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Locus Ausgabe Nr.10
Faszination Bildung
Heute: PW und Geschichte
PW - und Geschichtsstunden gehören
natürlich zu den schönsten, die ich
kenne.
Abi - wenn man dieses Wort hört, kommt
einigen das Essen hoch, andere können
es kaum noch erwarten, endlich fertig zu
sein. Fix und fertig, um es genauer
auszudrücken. Wie dem auch sei, bis
dahin ist es ein langer, dornenreicher
Weg, ein Weg über fast ein Jahrzehnt
Geschichte, durch hunderte verstaubter
Buchseiten und interessanten
archäologischen Expeditionen in
ungahnte Tiefen (Nasebohren). Wir
erfahren dabei nicht nur vom
hoffnungsvollen Beginn des Menschen in
der Ursuppe, sondern auch, was es für
eingemachte Könige (Mumien) gibt, wie
sich der Klerus im Mittelalter trotz
Enthaltsamkeit vermehrte (Zellteilung)
oder warum die Bevölkerung während der
französischen Revolution zunahm und
sich die Population der Buchsbaumratte
antiproportional dazu entwickelte
(Reinkarnation). Je weiter man dann auf
das Heute zusteuert, desto schwerer
werden die Augenlider, um so umnebelter
wird das Hirn (oder was man zumindest
dafür hält). Spätestens während der
industriellen Revolution versinkt man
dann endgültig mangels
Durchhaltevermögens in einen
dornröschenähnlichen Schlaf. Süße
Träume bereiten einem hier immer wieder
Sex und Crime, Alkoholismus und
Drogensucht der geschichtsträchtigen
Personen. Irgendwann wacht man dann
erschrocken auf und muß feststellen, daß
das ganze jetzt PW heißt - vom Sonnyboy
zum Armleuchter führt unser Weg.
PW ( Politische Weltkunde) - gleich in
der Fachbezeichnung erfahren wir
näheres über Sinn und Zweck, über das
pädagogischen Ziel, denn gleich zwei
Sinneinheiten - Politik und Kunde - haben
schon mal was mit bescheißen zu tun.
Halt! War natürlich bloß ein Scherz - der
Kunde ist doch immer noch König.
Nichtsdestotrotz ist PW bei uns so
beliebt wie kein zweites - und deshalb
wird auch kein anderes häufiger als
Abiturfach benutzt.
"Parol' auf dieser Welt ist nichts als Müh'
und Arbeit" denke ich mir, wie schon eine
über alles geschätzte Lehrerin ein Zitat
von Friedrich Wilhelm I. zitierte, und auch
das zeigt uns, was es wirklich heißt,
Schüler zu sein. Arbeit, Arbeit, Arbeit -
eine jagt die nächste, aber das macht uns
ja nichts - jammern is halt out. Immerhin
wird jetzt alles mehr auf die Gegenwart
bezogen, also mehr Realismus und
Optimismus - NATO grüßt die Reste der
Welt -, die "Basis des Grundlegenden
wird zum Fundamentalen" (Hegel) -
nichts verstanden? Macht nix, hört sich
auf alle Fälle intellektuell genug an.
Auch PW - und Geschichtslehrer sind
übrigens was Feines, besonders, wenn
sie gleich in ganzen
Durchschnittsfamilien auftauchen, aber
ich glaube, daß ist dann schon wieder ein
völlig anderes Thema und außerdem
noch Privatsphäre (???).
Zum Abschluß sei noch ein ganz
besonders geschichtsträchtiges Datum
erwähnt: Der 9.2.1973. Und wer jetzt
noch herausbekommt, was daran so
geschichtsträchtig ist, dem erlaube ich,
sich aus dieser Seite einen Hut zu falten
und damit sabbernd durch das gesamte
Schulhaus zu rennen.
GUN
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