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Ausgabe #11

Locus Ausgabe Nr.11



Musiktips

Fugees (Refugee Camp) "The Score" Sony
Nach ihrem ersten Album "Blunted On Reality" standen die Fugees ziemlich allein auf weiter Flur. Mit ihrer durchaus kritischen Konzeption von Hip Hop konnten sich nur sehr wenige anfreunden. Es folgten fragwürdige Ratschläge der Fachmagazine, sich doch lieber zu trennen und Solokarrieren zu starten. Unbeeindruckt davon formten Lauryn, Pras und Wyclef ihren Stil weiter, überraschten mit Remixen von "Vocab" und "Nappy Heads" und präsentieren nun mit "The Score" ein ausgereiftes Hip Hop Album. Auffällig ist die bis aufs Nötigste reduzierte Instrumentierung: fette Bässe, dezente Beats, ein paar Klangschleifen aus dem Keyboard und Wyclefs folkloristische Gitarre - das wohl charakteristischste Fugees-Element. So rückt dann auch das Stilmittel in den Vordergrund, das den Hip Hop ausmacht: Die Stimme, das Erzählen - die drei beherrschen es perfekt, wissen es gezielt einzusetzten und lassen auch die souligen Ambitionen Lauryns nicht zu kurz kommen. Alles was jetzt noch zu sagen bleibt: Geld zusammenkratzen und kaufen!

Peacock Palace "Gift" (RTD)
Drei Jahre ist es inzwischen her, daß Peacock Palace ihr letztes Album "Paraphernalia" veröffentlichten. Eine ungewöhnlich lange Zeit, die auch große Plattenfirmen nur ungern mit Däumchen drehen verbringen. Der große Deal platzte Zeit für Petra Jansen (Gesang,Harfe) und ihre vier männlichen Kollegen ausgiebig mit den Pogues zu touren. Aus den gemeinsamen Konzerten wurde mehr und als sich Peacock Palace Anfang diesen Jahres für das neue Album ins Studio zurückzogen, waren auch die Pogues mit dabei. Das Ergebnis kann sich sehen, äh, hören lassen. "Gift"ist ein reines Peacock Palace-Album, greift auf traditionelle für das Quintett so typische Folk-Instrumente zurück und liebäugelt mit modernen Pop-Arrangements. Hier und da drängeln sich auch einige rockige Melodien in den Vordergrund - sicherlich ein Verdienst der Pogues, deren bester Teil, Andrew Ranken, sich im Duett mit Petra Jansen ("First Time") für einige Fans unsterblich gemacht hat. Und wer weiß, vielleicht sind Peacock Palace als Gastmusiker auf dem nächsten Pogues-Album zu hören. Zu wünschen wäre es ihnen nach diesem schönen Geschenk.

Herbie Hancock "The New Standart" (Motor Music)
Das Schlimmste was diesem Album passieren kann, ist als Sampler mit dem Untertitel "Pop Meets Jazz" durch die Musikwelt zu geistern. Verwunderlich wäre es kaum. Denn wer nur flüchtig einen Blick auf die Coverrückseite wirft, ohne sich das Album anzuhören, wird dort unter anderem Titel von Peter Gabriel, Prince und Nirvana finden. Nie aber wird derjenige erfahren, was für einen Wert dieses Album wirklich hat. Es ist das erste reine Jazz-Album Hancocks seit Jahren. Nachdem Hancock in den 60er und 70er den Funk und Electric Jazz als sein Experimentierfeld ansah, sich in den 80er mit Breakdance und Hip Hop konfrontierte, besann sich der Jazz-Pianist nun wieder auf seine alte Tradition - die schlichte Improvisation von Jazz. Mit den klassischen Stilmitteln greift sich Hancock die gängigen Pop-Melodien seiner Kollegen, verändert Tonarten und Akkorde, so daß für den Jazz harmonische Strukturen entstehen. Die einzelnen Stücke dann noch wiederzuerkennen, erfordert schon sehr genaues Zuhören. Fazit: Jazz-Inspiration, die anregt, sich mehr mit Hancocks Geschichte zu befassen.

Jalal "On The One" (EFA)
Etwa 30 Jahre ist es her, daß Jalal, Mitbegründer der Last Poets, mit selbigen jenen Stil entwickelte, der zur Zeit seinen zweiten Frühling erlebt. Gemeint ist jener afro-amerikanische Jazz-Poetry-Stil aus Perkussion, Chants und schier endlosen gesprochenen Versen. Häufig getragen von afrozentrischem Bewußtsein, sozialkritischem Anspruch, Zynismus und Humor, schuf der Jazz-Poetry-Stil das Sprachrohr für eine kaum akzeptierte Kultur und legte gleichzeitig den Grundstein für die uns heute bekannte Form des Hip Hop. Darauf verweist Jalal auch in seiner Kurzbiographie zu "On The One" "Ich kam mit BeBop zur Welt, wuchs mit Doo-Woop auf und brachte den Hip zum Hop". Jetzt liegt sein neues Solo-Album vor. Balancierend zwischen taditioneller Percussion-Begleitung und modernen Ambient-Klangbildern bleibt Jalal trotzdem der alten Schule treu. Ihm gelingt das Kunststück, um seine Verse jene mystische Spannung aufzubauen, die fesselt, zwingt, seinen Worten zu lauschen, denn eins steht fest: Jalal hat eine Menge interessanter Dinge zu sagen.

Alex (DJ Esche)