Humboldt-Universität zu Berlin

Institut für Informatik und Pädagogik

HS Lernen mit Multimedia WS 98/99

Prof. Dr. Diepold

Referent: Lars Teichmann

 

Analyse und Bewertung des Städte-Simulators "SimCity 2000" (DOS-Vers. (´93))

1. Das Programm auf einen Blick

Name/Version: SimCity 2000 (DOS-Version -1993 , deutsch)

Herausgeber: Maxis Corp. London

erhältlich: Computer- und Medienfachhandel

Preis: 29,95 DM (SATURN 25.01.99) (CD-ROM-Version!)

Zeitbedarf: mind. 2h

Alter: ab 10 Jahren (Sek I)

2. Programmidee

SimCity macht den Computerbenutzer in spielerischer Form zum Planer, Ingenieur und Bürger-meister einer unbegrenzten Anzahl von Städten. Der Programmnutzer hat die Möglichkeit, sich entweder für eine bereits als Szenarium mitgelieferte Stadt zu entscheiden und diese zu übernehmen oder eigene Städte vom ersten Spatenstich an aufzubauen. Eine solche Stadt wird von sogenannten Sims (simulierte Einwohner) bewohnt. Ziel ist es, mit Hilfe der von den erhobenen Steuern gefüllten Stadtkasse, die Stadt möglichst attraktiv für die Sims zu gestalten, sie zu erhalten und wenn möglich zu vergrößern. Diese vom Rechner gesteuerten Sims bauen nun Häuser und Läden, schaffen Arbeitsplätze und gründen Familien. Aufgabe des Spielers ist es, mittels geeigneter Maßnahmen, die Stadt möglichst ökonomisch zu verwalten und gegebenenfalls auch Krisen zu managen.

2. Systemvoraussetzungen

- IBM oder 100% kompatibler Rechner

- 386´er Prozessor oder höher

- mind. 4 MB RAM & mind. 4 MB auf Festplatte frei

- erweit. VGA-Karte oder höher

- Soundkarte

3. Inhaltliche Kurzbeschreibung des Programmes

Der Nutzer kann, wie bereits erwähnt, zwischen vorbereiteten Szenarien oder selbsterstellten Landschaften / Städten wählen. Den Umfang der Expansion der Städte innerhalb des begrenzenden Grundrasters kann er selbst festlegen.

Um die Eigenschaften des Programmes und die Möglichkeiten / Auswirkungen der Werkzeuge kennenzulernen, wird dem neuen Nutzer der Aufbau einer eigenen kleinen Stadt empfohlen.

Der übersichtliche aber erst ab 15"- Monitor gut zu erkennende Bildschirmaufbau ist von Windows-ähnlichem Charakter und besteht aus einem Gelände-/Stadtfenster mit Titelleiste (oben) und verschieblicher Menüleiste (Werkzeugleiste).

Mit dieser Werkzeugleiste können auch Statistiken und Übersichtskarten aufgerufen werden auf denen einzelne Faktoren z.B. Population, Kriminalitätsdichte u.a. gesondert dargestellt sind.

Vor dem eigentlichen Städteaufbau hat der Spieler die Möglichkeit, sein Gelände (Relief, Gewässer) im Geländeeditiermodus nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Diese Umgliederung ist noch nicht an Kosten gebunden.

Die Grundfinanzierung der Stadt kann wahlweise mit geringerem, höherem Guthaben oder sogar mit Anleihen realisiert werden. Ebenso kann das Gründungsjahr der Stadt festgelegt werden, was Einfluß auf die Modernität und Vielfalt der zur Verfügung stehenden Mittel (Werkzeuge hat). Im Verlaufe des Spieles simuliert der Computer Echtzeit in Monatsraten mit jährlichem Stop inclusive Anzeige des zur Verfügung stehenden Budgets.

Die Geschwindigkeit der Simulation kann der Nutzer in drei Stufen wählen oder gegebenenfalls unterbrechen (Pause), um sich so genügend Zeit für anstehende Entscheidungen bzw. Maßnahmen verschaffen zu können. Diese werden vor allem dann relevant, wenn der Computer verschiedene Katastrophen simuliert. Hier muß der Nutzer dann mit den hoffentlich vorab geschaffenen Reserven und Kräften (Polizei, Feuerwehr, Militär, Krankenhäuser) Katastrophenschutz und -bekämpfung betreiben (Notfälle). Anhand des jährlich erscheinenden Budgetfensters kann sich der Spieler einen Überblick über den Kassenstand und die im Moment anstehenden Aus-/Einnahmen verschaffen.

Gelegentlich auf dem Bildschirm erscheinende Zeitungen und/oder akustische Signale geben dem Nutzer zusätzliche Informationen. Nun muß der Spieler auf ökonomische Art und Weise Dinge wie: günstige ruhige Wohnlage mit guter Geschäfts- und Verkehrsanbindung, ausreichende Elektrifizie-rung und Wasserversorgung, Industriestandorte mit guter Verkehrsanbindung, kulturelle und öffentliche Einrichtungen in ausreichender und ausgeglichener Menge zur Verfügung stellen bzw. durch Gebietszuweisungen steuern. Je nach Erfolg und Bevölkerungszuwachs folgen dann Belohnungen für den Bürgermeister und weitere Werkzeuge.

Weiterhin simuliert der Computer Nachbarstädte, zu denen der Nutzer Verbindungen schaffen kann (wichtig für Zu- und Abwanderung) und mit denen er die Möglichkeit erhält, die Entwicklung der eigenen Stadt (Bevölkerung) zu bewerten und zu vergleichen.

4. Anthropogene und soziokulturelle Voraussetzungen

Der Hersteller empfiehlt das Programm für Kinder ab 6 Jahren. Es setzt aber eine gewisse persönliche Reife, ökonomische und geographische sowie soziale Grundkenntnisse voraus. So wurde es für Kinder ab 10-11 Jahren empfohlen. Dieser Empfehlung kann ich mich anschließen. Da das Programm komplett menü- und mausgesteuert ist, sind spezielle Computerkenntnisse nicht erforderlich. Bei der Installation des Programmes sollte jedoch ein Fachmann in erreichbarer Nähe sein, da gerade bei sehr modernen Betriebssystemen wie Windows 98 entscheidende Probleme auftreten können.

Das Spiel ist für den Freizeit- und außerunterrichltichen Bereich konzipiert und sollte als fachübergreifende Industriegesellschaftssimulation verstanden werden.

5. Didaktische Kurzbewertung des Programmes

Dieses Programm präsentiert sich als ein Planspiel, welches einen hohen Aufforderungscharakter und Attraktivitätswert bietet. Ein einfacher und leichter Einstieg mit positiven Resultaten ist aufgrund der Komplexität fast nicht möglich. Ein finanzieller Bankrott und entsprechende Demotivation und Frustration sind die ersten "Erfolge" des ungeübten Neueinsteigers. Das Programm benötigt nur geringe Computergrundkenntnisse, dafür aber mindestens 2-3 h Einarbeitungszeit.

Diese nutzt man am besten mit sogenannten "Tutorials". Zusätzlich sollte die beiliegende Broschüre durchgearbeitet werden, was ebenfalls einige Zeit beansprucht. Im logischen Aufbau wird man so an die Spielinhalte herangeführt. Es empfiehlt sich, die Expansion der Stadt am Anfang nicht zu zügig voranzutreiben um den Überblick nicht zu verlieren. Gut ist hier allerdings, daß der Spielstand jederzeit abgespeichert und das Spiel zu beliebiger Zeit wieder fortgesetzt werden kann. Der Nutzer lernt nun auf spielerische Weise die Konsequenzen von Kapitalfluß und Verteilung kennen. Zunahme oder Fehlen der Infrastruktur oder einzelner Elemente z.B. öffentliche Verkehrsmittel werden durch Abwanderung oder fehlenden Zustrom an Bewohnern schnell "bestraft". Menschliche Bedürfnisse, wie Möglichkeiten zu Arbeit, Einkauf, Erholung usw. werden genauso verdeutlicht, wie die Notwendigkeit von ausreichender Versorgung mit sozialen, kulturellen und sicherheitstechnischen Dingen. Plant und regiert man seine Stadt gut, wächst sie, den Fortschritt ermöglichen Erfindungen. Die Wertzuweisungen und Relationen sind allerdings nicht sonderlich realistisch dargestellt, das Grundanliegen wird jedoch nicht beeinträchtigt und vom geduldigen Nutzer verstanden. Die Zeit verfliegt in der Realität nicht ganz so schnell wie auf dem Rechner. So dürfte ein Einsatz des Programms in einer normalen Unterrichtsstunde nicht zu realisieren sein und wird eher der ausgiebigen Nachmittagsbeschäftigung eines Schülers genüge tun. Da verschiedene Spielsituationen abgespeichert werden können, wäre eine Planung und Auswertung der verschiedenen Simulationen nach konkreten Gesichtspunkten denkbar und äußerst sinnvoll.

6. Verwendungsvorschläge

Der Anbieter gibt keinen empfohlenen Altersbereich an. Aufgrund meiner gesammelten Erfahrungen und denen einiger Testpersonen würde ich das Planspiel ab der Sekundarstufe I empfehlen. Jüngere Kinder sind zumeist noch nicht zu ausreichenden Abstraktionsleistungen im Stande und mit einer unzureichenden Frustrationstoleranz ausgestattet.

Als Anwendungsgebiet könnte ich mir den Geographieunterricht im Bereich der ökonomischen Geographie sowie wirtschaftlichen und gesellschaftskundlichen sowie themenübergreifenden fakultativen Unterricht (Projekte, AG`s) vorstellen.

Ergänzend sei bemerkt, daß die getestete Version bereits veraltet ist und ansprechendere CD ROM-Versionen existieren und angeboten werden. Hier kommen dann z.B. auch multimediale Videosequenzen, eine feinere Bildauflösung und verschiedene Blickperspektiven zum Einsatz. Das Programm besitzt ein sehr gutes Preis/Leistungs Vehältnis und ist sehr zu empfehlen.