Am 18. April 1996, haben Bundesminister Rüttgers und
Dr. Sommer von der Deutschen Telekom in einer
gemeinsamen Pressekonferenz die Bildungsinitiative "Schulen ans Netz" gestartet.
Sie sieht vor:
- die Förderung von Projekten
- den Anschluß von 10.000 Schulen an das Internet über WiN-Shuttle
- die Einrichtung eines Deutschen Bildungsservers
zu 1: Förderung von Projekten
Es können sich
allgemein- und berufsbildende Schulen für die Teilnahme an
dieser Initiative bewerben. Anträge auf Fördermittel
für technische Ausstattung sowie Online-Nutzungskosten können sich
auf verschiedene pädagogische Projektbereiche beziehen:
- Einstiegsprojekte für Schulen mit geringer technischer Erfahrung
- Modellprojekte zur Entwicklung und Erprobung beispielhafter Telekommunikationsprojekte für
den Einsatz im Unterricht oder für die Verbesserung der Informations-
und Kommunikations-Kultur einer Schule
- Projekte der Lehrerfortbildung
- Infrastrukturprojekte zur Förderung regionaler oder
überregionaler informationstechnischer Infrastruktur
Zu den Kriterien für die Bewilligung von Fördermitteln werden gehören:
- Qualität des pädagogischen Konzepts
- Klarheit der Zielvorstellungen
- Engagement der Antragsteller
- Angemessenheit der Mittel
- realistische Zeitplanung
- Kooperation mit Dritten (z.B. Schulen, Unternehmen, Elterninitiativen, örtlichen Sponsoren)
- Bereitschaft, die Ergebnisse im Netz zu veröffentlichen.
Es wird ein Verein gegründet, dem namhafte Sponsoren angehören, die
die Initiative mit Spenden in Form von Geld-, Sach- und Dienstleistungen aller Art
unterstützen, dazu ein Kuratorium
aus Länder- und Bundesvertretern, eine Geschäftsstelle, eine Auswahlkommission für die Bewilligung der Fördermittel,
wissenschaftliche Evaluationen u.a.m.
Interessierte Schulen wenden sich an: Verein Schulen ans Netz e.V.,
Koordinierungs- und Beratungsstelle (KBS), Oberkasseler Str. 2, D-53227 Bonn,
Tel. (0228) 700-4869, Fax: 700-4867, E-mail:
buero@schulen-ans-netz.de
Ausschreibungstext, Formblatt für einen Projektantrag
und aktuelle Informationen über die Förderungsbedingungen, Termine usw.
findet man auf dem Server der KBS unter
der Adresse http://www.schulen-ans-netz.de/
zu 2: WiN-Shuttle
Schulen können über das Wissenschaftsnetz des DFN-Vereins Deutsches Forschungsnetz
kostenlos den
WiN-Shuttle nutzen. Das bedeutet: Zugang zum Internet, 2 MB Speicher für eigene
WWW-Seiten, 40 Stunden Anschaltzeit im Monat. Die Zahl der Einwahlpunkte soll
so weit erhöht werden, daß über die Ballungsgebiete hinaus der
Zugang für die Schulen zum Orts- und Nahtarif möglich ist.
Interessierte Schulen wenden sich an den DFN-Verein,
Pariser Str. 44, 10707 Berlin, Tel. (030) 884 299-41, Fax: -70, E-Mail:
winshuttle@dfn.de. URL: http://www.shuttle.de
zu 3: Deutscher Bildungsserver
Der Deutsche Bildungs-Server (http://dbs.schule.de)
ist der zentrale Wegweiser für Bildungskommunikation und
Bildungsinformation und wird als gemeinnütziges Kooperationgsprojekt an der
Humboldt-Universität entwickelt.
(1) Verfügbare Materialien für Schulen
Der DBS stellt in strukturierter, übersichtlicher Weise
im Internet verfügbare
Materialien für den Bildungsbereich dar, bündelt sie, macht sie
recherchierbar und vermittelt sie über elektronische Verweise
(sog. "Links"). Er unterstützt das an der Kooperations- und Beratungsstelle
des Vereins Schulen an das Netz entstehende
Informationssystem mit Referenzlösungen, Materialien sowie Berichten
und koordiniert die an Landesservern verfügbaren Ressourcen.
(2) Kommunikations-Plattform
Der DBS dient Lehrern,
Erziehungswissenschaftlern, Schülern, Eltern, Schulen,
Institutionen der Bundesländer, Hochschulen, Ministerien und
Schulverwaltungen, Journalisten u.a. als
gemeinsame Internet-Kommunikationsplattform für Bildungsfragen
und bildet eine Schnittstelle zu Pädagogen und
Bildungsinitiativen in Europa und Übersee.
Der DBS soll damit allen an Bildungsfragen interessierten
Menschen ermöglichen, sich sowohl schnell und umfassend zu
informieren, als auch aktiv an der Informationsvermittlung
mitzuwirken und mit andereren zu kommunizieren.
Was können Sie tun?
Ans Internet gehen
Über Internet-Provider, wie WiN-Shuttle, oder Online-Dienste, wie CompuServe, America Online (AOL),
T-Online,
können Lehrer vom häuslichen Arbeitsplatz aus ins Internet gehen. Dazu braucht
man ein Modem (DM 100-300) und einen "WWW-Browser", wie Netscape oder Mosaic, den es kostenlos gibt. Monatliche Kosten derzeit DM 20-40 plus Telefoneinheiten zum
nächsten Einwahlpunkt des Online-Dienstes bzw. Internet-Providers. Aber man prüfe die Angebote: billig ist nicht unbedingt preiswert:
die Telefonanschlüsse des Providers können
häufig besetzt sein, der Aufbau von WWW-Seiten zu langsam vonstatten gehen,
die Leistungen im Internet eingeschränkt sein, der Datenverkehr innerhalb Deutschlands umständlich über die Zentrale in
USA geleitet werden. Wenn WiN-Shuttle in erreichbarer Nähe ist, sollte man
diese Möglichkeit wählen.
Projekt-Ideen suchen
Im Internet kann man sich über die
Angebote des World Wide Web informieren und findet z. B. auf dem Deutschen Bildungsserver:
Hier können Sie sich anregen lassen, Ideen für eigene Projekte bekommen
sowie eine Menge Materialien sammeln - HTML-Dateien, Grafiken, Bilder, Icons -,
die Sie auf den eigenen Computer kopieren und dort weiterverarbeiten können.
Auf dem Deutschen Bildungsserver finden sich viele Verweise auf nützliche
Ressourcen für Pädagogen; dies wird in den nächsten Monaten weiter ausgebaut
und insbesondere um Kommunikationsdienste erweitert werden.
Die eigene Schule ans Netz bringen
Verfügt die Schule bereits über ein lokales Netz,
sollte man den vorhandenen lokalen Server ans Internet anschließen: WiN-Shuttle
macht's möglich; über ein "Einstiegsprojekt" der SaN e.V. können
ein ISDN-Modem, ein ISDN-Anschluß plus monatliches Gebührenkonto
kann finanziert und,
wo erforderlich, auch nötige Hard- und Software angeschafft werden.
Der Schulserver bedient die im lokalen Schulnetz angeschlossenen Computer:
- er regelt den Empfang und den Versand von E-Mail,
- er verwaltet die abonnierten
Diskussionsforen (und macht damit den Empfang pornografischer oder
rassistischer Newsgroups unmöglich),
- er fungiert schulintern als WWW-Server, der - offline - Zugriff auf alle
aus dem Internet abgerufenen und lokal gespeicherten Dateien gibt und selbsterstellte
Multimedia-Seiten verwaltet,
- er schickt die öffentlichen Beiträge der Schule - Schülerzeitung, Berichte,
Unterrichtsmaterialien u.a. - an den jederzeit erreichbaren WWW-Server des Providers,
- er ermöglicht - dort, wo dies pädagogisch sinnvoll
erscheint - auch den direkten Zugriff auf das Internet aus dem Unterricht
heraus.
Dazu braucht man einen einzigen Telefonanschluß - möglichst ISDN - , und dafür
reichen auch die 40 Stunden kostenlose Anschaltzeit im Monat, die WiN-Shuttle
anbietet.
Das erscheint schwieriger, als es klingt. Aber an vielen Schulen gibt es
Schüler, die bereits Internet-Erfahrungen haben und mit Begeisterung mitarbeiten:
z. B. an der öffentlichen Präsentation der Schule mit einer eigenen "Home Page",
an einer elektronischen Schülerzeitung unter Nutzung von Foto, Video und Grafik,
an Projekten zusammen mit anderen Schulen oder anderen Institutionen.
Wie kreativ sich Schulen dieses Mediums bedienen,
zeigen einige
beeindruckende Beispiele auf unserem Server.
Natürlich kann man auch zunächst mit einem einzelnen Schulcomputer beginnen
und ihn später zum Server eines lokalen Netzes ausbauen.
Das Internet nutzen
Die Initiative Schulen ans Netz fördert neben den Einstiegsprojekten auch
Modellprojekte - die Entwicklung neuer Unterrichtsbeispiele und didaktischer
Ideen, die Entwicklung von Medien, Informationsangebote für ein Lernen im
Netz u.a.m. Die Ergebnisse dieser Projekte
- wie auch eine Vielfalt bereits durchgeführter
oder geplanter Projekte
gemeinsamen Lernens und Arbeitens über die
Grenzen der eigenen Schule hinaus - werden auf dem Deutschen Bildungsserver
abrufbar sein und sollen anderen Schulen, zusammen mit technischen Hilfen,
Anregungen geben.
Und später?
Wie sieht es finanziell nach einer Förderung aus, wenn Internet-Zugang
und Gebühreneinheiten von der Schule selbst zu tragen
sind? Ich erwarte, daß die Preise in den nächsten zwei Jahren noch kräftig sinken werden.
Vielleicht kommen wir dann auch in Deutschland an amerikanische Konditionen
heran, wie sie beispielsweise ein kommerzielles ATM-Netz im US-Bundesstaat North
Carolina anbietet, das gemeinsam von Kommunalverwaltungen, Feuerwehr, Polizei,
Bibliotheken und Schulen genutzt wird: Da kostet der volle Internet-Zugang
(24-Stunden-Standleitung) im Jahr für eine Schule $2.500 - und das bei 155 Megabit/s
(das ist 2500 mal schneller als ISDN). Davon kann man bei uns nur träumen -
aber manche Träume werden auch wahr.
Bis dahin - fangen wir schon mal an!
Quellen:
- Bundesminister Rüttgers am 18. April auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Dr. Ron Sommer von der Deutschen TeleKom
- Bundesminister Rüttgers am 13. März auf der CeBIT '96
- Pressemitteilung der Deutschen TeleKom vom 18. Dezember 1995:
"Schulen erhalten Auffahrt zur digitalen Infobahn",
- Konzept:
Rainer Busch: Bildungsinitiative "Schulen an das Netz" der Gesellschaft für Informatik
Impressum / Feedback
(dp) 12.05.96
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