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Ausgabe #13

Locus Ausgabe Nr.13



ISRAEL '96

Vom 4. - 18. Juni 1996 waren 18 Schüler und vier Religionslehrern aus vier verschiedenen Schulen unterwegs in Israel - darunter Gunter und Franzi. Dieser Artikel beinhaltet - neben wenigen nachträglichen Ergänzungen - einige (!) kurze (!) Tagebucheindrücke der interessantesten, schönsten und intensivsten Erlebnisse. Alles zu beschreiben, was wir erlebt haben, würde den Rahmen dieser Ausgabe sprengen. Weitere Infos und einige Fotos gibt es an der Wandzeitung (erste Etage) zu bestaunen.

Di. 4.6.
"Nicht übel", sagt Andreas neben mir und trifft damit den Kern der Sache.
Wir sind jetzt seit genau zwei Stunden mit dem Flugzeug unterwegs nach Israel und haben gerade die Mittelmeerküste überflogen.
Angefangen hat es heute morgen, dem 4. 6. 1996 - nach mehreren Wochen intensivster Vorbereitung, in denen man nicht nur immense Vorräte an Sonnencreme, T - Shirts und Sonnenbrillen angelegt und sich mit den neuesten politischen Gegebenheiten beschäftigt, sondern in denen man auch seine letzten Nerven verloren hat - Eltern, Bruder und Schule konnten in dieser Hinsicht wahre Wunder vollbringen.
Ein wahres Wunder war es auch, daß heute morgen alles reibungslos geklappt hat - nicht verschlafen, nicht den Reisepaß verlegt, nicht einmal in Panik ausgebrochen und sogar pünktlich am Flughafen erschienen. Wir fliegen mit EL AL ISRAEL (die mit den höchsten Versicherungssummen), was heißt, daß man sich viel Zeit für das Kontrollieren nimmt. Zwei Stunden lang wird das Gepäck durchwühlt, und wenn man von niemanden Geschenke hat andrehen lassen, kommt man danach auch unbehelligt an den Männern mit den Maschinenpistolen vorbei. Das Flugzeug - eine BOEING (sprich Boiiinggg) 757 - ist relativ klein und besitzt den Charme einer Kaffeemaschine aus den 60er Jahren, aber der Service ist O.K. und das Essen (Was ist das eigentlich?) schmeckt sogar - dazu Zeitung und Fernsehen. Was will man mehr?
Franzi hat übrigens Flugangst und ist allein schon deshalb Ansprechpartner No. 1, wenn es um die Auswertung der neuesten Flugzeugkatastrophen geht."
"Nach vier Stunden Flugzeit kommen wir auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv an. Es ist warm, allerdings nicht unerträglich; der Kulturschock bleibt uns erstmal erspart - alles ist sehr europäisch anmutend. Unser Kibbutz, der Ort, an dem wir die erste Woche verbringen werden, liegt im Norden, nahe der libanesischen Grenze. Wir werden mit unserem eigenen Bus hingefahren, immer entlang des Mittelmeers. Als es bereits dunkel wird, sind wir endlich da, und nach einigem Suchen haben wir sogar unsere Gästehäuser gefunden - 16qm für vier Personen + Dusche."

Mi. 5.6.
"Morgens zum Strand gejoggt und baden gewesen im Mittelmeer. Schöner Strand, warmes Wasser, gute Wellen."
"Gesher Hazziv, unser Kibbutz, ist nicht besonders groß. Etwa 400 Personen leben hier in einer Art autarken Gesellschaft. Fast alles, was an Nahrungsmitteln benötigt wird, wird auf verschiedenen umliegenden Feldern angebaut, dazu gibt es eine Fabrik für Plastikprodukte und mehrere - wir würden sagen mittelständische - Betriebe. Wir essen zusammen mit den Kibbutzniks in einem gemeinsamen Speisesaal - das verbindet. Überhaupt sind wir sehr freundlich aufgenommen worden."
"Zum Frühstück und Abendbrot gibt's vor allem eins: Gemüse, Gemüse und nochmals Gemüse (Steh ich das durch?)"
"Jeder im Kibbuz hat die Freiheit zu arbeiten, wo er will - und niemand scheint sich dabei zu überarbeiten. Alles läuft gemächlich und in Ruhe ab, Hektik ist nicht nur ein Fremd-, sondern auch Unwort, wobei etwas anderes aufgrund der Hitze auch nicht zu erwarten war.
Freizeit wird ebenfalls groß geschrieben: Es gibt einen Swimmingpool, ebenso eine Bücherei und einen Fußballplatz, das Mittelmeer (salzig!!!!!) ist schnell zu erreichen."
"Am Abend versucht man dann, uns einiges an israelischen Volkstänzen beizubringen und die gehen in etwa so: Einen Schritt nach links, einen nach rechts, einmal um die Achse wirbeln, einmal seitwärts springen, sich umdrehen, nochmals seitwärts springen, seinen rechten Schuh wegfliegen sehen, seinem Vordermann ein Bein stellen, von seinem Hintermann getreten werden, mit mindestens drei weiteren Pärchen ein undurchdringliches Knäuel bilden und sich letztendlich kaum den Bauch halten können vor Lachen. Besonders nett für mich wird das Ganze, als mein enthusiastischer Einsatz bei meiner (israelischen) Partnerin zu einem Lachkrampf führt und sie sich kaum halten kann, erst mal an die frische Luft muß und mich deshalb alleine auf der Tanzfläche zurückläßt."

Do.6.6.
"Fahrt zur alten Kreuzfahrerstadt Akko - wir haben wieder unseren eigenen Bus mit Klima-Anlage (Gott sei Dank!). Akko ist deshalb so interessant, weil es eine stark arabisch geprägte Stadt ist. Als ehemalige Kreuzfahrerstadt (auf engl.: crossdrivercity) besitzt sie eine Stadtmauer, einen großen Hafen und viele verwinkelte Gäßchen in der Altstadt - im Gegensatz zu den Neuansiedlungen, die sehr weiträumig angelegt sind. Am schönsten ist es an der Hafenmauer, wo wir uns den Wind um die Ohren wedeln lassen. Das hervorstechendste ist natürlich der Basar, auf dem man alles mögliche kaufen kann - hauptsächlich Nahrungsmittel, aber auch Kleidung, arabische Bauchtanzmusik und Gewürze.
Zum Mittag gibt es Falafel (das israelische Fast-Food-Nationalgericht (Na ja...)) und frischgepreßten Orangensaft (lecker).
Auffallend ist die Preispolitik; sobald man in die Nähe des Touristenzentrums kommt, steigen die Preise beträchtlich (erst später lernen wir, was es heißt zu handeln)."
"Am frühen Nachmittag geht es dann weiter zum Holocaustmuseum in Lochamey Hagetaot. Es ist einmalig, weil es besonders für Kinder im Alter von 12 bis 15 Jahren angelegt worden ist, eine spezielle Dreiteilung soll eine leichtere und verständlichere, aber auch intensivere Wirkung ermöglichen. Zuerst bewegt man sich auf einem schmalen, dunklen Gang kreisförmig hinab. Angefangen bei ersten judenfeindlichen Aktionen, über den Abtransport in Ghettos und Konzentrationslager endet der Weg schließlich vor der ewigen Flamme, wo auf einem Videobildschirm Überlebende des Holocaust über ihre Erfahrungen berichten.
Von hier gelangt man schließlich in den zweiten Teil der Ausstellung. Hier sind die Listen abtransportierter und überlebender Juden ausgestellt.
Der dritte Teil schließlich hilft, das eben Erlebte zu verarbeiten: den Kindern und Jugendlichen wird die Möglichkeit gegeben, die Erlebnisse in Form selbstgemalter Bilder wiederzugeben."
Von einem Extrem werden wir unvermittelt ins andere gestoßen:
"Im Kibbutz findet eine jiddische Hochzeit statt. Die Trauung wird im Freien unter einem Baldachin abgehalten. Danach geht es ans Feieren für die mehreren hundert Gäste. Zu essen gibt es genug, ein DJ legt auf und so tanzen alt und jung zu Trance und Dance - überhaupt scheint es uns so, als läuft alles sehr viel ungezwungener ab als in Deutschland."

Fr.7.6.
"Wir wollen jetzt - am frühen Morgen - baden gehen. Ich hab' noch keine Ahnung, wie ich es durchhalten soll, dieses Tagebuch zu schreiben, zumal ja auch etwa 40 Adressaten zu Hause auf 'ne Karte warten... ."
"Am Nachmittag fahren wir - steile Serpentinen hinauf und hinab - zu einem Beduinendorf in der Nähe. Erinnerungen an das Vorwende - Berlin werden wach, als wir erfahren, daß das Dorf durch die israelisch - libanesische Grenze getrennt ist; wir werfen einen Blick nach drüben. Danach besichtigen wir das Dorf. Hier sind wir die Attraktion - wir werden nicht nur sehr nett aufgenommen und bewirtet, sondern auch von einer Horde Kinder verfolgt. Obwohl die Beduinen sehr stark vom Staat unterstützt werden, ist die Einrichtung in den Häusern meist arm."
"Freitag Abend beginnt der Shabbat. Für Juden ist Shabbat in etwa dasselbe wie für uns das Wochenende, mit dem Unterschied, daß das Religiöse deutlich im Vordergrund steht.
Es wird weder gearbeitet, noch dürfen elektrische Geräte benutzt werden - so wollen es zumindest die orthodoxen Juden. In unserem Kibbutz leben glücklicherweise liberale Juden - da sieht man das alles nicht so eng.
Das Abendessen ist diesmal festlich angehaucht. Zuerst gibt es einige jüdische Gesänge, dann werden die Shabbat - Kerzen angezündet. Zu trinken gibt es Wein, das Essen schmeckt heute besonders gut."
"Ab 10.30 gibt es mehrere Diskos, allerdings ohne, daß davon eine wirklich vernünftig zu nennen ist (Nr.1 - kein Publikum; Nr.2 - etwas - ähhh - gesetzteres Publikum; Nr.3 - zu teuer und zu weit entfernt). Wir entscheiden uns für Nr. 1 (ehemaliger Kuhstallund machen letztlich einen Spaß daraus, indem wir uns Sachen wie YMCA wünschen oder zu zweit (Hallo Eddi!) zu Nirvana pogen - DJ und Ladeninhaber gucken etwas verwirrt, aber wir sind 'eh die einzigen Gäste - einfach geil."

Sa.8.6.
"Der Tag beginnt mehr oder weniger verschlafen und mit einem gewissen Kater. Einige meiner Mitmenschen befinden sich auf dem Trip, im Stehen einschlafen zu wollen. Jetzt wollen wir nach Rosh Hanikra fahren, um die dortigen Höhlen zu besichtigen."
"Die Höhlen, die direkt am Wasser gleich vor der libanesischen Grenze liegen, sind nur über eine Schweizer Seilbahn zu erreichen. Die Höhlen sind nicht nur alle vom Wasser durchspült, sondern auch bestens touristisch erschlossen (Anmerkung am Rande: Gott sei Dank hat unser Reiseveranstalter dafür gesorgt, daß wir sowenige wie möglich von solchen Touristenfallen aufsuchen) - eine 3D - Filmschau, ein Rundgang, eine Ansichtskarte - das war's. Das Schöne kommt erst danach. Wir wandern am Mittelmeer entlang zurück zum Kibbutz. Jule, Steffi, Franzi, Pinocchio und ich lassen uns damit viel Zeit. Zuerst geht es mal baden, dann werden Kleckselburgen gebaut, dann ein Stückchen gewandert, dann dasselbe nochmal von vorn. Natürlich vergessen wir dabei nicht, daß andere Mitschüler zu Hause noch etwa zwei Wochen lang zur Schule gehen dürfen. Nach fünf Stunden Wanderung entlang am steinigen und teilweise auch verschmutzten Strand, kommen wir im Kibbutz an - die Strafe folgt hier auf dem Fuße. Unsere Körper sind völlig sonnenverbrannt - selbst Schutzfaktor 30 war völlig nutzlos. Aber im Grunde genommen ist uns das völlig egal - viel zu schön war dieser Tag (Augenzwinker! Grins! Lächel!)."

So 9.6.
"Heute ist nicht nur Sonntag, sondern auch Andreas' Geburtstag. Augenscheinlich ist gerade das der Grund, warum wir uns am frühen Morgen zur Schule im Kibbutz begeben. Hier werden etwa 400 Schüler aus sieben umliegenden Dörfern unterrichtet. Israelische Schüler dürfen 12 Jahre lang jeweils fünf Tage in der Woche zur Schule gehen, einen weiteren müssen sie arbeiten, nur der Shabbat ist frei. Normalerweise sitzen in einer israelischen Klasse 30 - 40 Schüler, hier sind es 20 - 25. Man merkt sofort, daß viel Geld in die Bildung gesteckt wird: Es gibt Bio- und Chemieräume, ein Sportgelände mit Fußball- und Basketballplatz, eine Turnhalle, einen Essensaal, nicht zu vergessen eine Bücherei und drei Bunker zum Schutz vor Katjuschaangriffen. Besonders stolz ist man auf die Computer- und Laptopausrüstung, mit deren Hilfe nicht nur Informatik, sondern auch andere Fächer (z.B. Musik) unterrichtet wird - wie rückständig kann doch Deutschland sein. Unterrichtet wird von 7.15 Uhr bis zum frühen Nachmittag. Die Beziehung unter Schülern und Lehrern könnte kaum besser sein, so wird uns versichert, man kennt sich eben, duzt sich sogar untereinander."
"Am frühen Nachmittag kommt es dann zum Höhepunkt des heutigen Tages: dem Fußballänderspiel Deutschland - Israel. Bei glutheißen Temperaturen und ohne auch nur ein Stückchen Schatten, gekennzeichnet durch heroischen Einsatz und wenig technischer Versiertheit verlieren wir zwar letztlich 9:4, aber wir schießen damit immerhin noch mehr Tore als die Nationalmannschaft am gleichen Abend gegen Tschechien (2:0) - Herr Zoeger wäre stolz auf uns."

Di. 11.6
"Nach dem Besuch der Verkündigungskirche am frühen Morgen geht es weiter zur Brotvermehrungskirche (übrigens unter Obhut eines Deutschen Vereins), dann nach Capernaum und gegen Mittag langen wir dann am Strand des Sees Genezareth an. Für uns eine äußerst günstige Gelegenheit, baden zu gehen und sich zu erfrischen - insofern man überhaupt davon reden kann, denn das Wasser ist warm und einige tote Fische leisten uns in Ufernähe Gesellschaft.
Danach geht es weiter an den Ort, an dem Jesus seine Bergpredigt gehalten haben soll.
An dieser Stelle seien einige kurze Sätze über einen unserer begleitenden (Reli-) Lehrer erlaubt: Herrn Schulze. Ständig mit einer Videokamera unterwegs (was ihm schon bald den Spitznamen Video-Schulze eingebracht hat), nimmt er nicht nur sämtliche Stationen unserer Reise auf, sondern verfilmt nebenbei auch die Bibel - besonders heute. Ich fühle mich als Jesus und darf deshalb auch einige Szenen in derselbigen Rolle verbringen. Als krönender Abschluß verlesen acht junge Menschen an diesem historischen Ort die Seligpreisung."
"Unser letztes Ziel für heute ist Zefad, eine Stadt, die zu 80% von orthodoxen Juden bewohnt wird. Besonders beeindruckend ist das Künstlerviertel. Bilder, Kerzen, alte Bücher - auch hier möchte man die Zeit am liebsten stundenlang kramend verbringen. Wir kommen mit einem der Händler ins Gespräch - er erkundigt sich nach Berlin; Jule singt (sie besitzt eine richtige Ausbildung dafür und ist damit auch manchmal in Berliner Clubs zu erleben) ihm ein altes jiddisches Lied. Viel zu kurz ist die Zeit, die uns hier bleibt - und nicht nur hier. Oft müssen wir uns viel zu sehr beeilen, selten können wir ganz in Ruhe unterwegs sein. Die Eindrücke, die wir sammeln, sind intensiv und schnell von neuen überlagert. Pro Tag sind wir meistens unterwegs zu fünf bis sechs Stationen und trotzdem schaffen wir es kaum, das alles zu sehen, was wir sehen wollen. Abends sinken wir fast immer todmüde ins Bett - so auch heute. Es ist unsere letzte Nacht im Kibbutz Gesher Haziv, morgen werden wir mitten in der Wüste, in Beersheva, übernachten."

Mi 12.6.
"Nach dem Besuch des Bahai - Tempels ("Wir sind keine Sekte") in Haifa fahren wir nach Uswia, um uns mit einer weiteren Bevölkerungsgruppe bekannt zu machen - den Drusen. Wir werden mit Kaffee, Salbeitee mit Honig und Blätterteiggebäck bewirtet - genau das richtige für meine seit mehreren Tagen andauernde Magenverstimmung. Drusen sind Christen, die an einen Gott, die 10 Gebote, sowie drei Regeln glauben: nicht rauchen, nicht trinken und nichts vom Schwein essen (Regel Nr. vier - alles nicht so eng sehen und sich nicht erwischen lassen). Außerdem glauben sie an die Reinkarnation eines Menschen in einen anderen. Erklärt wird uns alles von einem in Deutschland aufgewachsenen Drusen; überhaupt haben wir während der gesamten Fahrt kaum Verständigungsprobleme."
"Unser Hauptziel heute ist Tel Aviv. Als erstes steht der Besuch des Diasporamuseums auf dem Plan; danach haben wir Zeit, uns in Jaffa - dem arabischen Teil der Stadt - umzusehen."
"Die israelische Wüste ist anders als man sich Wüste im allgemeinen vorstellt. Sanddünen oder ähnliches gibt es nicht, alles ist gekennzeichnet von schroffen Felsen und steinigem Untergrund, Vegetation gibt es in Form von kleinen Büschen und Sträuchern. Während wir nach Beersheva fahren, tauchen rechts und links Beduinenbehausungen auf - viereckige, große, schwarze Zelte. Beersheva selbst ist wie jede andere israelische Stadt - nur, daß es eben etwas weniger Grün gibt. Viel erleben wir von ihr allerdings heute nicht mehr - wir tyrannisieren noch kurz einige Cafes, bevor wir in tiefen Schlaf in unserer Jugendherberge versinken."

Do. 13.6.
"Lieber Leser - bist Du schon mal an der Wand eines steilen Canyons hinaufgeklettert? Hast Du Dich schon mal Stufe für Stufe mit dem Gefühl nach oben bewegt, Dich jetzt gerade möglichst nicht umdrehen zu wollen?
Ein Ovdat liegt irgendwo in der Wüste - Gott sei Dank, denn so begegnen wir außer uns selbst keinem anderen Menschen - was bei der Herrlichkeit dieses Ortes von Vorteil ist. Ein Ovdat besteht zum größten Teil aus Kalkstein, in den sich vor einigen Jahrtausenden ein Fluß gewaschen hat, aus einer Quelle, die hier irgendwo entspringt. Die Wände des Canyons sind ca. 300 m hoch - Höhenangst ist hier nicht von Vorteil (Hallo Franzi!). Der Blick ist allerdings ein um's andere Mal atemberaubend, der schweißtreibende Aufstieg (es ist mal wieder warm) lohnt sich. Oft bleiben wir stehen und verschießen einiges an Fotos."
"Die Nacht verbringen wir diesmal in einer Jugendherberge am Fuße der Massada. Das Tote Meer ist gleich um die Ecke; baden waren wir auch schon."

Fr. 14.6.
"Um 4.30 Uhr ist heute Wecken angesagt - wir wollen den Sonnenaufgang auf der Massada erleben.
Massada ist der höchste Berg in der Umgebung - er liegt 20 m unter Null - und der Ort, an dem die israelischen Soldaten vereidigt werden, was auf die Kämpfe zwischen Römern und Juden zurückzuführen ist. (Massada war der Ort, der am längsten gegen die Römer standgehalten hatte. Als die Verteidigung für die Juden immer ausichtsloser wurde, beschlossen diese, sich gegenseitig umzubringen, um nicht lebend in die Hände der Feinde zu fallen. Als die Römer am nächsten Tag versuchten den Berg zu stürmen, hatten sich fast eintausend Juden selbst umgebracht, nur zwei Frauen und fünf Kinder überlebten.)
Es geht steil bergauf. Natürlich hätten wir auch die Seilbahn benutzen können, aber man fühlt sich doch erst richtig wohl, wenn man schweißgebadet oben ankommt. Wir sind nicht die einzigen, die auf die glorreiche Idee gekommen sind, den Morgen hier zu verbringen - um genau zu sein, es befinden sich schon einige hundert Menschen hier oben.
Die Sonne selbst steigt schließlich malerisch (Postkartenkitsch) auf, der Anblick ist einfach umwerfend. Zuerst ist nur ein schmaler Rand zu sehen, dann verfärbt sich der Himmel rot und gelb, schließlich steigt die ganze Silhuette empor. Schlagartig ist es hell, der Sonnenaufgang hat nicht einmal zwei Minuten gedauert."
"Die Temperaturen am Toten Meer erreichen 42°C im Schatten, allerdings gibt es hier keinen. Wir bewegen uns vorsichtig ins Wasser hinein - für uns alle ist es natürlich ungewohnt, einfach schwimmen zu können, ohne sich bewegen zu müssen; man muß nur aufpassen, daß man nichts vom Wasser (30% Salz) in die Nase, den Mund oder die Augen bekommt - schon ein Tropfen genügt, um ein unerträgliches Brennen auszulösen."

Sa. 15.6. - Mo. 17.6.
"Jerusalem ist eine Stadt, die man erlebt haben muß. Hier treffen alt und neu zusammen, es gibt hier Araber und Juden, Orthodoxe und Liberale, es gibt verschiedenste Bevölkerungsgruppen (z.B.aus Armenien, Polen u.s.w.), und alle leben auf engstem Raum zusammen und natürlich ist Jerusalem auch das Zentrum für Touristen aus aller Herren Länder. Die Altstadt Jerusalems scheint ein einziger großer Basar zu sein, die kleinen, engen Gassen werden durch die in ihnen verkehrenden Menschenmassen zu einem undurchdringlichen Gewühl. Die Neustadt unterscheidet sich kaum von einer europäischen Metropole."
Natürlich besuchen wir hier die Klagemauer, die Al-Aqsa-Moschee, den Felsendom, das Goldene Tor, die Grabeskirche, das Hadassah - Krankenhaus oder Yad Vashem, die wohl bekannteste israelische Gedenkstätte, und noch vieles mehr - es ist einfach zu viel, als das man es in dieser Ausgabe beschreiben kann.
"Am Sonntag besuchen wir die Knesset, das israelische Parlament. Das Gebäude, 1960 im Westteil Jerusalems erbaut, ist sehr einfach gehalten, selbst das Innere wirkt trotz Chagall-Gobelins und Mosaikfußboden nüchtern und schlicht. Der fensterlose Plenarsaal umfaßt 120 Sitze, angeordnet nach der Art einer Minova, an der Wnd hängt ein Bild von Theodor Hertzl, dem Begründer des Zionismus. Mo. und Di. ab 16.00 Uhr ist es möglich, den Plenarsitzungen auch als Zuschauer beizuwohnen."
"Der Montag ist der letzte Tag, den wir in Israel verbringen - Zeit, die letzten Einkäufe zu erledigen und die letzten Postkarten zu schreiben (Man kann den Tag aber auch wie Franzi im Krankenhaus verbringen). Es ist übrigens der einzige Tag, an dem wir keinerlei Programm vor uns haben."

Di. 18.6.
"Die Heimreise beginnt morgens um 3.30 Uhr - entsprechend gut drauf ist auch der Busfahrer, der uns zum Flughafen nach Tel Aviv bringt - einen Schlenker nach rechts, einen nach links, voll auf's Gaspedal, beide Spuren benutzend und ab und zu fast einschlafend - aber was macht das schon. Das Ein - und das Auschecken dauern ihre Zeit, im Flugzeug wird geschlafen; Berlin ist kalt, aber man wird mit Blumen empfangen (Nochmals Danke!). Ich bin viel zu erledigt, um irgendwelche großen Sehnsüchte aufkommen zu lassen; erstmal ab ins Bett - schließlich muß ich ja morgen auch noch in die Schule..."

Zum Schluß
In diesem Artikel sind nur wenige Ausschnitte festgehalten worden. Eigentlich hätte ich noch über die gesamten Sicherheitsfragen, die Kontrollen, die Sicherheitsvorkehrungen schreiben müssen, mit wem wir uns alles unterhalten haben, was wir für eine geniale Gruppe waren (...und erst die Pärchenbildung...), von unseren begleitenden Lehrern, daß wir unseren Reiseleiter kein Stück gemocht haben oder einfach noch von einigen Orten mehr berichtet. Vieles hat Spaß gemacht, vieles war interessant, alles ist nicht ganz so leicht und einfach gewesen, wie es in der Errinnerung haften geblieben ist. Am 30. November findet im Rahmen dieses Projektes eine Livesendung im OKB statt - mit dabei sind israelische Schüler, die wir dort kennengelernt haben, Juden aus Berlin und Palästinenser. Dazu gibt es die wichtigsten Aussagen zum Friedensprozeß zu sehen, die in Israel auf Video aufgenommen wurden - was übrigens auch der Grund ist, warum ich sie im Artikel nicht erwähnt habe.
Die Fahrt war genial!

G (Dank an Franzi)