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Ausgabe #11

Locus Ausgabe Nr.11



Wie sich Verdienst und Glück verketten

Das fällt den Toren niemals ein
Wenn sie den Stein der Weisen hätten
Der Weise mangelte den Stein

Mephistopheles im Faust (II. Teil I. Akt)


Jeder gute Text beginnt erst mal mit einem Zitat. Nicht, daß es irgendwas mit den nachfolgenden Zeilen zu tun haben könnte, aber so beweist man, daß man kulturell gebildet ist, was bei den meisten Themen die einzige Möglichkeit zu sein scheint. Außerdem brauch ich mir so keine Gedanken über den Anfang zu machen.
Letzten Montag bin ich wieder mal mit rasenden Kopfschmerzen aufgewacht. Das lag nicht so sehr am eher extensiven Alkoholgenuß, sondern viel mehr am zum Zwecke des Munterwerdens angestellten Radio. "Eeeeeiiiiissssoläääätion is not good for meeeeee". Mein eisenharter Blick wanderte schleunigst in Richtung Radio gefolgt von einem mehr oder weniger gezielten Fußtritt. Dabei war ich so guter Hoffnung endlich mal wieder in Ruhe aufstehen zu können. Take That haben sich ja auch endlich aufgelöst. Rinderwahnsinn hat eben nicht nur schlechte Seiten.
Alles hatte drei Tage vorher begonnen. Als ich mal wieder mutterseelenallein auf unserem Schulflur stand, mir nichts arges dabei dachte und die schrillenden Alarmglocken in meinem Kopf dummerweise ignorierte, war es schon fast geschehen. Ohne daß ich mich wehren konnte, schlichen sie sich leise, zu zweit und von hinten (wie gemein!) an mich heran und SCHWUUUPPPS war's passiert: "Guntiiii - du kommst doch zu unserem Geburtstag!!!". Prima! Toll! Wirklich!
Schon fünf Minuten und einiges Haareraufen später ging die Sucherei los. Ein Geschenk mußte her. Kalte Schweißperlen begannen mir übers Gesicht zu rennen und benetzten mein teures Designer T - Shirt. Witzig, charmant, groß, schön und nobel müßte es sein oder zumindest teuer aussehen.
Manchmal verschenke ich dann einfach Platten aus den 70ger Jahren, so mit Roy Black und Dieter Thomas Heck und so. Andere verschenken 10 Kilo Düngemittelsäcke.
Auf meine Standardfrage für solche Fälle: "Wat wollt dan'?", bekam ich diesmal sogar zwei Antworten.
Die erste: "Ich will keine Kuscheltiere!". Prima! Toll! Wirklich! Erst Geburtstag haben und dann auch noch Ansprüche stellen!
Die zweite: "Ne' Kuh!". Prima! Toll! WAS BITTE?
Nach reiflichen Überlegungen stand mein spontaner Entschluß fest: Anruf im Zoogeschäft (Tonaufzeichnung vorhanden!).

Verkäuferin: Zoohandlung Bovis, Maas, Guten Tag!
LOCUS: Ja M... hier. Ich wollt fragen, ob sie Kühe haben? Verkäuferin: (stark verunsichert) Bitte was?!
LOCUS: Kühe. Groß, vier Beine, hinten Schwanz dran, vorne meistens 'n Kopf.
Verkäuferin: (immer noch verunsichert) Wir sind aber eigentlich nur ein Zooladen und, also, ähhh, nicht irgend so 'n Bauernhof.
LOCUS: Ja gut, und unter ihren Kundinnen oder ihr Chef ist auch nicht ...?
Verkäuferin: (Sicherheit zurückgewinnend) Wissen Sie, wir sind hier, also wir haben hier weiß ich nicht wieviel qm, und wir haben hier bestimmt keine Kühe im Laden. (Leises Auflachen irgendwo im Hintergrund)
LOCUS: Juuut, und was kleineres, also schwarz - weiße Kanarienvögel zum Beispiel?
Verkäuferin: Was? Schwarz - weiße was?
LOCUS: Kanarienvögel.
Verkäuferin: (mit bedauernder Stimme, aber im Bewußtsein, mich zu überzeugen) Kanarienvögel - die Zeit ist vorbei!
LOCUS: Ist vorbei?
Verkäuferin: Ja - im Herbst wieder.
LOCUS: O.K. Danke dann.
Verkäuferin: Tschüß.
Vielleicht war's auch grad' keine Zeit für Kühe.

Am Montag hab ich mich dann auf die Suche gemacht. Landauf, landab. Osten, Westen. In großen Kaufhäusern und in kleinen. Mehrere Stunden später hatte ich's dann geschafft. Überglücklich hielt ich das "Lysistrata" - Comic von Ralf König in der einen und eine Dose Erbsen ("Kuhflääsch ham' wia' leida nich!") in der anderen Hand. Nicht, daß ich das nicht im Laden um die Ecke besorgen hätte können, aber dort hätte es mich ja auch mindestens 20,- DM weniger gekostet.
Und, was soll ich sagen - es war's mir wert - auch wenn ich danach fast und geradezu genüßlich den Geburtstag verschlafen hätte... .
Gun!