Lernsoftware, Programm: "Zukunft im Treibhaus"

Hauptseminar "Lernen mit Multimedia"

1. Übersicht über das Programm

Dozent:

Prof. Dr. Peter Diepold

Referent:

Philip Jacobs

Herausgeber:

Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg, Kernerplatz 9, 70182 Stuttgart
Verantwortlich: Kurt Weissenbach (Telefon 0711/126-2749)
Lizenziert für Klett-Perthes Verlag, Stuttgart; Berliner Anschrift: Kleiststr. 3-4.

Preis:

68,- DM

Zielgruppe:

Jugendliche ab 14 Jahre und Erwachsene.

Einsatzort:

Schulunterricht, Erwachsenenbildung und privat (Nachmittagsmarkt).

Lernziele:

Aneignung von Kenntnissen über Ursachen und Wirkung des Treibhauseffektes, Lösungsstrategien, "Was kann ich selbst tun?"

Benötigter Zeitaufwand:

je nach Vertiefung mehrere Stunden.

Systemvoraussetzungen:

PC ab 486 SX, 8 MB Hauptspeicher (empfohlen: mind. 16 MB), Windows ab 3.1, SVGA-Grafikkarte (256 Farben; empfohlen: 16 Bit Farbtiefe, 640*480 dpi), CD-ROM-Laufwerk, Soundkarte, Maus. Das Programm wird von der CD-ROM aus gestartet.

Inhalt / Thema:

Dem Nutzer / der Nutzerin wird zunächst in einer Audio-Video-Sequenz die Hauptperson vorgestellt. Der Schüler und Jungunternehmer Konsumentis erwacht von einem Alptraum über eine von Naturkatastrophen heimgesuchte Erde. Ein sprechender Baum taucht in seiner Wohnung auf und konfrontiert ihn mit den umweltzerstörenden Auswirkungen seines Lebensstils. Nun kommt der Nutzer / die Nutzerin selbst zum Zuge. Er / sie bewegt sich durch die Zimmer der virtuellen Wohnung von Konsumentis und erhält durch Anklicken diverser Einrichtungsgegenstände Informationen zum Treibhauseffekt in Slideshows (Folgen von Standbildern mit begleitendem gesprochenem Text), Diagrammen, Tabellen und einem Infolex (hypertextartig miteinander verknüpfte Texte zu Umweltthemen, die aus verschiedenen Quellen, z. B. Zeitschriften, stammen). Dabei werden auch mögliche Gegenmaßnahmen deutlich gemacht. Durch Öko-Checklisten, in die Daten zum eigenen umweltbezogenen Verhalten eingegeben werden, wird die eigene Öko-Bilanz untersucht.

2. Didaktische Analyse

Anthropogene und soziokulturelle Voraussetzungen

Das Programm richtet sich in erster Linie an Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse aller Schultypen, ungefähr ab 14 Jahren. Dies wird vom Hersteller durch die Hauptperson sowie die Wahl der Anrede an den Benutzer / die Benutzerin unterstrichen. Einfache Computerkenntnisse wie Bedienung von Maus und Tastatur sind Voraussetzung für die Benutzung. Notwendig ist ebenfalls ein der 8. Klasse entsprechender Kenntnisstand in den Naturwissenschaften und der Geographie.
Der Einsatz im Schulunterricht (Geographie oder Biologie) als Ergänzung zum klassichen Fachunterricht ist ebenso möglich wie die Benutzung durch Interessierte am Heim-PC. Im Unterricht erscheint wegen des großen Umfangs der CD-ROM eine Aufteilung der Arbeiten auf Arbeitsgruppen mit verschiedenen Themenschwerpukten sinnvoll.
Durch seinen unmittelbaren Bezug zu aktuellen umweltpolitischen Themen, die umfassend behandelt werden, ist das Programm ebenfalls interessant für die Weiterbildung bei Erwachsenen, etwa in Betrieben oder an Volkshochschulen. Auf Grund seiner Komplexität wird es eher an Gymnasien als an anderen Schultypen zum Einsatz kommen.

Intentionen und Methode

An Hand alltagsbezogener Beispiele soll Interesse an umweltpolitischen Fragen geweckt werden. Durch die Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Medien zur Wissensvermittlung soll individuellen Vorlieben bei Lernformen entgegengekommen werden. Als besonders positiv sind die Öko-Checklisten zu bewerten, bei denen der Benutzer / die Benutzerin selbst Werte z. B. zum eigenen Konsum- oder Reiseverhalten eingeben kann und so Informationen zum Schadstoffausstoß erhält. Durch Verändern bestimmter Parameter lässt sich so feststellen, welche Schritte beim Verändern des Konsumverhaltens besonders effektiv sind. Eine derartige Gewichtung der verschiedenen umweltrelevanten Faktoren ist bei der Päsentation der Umweltthemen (Slideshows, Infolex) nicht oder nicht hinreichend gegeben. So sind z. B. der KfZ-Verkehr, Kraftwerke und Industrie als Haupterzeuger des Treibhausgases CO2 anzusehen, was jedoch in der Unmenge von Informationen wie z. B. über den Energieverbrauch dauerhaft eingeschalteter PCs etwas untergeht. Die Motivation der Benutzer(innen) kann durchaus auch darunter leiden, dass bereits bei der Einleitung Hauptinhalt ein Schuldvorwurf an Konsumentis - stellvertretend für den Konsumenten / die Konsumentin - steht. Motivierender wäre es, von vornherein positive Beispiele den negativen gegenüberzutellen und so Handlungsperspektiven - auf politischer wie persönlicher Ebene - stärker deutlich zu machen: z. B. eine Stadt mit hohem Fahrrad- und ÖPNV-Anteil (auf Grund umweltorientierter Verkehrsplanung) gegenüber einer etwa gleich großen "autogerechten" Stadt.
Die Überprüfung der Lernziele erfolgt durch ein Quiz mit mehreren Schwierigkeitsebenen, wobei man zunächst eine Ebene erfolgreich durchlaufen haben muss, um auf die nächste zu kommen. Leider werden vor allem Zahlen und keine inhaltlichen Zusammenhänge oder Sachverhalte abgefragt, wodurch der Wert dieser Überprüfung sehr gering ist. Menschen, die sich gut mit der Umweltproblematik auskennen, scheitern - nachhaltig! - an Fragen wie "Wieviel CO2 stößt ein Pkw (nicht genauer spezifiziert) auf 100 km Autobahn aus - 9,95, 8,53 oder 9,17 kg?". Bei falscher Beantwortung werden keine richtigen Antworten präsentiert. Sinnvoller als "Ebenen" mit zusammenhanglosen Fragen wären Fragenkomplexe zu inhaltlich zusammengehörenden Umweltthemen. Lediglich der multimediale Aspekt des Quiz ist positiv zu bewerten (z. B. Audio-Sequenz "Fühlst du dich stark genug ...").

Technische Hilfsmittel

Das Programm ist aus sich selbst heraus verständlich. Eine kontextsensitive Hilfe ist nicht vorhanden. Grundinformationen zum Programm stehen in der Datei Readme.txt. Die Steuerung des Programms erfolgt durch eine Menüleiste, die am unteren Rand des Bildschirms eingeblendet ist und - nach ein paarmal Probieren - schnell und praktisch bedienbar ist. Das Infolex, aufrufbar auch direkt mit der Windows-Hilfe, gibt einen Überblick über die behandelten umweltpolitischen Themen. Die Navigation erfolgt hier mit Hyperlinks, die z. T. in Inhaltsverzeichnissen zusammengefasst sind. Unübersichtlich wird es z. T. beim Navigieren durch die virtuelle Wohnung. Hier gibt es einen typischen Mangel multimedialer Programme: Es wird überflüssig Zeit beim Suchen nach den Zimmern der Wohnung - also Dingen, die für die Lernziele irrelevant sind - vergeudet.
Ein Handbuch wird nicht mitgeliefert und ist (bisher) nicht lieferbar.

3. Versuch einer Gesamtbewertung:

Vorzüge:

Umfassend. Vielfalt der Medien (Methoden), dabei vielfach auch alternative Lernwege für ein Lernziel. Eigenverantwortlichkeit des / der Lernenden wird angesprochen (Öko-Checklisten, Alternativen zu umweltzerstörendem Handeln). Umfangreiches Infolex, das auch Pressezitate enthält.

Nachteile:

Schuldvorwurf an Konsument(inn)en und nicht positive Beispiele im Mittelpunkt (Motivationsfrage). Fehlende Gewichtung der Umweltthemen. Trotz langer Ladezeit kann das Intro nicht abgebrochen werden. Keine Sicherheitsabfrage bei Beenden des Programms. Keine Online-Hilfe. Lernzielkontrolle inhaltlich mangelhaft (Abfragen von Zahlen). Es vergeht zu viel Zeit beim Durchwandern der Wohnung. Kein Ersatztext für Audio-Sequenzen bei nicht vorhandener Soundkarte (die meisten Schulen haben veraltete Computer!).

Die CD-ROM ist - eingeschränkt - empfehlenswert für den Unterricht, da ein umfassender Überblick über die Zusammenhänge des Treibhauseffektes und anderer Umweltprobleme geboten wird. Von der Benutzung des Quiz im Unterricht ist abzuraten (Lernzielkontrolle z. B. durch Referate von Arbeitsgruppen in der PC-Sitzung folgenden Unterrichtsstunden). Der Lehrer / die Lehrerin sollte den Lernenden Navigationshilfen geben, um keine Unterrichtszeit durch unnötiges Suchen zu vergeuden.

© Philip Jacobs, 13. 1. 1999, Anmerkungen erwünscht