Peter Diepold

Bildungsinitiative "Schulen ans Netz"

Am 18. April 1996, haben Bundesminister Rüttgers und Dr. Sommer von der Deutschen Telekom in einer gemeinsamen Pressekonferenz die Bildungsinitiative "Schulen ans Netz" gestartet.

Sie sieht vor:

  1. die Förderung von Projekten
  2. den Anschluß von 10.000 Schulen an das Internet über WiN-Shuttle
  3. die Einrichtung eines Deutschen Bildungsservers

zu 1: Förderung von Projekten

Es können sich allgemein- und berufsbildende Schulen für die Teilnahme an dieser Initiative bewerben. Anträge auf Fördermittel für technische Ausstattung sowie Online-Nutzungskosten können sich auf verschiedene pädagogische Projektbereiche beziehen: Zu den Kriterien für die Bewilligung von Fördermitteln werden gehören:

Es wird ein Verein gegründet, dem namhafte Sponsoren angehören, die die Initiative mit Spenden in Form von Geld-, Sach- und Dienstleistungen aller Art unterstützen, dazu ein Kuratorium aus Länder- und Bundesvertretern, eine Geschäftsstelle, eine Auswahlkommission für die Bewilligung der Fördermittel, wissenschaftliche Evaluationen u.a.m.

Interessierte Schulen wenden sich an: Verein Schulen ans Netz e.V., Koordinierungs- und Beratungsstelle (KBS), Oberkasseler Str. 2, D-53227 Bonn, Tel. (0228) 700-4869, Fax: 700-4867, E-mail: buero@schulen-ans-netz.de

Ausschreibungstext, Formblatt für einen Projektantrag und aktuelle Informationen über die Förderungsbedingungen, Termine usw. findet man auf dem Server der KBS unter der Adresse http://www.schulen-ans-netz.de/

zu 2: WiN-Shuttle

Schulen können über das Wissenschaftsnetz des DFN-Vereins Deutsches Forschungsnetz kostenlos den WiN-Shuttle nutzen. Das bedeutet: Zugang zum Internet, 2 MB Speicher für eigene WWW-Seiten, 40 Stunden Anschaltzeit im Monat. Die Zahl der Einwahlpunkte soll so weit erhöht werden, daß über die Ballungsgebiete hinaus der Zugang für die Schulen zum Orts- und Nahtarif möglich ist.

Interessierte Schulen wenden sich an den DFN-Verein, Pariser Str. 44, 10707 Berlin, Tel. (030) 884 299-41, Fax: -70, E-Mail: winshuttle@dfn.de. URL: http://www.shuttle.de

zu 3: Deutscher Bildungsserver

Der Deutsche Bildungs-Server (http://dbs.schule.de) ist der zentrale Wegweiser für Bildungskommunikation und Bildungsinformation und wird als gemeinnütziges Kooperationgsprojekt an der Humboldt-Universität entwickelt.
(1) Verfügbare Materialien für Schulen
Der DBS stellt in strukturierter, übersichtlicher Weise im Internet verfügbare Materialien für den Bildungsbereich dar, bündelt sie, macht sie recherchierbar und vermittelt sie über elektronische Verweise (sog. "Links"). Er unterstützt das an der Kooperations- und Beratungsstelle des Vereins Schulen an das Netz entstehende Informationssystem mit Referenzlösungen, Materialien sowie Berichten und koordiniert die an Landesservern verfügbaren Ressourcen.

(2) Kommunikations-Plattform
Der DBS dient Lehrern, Erziehungswissenschaftlern, Schülern, Eltern, Schulen, Institutionen der Bundesländer, Hochschulen, Ministerien und Schulverwaltungen, Journalisten u.a. als gemeinsame Internet-Kommunikationsplattform für Bildungsfragen und bildet eine Schnittstelle zu Pädagogen und Bildungsinitiativen in Europa und Übersee.

Der DBS soll damit allen an Bildungsfragen interessierten Menschen ermöglichen, sich sowohl schnell und umfassend zu informieren, als auch aktiv an der Informationsvermittlung mitzuwirken und mit andereren zu kommunizieren.

Was können Sie tun?

Ans Internet gehen

Über Internet-Provider, wie WiN-Shuttle, oder Online-Dienste, wie CompuServe, America Online (AOL), T-Online, können Lehrer vom häuslichen Arbeitsplatz aus ins Internet gehen. Dazu braucht man ein Modem (DM 100-300) und einen "WWW-Browser", wie Netscape oder Mosaic, den es kostenlos gibt. Monatliche Kosten derzeit DM 20-40 plus Telefoneinheiten zum nächsten Einwahlpunkt des Online-Dienstes bzw. Internet-Providers. Aber man prüfe die Angebote: billig ist nicht unbedingt preiswert: die Telefonanschlüsse des Providers können häufig besetzt sein, der Aufbau von WWW-Seiten zu langsam vonstatten gehen, die Leistungen im Internet eingeschränkt sein, der Datenverkehr innerhalb Deutschlands umständlich über die Zentrale in USA geleitet werden. Wenn WiN-Shuttle in erreichbarer Nähe ist, sollte man diese Möglichkeit wählen.

Projekt-Ideen suchen

Im Internet kann man sich über die Angebote des World Wide Web informieren und findet z. B. auf dem Deutschen Bildungsserver:

Hier können Sie sich anregen lassen, Ideen für eigene Projekte bekommen sowie eine Menge Materialien sammeln - HTML-Dateien, Grafiken, Bilder, Icons -, die Sie auf den eigenen Computer kopieren und dort weiterverarbeiten können.

Auf dem Deutschen Bildungsserver finden sich viele Verweise auf nützliche Ressourcen für Pädagogen; dies wird in den nächsten Monaten weiter ausgebaut und insbesondere um Kommunikationsdienste erweitert werden.

Die eigene Schule ans Netz bringen

Verfügt die Schule bereits über ein lokales Netz, sollte man den vorhandenen lokalen Server ans Internet anschließen: WiN-Shuttle macht's möglich; über ein "Einstiegsprojekt" der SaN e.V. können ein ISDN-Modem, ein ISDN-Anschluß plus monatliches Gebührenkonto kann finanziert und, wo erforderlich, auch nötige Hard- und Software angeschafft werden.

Der Schulserver bedient die im lokalen Schulnetz angeschlossenen Computer:

Dazu braucht man einen einzigen Telefonanschluß - möglichst ISDN - , und dafür reichen auch die 40 Stunden kostenlose Anschaltzeit im Monat, die WiN-Shuttle anbietet.

Das erscheint schwieriger, als es klingt. Aber an vielen Schulen gibt es Schüler, die bereits Internet-Erfahrungen haben und mit Begeisterung mitarbeiten: z. B. an der öffentlichen Präsentation der Schule mit einer eigenen "Home Page", an einer elektronischen Schülerzeitung unter Nutzung von Foto, Video und Grafik, an Projekten zusammen mit anderen Schulen oder anderen Institutionen.

Wie kreativ sich Schulen dieses Mediums bedienen, zeigen einige beeindruckende Beispiele auf unserem Server.

Natürlich kann man auch zunächst mit einem einzelnen Schulcomputer beginnen und ihn später zum Server eines lokalen Netzes ausbauen.

Das Internet nutzen

Die Initiative Schulen ans Netz fördert neben den Einstiegsprojekten auch Modellprojekte - die Entwicklung neuer Unterrichtsbeispiele und didaktischer Ideen, die Entwicklung von Medien, Informationsangebote für ein Lernen im Netz u.a.m. Die Ergebnisse dieser Projekte - wie auch eine Vielfalt bereits durchgeführter oder geplanter Projekte gemeinsamen Lernens und Arbeitens über die Grenzen der eigenen Schule hinaus - werden auf dem Deutschen Bildungsserver abrufbar sein und sollen anderen Schulen, zusammen mit technischen Hilfen, Anregungen geben.

Und später?

Wie sieht es finanziell nach einer Förderung aus, wenn Internet-Zugang und Gebühreneinheiten von der Schule selbst zu tragen sind? Ich erwarte, daß die Preise in den nächsten zwei Jahren noch kräftig sinken werden. Vielleicht kommen wir dann auch in Deutschland an amerikanische Konditionen heran, wie sie beispielsweise ein kommerzielles ATM-Netz im US-Bundesstaat North Carolina anbietet, das gemeinsam von Kommunalverwaltungen, Feuerwehr, Polizei, Bibliotheken und Schulen genutzt wird: Da kostet der volle Internet-Zugang (24-Stunden-Standleitung) im Jahr für eine Schule $2.500 - und das bei 155 Megabit/s (das ist 2500 mal schneller als ISDN). Davon kann man bei uns nur träumen - aber manche Träume werden auch wahr.

Bis dahin - fangen wir schon mal an!


Quellen:


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URL: http://www.educat.hu-berlin.de/publikation/wiekommt.html