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Ausgabe #10

Locus Ausgabe Nr.10



Abiball - so nicht!

Wie es aussieht, scheint der Abiball der jetzigen 13.Klasse ein voller Erfolg zu werden. Schließlich ist es das erste Jahr, wo nicht auf den letzten Drücker versucht wird, irgendeine billige Absteige und einen mehr oder weniger qualifizierten DJ zu finden. Verantwortlich dafür: Janine Pape (13.Klasse). Bereits seit dem letzten Oktober organisiert sie, gestützt auf Papas Hilfe, den Abiball und rief außerdem zu einer Spendenaktion für diesen auf. So weit, so gut.
Doch wie gesagt, es scheint nur so. Kurz vor Weihnachten letzten Jahres präsentierte Janine Pape überraschend eine Gästeliste, auf der sich bitteschön jeder eintragen sollte. Eine Gästeliste für das "Cafe Palme", einer kleinen Stube, weit draußen in Schmöckwitz. Maximal zwei Gäste sind neben der eigenen Person erlaubt, was reichlich wenig ist - für das "Cafe Palme" aber schon wieder zuviel. Die jetzt schon vorprogrammierte Enge, die sicherlich noch durch die dort ansässige Jugend forciert wird, ließe sich vielleicht noch ertragen. Nicht aber das Motto, unter dem die Veranstaltung und das damit verbundene Programm steht: Der Abiball soll zur großangelegten Danksagung an die Eltern werden, die uns all die Jahre unterstützt haben.
Abgesehen davon, daß ein persönliches "Danke" bei den Eltern weitaus mehr Wirkung hat als solch eine Massenabfertigung, ist dagegen nichts einzuwenden. Vielmehr gegen das 08/15- Programm mit Ringelpiez und Feuerschluckern - das Büfett ist im Kulturpaket natürlich mit inbegriffen. Was für eine einfallslose und langweilige Danksagung! Ein paar von SchülerInnen bezahlte Animateure, wie sie in jedem "Holiday-Club" herumhopsen. Dazu noch Plattenunterhalter Jürgen, der das letzte Gefühl von Abiball mit platter Musik vertreibt und die Veranstaltung zum Elterntanzabend degradiert. Vielleicht entsteht ja sogar ein Tischgespräch ("Ach, ihre Tochter ist auch im Biologie-Leistungskurs, wie interessant...").
Im Ernst. Wo bleibt da UNSER Abiball? Es dürfte doch sicher kein Problem sein, ein eigenes Programm auf die Beine zu stellen, an dem Schüler, Lehrer und Eltern - die natürlich kommen dürfen - Gefallen haben.
Ebenso fragwürdig ist der Sinn und Zweck einer Kleiderordnung. Abgesehen davon, daß ein Anzug oder Kostüm bei vielen SchülerInnen einfach nur lächerlich statt feierlich und elegant wirkt, schränkt solch eine Vorschrift auch die Freiheit vieler ein. Es ist nicht jeder für diese Zwänge geboren und manch einer fühlt sich in steifer Abendgarderobe (wenn überhaupt vorhanden) - einfach gesagt - unwohl. Und an einem der (hoffentlich) schönsten Tage des Lebens gekünstelt herumzulaufen - das wünsche ich wirklich keinem.
Eher wünsche ich uns allen, daß über den Abiball und dessen Ablauf noch einmal gründlich nachgedacht wird. Vor allem aber, daß sich mehr als eine Person damit beschäftigen. Denn das sich hier jemand das Recht herausnimmt, den eigen Kopf durchzusetzen und für 114 SchülerInnen zu endscheiden, ist ja wohl mehr als frech.

Alexander Eschment