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Locus Ausgabe Nr.11
17 Monate Frieden
Nach 17 Monaten Waffenruhe ist wieder alles beim alten. Die Fronten sind verhärtet und keine Seite ist zu Kompromissen bereit. Die katholisch - republikanische Sinn Fein ist der politische Flügel der Irisch - Republikanischen Armee (IRA) und will zu den Nordirland-Gesprächen zugelassen werden, wo über die gemeinsame Zukunft der Nordiren entschieden wird. Die Sinn Fein setzt sich für den Anschluß Nordirlands an die Republik Irland ein. Die britische Regierung ihrerseits fordert die Entwaffnung der IRA, bevor die Sinn Fein teilnehmen darf.
Unabhängige Vermittler sahen als einzige Möglichkeit, um die Situation zu entschärfen, den Abbau von antiquierten Vorhaltungen, die sich die gegnerischen Seiten machten. Dies entsprach auch der Meinung Gerry Adams, dem Präsidenten der Sinn Fein. Er ist der Ansicht, John Major, der britische Premier, müsse die Verhandlungen beginnen; die IRA ließe bereits die Waffen ruhen.
Major stellte sich aber auf die Seite der protestantischen Unionisten und adaptierte deren Bedingungen für eine Zulassung. Danach müßten alle paramilitärischen Vereinigungen die Waffen abgeben, oder aber deren politische Flügel müßten vom Volk in ein Gremium gewählt werden. Dieses Gremium sollte dann bei den Nordirland-Gesprächen vertreten sein.
Es gab aber bereits zwei solcher Gremien (1973 und 1982), die jedoch mit gegenseitigen Beschimpfungen und Vorhaltungen endeten. Außerdem wären die Nationalisten (darunter die Sinn Fein) nur zu 34%, die Unionisten (pro britisch) aber zu 50% vertreten. Die Sinn Fein warf nun Major vor, sich die Stimmen der Unionisten für seine nächste Wahl erkaufen zu wollen, indem er sich auf ihre Seite stelle, und dabei massiv den Friedensprozeß störe, weil er die Nationalisten benachteilige.
Nach den Bomben
Doch dann nahm die IRA den Kampf wieder auf. Es explodierten zwei Bomben: Eine zerstörte ein Hochhaus in den Londoner Docklands (9.2.96) und tötete zwei Menschen, eine weitere zerfetzte einen Bus (18.2.96); der Bombenleger kam dabei wahrscheinlich selbst um. Ein dritter Anschlag konnte verhindert werden, nachdem eine Warnung eingegangen war. Die IRA drohte sogar damit, die Anschläge auf weitere britische Städte auszuweiten.
Kurz nach diesen Terrorakten nahm man als Grund für den plötzlichen Umschwung an, die Führung hätte in der IRA gewechselt. Doch ist es schon beinahe logisch, daß sie wieder zu den Waffen greift, nachdem Major sich aus ihrer Sicht in den eineinhalb Jahren nicht sonderlich um Frieden bemüht hatte. Anstatt eindeutige Kompromisse einzugehen, unterstützte er lieber die protestantischen Unionisten und verhärtete die Fronten nur noch mehr.
Doch Gerry Adams bot Major gleich nach den Anschlägen die Hand zur Freundschaft und drückte sein großes Bedauern aus. Die Sinn Fein will immer noch einen Frieden ohne Waffen erreichen.
Die militant - unionistischen "Loyalists" (wegen Loyalität zur britischen Krone) wollen sich weiterhin an den Waffenstillstand halten. Bei einem Gespräch mit dem Nordirlandminister Sir Patrick Mayhew gab der Dachverband der unionistischen Terror-Splittergruppen, der "Combined Loyalist Military Command" (CLMC), bekannt,erst zu den Waffen zu greifen, wenn die IRA Bomben in Nordirland legt. Dann wollten sie aber noch brutaler vorgehen als zuvor. Auf ihrer Abschußliste stehen Gerry Adams und der Sinn Fein Parte
i-Vize Martin McGuinness ganz oben. Die militanten "Loyalists" werden jedoch von den Protestanten wenig unterstützt: "Diese kleinen Randgruppen verhalten sich, als wären sie die wichtigsten politischen Parteien Nordirlands" (Andy Moffat, ehemaliger Gemeinderat einer protestantischen Enklave).
Nachdem die Sinn Fein immer noch nicht zu den Allparteiengesprächen zugelassen wurde, lehnt die IRA jegliche Waffenruhe ab, wenn nicht alle Vorbedingungen fallengelassen werden und es reale Chancen für Frieden gibt. Auf ihrer Abschußliste steht übrigens
erstmals nach 17 Jahren auch wieder die britische Königsfamilie.
Sollte es keine Einigung geben, kündigte die IRA-Spitze an, sei sie für weitere 25 Jahre Krieg bereit.
Woher das Geld kommt...
Militärische Aktionen sind teuer und um alles bezahlen zu können, benötigen sowohl die IRA als auch ihre Gegner, die "Loyalists", ertragreiche Quellen. So sind auch beide Seiten im organisierten Verbrechen tätig. Sie erpressen reiche Geschäftsleuten und b
etreiben illegale Bordelle und Spielhöllen in ihren Gebieten. Doch nun haben sie während des Waffenstillstandes auch den lukrativen Rauschgifthandel entdeckt.
Heuchlerisch ist dies besonders von der IRA, da sie sich als strikte Drogengegner aufspielen und sogar Kinder, die Klebstoff schnüffeln, mit Baseballschlägern verprügeln. Allerdings übernimmt die IRA nicht wie die "Loyalisten" die Einfuhr und das Dealen, sondern begnügt sich mit dem Einkassieren von "Kommissionen".
Andererseits wurden bereits mehrere kleinere und größere Dealer von der "Direct Action Against Drugs", die sich dazu auch offiziell bekannte, gezielt ermordet.
Die "Direct Action Against Drugs" war den Drogenfahnder bisher nicht bekannt. Doch man vermutet man, daß sie mit der IRA zusammenhängt, da ohne deren Strukturen solche Anschläge nicht möglich wären.
Stephan III.
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