Seminar "Rechtliche und ethische Probleme der Computernutzung" WS 1996/1997
InhaltII. Einige Grundbegriffe der Kryptologie III. Warum Kryptographie im Internet? V. Staatliche Kontrolle - Pro und Kontra VI. Kryptologie in der Schule? |
VI. Kryptologie in der Schule?In den vorangegangenen Abschnitten wurde bereits mehrfach auf die bedeutende Rolle hingewiesen, die die neuen Medien in der Gesellschaft und ihrer Entwicklung in den vergangenen und in den kommenden Jahren spielten bzw. spielen werden. Da sie mehr und mehr Teil des gesellschaftlichen Lebens werden und mittlerweile kaum noch jemand darum herumkommt, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, ist es sicher nicht falsch zu behaupten, daß es von immenser Wichtigkeit ist, daß auch das Bildungswesen diese neuen Medien nicht nur akzeptiert, sondern auch nutzt und einbezieht. An den Universitäten und Fachhochschulen ist das bereits seit längerem Realität, auch wenn hier sicher da und dort noch Nachholbedarf besteht. Es gibt zahlreiche Hochschulen, die Informatikstudien anbieten. Gerade die Hochschulen waren diejenigen, die bereits vor der Erfindung des WWW und dem darauf folgenden großen Ansturm auf dieses Medium das Internet nutzten. Bedeutende Entwicklungen in diesem Bereich gingen (weltweit) von Hochschulen aus, war doch das Internet lange Zeit vorrangig ein Wissenschaftsnetz, in dem Wissenschaftler und Studenten über ihre Forschungen diskutierten, Ergebnisse austauschten und miteinander kommunizierten. Das Internet als Kommunikationsmittel und Informationsquelle ist in diesem Bereich nichts Neues. Doch mit der sprunghaft angestiegenen Bedeutung des Internet dringt es auch mehr und mehr in Bereiche vor, die nicht von vornherein mit Informationsverarbeitung oder Computern zu tun haben, entwickelt es sich doch mehr und mehr zu dem Informations- und Kommunikationsmedium schlechthin. Dieser wachsenden Bedeutung, dem Einzug der neuen Medien in den Alltag der Menschen muß natürlich auch die Ausbildung, angefangen in der Schule, Rechnung tragen. Und in zunehmendem Maße geschieht das auch. Angefangen von Initiativen wie "Schulen ans Netz" und "Schulweb" bis hin zum Deutschen Bildungsserver gibt es zahlreiche Bestrebungen, deutsche Schulen an das Internet anzuschließen, es ihnen nahezubringen und damit Schülern und Lehrern die Möglichkeit zu geben, das neue Medium zu nutzen. Zum einen ist es natürlich wichtig, daß Kinder und Jugendliche mit diesen Medien aufwachsen, um in einer Gesellschaft, die mehr und mehr auf diese Medien setzt, zurechtzukommen. Es ist bedeutsam, daß sie lernen, mit diesen Medien umzugehen, und damit ist insbesondere gemeint, angesichts der Fülle von zur Verfügung stehenden Informationen nicht in der Informationsüberflutung zu versinken. Doch wenn es auf der einen Seite darum geht, das Internet als Kommunikationsmedium auch in den schulischen (und natürlich auch außerschulischen) Ausbildungsbereich einzubinden, so darf auf der anderen Seite die Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der neuen Medien nicht außen vor bleiben. Es kommt also nicht nur darauf an, im Informatikunterricht zu lernen, wie ein Computer funktioniert, oder aber allgemein das Internet als Medium, in dem man Informationen zu Hauf findet und über das man mit Menschen in aller Welt kommunizieren kann, zu begreifen. Von Wichtigkeit ist ebenso die Beschäftigung mit den Problemen, mit denen man sich bei der Nutzung dieses Mediums auseinandersetzen muß. Schülern einen Email-Zugang zu ermöglichen oder aber Zugriff auf das nahezu unerschöpfliche WWW zu geben, ist die eine Seite. Und sie ist auf jeden Fall notwendig, damit sie das Medium kennenlernen. Doch es muß ihnen auch vermittelt werden, was es bedeutet, "online" zu sein, welche Potentiale darin stecken, aber auch welche Risiken es birgt. Im Zusammenhang mit dem hier behandelten Thema ist das insbesondere die Frage der Datensicherheit. Diese Problematik sollte den Schülern bewußt gemacht werden. Viel zu viele Menschen nutzen heute das Internet, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verwenden, daß sie Spuren hinterlassen und unter Umständen wichtige und sensible Daten zugänglich machen, die Andere eigentlich nicht zu Gesicht bekommen sollten. Insbesondere angesichts der Tatsache, daß aufgrund von Unwissenheit bezüglich dieser Thematik oder aber auch politischem Desinteresse in der Bevölkerung mehr und mehr Grundrechte durch wachsende staatliche Kontrolle und Überwachung (siehe Abschnitt V) beschnitten werden, ohne daß das jemanden zu stören scheint, muß bereits bei den Jugendlichen das Bewußtsein für die Thematik geweckt werden. Und eine wichtige Rolle kommt dabei der Schule als zentraler Bildungseinrichtung, deren Aufgabe ja nicht nur die reine Wissensvermittlung sondern auch die "gesellschaftliche Bildung" ist, zu. Sicher geht es nicht darum, Methoden und Verfahren der Kryptographie bereits in der Schule zu behandeln. Das wäre aufgrund der fehlenden mathematischen Voraussetzungen auch gar nicht möglich. Doch die Fragen des Datenschutzes, der dafür notwendigen Maßnahmen (einschließlich der Verschlüsselung) und natürlich auch der aktuellen politischen Lage in Bezug auf diese Thematik müssen diskutiert werden, sofern man sich mit dem Internet und seinen Möglichkeiten auseinandersetzt. Und das muß bereits in der Schule beginnen, um bei den Jugendlichen einen bewußten Umgang mit diesem Medium zu bewirken. Hier konkret anzugeben, in welchem Rahmen und in welcher Form das ablaufen könnte, ist sehr schwer. Zumal ich selbst auch kein Pädagoge bin, sondern die Thematik "Kryptologie und die neuen Medien" eher aus der Sicht des Informatikers betrachtet habe. Allerdings glaube ich nicht, daß der Problematik der Datensicherheit in Netzen und des Schutzes gegen Datenmißbrauch dadurch gerecht zu werden ist, daß man sie innerhalb einer Unterrichtsstunde in irgendeiner Form abhandelt. Zumal es gerade wegen der aktuellen Diskussion über die Problematik "Verschlüsselung - ja oder nein" schwer, wenn nicht gar unmöglich sein dürfte, dazu eine eindeutige Aussage zu treffen. Aber diese Thematik auch an den Schulen beständig in der Diskussion zu halten, das könnte meiner Ansicht nach hier doch ein großes Stück weiterhelfen. Dazu beitragen könnten beispielsweise Projekte, die es den Schülern ermöglichen, sich mit diesen Fragen selbständig auseinanderzusetzen. Auch Diskussionen, die zu dieser Thematik in Newsgroups und/oder Mailing-Listen stattfinden, könnten hier einbezogen werden. Oder aber man tritt in Diskussion darüber mit Schülern und Lehrern an anderen Schulen. Das Internet ist voll von großartigen Möglichkeiten. Sie sollten auch für die Beschäftigung mit dieser Thematik genutzt werden. Die Forderung nach der Auseinandersetzung mit diesen Themen braucht jedoch nicht nur an die Schulen zu gehen. Auch an den Hochschulen ist ein erweiterte Diskussion darüber vonnöten. Bisher erscheint mir die Frage nach den Konsequenzen und gesellschaftlichen Auswirkungen der neuen Medien und insbesondere des Mediums Computer auch dort nur ungenügend betrachtet zu werden. |