1898
10. 2.: Geburt Brechts in Augsburg
Taufe auf den Namen »Eugen (Rufname) Berthold Friedrich«(20.3.).
Umzug der Familie Brecht in ein Stiftungshaus der Papierfirma Haindl,
Bleichstrasse 2.
1904-1917
Besuch der Volksschule und des Koeniglich Bayerischen Realgymnasiums.
1913
Aus der Zeit ist Brechts Tagebuch No 10 ueberliefert (auf 105 Seiten mehr
als 80 Gedichte, Dramen- und Romanentwuerfe sowie Alltagserlebnisse).
1914
Beginn des ersten Weltkriegs (1.8.).
Erster veroeffentlichter Text »Turmwacht« (8.8.)in einer Tageszeitung
(gezeichnet mit: »Berthold Eugen«). Publikation weiterer »Augsburger
Kriegsbriefe«.
Erste Veroeffentlichung (14.9.) einer Literaturkritik (Lyriksammlung
»Trautelse« von Karl Lieblich).
1915
Gruendung eines Interessenkreises (»Brecht-Clique«).
1916
Brechts Schulaufsatz ueber Horaz-Ausspruch »Suess und ehrenvoll ist es,
fuer das Vaterland zu sterben« erregt Anstoss und fuehrt zu einer
Schulstrafe.
Mit dem »Lied von der Eisenbahntruppe von Fort Donald« (13.7.) wendet sich
Brecht von der bis dahin bevorzugten Kriegsthematik ab und zeichnet mit dem
Namen »Bert Brecht«.
1917
Not-Abitur am das Augsburger Realgymnasium.
Bekanntschaft mit der Arzttochter Paula Banholzer.
Studium in Muenchen an der Philosophischen Fakultaet der
Ludwig-Maximilians-Universitaet (ab 2.10.).
1918
»Lieder fuer die Gitarre«. Seine Beziehung zu Paula Banholzer wird
intensiver. Er schreibt fuer sie Gedichte und nennt sie »Bittersuess«
(abgekuerzt: »Bi«).
Als Gegenentwurf zu Johsts Grabbe-Drama »Der Einsame« schreibt Brecht das
Stueck »Baal« (1. Fassung).
1919
Kriegsdienst als »Militaerkrankenwaerter« in einem Reservelazarett
(1.10.1919-9.1.1919).
Spartakusaufstand in Berlin (5.-12.1.) dient als Stoff fuer das Stueck
»Spartakus« (spaeter: »Trommeln fuer die Nacht«).
Paula Banholzer erwartet von Brecht ein Kind. Auf Veranlassung ihrer Eltern
muss sie die Zeit bis zur Geburt in einem Dorf verbringen.
Lion Feuchtwanger urteilt guenstig ueber Brechts Stueck »Trommeln in der
Nacht«.
Geburt von Frank Banholzer, Sohn Brechts und Paula Banholzers (30.7.).
Fertigstellung von fuenf Einaktern.
In der neuen Augsburger Tageszeitung der USPD »Der Volkswille« erscheint
(am 13.10.) die erste Theaterkritik Brechts (vom 13.10.1919-2.1.21
insgesamt 27 Rezensionen und Polemiken).
1920
Erste Reise nach Berlin. Bekanntschaft mit Schriftstellern, Schauspielern,
Kabarettisten und Verlegern.
Tod der Mutter (1.5.).
1921
Bekanntschaft mit der Opernsaengerin Marianne Zoff.
Beginn der Arbeit an dem Stueck »Im Dickicht« (September).
Zwischenaufenthalt bei Marianne Zoff in Wiesbaden, wo sie jetzt als
Saengerin engagiert ist.
Bei zweiter Berlinreise (7. 11. 1921-26. 4. 1922) Abschluss von Vertraege.
Bekanntschaft mit Arnolt Bronnen.
1922
Einlieferung in die Berliner CharitÈ (3.1.) wegen Unterernaehrung und
Nierenentzuendung.
Bekanntschaft mit dem Theaterkritiker des »Berliner Boersen-Courier«
Herbert Jhering.
Urauffuehrung von »Trommeln in der Nacht« (29.9.) an den Muenchener
Kammerspielen (Regie: Otto Falckenberg).
Erstdruck von Brechts Stueck »Baal« im Kiepenheuer Verlag.
Dramaturgenvertrag mit den Muenchener Kammerspielen.
Heirat Brechts mit Marianne Zoff in Muenchen (3.11.).
Verleihung des Kleist-Preises an Brecht fuer seine Stuecke »Trommeln in der
Nacht«, »Baal« und »Im Dickicht«.
Premiere von »Trommeln in der Nacht« (20.12.) im Deutschen Theater. (Regie:
Otto Falckenberg.)
Erstdruck von »Trommeln in der Nacht.
1923
Fertigstellung des Films »Mysterien eines Frisiersalons« (einzig
ueberlieferter Stummfilm Brechts).
Geburt von Hanne Brecht, der Tochter Brechts und seiner Frau Marianne (12.3.).
Bearbeitung von Marlowes »Leben Eduards des Zweiten von England«.
Urauffuehrung »Im Dickicht« (9.5.) am Residenz-Theater Muenchen (Regie:
Erich Engel, Buehnenbild: Caspar Neher)..
In Berlin verhandelt in Berlin mit Verlagen und Theatern.
Bronnen macht auf die Wiener Schauspielerin Helene Weigel aufmerksam.
Als Dramaturg an den Muenchener Kammerspielen.
Urauffuehrung von »Baal« (8.12.) am Alten Theater Leipzig (Regie: Alwin
Kronacher).
1924
Brecht leitet die Proben zu »Leben Eduards des Zweiten von England«.
Urauffuehrung von »Leben Eduards des Zweiten von England«(19.3.) nach
Christopher Marlowe in den Muenchener Kammerspielen.
Einige Tage in Berlin bei Helene Weigel. Da sie von Brecht schwanger ist,
nimmt sie in diesem Jahr keine Rollen mehr im Theater an.
Urlaubsreise mit seiner Frau Marianne und Tochter Hanne auf die Insel Capri
und nach Positano (April-Juni).
In Berlin Arbeit mit Hermann Kasack an der Zusammenstellung frueher
Gedichte ( »Hauspostille«).
Umzug nach Berlin (September). Dramaturg am Deutschen Theater.
Premiere von Brechts Stueck »Dickicht« (29.10.) in Berlin.
Geburt von Brechts Sohn Stefan Weigel (3.11.).
Anfang Dezember: Arbeit an »Mann ist Mann«.
Premiere von »Leben Eduards des Zweiten von England« (4.12.) am Staatlichen
Schauspielhaus Berlin; Regie: Juergen Fehling.
1925
Zusammenarbeit mit der Lehrerin und Journalistin Elisabeth Hauptmann, die
bis zu seinem Lebensende eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen wird.
Umzug in die Atelierwohnung Spichernstrasse 16 .
Reise nach Wien.
1926
Berliner Premiere vom »Lebenslauf des Mannes Baal« (14.2.) mit der Jungen
Buehne.
Brecht erfaehrt von der Liaison seiner Frau mit dem jungen Schauspieler
Theo Lingen. Aufkuendigung aller Zahlungen.
Mit Caspar Neher Reise ueber Koeln nach Paris.
Mit Elisabeth Hauptmann nach Wien (Juli). Gespraeche mit einem ÷konomen
ueber Vorgaenge an amerikanischen Boersen.
Gleichzeitige Urauffuehrung von »Mann ist Mann« am Hessischen Landestheater
in Darmstadt und am Duesseldorfer Schauspielhaus (25.9.).
In Berlin Studium des »Kapitals« von Karl Marx.
1927
Als Preisrichter Ablehnung eines Preises fuer einen der ueber 400 jungen
Lyriker, die Gedichte eingeschickt hatten. Urteil ruft zahlreiche Proteste
hervor.
Bekanntschaft mit dem Komponisten Kurt Weill, mit dem er in der Folgezeit
vielfaeltig zusammenarbeitet.
Erstdruck von Bertolt Brechts »Hauspostille« im Propylaeen-Verlag, Berlin.
In Baden-Baden inszeniert Brecht (11.-18.7.) das Song-Spiel »Mahagonny«,
Musik: Kurt Weill.
Scheidung von Marianne Zoff-Brecht (22.11.).
1928
Erfolgreiche Berliner Premiere von »Mann ist Mann« (4.1.) an der
Volksbuehne Berlin (Regie: Erich Engel).
Auf der Grundlage einer Ðbersetzung der »Beggar's Opera« von John Gay
(durch Elisabeth Hauptmann) bearbeitet Brecht die alte englische ballad
opera.
Urauffuehrung der »Dreigroschenoper« (am 31.8.) im Theater am
Schiffbauerdamm. Bisher groesster Erfolg eines Brecht-Stueckes.
Umzug in die Hardenbergstrasse 1A, Berlin (30.10.).
Mit Kurt Weill Arbeit an einem Radiolehrstueck ueber den amerikanischen
Fliegers Charles Lindbergh ( »Der Flug der Lindberhgs«).
1929
Mit Slatan Dudow und Elisabeth Hauptmann Arbeit an dem »Badener Lehrstueck
vom Einverstaendnis«.
Heirat Brechts mit Helene Weigel (10.4.).
Starker Eindruck des »Berliner»Blutmai« (1.5.) auf Brecht.
Plagiatsvorwurf Alfred Kerrs: Brecht habe in den Songs der
»Dreigroschenoper die Villon-Ðbersetzung von K.L.Ammer« benutzt.
»Gesellschaftsvertrag« Brechts mit dem Verlag Felix Bloch Erben (bis zum
1.6.1936).
Bekanntschaft mit Walter Benjamin.
Urauffuehrung vom des »Badener Lehrstuecks vom Einverstaendnis« (28.7.) in
Baden-Baden, Musik von Paul Hindemith; Regie: Brecht.
Mit Kurseinbruechen an der New Yorker Boerse (»Schwarzer Freitag«, 25.10.)
beginnt die Weltwirtschaftskrise.
Konzertauffuehrung von »Der Lindberghflug« (5.12.) in Berlin.
1930
Fertigstellung einer ersten Fassung der Schuloper »Der Jasager«.
Arbeit an dem Lehrstueck »Die Massnahme«, erstmals zusammen mit dem
Komponisten Hanns Eisler.
Urauffuehrung der Oper »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« (9.3.) im
Neuen Theater Leipzig fuehrt zu Theaterskandal.
Fertigstellung der 1. Fassung des Lehrstuecks »Die Massnahme«.
Arbeit an »Die heilige Johanna der Schlachthoefe«.
Beginn der Buchreihe »Versuche« im Verlag Gustav Kiepenheuer (bis 1933:
acht Hefte).
Urauffuehrung der Schuloper »Der Jasager« (23.6.; Leitung: Heinrich
Martens) durch Schueler von Berliner Lehranstalten
Vertrag mit der Nero-Film AG ueber Verfilmung der »Dreigroschenoper«.
Brecht wird aber von Arbeiten am Drehbuch ausgeschlossen.
Wegen Nicht-Einhaltung des Vertrags Klage (30.9.) Brechts gegen die
Nero-Film AG.
Geburt von Barbara Marie Brecht (28.10.), Tochter von Brecht und Helene Weigel.
Bekanntschaft mit Karl Korsch und Hermann Duncker.
In dem Rechtsstreit mit der Nero-Film AG schliesst Brecht Vergleich (19.11.).
Die Urauffuehrung des Lehrstuecks »Die Massnahme« im Haus der Berliner
Philharmonie (13./14.12.).
1931
2.: Bei der Premiere des von Brecht ueberabeiteten Stuecks »Mann ist Mann«
(6.2.) im Staatlichen Schauspielhaus kommt es zu Theaterskandal.
Urauffuehrung der deutschen Version des Films »Die Dreigroschenoper«
(19.2.) im Berliner Film-Lichtspieltheater Atrium.
Arbeit an einem Filmdrehbuch mit dem Titel »Weekend - Kuhle Wampe«
Teilnahme Brecht an den Dreharbeiten von »Kuhle Wampe« teil. Gleichzeitig
mit Guenther Weisenborn, Hanns Eisler, Slatan Dudow und Elisabeth Hauptmann
Bearbeitung von Maxim Gorkis Roman »Die Mutter« fuer die Buehne.
1932
Urauffuehrung von »Die Mutter«(17.1.) im Komoedienhaus am Schiffbauerdamm.
Beginn der Zusammenarbeit und Freundschaft mit der Kontoristin und
Arbeiterschauspielerin Margarete Steffin.
Mehrfaches Verbot des Films »Kuhle Wampe oder Wem gehoert die Welt?«. Die
Verbote loesen in der linken und in der liberalen Presse verbreitet
Entruestung aus. Schliesslich Freigabe des Films mit Auflage von Schnitten.
Unter Beteiligung von Brecht und Eisler Urauffuehrung des Films »Kuhle
Wampe« (14.5.) in Moskau.
Berliner Premiere des Films »Kuhle Wampe« (30.5.).
Bei Bearbeitung von Shakespeares »Mass fuer Mass« bezieht Brecht auch
Margarete Steffin ein.
Kauf eines Landhauses in Utting am Ammersee (8.8.).
Durchsicht der Umarbeitung von »Mass fuer Mass oder die Salzsteuer« und
Ablieferung an den Verlag.
1933
Reichspraesident von Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler (30.1.).
Der Berliner Reichstag geht in Flammen auf (27.2.). Die Brandstiftung
lasten die Nationalsozialisten der KPD an und setzen deshalb (am 28.2.)
eine Notverordnung zum »Schutz von Volk und Staat« und gegen »Verrat am
deutschen Volk und hochverraeterische Umtriebe« durch.
28. 2.: Flucht Brechts mit Helene Weigel aus Deutschland nach Prag. Sohn
Stefan kommt mit dem Flugzeug nach, Tochter Barbara wird von Brechts
Hausangestellter Maria Hold nach Augsburg gebracht.
16-17 Arbeiten fuer die Schublade und Bemuephungen zu ueberleben
Brecht, Helene Weigel und Stefan kommen zunaechst in Wien bei deren Vater
unter (4.-12.3.).
Reise in die Schweiz (13.3.-Juni).
Brecht faehrt nach Lugano und trifft sich mit der im nahegelegenen Agra
befindlichen Margarete Steffin. Die in Wien mit Stefan zurueckgebliebene
Helene Weigel gewinnt eine englische Quaekerin dafuer, die Tochter Barbara
in Augsburg abzuholen und (als ihr eigenes Kind) ueber die Grenze zu
bringen.
In Paris schreibt Brecht das Ballettlibretto (Mitte April) »Die sieben
Todsuenden der Kleinbuerger« (Musik: Kurt Weill). Im Juni nimmt er an den
Proben teil.
Im Juni Beginn der Arbeit an dem »Dreigroschenroman«.
Helene Weigel uebersiedelt mit ihren Kindern von Lugano auf Thuroe, eine
Insel in der Naehe der Kleinstadt Svendborg (auf Fuenen), wo sie bei der
Schriftstellerin Karin Michaelis Unterkunft findet.
Urauffuehrung des Balletts »Die sieben Todsuenden« im ThÈ’tre des
Champs-ElysÈes in Paris( 7.6.).
Brecht trifft (am 22.6.) auf Thuroe ein (bleibt dort bis 8.9.).
Im Juli Beginn der Arbeit an der Gedichtsammlung »Lieder Gedichte Choere«.
Reise nach Paris (bis 16.9.). Durchsicht und Ergaenzung der von Margarete
Steffin vorbereitete Gedichtsammlung »Lieder Gedichte Choere«.
Mit Margarete Steffin Reise (17.9.-17.10.) nach Sanary/Var zu Lion
Feuchtwanger.
Ðbersiedlung nach Svendborg (bis 22. 4. 1939), wo inzwischen Helene Weigel
das neu erworbene Haus Skovsbostrand 8 eingerichtet hat.
1934
Die Gedichtsammlung »Lieder Gedichte Choere« erscheint (im April) in Paris.
Reise nach London (3.10. 1934-20. 12.1935). Verhandlungen mit Verlagen und
Arbeit an Liedern und Filmstories.
Erstdruck des »Dreigroschenromans« erscheint ( im Oktober) in Amsterdam.
1935
Reise nach Moskau (14.3.-17. 5.). Er sieht mit grossem Interesse die
Auftritte des chinesischen Schauspielers Mei Lan-fang und seiner Truppe.
Beginn der Zusammenarbeit und Freundschaft mit Ruth Berlau (im Juni).
Ausbuergerung Brechts aus Deutschland (8.6.).
Brecht nimmt in Paris (15.- 26. 6.). am I. Internationalen
Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur teil.
Brecht arbeitet (Mitte Juli) an dem Schulstueck »Die Horatier und die
Kuriatier« und an der Umarbeitung von »Die Rundkoepfe und die Spitzkoepfe«.
Reise nach New York (7.10.1935-16.2.1936), wo Brecht zusammen mit Hanns
Eisler an den Proben von »Die Mutter« teilnimmt. In der Phase der Endproben
verschaerfen sich wegen Verstuemmelung des Textes die Schwierigkeiten in
der Zusammenarbeit der Autoren mit dem Theater. Premiere von »Die Mutter«
mit der Theatre Union am Civic Repertory Theatre (19.11.).
1936
Rueckreise Brechts nach Daenemark (5.-26.2.).
Reise nach London (6.3.-28.7.).
In Moskau erscheint (am 21.7.) die erste Ausgabe der literarischen
Monatsschrift »Das Wort«, fuer die als Redaktion Bertolt Brecht, Lion
Feuchtwanger, Willi Bredel zeichnen.
Urauffuehrung von »Die Rundkoepfe und die Spitzkoepfe« im Theater
Riddersalen Kopenhagen (4.11.).
1937
Hanns Eisler haelt sich (vom Januar bis September) in Svendborg auf und
arbeitet mit Brecht an zahlreichen Projekten, u.a. an einer Oper »Goliath«.
Brecht arbeitet am »Tuiroman« und an zahlreichen Aufsaetzen ueber den
Verfremdungseffekt.
Seit April arbeitet Brecht an einem Stueck ueber den spanischen
Buergerkrieg, das er in der 1. Fassung »Generaele ueber Bilbao« nennt
(spaeter: »Die Gewehre der Frau Carrar«).
Zur Abschlussveranstaltung des II. Internationalen Schriftstellerkongresses
traegt Brecht seine »Rede zum II. Internationalen Schriftstellerkongress
zur Verteidigung der Kultur« vor.
Reise nach Paris und Sanary (12.9.-13.10.). Brecht beteiligt sich an der
franzoesischen Inszenierung der »Dreigroschenoper«. Helene Weigel beginnt
mit Slatan Dudow die Proben zu »Die Gewehre der Frau Carrar«.
Zurueck in Paris, nimmt Brecht an den Endproben von »Die Gewehre der Frau
Carrar« teil, die am 16. 10. in der Salle Adyar uraufgefuehrt werden.
1938
Gemeinsam mit Margarete Steffin hat Brecht (im Februar) die Arbeit an einer
Ðbersetzung der »Erinnerungen« von Martin Andersen Nexoe begonnen.
Deutsche Truppen marschieren (am 10.4.) in ÷sterreich ein.
Urauffuehrung von Szenen aus »Furcht und Elend des III. Reiches« in Paris
(am 21.5.); Regie: Slatan Dudow, u.a. mit Helene Weigel. Die Musik
komponiert und spielt Paul Dessau.
Ende Mai erscheinen zwei Baende »Gesammelte Werke« von Brecht im
Malik-Verlag, London.
Brecht schreibt (im Juli) den »Aufsatz Weite und Vielfalt der realistischen
Schreibweise« als einen Beitrag fuer die Realismusdebatte im »Wort«, in dem
er sich kritisch mit Georg Luk·cs' Formalismus- und Dekadenzbegriff
auseinandersetzt.
Brecht schreibt (von Ende Oktober bis 23.11.) das Stueck »Leben des
Galilei« (daenische Fassung).
1939
Die Zeitschrift »Das Wort« wird (am 29.3.) eingestellt und mit der
deutschen Ausgabe der Zeitschrift »Internationalen Literatur«
zusammengelegt.
Im Maerz beantragt Brecht im Konsulat der USA fuer sich, Helene Weigel und
die beiden Kinder ein Einwanderungsvisum und die Aufnahme in die
Einreisequote.
Ðbersiedlung nach Stockholm / Lidingoe (vom 23.4.1939-16. 4. 1940).
Erstdruck der Gedichtsammlung »Svendborger Gedichte« (im Juni),
1.9.: Ðberfall Deutschlands auf Polen, Beginn des 2. Weltkriegs.
Arbeit an »Mutter Courage und ihre Kinder« (27.9.- 3.10.).
Arbeit an dem Hoerspiel »Das Verhoer des Lukullus«.
1940
Deutsche Truppen marschieren (am 9.4.) in Daenemark ein und beginnen, auch
Norwegen zu besetzen.
Flucht aus Schweden (am 17.4.), weil er sich bedroht fuehlt.
Aufenthalt in Helsinki (vom 22.4. » 5.7.). Um die Einreise Brechts in die
USA zu forcieren, wird ihm durch Vermittlung von Freunden in New York eine
Dozentur angeboten.
Brecht beendet (am 20.6.) im »grossen und ganzen« den »Guten Menschen von
Sezuan«.
Da die amerikanischen Visa noch nicht erteilt werden, Brecht faehrt mit
seiner Familie auf das Landgut Marlebaeck der finnischen Dichterin Hella
Wuolijoki (vom 5.7. » 6.10.) und bezieht dort ein kleines Bauernhaus.
Arbeit an »Herr Puntila und sein Knecht Matti« (vom 2. »19.9.).
1941
Fuer das amerikanische Theater schreibt Brecht »Der Aufstieg des Arturo
Ui«. (vom 10.-29.3.
Urauffuehrung von »Mutter Courage und ihre Kinder« im Schauspielhaus
Zuerich (am 19.4.).
Brecht reist mit seiner Familie, mit Margarete Steffin und Ruth Berlau (am
15.5.) von Helsinki ab und faehrt ueber Leningrad nach Moskau. Dort
verschlechtert sich der Gesundheitszustand von Margarete Steffin; sie muss
in eine Klinik eingeliefert werden und stirbt (am 4.6.).
Von Wladiwostok aus reist Brecht mit seienr Familie und Ruth Berlau nach
Amerika. Waehrend der Ðberfahrt erfahren sie (am 22.6.) von dem deutschen
Angriff auf die Sowjetunion.
Ðbersiedlung in die USA (21.7.1941 » 31.10.1947).
1942
Da Brecht noch nicht 45 Jahre alt und deutscher Abstammung ist, muss er
sich (am 16.2.) als Kriegsdienstpflichtiger und als »enemy alien«
(feindlicher Auslaender) registrieren lassen.
Brecht und der Hollywooder Filmregisseur Fritz Lang schreiben (im Mai) eine
Filmstory ueber das Attentat tschechischer Patrioten auf den
Stellvertretenden Reichsprotektor von Boehmen und Maehren Heydrich in Prag.
Brecht wird daraufhin in einem Buero der Filmfirma United Artists in
Hollywood angestellt und arbeitet mit dem Filmschreiber John Wexley weiter
an dem Lang-Film.
In Santa Monica Umzug in ein neues schoeneres Haus in der 26. Strasse, Nr.
1063 (am 12.8.).
1943
Brecht und Lion Feuchtwanger schliessen (Anfang Februar) die erste Fassung
des Stueckes »Die Gesichte der Simone Machard« ab.
Am 4.2. Urauffuehrung von »Der gute Mensch von Sezuan« am Schauspielhaus
Zuerich (Regie: Leonard Steckel; Buehnenbild: Teo Otto).
Reise nach New York (8.2. » 26.5.) Brecht trifft viele deutsche und
oesterreichische Emigranten und bemueht sich um Buchausgaben und
Theaterauffuehrungen.
Brecht beginnt (im April) mit Hoffmann Hays und Elisabeth Hauptmann eine
Bearbeitung von John Websters »Duchess of Malfi« fuer Elisabeth Bergner.
Urauffuehrung von »Galileo Galilei« im Zuericher Schauspielhaus (9.9.;
Musik: Hanns Eisler; Regie: Leonard Steckel, der auch die Titelrolle
spielt; Buehnenbild: Teo Otto).
Brechts unehelicher Sohn Frank Banholzer, bei der deutschen Luftwaffe
eingesetzt, wird nach Genesung von einer Verletzung in einem
Landjaegerregiment an der Ostfront eingesetzt und kommt (am 13.11.) bei
einem Bombardement ums Leben.
Reise nach New York (9.11. 1943 » 22.3.1944). Er lernt den Theologen Paul
Tillich kennen und nimmt an dem ersten Treffen von Exilpolitikern teil, bei
dem die Gruendung eines Councils for a Democratic Germany beschlossen wird.
Ziel des Councils ist die Einigung der deutschen demokratischen Kraefte im
Exil.
1944
Brecht schliesst das Stueck »Der kaukasische Kreidekreis« (am 5.6.; 1.
Fassung) ab, das er fuer die Schauspielerin Luise Rainer geschrieben hat.
Seit Anfang des Jahres arbeitet Brecht an einer Serie von »Fotoepigrammen«,
die bereits »ueber 60 Vierzeiler« umfasst.
Ruth Berlau, die im 7. Monat schwanger ist, muss sich (am 3.9.) wegen eines
Tumors in Los Angeles einer Operation unterziehen. Dabei wird ihr und
Brechts Sohn vorzeitig geboren und stirbt wenige Tage danach.
Beginn der Arbeit mit Charles Laughton (im Dezember) an der Ðbersetzung von
»Leben des Galilei« und an einer amerikanischen Buehnenfassung (»Galileo«).
1945
An der deutschen Ostfront beginnt die sowjetische Grossoffensive (Mitte
Januar).
Beginn einer Versifizierung des »Kommunistischen Manifests« in der Art des
Lukrezischen Lehrgedichts, als »Fleissarbeit«.
8. 5.: Kapitulation Deutschlands.
Brecht und Hanns Eisler sind fuer die Teilnahme an den Proben zu »Furcht
und Elend des III. Reiches« nach New York gereist (Brecht vom 19.5. »
15.7.), Premiere: 12.6.).
Ein amerikanisches Flugzeug wirft ueber Hiroshima (am 6.8.) die erste
amerikanische Atombombe ab und macht die japanische Stadt dem Erdboden
gleich. Brecht erhaelt dadurch eine andere Sicht auf Galilei. Eine zweite
Fassung des Stuecks wird (am 1.12.) abgeschlossen.
1946
Brechts Bruder Walter berichtet (am 26.6.) aus Darmstadt von seinem
Geschick und dem seiner Familie sowie vom Tod Frank Banholzers, des Sohns
von Brecht: »Er war ein stiller, bescheidener, ausserordentlich
intelligenter junger Mensch. Wir haben ihn lieb gehabt.«
Brecht faehrt mit Ruth Berlau, die er mit nach Santa Monica genommen hatte,
nach New York (Ankunft 22.9.) und kuemmert sich um die Auffuehrung von »The
Duchess of Malfi«.
1947
Brecht, Helene Weigel und Barbara bekommen (am 29.3.) ein »Exit- und
Reenter-Permit, um in die Schweiz zu reisen«.
Premiere von »Galileo« im Coronet Theatre in Beverly Hills (30.7.).
Brecht erhaelt eine Vorladung, vor dem Kongressausschuss fuer
Unamerikanische Betaetigungen in Washington zu erscheinen und dreist (am
16.10.) mit Helene Weigel und Barbara nach New York, am 16.10. nach
Washington.
Vormittags wird (am 30.10.) Brecht vom Kongressausschuss fuer
Unamerikanische Betaetigungen verhoert.
Am 31.10. Flug nach Paris und Weiterreise nach Zuerich. Zusammentreffen mit
Caspar Neher, der fuer das Zuercher Schauspielhaus arbeitet. Er verhandelt
ueber Arbeitsmoeglichkeiten. Helene Weigel und Barbara sind von New York
mit dem Schiff nach Europa gefahren und kommen (am 19.11.) in Zuerich an.
Umzug (am 22.11.) mit Helene Weigel und Tochter Barbara in ein Landhaus
nach Feldmeilen.
1948
Probenarbeit in Chur (Januar/Februar).
Urauffuehrung von »Die Antigone des Sophokles nach der Hoelderlinschen
Ðbertragung fuer die Buehne bearbeitet von Brecht« im Stadttheater Chur
(15.2.).
Brecht leitet (im Mai) die Proben von »Herr Puntila und sein Knecht« in
Zuercher Schauspielhaus.
Urauffuehrung von »Herr Puntila und sein Knecht« am Zuercher Schauspielhaus.
»Kleines Organon fuer das Theater« (im August) fertiggestellt.
In Salzburg (am 17.10.). Gespraeche mit Gottfried von Einem. Weiterreise
nach Prag und Zusammentreffen mit Hanns Eisler.
Reise mit Helene Weigel nach Berlin (22.10.). Am Folgetag offizieller
Empfang im Haus des Kulturbundes.
1949
Wegen eines Theaterprojekts wird Brecht zum Oberbuergermeister Ost-Berlins
»geholt«. Er fuehlt »zum ersten Mal ...den erstickenden Atem des
Provinzialismus«.
Premiere von »Mutter Courage und ihre Kinder« im Deutschen Theater (11.1.).
Die Auffuehrung wird einer der groessten Theatererfolge der Nachkriegszeit.
Trotz des Triumphzugs der Auffuehrung eroeffnen die Gegner Brechts in der
SED eine kritische Auseinandersetzung mit seinem aesthetischem Konzept.
Rueckreise ueber Prag nach Zuerich (22.-26.2.). Er schreibt er fuer Berlin
»Die Tage der Kommune«, ein Stueck ueber Sieg und Untergang der Commune von
Paris 1871.
Gottfried von Einem schlaegt Brecht ein »Festspiel« fuer Salzburg vor (5.3.).
In einem Sonderheft fuer Bertolt Brecht der neuen Berliner Zeitschrift
»Sinn und Form« erscheint u.a. erstmals »Der kaukasische Kreidekreis« und
das »Kleine Organon fuer das Theater« (Maerz).
Fuer das Salzburger Festspiel, das Brecht schreiben will, ist ihm ein
»Ÿquivalent« eingefallen, teilt er Gottfried von Einem mit. Ein »Asyl« sei
ihm, dem Staatenlosen, mehr wert »als Vorschuss irgendwelcher Art«. Er
moechte fuer sich und fuer Helene Weigel die oesterreichische
Staatsbuergerschaft beantragen. »Ich kann mich ja nicht in irgendeinen Teil
Deutschlands setzen und damit fuer den andern Teil tot sein.«
Mit Barbara Reise von Zuerich nach Salzburg (24.-27.5.). Nach einem
Zwischenaufenthalt faehrt er ueber Prag nach Berlin weiter (Ankunft: 30.5.).
30-31 Experimente auf dem Theater / Auseinandersetzungen mit Kunstfeinden
In Ost-Berlin erhaelt Brecht (am 10.6.) den Deutschen Personalausweis fuer
Staatenlose.
Mit dem Auto Reise von Berlin nach Freilassing und von dort nach Salzburg
(28.8.). Gespraeche mit Gottfried von Einem ueber das Festspiel »Der
Salzburger Totentanz«. Er verhandelt mit Beamten ueber seinen Antrag auf
oesterreichische Staatsbuergerschaft.
Brecht besucht seine Heimatstadt Augsburg und faehrt nach Berlin zurueck
(4.9.).
In Bonn konstituiert sich (am 7.9.) als gesetzgebendes Gremium der
Bundesrepublik Deutschlands der Bundesrat und der Bundestag. Gruendung der
Deutsche Demokratische Republik als selbstaendiger Staat (7.10.).
In Berlin offizielle Premiere von »Herr Puntila und sein Knecht Matti« (am
12.11.), zugleich Eroeffnungsvorstellung des neugegruendeten Berliner
Ensembles im Hause des Deutschen Theaters.
Mit Heft 9 der »Versuche« setzt Brecht die 1933 unterbrochene Reihe seiner
Werke fort.
Am 23.12. Premiere der zweiten Inszenierung des Berliner Ensembles: »Wassa
Schelesnowa« von Maxim Gorki (Regie: Berthold Viertel; mit Therese Giehse).
1950
Der Unterrichtsminister Felix Hurdes bekundet (am 17.2.) das
oesterreichische Staatsinteresse an Brecht; er geniesse als Schriftsteller
»internationalen Ruf«.
Gruendung der Deutschen Akademie der Kuenste (am 24.3.). Brecht, Helene
Weigel, Hanns Eisler und Erich Engel werden als Mitglieder aufgenommen.
Premiere von »Der Hofmeister«, Tragikomoedie von Jacob Michael Reinhold
Lenz (am 15.4.), Regie: Brecht und Caspar Neher.
Im Suhrkamp Verlag erscheint im April Heft 10 der »Versuche«.
Reise nach Muenchen (Anfang September). In den Muenchener Kammerspielen
beginnt Brecht die Proben von »Mutter Courage und ihre Kinder«.
Erfolgreiche Premiere von »Mutter Courage und ihre Kinder« in den
Muenchener Kammerspielen (8.10.), Regie: B (nach dem Berliner Modell).
1951
Premiere von »Die Mutter« mit dem Berliner Ensemble im Deutschen Theater
(12.1.).
Nach Diskussionen um die Oper »Das Verhoer des Lukullus« wird ein
sofortiger Abbruch der Proben verlangt. Brecht setzt aber Weiterfuehrung
der Arbeit durch.
Auf der 5. Tagung des ZK der SED werden (Mitte Maerz) Massnahmen gegen den
Formalismus in der Kunst (Beispiele u.a.: »Das Verhoer des Lukullus« und
»Die Mutter«) beschlossen.
Die erzwungene (einmalige) geschlossene Urauffuehrung der Oper »Das Verhoer
des Lukullus« in der Deutschen Staatsoper (17.3.) wird zu einem triumphalen
Erfolg fuer Brecht und Dessau. Nach Diskussionen bei Wilhelm Pieck
erklaeren sich beide zu Veraenderungen des Textes und der Musik bereit.
Gleichzeitig Premiere im Berliner Ensemble: Biberpelz und roter Hahn von
Gerhart Hauptmann; Regie: Egon Monk; mit Therese Giehse.
Brecht nimmt am Ersten Deutschen Kulturkongress in Leipzig (16.-18.5.) teil
und haelt am 16.5. seine Rede »Einige Bemerkungen ueber mein Fach«.
Im Suhrkamp Verlag erscheint Heft 11 der »Versuche«.
Brecht bereitet im Ostseebad Ahrenshoop (10.7.-16.8.) mit seinen
Mitarbeitern die Herausgabe eines Theateralmanachs im Dresdener Verlag
ueber die ersten sechs Inszenierungen des Berliner Ensembles vor
(»Theaterarbeit«).
Nach einer Hauptprobe der von Brecht und Dessau geschriebenen Kantate
»Herrnburger Bericht« wuenscht Erich Honecker die Auslassung eines Liedes,
in dem Ernst Busch erwaehnt wird.
Urauffuehrung des »Herrnburger Berichts« im Deutschen Theater (5.8.);
musikalische Leitung: Hans Sandig, Regie: Egon Monk, der auch die
Zwischentexte spricht; mit dem Chor des Mitteldeutschen Rundfunks Leipzig.
»Mutter Courage und ihre Kinder«, bisher vom Deutschen Theater gespielt,
kommt in einer Neuinszenierung mit dem Berliner Ensembles heraus (11.9.).
Brecht verfasst einen »Offenen Brief an die deutschen Schriftsteller und
Kuenstler« (26.9.), in dem er sie zum Frieden aufruft.
Nach Bekanntwerden der oesterreichischen Staatsbuergschaft fuer Brecht
beginnt in ÷sterreich (im Oktober) eine Pressekampagne gegen die
Entscheidung und gegen Gottfried von Einem.
Brecht erhaelt den Nationalpreis I. Klasse (7.10.).
Urauffuehrung der veraenderten Oper mit dem neuen Titel »Die Verurteilung
des Lukullus« in der Deutschen Staatsoper Berlin (12.10.).
Im Aufbau-Verlag erscheint die Gedichtsammlung »Hundert Gedichte«.
1952
Brecht uebernimmt (im Januar) die Endproben des »Zerbrochnen Krug«
(Premieren am 23.1; Regie: Therese Giehse, Buehnenbild: Hainer Hill; mit
Erwin Geschonneck als Adam).
Eine Ausstellung von Plastiken Ernst Barlachs in der Akademie der Kuenste
wird von der Parteipresse scharf kritisiert. In seinen »Notizen zur
Barlach-Ausstellung« schaetzt Brecht den Kuenstler »fuer einen der
groessten Bildhauer« Deutschlands und beschreibt seine Plastiken als
»Meisterwerke«.
Brecht findet (im Februar) in Buckow am Schermuetzelsee ein groesseres
Pachtgrundstueck mit zwei Haeusern, das ihm und Helene Weigel zusagt.
Mit Helene Weigel Reise nach Warschau und Krakow (25.2.-2.3.). Sie besuchen
Theater Auffuehrungen und treffen sich mit Kuenstlern.
Premiere von Goethes »Urfaust« am Landestheater Potsdam (23.4.), Gastspiel
des BE; Regie: Egon Monk, Musik: Paul Dessau, Buehnenbild: Hainer Hill und
Caspar Neher.
Das Buch »Theaterarbeit. 6 Auffuehrungen des Berliner Ensemble« (Redaktion:
Ruth Berlau, Bertolt Brecht, Claus Hubalek, Peter Palitzsch, Kaethe
Ruelicke) kommt heraus.
Im Sommer arbeitet Brecht in Buckow an Shakespeares »Coriolan«. Ausserdem
wird das Bauernstueck »Katzgraben« von Erwin Strittmatter fuer eine
Auffuehrung eingerichtet.
Reise zu den Endproben von »Der gute Mensch von Sezuan« nach Frankfurt/M.
(13.-15.11.).
Premiere von »Die Gewehre der Frau Carrar« am Berliner Ensemble (16.11.;
Regie: Egon Monk).
Urauffuehrung von »Der Prozess der Jeanne d'Arc zu Rouen 1431« von Anna
Seghers (23.11.); kuenstlerische Leitung: Brecht, Regie: Benno Besson.
Im Dezember erste grosse Auslandstournee des Berliner Ensembles mit »Mutter
Courage«, »Die Mutter«, »Der zerbrochne Krug«, sowie einem Brecht-Abend in
Krakau, Lodz und Warschau.
1953
Unter Leitung Brechts Proben von Erwin Strittmatters Komoedie »Katzgraben«
(24..2.-22.5.). Er laesst die Theaterarbeit protokollieren, ueberarbeitet
waehrend der Proben die Notate sowie eigene Aufzeichnungen und stellt sie
im Proben-Modellbuch »Katzgraben-Notate 1953« zusammen.
Nach Ðbernahme der »Urfaust«-Auffuehrung aus Potsdam nach Berlin
(Berliner-Ensemble-Premiere: 13.3.) kommt es zu sehr kritischen
Ÿusserungen, die eine Absetzung des Stueckes zur Folge haben.
An der Stanislawski-Konferenz beteiligt sich Brecht am 19.4. mit einem
Beitrag ueber Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Spielweise zwischen
Stanislawski und ihm.
Urauffuehrung der Komoedie »Katzgraben« von Erwin Strittmatter am Berliner
Ensemble (23.5.).
Brecht wehrt sich gegen die Anschuldigungen des Formalismus in seinen
»Thesen zur »Faustus«-Diskussion«, in denen er das Faustus-Konzept Hanns
Eislers verteidigt (27.5.).
Bauarbeiter der Stalinallee beginnen in Ost-Berlin (am 16.6.) einen
Demonstrationszug, um die Regierung zu einer Zuruecknahme von Normerhoehung
zu bewegen. Als sich die Protest-Demonstrationen (am 17.6.) gegen die
DDR-Regierung ausdehnen, greifen am Mittag sowjetische Panzer ein. Brecht
aeussert in einer Betriebsversammlung des Berliner Ensembles sein
Verstaendnis fuer die Forderungen der Arbeiter und fordert eine »grosse
Aussprache mit den Massen ueber das Tempo des sozialistischen Aufbaus«. Das
»Neue Deutschland« veroeffentlicht aus Brechts Brief an Ulbricht (am 21.6.)
lediglich den Satz, in dem er seine »Verbundenheit mit der SED« zum
Ausdruck bringt. Brecht ist darueber sehr veraergert, protestiert aber
nicht oeffentlich.
Brecht haelt sich vom Juli bis September vorwiegend in Buckow auf und
arbeitet an dem Stueck »Turandot oder Der Kongress der Weisswaescher« sowie
an den »Buckower Elegien«.
In »Kulturpolitik und Akademie der Kuenste« polemisiert Brecht (am 13.8.)
gegen die bisherige Kulturpolitik der SED. Anregungen fuer die Kunst
koennten nicht durch Administration wirksam werden.
Umzug in eine neue Wohnung in Berlin-Mitte, Chausseestrasse 125 (9.10.).
Im Suhrkamp Verlag erscheint Heft 12 der »Versuche«.
Reise mit Helene Weigel und Ernst Busch nach Wien (15.-29.10.). Brecht
leitet im Neuen Theater an der Scala die Endproben von »Die Mutter«
(Premiere am 31.10.). Helene Weigel schreibt (am 8.11.) aus Wien, die
Auffuehrung sei ein grosser Erfolg.
Nach seiner Rueckkehr arbeitet Brecht in Berlin mit dem franzoesischen
Schriftsteller Vladimir Pozner am Drehbuch zum Film »Herr Puntila und sein
Knecht Matti«.
Brecht beginnt (im November) am Berliner Ensemble mit den Proben von »Der
kaukasische Kreidekreis«. Das Stueck wird mit Unterbrechungen bis Anfang
Oktober 1954 probiert.
1954
Brecht beschaeftigt sich mit der Einrichtung laufender Stuecke fuer das
freiwerdende Theater am Schiffbauerdamm, das in den vorangegangenen Monaten
technisch fuer die Bedingungen des Berliner Ensembles umgebaut wird.
Erste Vorstellung des Berliner Ensembles im Theater am Schiffbauerdamm
(19.3.) mit MoliËres »Don Juan«, Regie: Benno Besson.
Reise nach Amsterdam, Teilnahme am PEN-Kongress (20.-26.6.). Weiterreise
nach Paris (26.6.-6.7.), wo das Berliner Ensemble anlaesslich des ersten
Festivals der dramatischen Kunst mit »Mutter Courage und ihre Kinder«
gastiert. Das Gastspiel wird zu einem Triumph fuer Brecht.
Den Sommer verbringt Brecht, mit einigen Abstechern nach Berlin, in Buckow.
Er ueberarbeitet »Turandot« und ueberarbeitet eine Buehnenfassung von
Bechers »Winterschlacht.
Premiere von »Der kaukasische Kreidekreis« am Berliner Ensemble (7.10.);
Regie: Brecht, Assistenzregie: Manfred Wekwerth, Buehnenbild: Karl von
Appen. Aus Anlass der »Kreidekreis«-Auffuehrung am Berliner Ensemble
beginnt Fritz Erpenbeck - wie bereits 1949 - erneut eine »grundsaetzliche«
Debatte ueber Brechts episches Theater.
18. 12.: Nachdem Thomas Mann eine Annahme des Stalin-Preises von Thomas
Mann abgewiesen hat, spricht sich das Internationale Komitee fuer den
Ersatzkandidaten Brecht aus.
Im Suhrkamp Verlag erscheint Ende des Jahres Heft 13 der »Versuche«.
1955
Premiere von »Winterschlacht« von Johannes R. Becher (12.1.), Musik: Hanns
Eisler, Regie: Bertolt Brecht/Manfred Wekwerth, Buehnenbild: Karl von
Appen/Dieter Berge.
Zum Jahrestag der Zerstoerung Dresdens (am 13.2.) uebergibt Brecht dem
Deutschen Friedensrat 176.203 Unterschriften unter eine Erklaerung gegen
die Pariser Abmachungen und bittet um Weiterleitung an den Weltfriedensrat.
Reise nach Hamburg zur 7. Generalversammlung des PEN-Zentrums Ost und West,
auf der Brecht als Praesident wiedergewaehlt wird (22.-25.3.).
In Frankfurt/M. nimmt Brecht (vom 21.-25.4.) an den Endproben zu »Der
kaukasische Kreidekreis« teil; er trifft sich taeglich mit Peter Suhrkamp.
Anschliessend faehrt er nach Muenchen und spricht mit Hans Schweikart und
Caspar Neher ueber die geplante Inszenierung des »Guten Menschen von
Sezuan« an den Kammerspielen.
Mit Helene Weigel und Kaethe Ruelicke Reise nach Moskau (17.-27.5.). Er
trifft sich mit Freunden und Schriftstellern, besucht zahlreiche
Theaterauffuehrungen und verhandelt ueber die Edition seiner Werke. Am
25.5. wird ihm der Stalin-Preis ueberreicht..
Reise nach Paris (15.-29.6.) wegen des Gastspiels mit »Der kaukasische
Kreidekreis« im ThÈ’tre Sarah Bernard. Weiterreise nach Muenchen zur
Teilnahme an den Endproben zu »Der gute Mensch von Sezuan«.
Wolfgang Staudte beginnt in der DEFA mit den Dreharbeiten fuer »Mutter
Courage« (August). Sie werden spaeter wegen Meinungsverschiedenheiten des
Regisseurs mit Brecht abgebrochen.
Premiere von »Pauken und Trompeten« von George Farquhar, Musik: Rudolf
Wagner-RÈgeny, Regie: Benno Besson, Buehnenbild: Karl von Appen (19.9.).
Premiere »Die Ziehtochter oder Wohltaten tun weh« von Alexander Ostrowski,
Regie: Angelika Hurwicz, Buehnenbild: Karl von Appen (12.12.).
Nach dem Befund seines West-Berliner Arztes (Mitte Dezember) wird Brecht,
der an einer Grippe mit leichtem Fieber erkrankt ist, taeglich zwei Stunden
Probenarbeit gestattet. Er beginnt daraufhin mit der Inszenierung von
»Leben des Galilei«.
Im Dezember erscheinen die »Kriegsfibel« im Eulenspiegel-Verlag und
»Versuche«, Heft 14 im Suhrkamp Verlag«. Die Wien Film stellt »Herr Puntila
und sein Knecht Matti« (mit Curt Bois) fertig.
1956
Im Januar Teilnahme am Schriftstellerkongress. Am 12. 1. macht Brecht
kritische »Ausfuehrungen vor der Sektion Dramatik«, am 14.1. haelt er eine
Schlussrede.
Im Suhrkamp Verlag erscheint Heft 14 der »Versuche«.
Mit Tochter Hanne und Elisabeth Hauptmann Reise nach Mailand, um sich (an
seinem Geburtstag) die »Dreigroschenoper« am Piccolo Teatro anzusehen
(7.-11.2.). Die Inszenierung Giorgio Strehlers (Buehnenbild: Teo Otto)
erfaehrt Brechts hoechste Anerkennung.
Im Berliner Ensemble findet die (59. und) letzte Galilei-Probe Brechts
statt (27.3.). Wegen seines sich verschlechternden Gesundheitszustandes
muss er die Proben abbrechen und bittet Erich Engel, die Arbeit
weiterzufuehren.
Brecht begibt sich zur Behandlung »der Folgen einer Virusgrippe« in das
Berliner Krankenhaus CharitÈ (12.4.-12. 5.).
Erich Engel laesst die bisher gearbeiteten Szenen von »Leben des Galilei«
durchlaufen und bricht die Proben ab (19.4.).
Von der Greifswalder Universitaet wird Brecht (im April) die
Ehrendoktorwuerde angeboten.
Nach Entlassung aus der CharitÈ bleibt aber unter taeglicher aerztlicher
Kontrolle. Er faehrt (vom 26.5.-8.8. zur Erholung nach Buckow. Dort beginnt
er mit der Zusammenstellung einer Gesamtausgabe seiner Gedichte.
Brecht richtet einen Appell an den Bundestag gegen die Wiedereinfuehrung
der Wehrpflicht (2.7.).
Nach Diskussionen ueber die Stalin-Kritik auf dem XX. Parteitag der KPdSU
entstehen in Buckow (im Juli) kritische Notizen und Gedichte, die sich mit
den Folgen des Stalinismus beschaeftigen. In einem Gedicht bezeichnet
Brecht Stalin als »verdienten Moerder des Volkes«.
Brecht nimmt (am 10.8.) in Berlin an einer Probe des »Kaukasischen
Kreidekreises« fuer das Londoner Gastspiel teil (letzte Theaterprobe
Brechts). Da sich sein Gesundheitszustand nicht deutlich bessert, bereitet
er die Reise in eine Muenchener Klinik vor.
Am 14.8. diktiert Brecht eine »letztwillige Verfuegung«. Danach ist Helene
Weigel nicht nur die alleinige Erbin, »sondern auch die Verfuegungsgewalt
in der Durchfuehrung« seiner Wuensche«. Er veranlasst eine Geldueberweisung
fuer den Kauf eines Hauses in Daenemark, das Ruth Berlau nutzen soll, und
weist seiner Frau das Recht des Einzugs von Tantiemen und der Verhandlungen
in seinem Namen zu.
23.45 Uhr stirbt Brecht in seiner Wohnung Chausseestrasse 125. Nach
Auskunft seiner Tochter Barbara sind Brechts letzte Worte: »Lasst mich in
Ruhe!«