Humboldt-Universität zu Berlin 10.02.99

Philosophische Fakultät IV

HS Lernen mit Multimedia (09321)

Dozent : Prof. Dr. Peter Diepold

Referent : Matthias Meyer (100 665)

BUDENBERG Lernsoftware

für den Bereich der Sonderpädagogik

Die Software auf einen Blick

Name : BUDENBERG-SOFTWARE

Autor : Günter Schleisiek ist Leiter der Schule am Budenberg in Haiger, Hessen (Schule für Lernbehinderte mit Abteilung für Körperbehinderte).

Er befaßt sich als Autodidakt seit 1987 mit der Entwicklung und Erprobung von Lernprogrammen. Die Programme wurden ursprünglich auf dem Commodore C64 entwickelt und waren für den Hausgebrauch bestimmt. Aufgrund der starken Nachfrage von Kollegen nach behindertenspezifischer Software hat Günter Schleisiek seit 1991 begonnen, seine Programme, die auch in der SODIS Datenbank gespeichert sind, für MS-DOS umzuschreiben und weiterzuentwickeln.

Vertrieb : K. EMMIG GmbH

BUDENBERG Software Vertrieb

An der Wielermaar 74

51143 Köln

Preise :

 

Einzelplatzlizenz

 

Mehrplatzlizenz

Schülerdisketten 1 = DM 59,--

Schülerdisketten 1 = DM 190,--

Schülerdisketten 2 = DM 59,--

Schülerdisketten 2 = DM 190,--

Schülerdisketten 3+4 = DM 59,--

Schülerdisketten 3+4 = DM 190,--

Schülerdisketten 5+6 = DM 59,--

Schülerdisketten 5+6 = DM 190,-

Ergänzungsdiskette (Förderprogramme)

= DM 29,--

Ergänzungsdiskette (Förderprogramme)

= DM 70,--

Grundschulpaket (Disketten 1+2+3+4)

= DM 150,--

Grundschulpaket (Disketten 1+2+3+4) mit Sprachausgabe = DM 470,--

 

Gesamtpaket (alle Disketten) mit Ergänzungsdiskette (Förderprogramme) inkl. Sprachausgabe

= DM 600,--

 

Didaktisches Handbuch

= DM 35,--

Demo-Diskette Grundschul- und Gesamtpaket = kostenlos !

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurzbeschreibung

ò Benutzer

Adressaten sind in erster Linie Lernbehinderte und Körperbehinderte, daneben auch Schüler der Grundschule/Hauptschule und Geistigbehinderte.

ò Einsatzort

Laut Handbuch sind die Programme für den Schulunterricht konzipiert. Sowohl Einzelarbeit (bzw. -unterricht) als auch Partner- sowie Gruppenübungen sind möglich.

Mit dem Erwerb einer oder mehrerer Einzellizenzen besteht auch eine Einsatzmöglichkeit innerhalb des "Nachmittagsmarktes".

ò Art des Programms

Übungssoftware

ò Lernziele

Vertiefung curricularer Anforderungen aus den Lernbereichen Mathematik, Deutsch, Englisch und Sachkunde.

ò Programmübersicht

MATHE 1 (Zahlenraum bis 30)

Würfel

Zahlenreihe

Zerlegen

Zahlenbild

Gleichung

Kran

Vergleichen

Weiterzählen

Kegel

Geldrechnen

Zahlenstrahl

Zahlenhaus

Partnerrechnen

   

MATHE 2 (Zahlenraum bis 100)

Zahlenraten

Kran

Kegel

Rechenmix

Geldrechnen

Zahlenstrahl

Zahlenhaus

Partnerrechnen

Zehnerübergang

Zehnereiner

   

MATHE 3 (Zahlenraum bis 1000)

Uhr

Zahlenstrahl

Zahlenhaus

Geldscheine

Zahlenlesen

Schriftl. Rechnen

Bruchrechnen

   

DEUTSCH 1 (Erstlesen)

Form + Farbe

Bild + Anlaut

Erstlesen

Silbenlesen

Zweitlesen

Bildlesen

Minitext

   

DEUTSCH 2

Bildlesen

Bildschreiben

Wortdiktat

Lesetraining

Wörtersuche

Textgliedern

Rätsel

Wortraten

 

DEUTSCH 3

Satzbau

Silbenwörter

Buchstabenwörter

Kreuzworträtsel

Wortraten

Begriffraten

Textschreiben

Rechtschreiben

 

SACHKUNDE (Geographie)

Deutschland

Europa

Tutor

ENGLISCH

Englisch 1

Englisch 3

Englisch 5

Englisch 2

Englisch 4

 

ò Benötigter Zeitaufwand

Von den dargestellten Programmen gelangt man in Unterprogramme (-gruppen), die in der Regel normzeitorientiert sind, d.h. jeder Gruppendurchgang wird nach zwei bis vier Minuten automatisch beendet.

ò Hardwarevoraussetzungen

• Prozessor : ab 286 bis Windows 98

• Grafikkarte : EGA/VGA

• notwendiger RAM Speicher : 500 KB

• Diskettenlaufwerk 3,5 Zoll (1,4 MB)

• Speicherplatzbedarf Gesamtpaket auf Festplatte ca. 7 MB

Didaktische Analyse

Wer soll das Programm benutzen ?

Das Programm ist für die Klassen 1 bis 6 der Grundschule sowie für alle Klassenstufen der Lernbehinderten- und Körperbehindertenschule konzipiert.

Für die Installation und Benutzung des Programms benötigen weder Schüler noch Lehrer besondere Computerkenntnisse. Mir dem Erwerb einer Programmdiskette erhält der Käufer eine Installationsroutine, die dazu führt, daß die Software auf der Festplatte gespeichert wird und entweder auf der DOS-Ebene mittels eines einfachen Befehls (›BB‹) oder unter Windows 95/98 mit Hilfe eines Startbuttons gestartet werden kann.

Nach dem Start wird ein Menüprogramm in Gang gesetzt. Zunächst erscheint auf dem Monitor ein Fenster, in dem acht Lernbereiche, die nach Fächern und Schwierigkeitsstufen geordnet sind, dargestellt werden. Hat man sich für einen Lernbereich entschieden und diesen angeklickt, öffnet sich ein zweites Fenster. Hier sind die dem Bereich zugeordneten Programme wieder nach der Schwierigkeit geordnet angegeben.

In einem dritten Fenster befinden sich die Unter- bzw. Übungsprogramme des im zweiten Fenster gewählten Programms. Weitere Differenzierungen sind nach dem Programmstart im Programm selber möglich.

Jedes Übungsprogramm besteht in der Regel aus fünf Gruppen, welche den Lerninhalt variieren und aufbauend arbeiten. Am Ende jeder Übungsgruppe wird ein Ergebnis angezeigt. Der Schüler/Übende hat hier die Möglichkeit zu entscheiden, ob er die Gruppe mit der Eingabe "W" wiederholen oder aber mit ENTER zur nächsten Gruppe fortfahren will.

In welchen größeren Rahmen ist das Programm einzuordnen ?

Wie bereits erwähnt, wird das Programm in der Regel in der Schule eingesetzt. Mit dem Erwerb einer Einzelplatzlizenz kann die Software aber auch für den Hausgebrauch erworben werden.

Inhaltlich orientiert sich das Lernprogramm an den fundamentalen Lehrstoffen der jeweiligen Fächer und Klassenstufen. Dies bedeutet jedoch nicht, daß das Üben nur mit Blick auf das jeweilige Fach möglich ist. Differenzierter Förder-, Informatik- und Nachmittagsunterricht bieten ebenso sinnvolle Einsatzmöglichkeiten.

Wozu soll das Programm benutzt werden ?

Das selbständige Erarbeiten und Üben fundamentaler Anforderungen aus dem jeweiligen Lernbereich ist die zugrundeliegende Intention des Programms. Gängige Einführungs- und Übungsverfahren werden dem Lernenden/Übenden kleinschrittig und mit angemessener optischer Unterstützung aufbereitet. Die Arbeitsschritte auf dem Weg zum Erreichen der vorrangig dem kognitiven Bereich zuzuordnenden Lernziele werden optisch und akustisch auf motivierende Weise begleitet.

Worum geht es inhaltlich ?

Der dargestellten Programmübersicht ist das Angebot an Übungsprogrammen zu entnehmen. Es würde den Rahmen einer Kurzanalyse sprengen, jedes einzelne inhaltlich darzustellen. Aus diesem Grund werden im folgenden zwei Programme aus den Bereichen MATHEMATHIK und DEUTSCH vorgestellt :

 

 

 

Ê Bruchrechnen

Die Serie Bruchrechnen nutzt die graphischen Möglichkeiten eines Rechners, um Bruchteile optisch darzustellen und Operationen zu simulieren. Das Programm, welches an Lernbehinderte ab etwa Klassenstufe 7 und Grund- bzw. Hauptschüler der Klasse 5 adressiert ist, gliedert sich in folgende Bereiche :

Bruchrechnen 1 Erfassen einfacher Brüche 1/1 bis 1/10

Schreib- und Sprechweise der Brüche

Größenvergleich der Brüche

Bruchrechnen 2 Additive Operationen mit gleichnamigen und ungleichnamigen Brüchen

Zuordnung von gemischten Zahlen und Bruchzahlen

Bruchzahlen am Zahlenstrahl

Das Programm ist dabei so angelegt, daß sich der Bearbeiter mit zunehmendem Abstraktionsniveau dem Phänomen der Bruchzahl nähert. In absoluter Selbständigkeit, mit individuellem Tempo und nach der Methode "trial and error" wird das Lernziel angesteuert.

Ë Erstlesen

Mit Hilfe von Bildern und zugehörigen Wörtern und Lauten wird die optische und akustische Differenzierung sowie die Lautsynthese geübt. Das Programm, das sich an Schüler der Lernbehindertenschule sowie Erstkläßler der Grundschule richtet, ist einsetzbar, wenn der Übende die Selbstlaute, die Mitlaute F L M R S und die Technik der Lautsynthese grundsätzlich beherrscht. In zehn Unterprogrammen werden sukzessive weitere Laute eingeübt.

Übersicht über trainierte Laute :

Unterprogramm 1 : Selbstlaute + F L M R S Unterprogramm 6 : NEU = W G

Unterprogramm 2 : NEU = N H Unterprogramm 7 : Wiederholung 5 und 6

Unterprogramm 3 : NEU = SCH B Unterprogramm 8 : NEU = T P Z

Unterprogramm 4 : Wiederholung 1 bis 3 Unterprogramm 9 : Wiederholung 6 und 8

Unterprogramm 5 : NEU = D K Unterprogramm 10 : Wiederholung aller Laute

Auch hier geht der Autor in ähnlicher Weise vor : Das Programm stützt, wiederholt, ergänzt und vertieft den Schulunterricht, indem es mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad und ständiger Wiederholungsmöglichkeit zur gewünschten Abstraktionsebene führt.

Wie werden Inhalte und Ziele umgesetzt ?

"Lernsoftware ist nur da sinnvoll einsetzbar, wo vom Lehrer bei der Installation und Programmauswahl keine EDV-technischen und didaktischen Spezialkenntnisse verlangt werden. Die Programme müssen so viele Hilfen mitliefern, daß selbst jüngere Schüler damit motiviert und selbständig arbeiten können." (Handbuch, S. 77)

Das Programm wurde inhaltlich und didaktisch von einem "Experten" entwickelt und – dank der hohen Nachfrage – kontinuierlich weiterbearbeitet.

Das Verhältnis zwischen Informationsvermittlung, tutoriellen Hilfen und Übungen ist ausgewogen. Mit Hilfe des Handbuches bzw. der Informationen, die man vor dem Programmstart aufrufen kann, besitzt man einen Überblick über alle erworbenen Programme, eine Inhaltsangabe zu den Übungen und Hinweise zu möglichen Hilfefunktionen.

Der didaktische Aufbau der Software, der sich an dem Prinzip "vom Leichten zum Schweren" orientiert (deduktives Vorgehen), ist in sich schlüssig und durch das Angebot einer Hilfefunktion jederzeit verständlich. Mittels einer Leistungsrückmeldung am Ende des Programms wird die Übung für den Lernenden abgerundet.

Die optische Darstellung von Übungsaufgaben kann bei einigen Programmen akustisch begleitet werden. Hervorzuheben ist die Sprachausgabe, die bei allen Lese-Rechtschreibprogrammen, die mit Bildern arbeiten, aktiviert werden kann. Hier werden Bildwörter, teilweise auch Silben und Laute akustisch ausgegeben. Gleiches gilt für einige Programme aus dem Bereich der Mathematik.

 

 

Die Umsetzung der Ziele und Inhalte auf einen Blick :

- Programmauswahl durch Gesamtmenü - Mengendarstellungen bei Matheprogrammen

- Programmende durch Normzeit (ca. 20 Minuten) - Bilddarstellungen bei Erstleseprogrammen

- Sound und Melodie - schriftliches Ergebnisprotokoll

- Sprachausgabe bei Erstleseprogrammen - Speicherung der Ergebnisse

- abrufbare oder automatische Hilfen bei Fehlern - Ausdruck von Kopiervorlagen

- vergrößerte Darstellung von Ziffern und Texten - behindertengerechte Bedienung

Welche technischen Hilfsmittel werden angeboten ?

Die Qualität – Geschwindigkeit und graphische Auflösung – des BUDENBERG-Programms ist auf einem 286er oder auf einem Computer der fünften Prozessorgeneration identisch.

Das erwähnte Handbuch ist kein notwendiges Hilfsmittel, da die Software selbst programmtechnische und didaktische Hilfen anbietet, die mit F1 nach dem Start aufgerufen werden können.

Zu den wesentlichen didaktischen Hilfen gehören Veranschaulichungen :

Beispielsweise werden in Erstlese- und Rechtschreibprogrammen die zu übenden Wörter als Bilder angezeigt. Wenn eine Sprachausgabe vorhanden ist, können diese Wörter zusätzlich akustisch ausgegeben werden.

Versuch einer Gesamtbewertung

Meine praktischen Erfahrungen mit dem Programm bestätigen die Intention des Autors : Schüler werden zum selbständigen und motivierten Lernen mit Hilfe des Computers angeregt. "Herr Meyer, gehen wir heute wieder an den Computer ?", schon oft wurde ich von Schülern auf diese Weise begrüßt. Obgleich die Lerninhalte des Programms mit denen im Unterricht nahezu identisch sind, vermag die BUDENBERG-SOFTWARE viele Schüler enorm zu motivieren.

Hierfür ist die gute didaktische Konzeption des Programms verantwortlich :

Der didaktischen Konzeption und dem die unterrichtlichen Inhalte und Problemstellungen ergänzenden und vertiefenden Einsatz ist es zu verdanken, daß das Programm ein Erreichen des angestrebten Zieles nahezu immer möglich macht.

Eine ergänzende Überprüfung der Lernziele durch den Lehrer ist nicht zuletzt aus folgendem Grund notwendig : Es besteht bei einigen Unterprogrammen die Möglichkeit, mit Hilfe des Ausschlußverfahrens zum Ziel zu gelangen. Einige Schüler bedienen sich dieser Möglichkeit des öfteren. Der Lehrer muß sich aus diesem Grund zusätzlich Zeit nehmen, um nicht Gefahr zu laufen, auf diesen Effekt hereinzufallen.

Insgesamt aber bewegt sich der Aufwand an sachlichen, personellen und zeitlichen Ressourcen in einem vertretbaren Rahmen. Der Einsatz des Programms hat sich bewährt, weil die Schüler m.E. stark motiviert mit der Software arbeiten und dadurch die wünschenswerte positive Verstärkung erfahren.

Betrachtet man sich die graphische Darstellung sowie die Belohnungs- und Fehlerdarstellungselemente, muß bei dem heutigen Stand der Technik Kritik geübt werden.

Im Zeitalter der Computerspiele, deren graphische Darstellungen beinahe an einen Videofilm heranreichen, erscheint die BUDENBERG-SOFTWARE m.E. etwas dürftig.

FAZIT

Die BUDENBERG-SOFTWARE bietet mit ihrem Gesamtpaket eine Vielzahl ergänzender Einsatzmöglichkeiten für den "normalen" Unterricht. Schülern wird mit Hilfe des Programms eine hervorragende Möglichkeit an die Hand gegeben, individuell bestimmte Thematiken zu bearbeiten.

Durch die einfache methodische und didaktische Handhabung des Programms werden selbst computerängstliche Lehrer und Eltern davon überzeugt, daß sich der Einsatz durchaus lohnen könnte.