Humboldt-Universität zu Berlin

HS: Lernen mit Multimedia

Dozent: Prof. Dr. P. Diepold

Referent: Sven Küttner

 

 

Beschreibung und Analyse des Aufbaustrategiespiels "Railroad Tycoon II"

 

1. Das Programm auf einen Blick

Name, Version:

Railroad Tycoon II (1998)

Autoren:

Top Pop Software / Take 2 Interaktive Software

Vertrieb:

Computerfachgeschäft

Preis:

ca. 80,- DM

Nutzungsbedingungen:

kommerzielle Software, Einzelplatzlizenz

Systemvoraussetzungen:

Windows 95/98, Windows NT oder besser

Pentium 133+

mind. 16MB RAM

4-fach CD-ROM

Grafikkarte u. Monitor sollten mind. Auflösung von 1024 x 768 unterstützen

MS DirectX 5.0+

130 MB freien Festplattenspeicher

 

Kurzbeschreibung

Benutzer:

ab Sek II (10 Jahre)

   

Einsatzort:

Heimbereich (Nachmittagsmarkt)

   

Art des Programms:

Wirtschaftssimulation, Aufbaustrategiespiel

   

Inhalt:

In Railroad Tycoon II wird der Spieler zum Manager einer Eisenbahngesellschaft. Er muß Bahnhöfe und transkontinentale Schienennetze errichten, Lokomotiven und Waggons anschaffen, Züge dirigieren, in die Infrastruktur der jeweiligen Länder eingreifen, Personen und Güter nach marktwirtschaftlichen Kriterien hin und her transportieren und dabei immer schneller und besser sein, als die wahlweise von Computer oder Mensch gesteuerte Konkurrenz.

   

Lernziele:

An den Spieler wird die Anforderung gestellt ein komplexes wirtschaftliches Gebilde profitabel gestalten und lenken zu können. Dies erfordert ein hohes Maß an Konzentration und vorausschauendem Planen sowie die Fähigkeit sich wechselseitig beeinflussende Strukturen zu erkennen und sinnvoll miteinander zu verknüpfen.

   

benötigter Zeitaufwand:

Einarbeitung in Handbuch und Bedienung des Programms: 1-2 Stunden

Spielen der einzelnen Szenarios: 2-5 Stunden

 

 

 

  1. Didaktische Analyse

 

Anthropogene und sozialkulturelle Voraussetzungen

Das Programm wendet sich sowohl an Jugendliche (ab 10 Jahre) als auch an Erwachsene, wobei sich aufgrund der thematischen Ansiedlung vermutlich eher männliche Nutzer angesprochen fühlen werden.

Die Menüführung im Programm ist durch die integrierte Onlinehilfe selbsterklärend, das Handbuch beschreibt ausführlich alle Details, einschließlich kurzer Informationen zur Geschichte der Eisenbahn, so daß Vorkenntnisse und spezielle Computerfertigkeiten nicht erforderlich sind.

Railroad Tycoon 2 ist aufgrund des benötigten Zeitaufwandes eindeutig für den Nachmittagsmarkt konzipiert und wendet sich somit vorzugsweise an Einzelspieler. Allerdings sollte eine Gruppenzusammenarbeit, sofern die technischen Voraussetzungen gegeben sind, innerhalb des Schulunterrichts möglich sein, denn aufgrund der Komplexität des Spiels empfiehlt es sich, mit mehreren zu spielen und einzelne Spielzüge miteinander zu beraten oder unterschiedliche Spielstrategien zu vergleichen.

 

Intentionen

Das Programm ist keine klassische Lernsoftware, vielmehr besteht sein Anliegen darin den Nutzer zu unterhalten. Allerdings wird dem Spieler durch den sehr komplexen Spielverlauf, ein hohes Maß an Konzentration, vorausschauendem Denken und Handeln sowie die Fähigkeit sich wechselseitig beeinflussende Strukturen zu erkennen und sinnvoll miteinander zu verknüpfen, abverlangt. In spielerischer Art und Weise, fast unbewußt erlangt man in Railroad Tycoon 2 Kenntnisse über ein vernetztes Wirtschaftsgebilde, wie es auch in unserer "realen" Welt abläuft. Sicherlich kann dies nicht 1:1 übertragen werden, aber in seinen Grundstrukturen lauft es so ähnlich ab.

Dem Spieler obliegt die Verantwortung über ein großes Wirtschaftsunternehmen und seine Entscheidungen beeinflussen dessen Erfolg oder Mißerfolg. Über die Qualität dieser Bemühungen erhält er ständig Rückmeldung in Form von eingeblendeten Grafiken, Tabellen oder Zeitungsmeldungen. Somit entwickelt

 

Thema

Zu Beginn des Spiels wird der NUTZER in eine Zeit zurück versetzt, wo die ersten Dampflokomotiven das Transportwesen revolutionierten und es in einem Zeitraum von wenigen Jahren möglich wurde, Personen und Frachtgüter mit relativ hoher Geschwindigkeit über große Entfernungen hinweg zu transportieren.

Der Spieler schlüpft in die Rolle eines hoffnungsvollen Jungunternehmers mit einem vorgegebenen Startkapital und soll dieses nun geschickt in den Aufbau einer eigenen Eisenbahngesellschaft stecken. Zu diesem Zweck muß er Bahnhöfe errichten, Schienen verlegen und Züge kaufen. Da das Spiel versucht sich an historische Vorgaben zu orientieren, stehen am Anfang nur wenige dampfbetriebene Zugmaschinen zur Verfügung, die im weiteren Spielverlauf durch Neuentwicklungen ergänzt oder abgelöst werden, bis hin zu elektrifizierten Hochgeschwindigkeitszügen. Insgesamt kann aus einem Sortiment von 60 Lokomotiven gewählt werden. Sobald die ersten zwei Bahnhöfe miteinander verbunden sind, werden Fahrpläne eingerichtet. Dabei muß auf unterschiedlichste Einflußgrößen, wie Angebot und Nachfrage, Streckenprofil und Unterhaltskosten der Fahrzeuge geachtet werden.

Die sich dann bald einstellenden Einnahmen aus Personen- und Güterverkehr werden zum Ausbau des Schienennetzes und Wartung des Fuhrparks benötigt, oder der Spieler erwirbt neue Bahnhofsgebäude, welche das Fahren mit der Eisenbahn für Kunden attraktiver gestalten sollen.

Aber der Spieler hat nicht nur die Aufgabe sein Unternehmen zu vergrößern, er ist auch permanent damit beschäftigt die Abfahrt- und Ankunftzeiten seiner Züge zu optimieren, um auf die wechselnden Bedingungen im Einzugsgebiet der Bahnstationen zu reagieren. Ebenso muß er sich um die Einstellung neuer Firmenberater oder die Sicherheit seiner Züge kümmern.

Neben Aufbauen und Planen steckt eine knallharte Wirtschaftssimulation in Railraod Tycoon 2. Das eigene Unternehmen wird ebenso wie die Eisenbahngesellschaften der bis zu 7 Computergegner an der Börse notiert. Dort wird man durch steigende und fallende Aktienkurse oder dem Engagement von Investoren darüber informiert, wie erfolgreich die eigene Firma beim Konkurrieren um die lukrativsten Strecken abschneidet. Durch Aktienkäufe und Fusionen erhält man eine weitere Möglichkeit, auf daß Spielgeschehen Einfluß zu nehmen.

Insgesamt bietet das Programm 12 Szenarien, die unterschiedliche Aufgaben bieten und an Schauplätzen in Asien, Afrika, Europa und Nordamerika angesiedelt sind. Alternativ kann auch eine 18 Missionen umfassende Kampagne gespielt werden, die einen Zeitraum von 1804-2000 umfaßt.

Ebenfalls ist eine Multiplayer-Option integriert, bei der bis zu 16 menschliche Spieler im Netzwerk oder Internet gemeinsam spielen können.

Wer dann immer noch nicht genug hat, dem wird die Möglichkeit geboten mit Hilfe des integrierten Karteneditors, neue Landschaften und Szenarien zu erstellen.

 

Methode und Medien

Railroad Tycoon 2 ist eine zeitgemäße Fortsetzung des Originals von Sid Meier aus dem Jahre 1990. Das Spiel präsentiert sich in einer schicken Grafik in der einzig möglichen Auflösung von 1024 mal 768 Pixel, wahlweise in 8–bit oder 16-bit Farbtiefe. Die Landschaften wurden mit liebe zum Detail gerendert, wirken allerdings ein wenig unbelebt, da außer den Zügen nichts weiter animiert wird.

Die Menüführung ist vorbildlich. Von der Hauptschnittstelle aus kommt man durch einen einfachen Mausklick auf die übersichtlich angeordneten Icons in alle benötigten Untermenüs. Durch Anklicken eines beliebigen Punktes auf der Karte öffnet man ein Informationsfenster, welches eine nähere Erläuterung zu der gewählten Region enthält. Für den geübten Spieler wird dadurch das sehr umfangreich gestaltete Handbuch beinahe überflüssig. Neben der Spielbeschreibung befinden sich dort zahlreiche Daten und Fakten zu historischen Ereignissen und bekannten Persönlichkeiten in der Geschichte der Bahn.

Kurze Videosequenzen zu Beginn eines jeden Szenarios sollen den Spieler auf die Handlung einstimmen.

Der Schwierigkeitsgrad ist über mehre Stufen einstellbar, so daß Anfänger, Fortgeschrittene und Profis gleichermaßen gefordert werden. Somit kann jeder selbst festlegen wie stark er sich in die Thematik einarbeiten möchte.

 

Versuch einer Gesamtbewertung

 

Railroad Tycoon 2 ist ausgesprochen vielfältig und abwechslungsreich, hat man sich erst einmal eingearbeitet, macht es enorm viel Spaß, das nicht zuletzt durch die leichte Bedienbarkeit garantiert wird. Dem Spieler stehen eine Menge an Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten zur Verfügung, mit denen er in der Lage ist ein komplexes wirtschaftliches System zu steuern, das sich relativ nah an der Wirklichkeit orientiert. Die Herausforderung ein gesamtes Eisenbahnimperium zu leiten, vom Verlegen der Schienen bis hin zum Spekulieren mit Aktien an der Börse, verleiht dem Programm Spieltiefe und Langzeitmotivation und läßt so manchen Wunschtraum aus Kindertagen - einmal Lokomotivführer zu sein - etwas wirklicher werden.

Doch es sind auch ein paar kritische Anmerkungen bezüglich der Präsentation zu nennen: so fällt es mitunter schwer bei einem groß ausgebauten Schienennetz stets den Überblick zu behalten, zudem vermißt man menschliches Leben auf den Landkarten, was die Grafik ein wenig steril aussehen läßt.

Alles in allem ist Railroad Tycoon 2 eine spannende und sehr empfehlenswerte Wirtschaftssimulation.