Lernen
mit Multimedia
HS WS 98/99
Dozent: Prof. Dr. P. Diepold
Referentin: Tanja Berneburg
e-mail:
olgaburg@zedat.fu-berlin.de
Übersicht
1.2 Kurzbeschreibung
2.1 Anthropogene und soziokulturelle
Voraussetzungen
2.2 Intentionen
2.3 Thema des Programms
2.4 Methode
2.5 Medien
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Analyse und Bewertung der Software
Goethe in Weimar
1. Das Programm auf einen
Blick
Name: Goethe in Weimar
entwickelt von: MEDIALAB GmbH 1995
Verlag: Systhema GmbH
copyright:1998 by Systema GmbH
Preis: 29.90 DM
1.2 Kurzbeschreibung
Art des Programms: Multimediales Informationsprogramm, in dessen Mittelpunkt
eine virtuelle Reise durch die Welt J.W. Goethes steht
Benutzer: Schüler, Studenten und alle an Goethe und Weimar Interessierten
Einsatzort: Nachmittagsmarkt
Inhalt: Dargestellt wird Goethes Leben in Text, Bild und Kommentar.
Aus seinen Werken werden Auszüge aus Gedichten und Dramen sowie Zitate
präsentiert. Die Nutzer können das Weimar zur Zeit Goethes als
virtuelle Stadt in Ausschnitten erleben und desgleichen Goethes Haus virtuell
durchwandern. Das Programm bietet außerdem als touristischen Informationsservice
diverse Adressen für Weimarreisende an.
Systemvoraussetzungen:
Macintosh: ab System 7.0, 68040 Prozessor, 8 MB RAM, 256 Farben, 4-fach
CD-ROM-Laufwerk
Windows/TM PC: PC 486DX/66MHz oder Pentium, ab Windows 3.X oder 95,
8MByte RAM (16MB Pentium), SVGA Grafikkarte (256 Farben, 640x480), Soundkarte
optional, 4-fach CD-Rom-Laufwerk
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2. Didaktische Analyse
2.1 Anthropogene und sozialkulturelle Voraussetzungen
Es gibt kein Handbuch oder einen einführenden Kommentar zu der
Software, doch ist die Funktionsweise der Hauptmenüleiste so einfach,
daß generell jeder, der lesen kann und weiß, wie man eine Maus
bedient, das Programm bedienen kann.
Die Software spricht alle an, die sich für Goethe und Weimar interessieren.
Dennoch sind einfache literarische Grundkenntnisse beim Nutzer von Vorteil,
da Begriffe wie “Sturm und Drang“ vorausgesetzt werden und das Programm
keine Nachschlagemöglichkeit bietet.
Goethe in Weimar ist kein Lernprogramm, es ist vielmehr...
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2.2 Intentionen
...angepriesen als “Anspruchsvolle Unterhaltung und fundiertes
Wissen für Schule und Studium“. Die Software kann aber nur als Überblick
über das Thema Goethe und Weimar gesehen werden, denn inhaltlich reichen
die Informationen nicht als “fundiertes Wissen“ für Schüler und
Studenten aus.
Den Mittelpunkt der Software bildet die virtuelle Welt. Deshalb ist
das Programm mehr als "anspruchsvolle Unterhaltung" zu bezeichnen, was
dessen Nutzung als Infotainment auf dem Nachmittagsmarkt bestimmt und
gegen einen Einsatz im Unterricht spricht.
Der Anspruch der Hersteller dieser Software ist es, Wissen auf interessante
und faszinierende Weise zu präsentieren und Interesse nicht nur an
dem Dichter selbst, sondern vor allem an Goethes Weimar zu wecken.
Diesem Anspruch werden sie insofern gerecht, als daß die Virtuell
Reality-Technik einen neuen Einstieg in das Leben und Wirken Goethes bietet,
was einen ganz anderen Zugang zu den sonst eher trocken vermittelten Grundkenntnissen
über den Dichter und sein Leben ermöglicht.
Als Nutzer erhält man einen Einblick in Goethes Leben und Schaffen
und bekommt dank virtueller Technik einen anspruchsvollen, wenn auch speziellen
Vorgeschmack auf die Kulturstadt Weimar. Es entsteht das Bedürfnis,
nach dem virtuellen Weimar auch das echte Weimar einmal zu sehen.
Überhaupt scheint dies eine zentrale Intention der Hersteller
zu sein, denn ein Hauptkapitel besteht nur aus Fremdenverkehrsinformationen.
Der touristische Aspekt des Programms wird allerdings nicht auf der Packung
vom Hersteller erwähnt. Damit geht eine wichtige Zielgruppe als Käufer
verloren.
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2.3 Thema des Programms
Das Programm besteht aus 5 Kapiteln:
1) Goethes Leben:
Zehn Unterkapitel halten das Leben des Dichters in seinen wichtigsten
Stationen fest. Jedes Unterkapitel hat zwischen ein bis vier Jahresstationen,
in denen mit Texten, Bildern und teilweise akustischen Kommentaren, die
vom Dichter selbst stammen, Wissen über Goethes Leben vermittelt wird.
Die gegebenen Informationen gehen nicht über Goethes spezifische Daten
hinaus, d.h., der Nutzer kann sich mit der Software nicht über
für Literatur selbstverständliche Begriffe wie z.B. "Sturm
und Drang" informieren. Auch werden im Text erwähnte Namen anderer
Persönlichkeiten an keiner Stelle näher benannt oder erklärt.
2) Goethes Schriften:
Gezeigt werden hier Ausschnitte aus drei Romanen und vier Dramen. Diese
sind mit Inhaltsangabe und Entstehungsgeschichte dargestellt und werden
jeweils von einer Lesung beziehungsweise einem kurzen Videofilm ergänzt.
Ein Kapitel enthält Zitate zu Themen wie z.B. Alter, Freundschaft,
Leben, Liebe. Ein weiteres Kapitel gibt zu 13 Gedichten Erläuterungen
über Versmaß und Entstehungsgeschichte.
Ein bibliographisches Verzeichnis hat unter verschiedenen Schlagwörtern
diverse Autoren zum Thema aufgelistet.
Leider gibt es kein Gesamtverzeichnis aller Werke Goethes. Die Auswahl
der hier präsentierten Werke entspricht etwa deren Bekanntheitsgrad.
3) Goethes Haus:
Virtual Reality-Technik ermöglicht es dem Nutzer, sich entweder
von Goethe durch das Haus führen zu lassen, wobei der "Besucher" allerhand
Informationen erhält, oder aber interaktiv, auf eigene Faust, durch
das Haus zu "wandeln", und dabei wichtige Sehenswürdigkeiten selbst
zu entdecken.
4) Goethe in Weimar:
In diesem Kapitel bietet sich die Möglichkeit, verschiedene Orte
Weimars zu erkunden: den Theaterplatz, den Herderplatz, den Marktplatz,
die Schillerstraße, den Frauenplan, den Platz der Demokratie und
das Schloß zu Weimar. Jeder Nutzer bestimmt seine individuelle
Tour durch das klassische Weimar.
Dies ist nicht so ausführlich möglich wie im Goethehaus .
Die virtuellen Orte werden mit Text und Kommentar ergänzt, und die
gebotenen Informationen entsprechen in etwa denen einer Stadtführung.
Neben den genannten Sehenswürdigkeiten gibt es noch die Möglichkeit
den Wegweiser zum Park anzuklicken, der eine neue Karte mit dem Tempelherrenhaus,
dem römischen Haus und Goethes Gartenhaus eröffnet.
5) Information:
Der Titel dieses Kapitels ist zweideutig, denn es liefert weder Informationen
zur Bedienung noch nähere Erläuterungen zum Inhalt der Software.
Dieses Kapitel enthält neben dem Impressum und den touristischen
Informationen von A bis Z im Kapitel Weimar nur noch das Kapitel Weimar
Hilton. Hier wird der Nutzer nach einer virtuellen Anfangssequenz (das
Foyer des Hotels) ansonsten weniger multimedial über den Service und
die Leistungen des Hilton Hotels in Weimar informiert.
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2.4 Methode
Auf dem Hauptmenü befinden sich sieben Objekte: ein Bild Goethes,
das Haus Goethes, ein aufgeschlagenes Buch, eine Papierrolle, ein Schild
und eine Büste des Dichters. Diese werden akustisch und optisch unterlegt,
sobald der Mauspfeil sie berührt. Gleichzeitig zeigt ein Schriftbanner
die Überschrift des jeweils dahinter liegenden Kapitels an.
Ungewohnt ist anfangs die Tatsache, daß der Mauspfeil im Gegensatz
zu anderen multimedialen Programmen und zum Netz seine Gestalt nicht verändert,
wenn ein Gegenstand oder Wort einen Link bieten.
Fünf der Objekte bezeichnen die fünf Hauptkapitel des Programms.
Die Goethebüste in der Mitte des Bildschirms ist nur Dekoration, und
ein Klicken auf das Schild mit der Aufschrift "Salve" eröffnet einem
die Möglichkeit, das Programm zu beenden.
Die Kapitel sind untereinander nicht vernetzt, weshalb sie abgeschlossen
und für sich im Programm stehen, das als Ganzes somit den Eindruck
von Linearität vermittelt.
Es wäre z.B. sehr sinnvoll im Kapitel "Goethes Leben" bei der
Erwähnung des Dramas "Die Leiden des jungen Werther" darauf
hinzuweisen (noch besser: Link), daß im Kapitel "Goethes Werke" auf
dieses Stück näher eingegangen wird und sogar eine kleine Videosequenz
zu sehen ist.
Jedes Kapitel führt nur wieder zurück zum Hauptmenü.
Auf diese Weise kann man sich aber auch nicht im Programm verirren, alles
bleibt schön übersichtlich.
Eine waagerechte Leiste mit verschiedenen Zahnrädern ist die einzige
Möglichkeit, sich in Goethes Lebenslauf voran- bzw. zurück zuklicken.
Diese Art des Manövrierens ist schwierig und ungenau weil man nicht
weiß, ob man nicht eine Station übersprungen hat, denn die Abstände
der Jahresintervalle variieren von Unterkapitel zu Unterkapitel.
Desweiteren gibt es keine Gesamtübersicht in diesem Kapitel. Für
eine gezielte Suche nach Informationen wäre das sehr vorteilhaft,
denn so ist die Suche nach einem Begriff wie "Klassik" nur möglich,
wenn man diesem eine ungefähre Jahreszahl zuordnen kann oder
aber den ganzen Lebenslauf danach durchsucht.
Ein Glossar mit weiterführenden Informationen aller wichtigen
Namen und Begriffe böte dem Nutzer eine interne Nachschlagemöglichkeit,
die allgemeineres Wissen vermitteln, bzw. vertiefen könnte.
Das Informationskapitel "Weimar von A bis Z" ist in keiner Weise multimedial
aufbereitet. Verschiedene Icons bilden Unterkapitel, in denen Adressen
aufgelistet sind. Dabei handelt es sich nur um Text. Es gibt weder Animationen
noch Links noch Bilder. Dieses Kapitel entspricht dem Niveau eines billigen
Reisekurzführers, der höchstwahrscheinlich nicht mal mehr aktuell
ist.
Die Virtuell Reality-Technik bietet eine interessante Beschäftigung
mit dem Thema Goethe und Weimar.
Das Manövrieren ist einfach: Die Bedienungsweise der Maus im virtuellen
Bild wird genau erklärt und es besteht immer die Möglichkeit,
auf die Erklärungsseite zurückzugehen.
Man kann alle Räume nacheinander abschreiten oder sich von einem
Ort zum anderen "beamen". Orientierungshilfe gibt dabei eine Kugel im Grundriß
auf der linken Bildschirmseite, die anzeigt, wo man sich gerade befindet.
Eine Zoomfunktion weist auf Objekte in den Räumen hin, die bei Anwahl
durch Text und Kommentar genauer beschrieben werden.
Die Führung durch Goethes Haus bietet als zweite Möglichkeit
zur interaktiven Tour eine angebrachte Alternative.
Das alles ist beeindruckend und kann einen sehr lange vor dem Bildschirm
fesseln.
Das Beenden der Software ist sehr leicht, wenn man den Teil einmal
als solchen entdeckt hat. Auch das "Blättern" bereitet keine Schwierigkeiten,
da man immer nur über das Hauptmenü gehen kann. Es gibt in dem
auch Sinne kein Vor-, sondern immer nur ein Zurückblättern.
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2.5 Medien
Keine weiteren Medien wurden in das Programm eingebunden, im Gegenteil:
zum Nachschlagen muß man auf traditionelle Medien wie die Literaturgeschichte
zurückgreifen. Interaktives Arbeiten ist ebenfalls nicht möglich:
es besteht weder die Möglichkeit, eigene Notitzen einzufügen,
noch Seiten aus dem Programm herauszukopieren.
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3. Versuch einer Gesamtbewertung
Das hier präsentierte Wissen über Goethe und Weimar entspricht
weniger einem "fundierten Wissen" für Schule und Studium als vielmehr
einen interessanten Einstieg in das Thema vor allem dank der virtuellen
Reise durch Weimar, die anspruchsvoll informiert und ein aktives Erkunden
des Nutzers voraussetzt.
Will man Goethe in Weimar als Lernsoftware nach dem Kriterienkatalog
der Erziehungswissenschaftler der Humbolduniversität einer bestimmten
Art
von Software zuordnen, so gehört das Programm zu den Multimedialen
Informationssystemen, da das angebotene Wissen nicht als Lernziel mit Lernüberprüfung
präsentiert wird, sondern der Benutzer selbst entscheidet, was, wieviel
und zu welchem Zweck er Informationen aufnimmt.
Die Art der Wissenspräsentation enthält kognitive und konstruktive
Elemente. Dank der selbstbestimmten Nutzung konstruiert sich der Benutzer
seinen eigenen Weg Informationen zu erlangen und bestimmt, wieviel von
dem gebotenem Wissen er erfahren möchte. Die Komplexität der
Nutzungsmöglichkeit ist allerdings aufgrund der fehlenden Vernetzung
der einzelnen Kapitel erheblich eingeschränkt.
Positiv auf die Darbietung von Informationen würde sich die Ergänzung
von Nachschlagemöglichkeiten wie z.B. einem Glossar ausmachen, denn
dann würde gezieltere Recherchemöglichkeit die Nutzungsmöglichkeit
der Software erheblich steigern.
Das Informationskapitel würde viel an Bedeutung gewinnen, wenn
es multimedial anspruchsvoller umgesetzt und auf der Packung als Touristeninformationsservice
vermerkt worden wäre. Hier wird eine Zielgruppe an Käufern ausgelassen,
die gerade z.Zt. große Relevanz hat, denn Weimar ist Kulturhauptstadt
Europas und diese Software könnte eine alternative Informationsquelle
für Weimar Interessierte darstellen. Aktualität wäre dabei
von großer Bedeutung. Diese ließe sich mit Onlineverweisen
zu den entsprechenden Stellen ins World Wide Web problemlos herstellen.
Hier böte sich die Möglichkeit, aktuell zu sein, Werbung
zu machen und Interesse zu wecken.
Generell würden Verweise ins Netz die Aktualität und die
Komplexität eines solchen Programms verbessern.
Der Preis von 29,90 DM ist dem Nutzen dieses Programmes angemessen,
und die Tatsache, daß der Systhema
Verlag CD-Rom Klassiker, die als Erstauflage ein kommerzieller Erfolg
waren, nach ein paar Jahren zu dem günstigen Preis von 29,90 DM wieder
auflegen, ist hier noch positiv zu vermerken, denn der Informationsgehalt
der CD-Roms bleibt und kann bei solchen klassischen Themen auch nicht an
Aktualität einbüßen.
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