Hauptkritikpunkte an und zwar das völlige Fehlen von Querverweisen. Gerade für diese Art von Programmen, die sich das Aufzeigen von Strukturen und Zusammenhängen auf die Fahnen geschrieben hat, ist das Vernachlässigen dieser technischen Möglichkeit unverzeihlich.
III. Versuch einer Gesamtbewertung
Das Programm "1848-1949. Ein Jahrhundert deutsche Geschichte" bietet vielfältige Optionen sich mit deutscher Geschichte vertraut zu machen. Unter Nutzung multimedialer Elemente steht dem Anwender ein umfangreiches Material zur Verfügung (ca. 2500 Sachartikel, 1100 Abbildungen, 100 Grafiken und Karten sowie 40 historische Ton- und Bilddokumente). Dieses Material bietet die Möglichkeit sich nicht nur Kurzinformationen zu einem Thema zu verschaffen, sondern auch vertieft Kenntnisse über Strukturen und Zusammenhänge in dem genannten Zeitraum zu erlangen.
Im Hinblick auf jugendliche Anwender kann der eher sachliche Aufbau Motivationsprobleme verursachen. Eine Einschränkung in der Bedienungsfreundlichkeit stellen die fehlenden Querverweise dar. Auch tiefergehende Literaturhinweise zum weiteren Arbeiten an einem Thema wäre wünschenswert.
Insgesamt stellt die CD-ROM, vor allem unter dem Aspekt des kostenlosen Erwerb beim Bundesamt für politische Bildung eine gute Möglichkeit dar, sich mit deutscher Geschichte zu beschäftigen.