Seminar "Rechtliche und ethische Probleme der Computernutzung" WS 1996/1997


Kryptologie und die neuen Medien

Inhalt

I. Einführung

II. Einige Grundbegriffe der Kryptologie

III. Warum Kryptographie im Internet?

IV. Die rechtliche Situation

V. Staatliche Kontrolle - Pro und Kontra

VI. Kryptologie in der Schule?

VII. Literatur

I. Einführung

Computer haben seit ihrer Erfindung in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts eine rasante Entwicklung genommen. Immer schneller und leistungsfähiger werdend, haben sie es geschafft, mehr und mehr in unser Leben Einzug zu halten, auf es Einfluß zu nehmen, ja es grundlegend zu verändern. Insbesondere in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren war diese Entwicklung sehr deutlich zu spüren.

Der enorme Boom des Internet, ausgelöst durch die Entwicklung des World Wide Web zu Beginn der neunziger Jahre, hat dazu geführt, daß unsere Welt immer vernetzter wird. Es gibt heute nur noch wenige Bereiche unserer Gesellschaft, die von dieser Entwicklung nicht oder kaum betroffen sind. Nicht nur, daß mehr und mehr Haushalte über einen Computer verfügen, auch die Zahl der an das Internet angeschlossenen Rechner wächst ständig an.

Innerhalb weniger Jahre sind wir dazu übergegangen, den Computer nicht mehr nur als hilfreichen Rechenknecht oder als Spielkonsole zu benutzen, sondern nunmehr als neues Medium der Kommunikation. Eine eigene Email-Adresse zu besitzen, war vor wenigen Jahren noch ausschließlich Firmen- oder Universitätsangehörigen vorbehalten. Heute wird man oft schon verwundert angesehen, wenn man keine vorweisen kann. Aber neben der weithin bekannten Email gibt es noch viele weitere Kommunikationsmöglichkeiten, die das Internet bietet, und die von mehr und mehr Menschen in aller Welt genutzt werden. Man diskutiert in Newsgruppen über verschiedenste Themen. Der IRC (Internet Relay Chat) bietet ebenfalls die Möglichkeit, miteinander zu diskutieren, jedoch in Echtzeit. Via FTP (File Transfer Protocol) werden Dateien zwischen Rechnern übertragen. Internetradio ist längst Realität.

Aber auch die Geschäftswelt hat das Internet für sich entdeckt. Da werden Videokonferenzen über das Internet abgehalten. Zweigstellen und -betriebe werden über das Internet miteinander verbunden. Die Zahl der Online-Shops nimmt täglich zu. Banken bieten ihren Kunden vermehrt die Möglichkeit, ihre Bankgeschäfte über das Internet zu erledigen. Internet-Banking heißt hier das Schlagwort. Es ist gerade dabei, das herkömmliche Telefon- oder Online-Banking abzulösen, bietet es dem Benutzer doch die Möglichkeit, seine Bank bzw. sein Konto von jedem beliebigen Ort in der Welt zu erreichen (vorausgesetzt, man verfügt über einen Computer mit Internetzugang). Und nicht zuletzt ist zu bemerken, daß eine Firma ohne eigenen Webserver im Internet heute kaum noch zu finden sein dürfte, informiert doch schon der Zahnarzt um die Ecke aktuell über seine neuen Sprechzeiten im Internet.

Der Computer in Verbindung mit dem Internet hat sich also zu dem Kommunikationsmedium des ausgehenden 20. Jahrhunderts schlechthin entwickelt. Ja nicht nur der Computer! Selbst Fernseh- und Radiogeräte der neuen Generation haben heute die Fähigkeit, sich mit dem Internet zu verbinden. Und ein Ende dieser Entwicklung ist bei weitem nicht abzusehen. Nahezu jede Technikmesse wartet mit neuen Entwicklungen auf.

Doch obwohl mehr und mehr Menschen diese schon fast verwirrende Vielzahl von neuen Möglichkeiten nutzen, wissen nur vergleichsweise wenige Detailliertes über die technischen Hintergründe. Noch weniger kann man davon ausgehen, daß jedem, der die neuen Kommunikationsmittel und -wege nutzt, die damit verbundene Problematik bewußt ist. Gerade über die Frage nach der sicheren Datenübertragung machen sich die wenigsten Menschen wirklich Gedanken. Allerdings ist es für den Laien auch nicht ganz einfach, diese Problematik zu erkennen und sich damit zu befassen, da dafür doch ein gewisses Verständnis der technischen Grundlagen erforderlich ist. Die Berichte und Beiträge, die in den einschlägigen Printmedien sowie in Radio und Fernsehen zu finden sind, kann man dabei jedoch kaum als hilfreich betrachten, beschränken sie sich doch entweder auf die Kriminalisierung des Internet oder aber auf die Anpreisung der überwältigenden neuen Möglichkeiten.

Aus diesem Grunde widmet sich die vorliegende Publikation dieser wichtigen Thematik mit dem Ziel, das Augenmerk auf die Probleme und Konsequenzen der Nutzung der neuen Kommunikationsmittel zu richten. Es soll darum gehen, den mit dieser Thematik noch nicht so vertrauten Leser in die Lage zu versetzen, sich einen Überblick zu verschaffen und sich damit auseinanderzusetzen. Sie soll helfen, den bewußten Umgang mit dem Internet und seinen vielfältigen Möglichkeiten zu fördern. Unter diesem Aspekt wird natürlich auch auf die aktuelle Diskussion zu diesem Thema eingegangen. Es wird natürlich nicht möglich sein, jeden Aspekt bis in das letzte Detail zu verfolgen und zu erläutern. Die zahlreichen Verweise auf weiterführende Literatur, insbesondere auch im Netz verfügbare, sollen dem Leser jedoch helfen, sich je nach Interesse selbständig in die eine oder andere Unterthematik zu vertiefen.

Diese Publikation entstand als Seminararbeit im Rahmen des Seminars "Rechtliche und ethische Probleme der Computernutzung", das von Prof. Dr. Peter Diepold von der Philosophischen Fakultät IV der Humboldt-Universität zu Berlin, Abteilung Pädagogik und Informatik, geleitet wurde.

Die Arbeit gliedert sich in sechs Teile. Abschnitt I ist diese Einführung. Abschnitt II stellt "Einige Grundbegriffe der Kryptologie" klar, die man kennen muß, will man sich mit der Thematik "Kryptologie und Datenschutz" auseinandersetzen. Dabei wird jedoch besonderer Wert darauf gelegt, allgemeinverständlich zu bleiben.

In Abschnitt III "Warum Kryptologie im Internet" wird der Frage nachgegangen, warum es überhaupt sinnvoll sein könnte, Mittel und Methoden der Kryptologie in der Internetkommunikation einzusetzen. Dabei soll der Leser mit einigen Problemen, die auftreten können, vertraut gemacht werden.

In Abschnitt IV "Rechtliche Situation" geht es um die gegenwärtige rechtliche Situation. Hier kann sicherlich keine alles erschöpfende Darstellung gegeben werden, da erstens der Autor selbst kein Jurist ist, und zweitens dies den Rahmen der vorliegenden Arbeit bei weitem sprengen würde.

Abschnitt V "Staatliche Kontrolle - Pro und Kontra" setzt sich mit der Problematik auseinander, die das Eingreifen des Staates und seiner Institutionen in die Internetkommmunikation betrifft.

Der abschließende Abschnitt VI "Kryptologie und Datenschutz in der Schule" versucht, Konsequenzen der aktuellen Diskussion dieser Thematik für die Schule zu untersuchen. Beispielsweise stellt sich ja die Frage, inwieweit die Schule als Bildungseinrichtung an dieser Diskussion teilnehmen sollte und wie sie die Jugendlichen auf die neue Situation, die durch die neuen Medien stark veränderte Gesellschaft und die damit verbundenen Konsequenzen vorbereiten sollte.


Alexander Glintschert, 1998 May 13