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Ausgabe #10

Locus Ausgabe Nr.10



Zu Weihnachten: Wasser für Indien

Am 20.12.1995 war es mal wieder Zeit für das traditionelle Weihnachtskonzert unserer Schule im FEZ.
Zu Beginn begrüßte uns Herr Jakob mit einer obligatorischen Rede (Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Schüler, liebe ...), die diesmal recht kurz gehalten war. Das gespannte Publikum konnte also schon bald einer Stimme lauschen, welche sich uns als Zeitgeist vor- stellte und zusammen mit Julia durch das Programm führte.
Zu Beginn desselben war ein Lied des Chores zu hören, gefolgt von zwei Sologesängen von Barbara Kind, die übrigens eine wirklich beeidruckende Stimme hat. Anschließend wurden zwei Tänze (aufgeführt durch die siebten Klassen) präsentiert, bei denen weniger die Eleganz der TänzerInnen als vielmehr die Vielfalt der Kleidungsstücke dem Zuschauer ins Auge fiel. Die jungen Herren trugen z.B. auf Knielänge abgeschnittene Jogginghosen oder ganz normale Jeans. Bei den jungen Damen war die Pallette etwas breiter gefächert. Sie reichte vom Alltagsrock über Minikleidchen im Öko-Look (jeder kennt sicherlich die ausgesprochen schöne Farbe: BEIGE!) mit passenden Plateau-Botten bis hin zum eleganten, dunkelblauen Samtkleid. Das nächste tänzerisch angehauchte Stück war "Uhrengetriebe" von der Klasse 9.1., was zwar irgendwie ganz witzig war, dessen Sinn aber im Verborgenen blieb. Ähnliches könnte man auch zu "Weihnachten 2100" von Schülern der 8.1.sagen.
Der gute Zeitgeist hatte übrigens einige Probleme mit der Zeit: So legten jetzt drei Tanzpaare einen Walzer auf das Parkett bzw. die Bühne, was laut Programmheft eigentlich schon eher dran gewesen wäre. Aber trotzdem war es gut (für den, der Walzer mag !).
Dann noch zwei Instrumentalstücke und kurz vor der Pause der "Lambeth-Walk":
Inhalt: Das gewöhnliche Volk "überfällt" eine gutsituierte englische Grafschaft. Als der Pöbel auch noch anfängt zu singen und zu tanzen, sind die feinen Herrschaften zuerst reichlich pikiert, mischen sich aber schließlich unter das Volk.
Nach der Pause ging es weiter mit einem kleinen Theaterstück und einer tollen Klavierkom- position von Chopin (gespielt von Irina Domurath). Ebenfalls sehr gut fand ich das darauf folgende Lied des Chores "Adiemus".
Wie Ihr sicherlich wißt, wird der Erlös des alljährlichen Weihnachtskonzertes immer für einen guten Zweck verwendet. Dieses Jahr war das Motto: "Wasser für Indien". Dort sind lange Wege bis zum nächsten Brunnen keine Seltenheit, und der Transport des Wassers ist eine schwere Arbeit (die übrigens von Frauen erledigt wird!). Die Qualität des Wassers ist so schlecht, daß es ungekocht nicht mehr genießbar ist.
Fabian Beich hat mit der Frau geredet, die dann dem Publikum das Projekt "Wasser für Indien" vorstellte. Seine lockere Art gegenüber diesem doch recht ernsten Thema fand ich ziemlich daneben (da konnte ihn auch sein edles Satinhemd nicht retten!).
Nun kam noch etwas Geträllertes vom Chor und zu guter Letzt vier Jungs, die sich "Belisha Beacon" (Tschuldigung, wenn's falsch geschrieben ist) nennen. Sie sangen und spielten zwei geniale Lieder und nach Aufforderung der Zuschauer gab es noch eine Zugabe. Herr Schmidt merkte an, daß hinsichlich der im Saal befindlichen Rauchmelder die Feuerzeuge doch besser aus bleiben sollten.
Das war dann auch schon das Ende des Weihnachtskonzertes ... oder zumindest fast. Denn während das Publikum schon im Aufbruch begriffen war, fing der Chor plötzlich an, selbigem "Jingle Bells" entgegenzuschmettern, was sich dann aber auch irgendwann in Wohlgefallen auflöste.
Eine winzige Bemerkung am Rande: Zum nächsten Weihnachtskonzert könnte das Pro- grammheft mit größeren Buchstaben ausgestattet werden, da das Entziffern der Wörter im Halbdunkel nicht gerade leicht ist. Man kann davon ausgehen, daß der normale Bürger nicht ständig Taschenlampe und Opernglas bei sich trägt.

Ute Gelbke