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Locus Ausgabe Nr.13
Neulich bei der Bundesregierung
Vor einiger Zeit begann das Forschungsministerium der Bundesregierung, ein Projekt zur Intensivierung der Landwirtschaft zu unterstützen. Im Laufe mehrerer Jahre wurden viele Millionen in die Erfindung und Erprobung einer neuen landwirtschaftlichen Maschine investiert. Extra zu diesem Zweck wurde ein neues, hochmodernes Forschungslabor eingerichtet, in dem einige hochausgebildete Spitzenforscher mit Spitzengehältern Tag und Nacht werkelten und bastelten, ihre Ideen skizzierten und diese wieder verwarfen. Außerdem wurde eine hochmoderne Produktionsanlage entworfen und konstruiert. Als man nach wenigen Jahren fertig war, gab es eine stolze Präsentation, bei der regionale und überregionale Politiker schulterklopfend anwesend waren und sagten, daß die deutsche Wirtschaft immer noch zu den innovativsten zähle. Man beschloß, daß der neuen Maschine eine tragende Rolle zukommen sollte. Doch die Maschine war für die einfachen Bauern zu teuer. Also beschloß man, diese zu unterstützen und erließ ihnen 95% des Verkaufspreises. Jetzt gelang es die Maschine auch gegen Konkurrenz wettbewerbsfähig zu machen. Die Politiker wurden populär, nicht zuletzt deswegen, weil im neu gebauten, extra subventionierten Maschinenbauwerk einige hundert Arbeitsplätze geschaffen wurden - eine Region blühte auf. Mit der neuen Maschine ging alles sehr viel schneller und besser in der Landwirtschaft. Man konnte schneller säen und ernten, die Pflänzchen schienen viel schneller zu wachsen und eigentlich wurden sie auch viel größer. Dies alles hatte zur Folge, daß die nächste Ernte sehr viel besser ausfiel. Es gab eine Überproduktion, in deren Folge der Weltmarktpreis zu sinken drohte. Um es nicht so weit kommen zu lassen, beschloß die EU, die Prämien für die Stillegung von Agrarflächen zu erhöhen. Desweiteren wurden einige Milliarden bereitgestellt, um die Überproduktion einzulagern. Da dies funktionierte und der Weltmarktpreis nicht sank, sahen die Politiker darin den Beweis für das Funktionieren der EU. Nun wußte man aber nicht wohin mit der ganzen Überproduktion. Deshalb baute man neue, teure Lagerhallen, die ordentlich klimatisiert und gut geschützt waren. Man hoffte, daß man irgendwann alles verkaufen könne - wenn ein Mangel an diesen landwirtschaftlichen Produkten bestehe. Dies geschah jedoch nie, da inzwischen wieder neue Maschinen entwickelt worden waren. Deshalb beschloß die EU zu verkaufen - an hungernde Dritte-Welt-Länder. Da der Preis jedoch so hoch war, konnte sich niemand dieser Länder landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der EU leisten. Also beschlossen Politiker, daß es Zeit wäre, diese Länder zu unterstützen und riefen zu Spenden auf. Gespendet wurde und die Politiker feierten sich für ihren Einfall. Die schon etwas verfaulten und angeknabberten landwirtschaftlichen Erzeugnisse wurden in die Dritte-Welt-Länder verschickt und dort billig verkauft oder kostenlos verteilt. Alles in allem ging dadurch die dortige Landwirtschaft - übrigens mit deutscher Entwicklungshilfe aufgebaut - kaputt. u.s.w.u.s.f.
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