Berlin, den 10.02.1999

Humbodlt-Universität zu Berlin

PHILOSOPHISCHE Fakultät IV

Erziehungswissenschaftliche Institute

HS: Lernen mit Multimedia

Dozent: Prof.Dr. Peter Diepold

Referent: Christian Mauguin

 

ANALYSE DER LERNSOFTWARE:

"Löwenzahn 2 - Geschichten aus Natur, Umwelt und Technik"

 

1. Das Programm auf einen Blick

 

Name: Löwenzahn 2 - Geschichten aus Natur, Umwelt und Technik

 

Autoren : Projektkoordination und interaktives Konzept: Katrin Hessing

Herausgeberinnen: Martina Arnold, ZDF; Margit Lenssen, ZDF

(http://www.ZDF/Löwenzahn.de)

Screendesign und Spielkonzepte: Kristina Steinert

Illustration: Klaus Fischer

Programmierung: Stefan Eichhorn

Video- und Tonproduktion: Christoph Gurland

Medienpädagogische Hinweise: Prof. Dr. Stefan Aufenanger

(http://www.Aufenanger.de)

Titelmusik: Michael Gajare

Soundproduktion: db media, Neuwied

Videodigitalisierung: Challenge TV, München

 

Verlag/Vertrieb/Produzent Terzio, Möllers & Bellinghausen GmbH & Co. Verlag KG

Schornstrasse 10

81669 München

(http://www.Terzio.de)

Preis: DM 49,95 ; ISBN 3-932992-31-8

 

Kurzbeschreibung

 

Benutzer: Kids ab 5 Jahre

 

Einsatzort: Kindergarten-, Schul- und Nachmittagsbereich

 

Art des Programms: Edutainment

 

Lernziele

Zum einen sollen Kinder schon rechtzeitig mit den neuen Medien vertraut gemacht werden, die nicht nur in ihrer heutigen Lebenswelt, sondern auch in ihrem späteren beruflichen Leben entscheidend sein werden. Zum anderen geht es auch darum, Medien beim Lernen einzusetzen, um Kindern neue Lernchancen zu ermöglichen. Zwar lernen Kinder heute schon recht früh den Umgang mit den neuen Medien, indem sie sich etwa mit Video- und Computerspielen beschäftigen. Damit werden aber nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Multimediale Lernanwendungen - wie sie etwa "Löwenzahn 2" darstellt - bieten durch ihr Zusammenführen von Texten, Bildern, Liedern, Spielen, Videos und Graphiken eine bessere Anschaulichkeit als die meisten vorfindbaren Schulbücher mit ihren vielen Texten. Außerdem ermöglichen die neuen Medien Kindern ein selbstbestimmtes Lernen, denn sie können sich unabhängig von den Erwachsenen Wissen aneignen.

Zudem soll der zeitlich begrenzte (empfohlen: nicht länger als zwei Stunden!) Computer- Einsatz Kreativität (Bastel-, Foto- und Malwettbewerb), Neugier (Experimente, Versuche), und Lernbereitschaft der Kinder fördern.

 

Inhalt

Multimediales Abenteuerprogramm mit Bastelbuch, Malbuch, Videosequenzen, Fotogalerie, Sortier-, Merk-, Quiz-,Geschicklichkeits- Spiele( Ballonparcours, Pillendreher,Sprudelwasser-Halma, Wolkenquiz, Reisekoffer, Am-Laufenden-Band-Spiel), Daten, Fakten, Experimente und Geschichten rund um die Themen Wasser , Erde und Luft.

Die Themen sind über sensitive Felder in Form von Gegenständen, Tieren und Naturgegebenheiten (z.B. Wolke) oder im Lexikon anzuwählen. Es erscheint Peter Lustig und man erhält immer Vorinformationen über das gewählte Thema. Danach erscheinen meist drei bis vier "Denkfelder", die das Thema erklären; darunter ist oftmals auch ein Spiel, das auch zum Thema paßt. Berührt der Lernende mit dem Mauszeiger(nimmt die Form einer Hand an!) die Denkfelder werden sprachliche Vorinformationen zum Inhalt des Denkfeldes gegeben.

 

Benötigter Zeitaufwand

Da es sich um ein selbstgesteuertes Lernen handeln soll, gibt es daher keinen definierten Zeitplan.

 

Systemvoraussetzungen

Multimedia-PC: Apple Macintosh:

486/66 MHz Prozessor oder schneller 68040 Prozessor oder Power Mac

16 MB RAM 16 MB RAM

Soundblaster 16 oder kompatible Soundkarte 800 x 600 Pixel bei 256 Farben

Grafikkarte: 800 x 600 Pixel bei 256 Farben 4x-speed CD-ROM Laufwerk

4x-speed CD-ROM Laufwerk System 7.0 oder höher

Windows 3.1x / WIN 95 und 98

Drucker wäre empfehlenswert!

 

 

2. Didaktische Analyse

 

2.1. Anthropogene Voraussetzungen:

Da sich Kinder schon rechtzeitig mit den neuen Medien und neuen Lernwegen vertraut machen sollen, ist gegen die Hersteller-Altersangabe (Kinder ab 5 Jahre) nichts einzuwenden.

Das maximale Anwendungsalter liegt bei ca. 8 Jahren (natürlich sind entsprechend der psychisch-motorischen Entwicklung altersmäßige Schwankungen zu berüchksichtigen!)

Für das Programm selbst braucht man keine gesonderten Computer- Kenntnisse, lediglich Übung im Umgang mit der "Maus" und bei der Erst-Installation.Grund: Um Videos von der CD-ROM anschauen zu können, benötigt man das "Quicktime für Windows"- Programm. Dieses spezielle Programm ist aber auf der CD-ROM integriert und auf Festplatte speicherbar und somit jederzeit abrufbar.(Kurzerläuterung im Handbuch)

Ansonsten: CD-ROM ins CD-ROM-Laufwerk und los geht es (Automechanismus).

 

2.2. Sozialkulturelle Voraussetzungen:

Die virtuelle Welt des Programms bietet eine sehr anschauliche und vor allem kindgemäße Darstellung. Dabei spielt der Wiedererkennungseffekt der gleichnamigen ZDF-Serie eine wichtige Rolle. Ausgangspunkt ist bei beiden Medien: Peter Lustigs Bauwagen.

Eine selbständige Bedienung sowohl Zuhause als auch in der (Vor-)Schule wäre wünschens- und empfehlenswert. Im Schulbereich kann dieses Programm sowohl für Einzel-, Partner- als auch für Gruppen-Projekte vernünftig eingesetzt werden. Die Versuchs- und Experimentier-Anleitungen sind für den Einstieg oder als Ergänzung in einzelne Themenbereiche gut geeignet.

 

Die Inhalte zu den Themen Natur, Umwelt und Technik sind kurz, aber realistisch. Sie sollen einen Einblick vermitteln und die Neugier und Phantasie anregen. Vor allem soll die Umgebung erforscht und die Aufmerksamkeit auch auf kleinste Vorgänge im Leben gelenkt werden.

Das mitgelieferte Handbuch enthält detaillierte Informationen über den Themenkreis : "Wasser hat viele Gesichter" - Experimente, Tricks und Infos sowie eine Tierbestimmungstafel mit "bekannten" Wassertierchen.

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2.3. Intentionen:

Da Peter Lustig von Anfang bis Ende erklärende Einweisungen vornimmt und auch konkrete Aufforderungen einstreut, erhalten die Lernenden erstens das Gefühl des "Nichtalleineseins"

und zweitens einen motivierenden "Neugierschub".

Außerdem: Die graphisch und musikalisch (akustische Effekte) gut unterstützte Dramaturgie des Programms bildet für die Kinder eine zusätzliche Motivation, sich sowohl mit dem Programm näher zu beschäftigen als auch um die Experimente und Bastelvorgaben selber zu bemühen, um den "Aha"-Effekt zu erleben.

 

So bietet das Programm die Möglichkeit, auf spielerische Weise z.B. durch gezielte Videosequenz-Anwahl, Malbuch-Aktivitäten oder das Lexikon eigenverantwortlich zu steuern und sich entsprechend Wissen aneignen.

Schwierigkeitsgradveränderungen sind nicht gegeben; lediglich beim Pillendreher-Spiel (langsam/schnell) und beim "Auf-laufenden-Band"-Spiel (Zeit/Bandgeschwindigkeitsstufe).

 

2.4. Thema:

Die Kinder sollen die Welt entdecken!

Im , am und um Peter Lustigs Bauwagen befinden sich viele Dinge (bewegte/ unbewegte Gegenstände), Tiere und naturbedingte Gegebenheiten, die es zu entdecken gilt. Dahinter verbergen sich nämlich Geschichten und Spiele.

Das Programm versucht die Kinder an "naturwissenschaftliche" Phänomene heranzuführen.

(Fragestellung ist hier: Was warum seit wann wie passiert?)

Neben diesen Natur-. Umwelt- und Technik- Themen, die im späteren Schulleben sicherlich eine große Rolle spielen werden, werden lesen, malen und basteln angeregt.

Die Kinder sollen schon früh mit lebenswichtigen Vorgängen konfrontiert, sensibilisiert und zu umweltgerechten Handeln "erzogen" (unbewußte Aufforderung!) werden.

Durch die Videosequenzen ist der Realitätsbezug durchgängig gegeben.

 

2.5. Methode:

Allgemeine Merkmale

 

Darbietung der Inhalte

 

 

Folgende Themen (51-seitiges Lexikon) präsentiert diese CD-ROM:

  1. Fliegen (Warum fliegen Flugzeuge?, Geschichte des Fliegens)
  2. Ballon (Bau, Funktionsweise, Geschichte, Auftrieb)
  3. Luft (Luftbestandteile, Atmosphäre, Luftdruck)
  4. Sonne (Wetter, Wolken, Wolkenkunde, Wind, Gewitter, Niederschlag)
  5. Wasserkreislauf ( Flußmündung, Täler, Bach)
  6. Wasser (Was-, Wo-, Wozu- Fragen, Aggregatzustand)
  7. Erde (Erdform, Erdinneres, Gestein, Vulkane)
  8. Regenwürmer (Fortbewegung, Funktion, Arten)
  9. Käfer (Totengräber, Pillendreher)

Programmaufbau

 

Bildschirmgestaltung

Benutzeroberfläche:

 

Textgestaltung:

 

Visualisierung:

 

Animation:

 

Antwortanalyse und Feedbackgestaltung

 

Multimedia-Merkmale:

 

3. Versuch einer Bewertung

 

Dieses Programm ist als Edutainment-Software einzustufen. Der Spagat zwischen Lernen und Unterhaltung ist gelungen.

Oberstes Ziel dieses Programms ist es, Kinder gezielt an den Computer heranzuführen und den Computer als Lernmedium kennenzulernen.

Obwohl das Programm die einzelnen TNU- Themen wissenschaftlich betrachtet nur "oberflächlich tangiert", kann dennoch davon ausgegangen werden, daß es (vor-) schultauglich ist; zumindest könnte es als Einführung in eine Thematik bzw. als Ergänzung in der Regelschule (Primarstufe) eingesetzt werden.

Dieses Programm wurde nämlich schon für einen TNU-Projektunttericht in einer 7. Klasse einer Lernbehindertenschule erfolgreich eingesetzt. Die Schüler, die abstraktionsvermindert, konzentrationsgeschwächt und inaktiv sind, wurden speziell gruppenthematisch eingeteilt und konnten ihr Lernpensum selbst einteilen und mußten nach 14 Tagen Ergebnisse vorlegen.

Schulinternes Ergebnis war: Die Schüler hatten deutlich mehr Kontakt untereinander, Lehrer wurden zu Ansprechpartnern hinsichtlich Materialbereitstellung und die Lernbereitschaft nahm zu. Die Kinder warten schon auf "Löwenzahn 3"!

Einzige pädagogische Maßnahme war, daß die Schüler den Computer täglich nur zwei Stunden unter Lehreraufsicht nutzen durften.

Eine Experten-Regel besagt, daß "die Zeit am Computer keinesfalls länger sein sollte als die für andere Freizeitaktivitäten wie Spielen, Lesen, Sport oder Musik.

Konkret zum Programm: Schaut man sich die verschiedenen Elemente dieses Programms näher an, kann man zwischen vorgegebenen Aufgaben und animierter Unterhaltung unterscheiden. Bei den vorgegebenen Aufgaben und in den Spielen werden die Gedächtnisfähigkeit, das Kombinationsvermögen, die Experimentierfähigkeit und das Problemlösungsvermögen von Kindern angesprochen.

Die Schwierigkeit bei Edutainment- Produkten ist eine gelungene, auf die altersgerechten Fähigkeiten von Kindern abgestimmte Kombination von Aufgaben zu finden, die sowohl in den thematischen Rahmen passen als auch für Kinder abwechslungsreich sind. Denn schließlich geht es hier um unterhaltsames Lernen: Das Ziel, Kinder durch die Spiele und vor allem durch die Experimente, an die Informationsvermittlung zu binden, für die Aufnahme von Informationen zu motivieren, wird von diesem Programm auf jeden Fall erreicht.

Zum Thema "Computer in der Kita" (von Prof. Dr. Stefan Aufenanger in diesem Programm unter den medienpädagogischen Hinweisen erläutert) möchte ich anmerken, daß es durchaus wünschenswert wäre, wenn sich Kita- Kinder schon sehr früh mit den Möglichkeiten eines Computers vertraut machen könnten. Oft wurden, auch aufgrund einseitig-übertriebener Pädagogenansichten (der Pädagoge als "Bewahrer" der Kinder vor medialen Einflüssen), die Tagesstätten als medienfreie Räume betrachtet. Zudem seien Kinder aus sozial schwachen Familien häufig vom Zugang zur Ware "Information" ausgeschlossen. Dem könnte die Tagesstätte (z.Zt. im Bezirk Reinickendorf: 2/3 aller Kitas mindestens ein Computer in einer Computerecke) mit einem vielfältigen Computerangebot schon früh entgegenwirken.

Ziel wird sein, daß die Kleinen heute so selbstverständlich mit dem Computer umgehen wie früher mit Legosteinen. Nur eins verstehen die Kleinen nicht - daß Papi oder Mami mit der Bedienungsanleitung so schwer klarkommt!

 

Aufgrund der Tatsache, daß die von Experten geforderten Kriterien für eine gutes pädagogisches Lernprogramm sowohl Umgang mit neuen Medien, Anregung der Kreativität, Förderung von Lernbereitschaft, Pflege sozialer Kontakte als auch Erhöhung der Gedächtnis-, Kombinations-, Experimentierfähigkeit und Zunahme des Problemlösungsvermögen erfüllt werden, erhält das Programm "Löwenzahn 2" das Urteil gut.

Mini- Einwände:1. Sollte sich der Spielanteil weiter erhöhen, fällt das Programm aus dem Edutainmentbereich heraus und wird zum Entertainment- Produkt. 2. Die Spielanforderungen

könnten schwierigkeitsstufig anspruchsvoller werden.

 

Gesamturteil: empfehlenswert

 

Wissenswertes über Löwenzahn als ZDF- Serie , die CD-ROM , den Terzio- Verlag oder über den Prof. Dr. Stefan Aufenanger unter : 1. http://www.ZDF/Löwenzahn/de.

2. http://www.Terzio.de

3. http://www.Aufenanger.de