Sein Leben
Brecht wurde 1898 in Augsburg geboren
und ist 1956 in Berlin gestorben. Er schrieb früh Verse und veröffentlichte
schon 1914 seine ersten Werke. Er studierte Medizin und war Sanitäter
im Ersten Weltkrieg.
Seine ersten Dramen schrieb er
nach dem Krieg in München, und um 1926 ging er nach Berlin, wo er
dann
große Erfolge hatte, zum
Beispiel mit der Dreigroschenoper (1928).
Wegen Hitler mußte Brecht
1933 Deutschland verlassen. Er floh nach Prag und Wien, dann in die Schweiz,
später nach Paris, Italien,
dann fuhr er über Rußland nach Kalifornien, wo er in Santa Monika
lebte. Über Amerika schrieb er böse Analysen, die er aber nicht
veröffentlichte. Mit Charlie Chaplin war er befreundet, und er übernahm
manches aus Chaplins Filmen in seine Dramen. Die Erstaufführung seines
Dramas Galileo mit dem berühmten Schauspieler Charles Laughton in
der Hauptrolle fand in Beverly Hills statt.
Nach dem Krieg hatte er Probleme
mit der House Unamerican Activities Committee, weil die Mitglieder des
Ausschußes glaubten, er sei
Kommunist, und man suchte Kommunisten in Hollywood. Er mußte vor
dem
Ausschuß aussagen, aber er
sagte nur wenig, gab an, kein Englisch zu sprechen. Während sein Fall
be-
sprochen wurde, floh er in die
Schweiz.
Wegen seiner sozialistischen Ideen
erlaubte man ihm nicht, in die Bundesrepublik einzureisen, und er ging
dann in die DDR, wo er bis zu seinem
Tod lebte. In Berlin gründete er zusammen mit seiner Frau Helene
Weigel das Berliner Ensemble.
Brechts Marxismus lag in der Idee
der Veränderung der Veränderung, d.h. in der Dialektik. Er meinte,
alles
sollte immer in Bewegung sein,
diskutiert und verbessert werden. Man sollte immer weitersuchen und
weiterdenken. Er glaubte an
die Notwendigkeit
der sozialistischen Revolution;
die Macht
der Vernunft;
die heraufkommende
neue Zeit.
In den 20iger und frühen 30iger
Jahren schrieb Brecht viele kommunistische Lehrstücke, wie zum Beispiel
Die
Maßnahme (1926). Er schrieb
sie, weil er glaubte, das Theater sei ein Mittel zur politischen Aufklärung
der
proletarischen Massen. Das Theater
soll revolutionäre Verhältnisse demonstrieren, auch soll man
diese
Themen auf der Bühne diskutieren.
Das Theater hatte das Ziel zu lehren.
In diesen Stücken ist das Individuum
weniger wichtig als die Masse, und das Individuum muß lernen, sich
der
Masse zu fügen. Es gab eine
absolute Unterordnung des Einzelnen unter die Idee der sozialistischen
Revolution, ja der Einzelne wurde
sogar ausgelöscht. Später schrieb er Stücke, die weniger
politisch waren,
d.h., sie hatten doch noch immer
eine klare ideologische Linie, aber diese war nicht so vordergründig
wie in
den früheren Werken.
Um seine Ziele zu erreichen, entwickelte
Brecht Theorien über das Drama und das Theater, die für seine
Werke, aber auch für das Theater
des 20. Jahrhunderts von großer Bedeutung waren. Brecht und seine
Ideen
beeinflußten viele der wichtigsten
Dramatiker unserer Zeit.
eine wichtigsten Stücke sind u.a.:
Ball 1918;
Mann ist Mann 1926;
Die Dreigroschenoper 1928;
Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny 1930;
Die Mutter 1932;
Furcht und Elend des Dritten Reiches 1935;
Leben des Galilei 1938/1939;
Mutter Courage 1939;
Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui 1941;
Der gute Mensch von Sezuan 1942;
Der kaukasische Kreidekreis 1945;
Herr Puntila und sein Knecht Matti 1948;
Die Verurteilung des Lukullus 1951.

Aus Anlaß der ganzjährigen Veranstaltungsreihe "100 Jahre
Bertolt Brecht" in Augsburg und Schwaben versucht der
Veranstalter, die Stadt Augsburg, mit dieser Publikation auch über
das Jubiläumsjahr hinaus einen bleibenden Beitrag
zu leisten.
Mit der Beantwortung der obigen Frage hoffte der Herausgeber auf persönliche
Beiträge, einerseits im Hinblick auf
Erinnerungen von Zeitgenossen, andererseits in Form von subjektiven
Betrachtungen von Brecht und/oder seinem Werk
aus der Sicht der Nachgeborenen. Nicht gefragt waren Glückwunschadressen
bzw. Versuche, das Phänomen Brecht
"objektiv" in Worte zu fassen.
Beide Wünsche gingen in Erfüllung und so präsentieren
sich Autoren aus nicht nur künstlerischen Bereichen
unterschiedlichen Alters mit insgesamt 46 Beiträgen. Weder die
Art des Textes war vorgegeben, noch seine Länge.
Eine Ausnahme stellt Thaddäus Troll dar: über eine anderweitige
Anfrage wurde der Kontakt zu Eleonore Lindenberg
hergestellt, die seinen literarischen Nachlaß verwaltet. Sie
erinnerte sich an Trolls Zukunftsvision, die wir in den Band
aufgenommen haben.
Des weiteren wurde dieser Band durch die Festrede des Bayerischen Staatsintendanten
August Everding wie auch
durch die Ansprachen des Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund
Stoiber und des Oberbürgermeisters der Stadt
Augsburg Peter Menacher ergänzt, welche am 10. Februar 1998, also
an Brechts 100. Geburtstag, im Augsburger
Rathaus im Rahmen eines Festaktes gehalten wurden.
Allen Autoren gebührt großer Dank, daß sie zur Realisierung
dieser Publikation beigetragen haben. Einige stellten
bereits veröffentlichte Manuskripte zur Verfügung, so daß
nicht minder den Verlagen gedankt wird, welche die
Abdruckgenehmigung für die jeweiligen Texte erteilten. Ferner
danken wir dem Suhrkamp Verlag für die Erlaubnis der
Wiedergabe der Brecht-Gedichte.
Was schon bei der Durchführung der über 100 Veranstaltungen
im Rahmen des Augsburger Kulturprojektes offenbar
wurde, setzt sich in diesem Band fort - Bertolt Brecht polarisiert
auch 42 Jahre nach seinem Tod. Peter Grab, 13. Mai
1998