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Locus Ausgabe Nr.10
Studieren oder Was kostet die Zukunft ?
Auch wenn es uns noch nicht betrifft, die
wir da einmal studieren wollen, sollte man
sich meiner Meinung nach schon jetzt mit
den elementaren (Finanz-) Problemen des
zukünftigen Studentenlebens
auseinandersetzen. Denn wer sich seinen
Traum vom Studium erfüllen möchte,
braucht Geld. Wer finanzkräftige Eltern
hat, die das Studium ihrer Tochter oder
ihres Sohnes finanzieren können und
wollen, braucht sich um die Geldfrage
keine Sorgen mehr zu machen und kann
sich voll auf sein Studium konzentrieren.
Bei wem es allerdings mit dem Geld nicht
so gut bestellt ist, braucht entweder einen
sehr gut bezahlten Nebenjob oder ist auf
das BAföG
(Bundesausbildungsförderungsgesetz)
angewiesen. Doch gerade das BAföG
machte in den letzten Wochen
Schlagzeilen. Der Vorschlag von
Bundesbildungsminister Rüttgers (CDU)
sieht vor, den Höchstsatz des BAföGs auf
1050 DM monatlich anzuheben. Die Hälfte
des Betrages soll als Zuschuß, die andere
Hälfte als Darlehen mit durchschnittlich 8,5
% Zinsen gewährt werden. Zum Vergleich :
die derzeitige Regelung besagt, daß der
absolute Höchstsatz in den alten
Bundesländern 830 DM und in den neuen
Bundesländern 680 DM monatlich beträgt.
Auch hier wird unterteilt. Die eine Hälfte
wird als Zuschuß, die andere als
unverzinsliches Darlehen, welches 5 Jahre
nach Beendigung des Studiums in einem
Zeitraum von bis zu 20 Jahren in
monatlichen Raten von mindestens 200
DM abzuzahlen ist, gezahlt. Im allgemeinen
wird das BAföG nur für eine fachabhängige
Förderungshöchstdauer (8 - 13 Semester)
gewährt.
Der neue Vorschlag würde also für die vom
BAföG abhängigen Studenten eine
finanzielle Verschlechterung darstellen und
könnte laut Allgemeinem
Studentenausschuß der FU Berlin dazu
führen, daß die Studenten nach ihrem
Studium mit 72000 DM Schulden allein
dastehen.
Der Vorschlag wird deshalb von sämtlichen
Studentenverbänden abgelehnt, und fast
alle Bundesländer haben angekündigt, ihm
ihre Zustimmung im Bundesrat zu
verweigern.
Letztendlich trifft der Vorschlag
hauptsächlich die Studierenden im Osten
Deutschlands, da hier 60 % aller Studenten
ihr Studium durch das BAföG finanzieren,
in den Altbundesländern sind es lediglich
18 % (Stand 1993).
Damit klar wird, daß die Studenten nicht
nur ablehnen, sondern auch selbst aktiv
werden, hier der Vorschlag des Deutschen
Studentenwerkes (DSW). Nach ihm sollen
Kindergeld, Kinderfreibetrag und
Ausbildungsfreibetrag zusammengefaßt
werden, weiterhin sieht er die Förderung in
drei Stufen vor : die erste Stufe 400 DM
monatlich als Zuschuß, die zweite plus 650
DM monatlich, wobei die eine Hälfte als
Zuschuß, die andere als unverzinsliches
Darlehen gewährt wird und schließlich in
der dritte Stufe zusätzlich 200 DM
monatlich als verzinsliches Darlehen,
welches besonders Begabte auch als
leistugsbezogenen Zuschuß erhalten
können.
Alle drei Stufen zusammen ergeben die
Höchstförderung von 1250 DM monatlich.
Es gibt außer diesem noch verschiedene
andere Vorschläge, und es bleibt
abzuwarten zu, welchen Ergebnissen die
derzeitige Diskussion führen wird.
Doch eines ist sicher, wir dürfen es nicht
zu einer Situation wie am Anfang des 20.
Jahrhunderts kommen lassen, in der
Bildung nur für Menschen erreichbar war,
die über genügend Geld verfügten.
Auch sollte man bedenken, daß man
eventuell mit Entscheidungen leben muß,
die jetzt gefällt werden. Also jetzt schon
einmal darüber nachdenken, denn 2 oder 3
Jahre sind keine Ewigkeit.
Peter Bog
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