Eine kurze Geschichte des Internet
Datensicherheit war das ursprüngliche Anliegen bei der Entwicklung des Internet. Mit Datensicherheit war dabei allerdings die Sicherheit gemeint, daß relevante - zunächst nur militärische - Daten auch ihr Ziel erreichten.
Als "Vorläufer" des Internet/WWW wird im allgemeinen ARPANet (Advanced Research Projects Agency Network, also in etwa: (Computer-) Netz der Dienststelle für fortgeschrittene Forschungsprojekte) zitiert. Das war ein Versuch des amerikanischen Verteidigungsministeriums in den 60er Jahren, mit dem eine Verbindung zwischen Rechnern geschaffen werden sollte, die sich selbst durch einen atomaren Angriff nicht unterbrechen läßt. Meines Wissens bereits damals entstand eine Art der Datenübertragung, die jetzt noch typisch für das Internet ist: Dateien werden in sogenannte "Pakete" zerlegt. Jedes Paket eine Art "Briefkopf", in dem u.a. steht, wieviel Pakete insgesamt unterwegs sind und an welcher Stelle im der gesamten Datei dieses spezielle Paket steht. Die Pakete werden losgeschickt und "suchen" sich ihren Weg durchs Internet. Dabei passieren sie die "Router", also Rechner, die als Vermittlungs- und Weiterleitungsstelle dienen. Wenn die Verbindung zwischen zwei Rechnern unterbrochen ist, leitet der Router das Datenpaket um auf andere Rechner, die noch Verbindung haben (heutzutage hat das weniger was mit Atomangriffen zu tun als mit überlasteten Telephonleitungen). Im Zielrechner werden die einzelnen Pakete wieder zu einer Datei zusammengesetzt. Diese Technik wurde später auch für zivile Nutzung freigegeben und war vor allem für den schnellen Datenaustausch zwischen Wissenschaftlern interessant.
Allerdings war das Verfahren zunächst noch etwas umständlich: Ein Standard zur Datenübertragung war beispielsweise Gopher. Gopher zeigte zwar auch Internetseiten. Es ließ sich aber nicht, wie heute üblich, mit einem Hyperlink auf beliebige Dokumente verweisen, sondern die Gopher-Dienste waren hierarchisch geordnet. Es gab also eine "Hauptebene" mit vielen Unterverzeichnissen; um das Unterverzeichnis zu wechseln, mußte man jeweils den Umweg über die Hauptebene machen. Gopher- Dienste existieren z.T. heute noch, sind aber zeitraubend und langweilig.
Erst Anfang der 90er suchte dann ein Wissenschaftler, Tim Berners-Lee vom CERN (ein physikalisches Forschungsinstitut in der Schweiz) eine Methode, wissenschaftliche Arbeiten in übersichtlicher Form in einem Datennetz zu übertragen und dabei auf Referenzlitatur verweisen zu können, ohne die jedesmal mit abtippen zu müssen. Dazu erfand er HTML, die H-yper t- ext M- arkup L- anguage und das dazugehörige Datenübertragungsprotokoll http (h- yper t- ext t- ransfer p- rotokoll). Die Erfindung von HTML gilt als Geburtsstunde des World Wide Web, dem heute populärsten Teil des Internet..
HTML ist keine Programmiersprache, sondern eine Dokumentenbeschreibungssprache, d.h. ein Satz von Formatierungsbefehlen für ein (Bildschirm-) Textverarbeitungsprogramm, den sogenannten "Browser" (Der erste Browser für graphische Oberflächen, "Mosaic", wurde von Marc Andreesen programmiert, dem späteren Gründer der Firma Netscape). HTML kann keine Aktionen auf dem Rechner auslösen, der Internetseiten empfängt.
Namensstiftendes Hauptmerkmal für HTML waren der Hypertext, also die sog. "Hyperlinks".
Ein Hyperlink ist ein Verweis auf ein anderes Dokument in einem Datennetz, daß sich, über diesen Link, durch einen Mausklick aufrufen läßt.
Der Aufruf erfolgt über die sogenannte URL, den U-niform R- esource L-ocator (auf "deutsch" sagt man Internetadresse). "Uniform", weil alle Adressen gleich aufgebaut sind; die "Ressource" ist die jeweilige Internetseite, und Locator heißt es, weil es den Ort angibt.
Außer Hyperlinks umfaßte HTML ursprünglich nur Hervorhebungen (etwa fett/kursiv), Tabellen und Listen, und die Möglichkeit, Bilder einzubinden.
Als sich die Wirtschaft der kommerziellen Möglichkeit des Internet bewußt wurde, empfand sie das sehr spartanische - und vor allem statische - Seitenlayout nicht mehr als ausreichend. Es entstand das "Dynamic HTML", das zusätzliche, bewegliche und flexible Gestaltung ermöglichte; außerdem entstanden Programmier- und Scriptsprachen, mit denen sich interaktive Elemente einbinden lassen.
Obwohl sich über diese fortgeschrittenen Programmiertechniken durchaus sinnvolle Anwendungen realisieren lassen (z.B. Einbindung von Datenbanken in Internetseiten) haben sie sich inzwischen zum Ärgernis entwickelt. Im allgemeinen werden sie genutzt, um kommerziellen Seiten optischen Glanz zu verleihen. Der Preis dafür sind längere Übertragungszeiten, und damit mehr Telephongebühren. Außerdem erfordert die Ausführung etwa von Javaprogrammen soviel Rechenleistung vom Empfänger, daß selbst gut ausgestattete Computer gelegentlich zum "Absturz" gebracht werden.
Ein anderes Problem ist die Standardisierung. Nachdem sich HTML ausbreitete, wurde es von Dan Conolly an die SGML-Normen angepaßt. Bald darauf gründete sich das W3-Consortium, ein Zusammenschluß von Forschungsinstituten und kommerziellen Firmen, die verbindliche HTML-Standards festlegen wollten. Ihre Anstrengungen werden dabei hauptsächlich von den Firmen Netscape und Microsoft untergraben, die sich den größten Teil des Browser-Marktes teilen: Um dem jeweils anderen Marktanteile abzunehmen, implementieren sie ‚proprietäre' Elemente in ihre Browser, also Elemente, die vom Konkurrenzprodukt nicht angezeigt werden. Allerdings werden beide Browser von ihren Herstellern verschenkt; Netscape möchte sich, nach seiner Beinahe-Pleite, eine Plattform für Internethilfsprogramme (plug-ins) schaffen, während Microsoft sein Quasi-Monopol für Betriebs- und Officesoftware nun auch auf Internetanwendungen ausdehnen will.
Wofern die Telephonleitungen mitspielen, ist die Sicherheit der Übertragung von Daten jetzt gewährleistet. Mit der zunehmenden kommerziellen Nutzung des Internet, und mit der Möglichkeit, "zerstörerische" Programme über das Internet auf andere Rechner zu übertragen, werden nun andere Aspekte der Datensicherheit relevant. Finanzielle Transaktionen sollen getätigt und geheime Firmendaten "abhörsicher" über das Internet verschickt werden; Computer müssen sicher sein vor Viren und ähnlichen schädlichen Programmen.
Mit der Einbindung von ausführbaren Programmen in Internetseiten ergab sich ein neues Problem: Mittlerweile ist es möglich - beispielsweise mit Microsofts ActiveX-Technology - Aktionen auf dem empfangenden Rechner zu starten. So können auf der Festplatte gespeicherte Daten ausgelesen und unbemerkt an Fremde verschickt werden; es lassen sich aber auch Dateien zerstören oder gar ganze Laufwerke formatieren und damit löschen.
Ein wirksames Gegenmittel gibt es bislang nicht. Deswegen können ActiveX- oder Java-Programme zertifiziert werden. Das heißt, die Herstellerfirma oder ein neutraler Dritter verleiht dem Programm eine Art "Siegel" das bestätigen soll, daß das jeweilige Programm keine schädlichen Aktionen verursacht. Zumindest der Microsoft-Browser besitzt einen Mechanismus, der zertifizierte und nicht-zertifizierte Programme unterscheidet. Die Zertifizierung bietet allerdings verhältnismäßig geringen Schutz. Am sichersten ist es immer noch, die Unterstützung des Browsers für ausführbare Programme ganz auszuschalten.
Von ARPANet zu WWW - we`ve come a long way, und die Geschichte des Internet wird täglich neu geschrieben. Das Internet ist so sehr zum Mythos geworden, daß ich nicht einmal die vollständige Richtigkeit des oben Gesagten garantieren kann; je nach Computerzeitschrift/Website kursieren verschiedene Versionen seiner Entstehungsgeschichte.
Über den ganzen Wind, der um das Internet gemacht wird, gerät oft in Vergessenheit, daß es sich dabei um eine ausgesprochen elitäre Technik handelt. Laut Computermagazin c`t gab es 1998 weltweit rund ca. 50 Millionen Internetnutzer1 (c`t 6/98, Seite 303). Etwa zehnmal soviel Menschen auf der Erde haben nicht einmal genug zu Essen.