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Ausgabe #13

Locus Ausgabe Nr.13



SPORT IM BILD

In grauer Vorzeit, das heißt vor den Sommerferien, als also mit Aussicht auf diese noch Euphorie und Harmonie herrschte, veranstaltete man ein Sportfest für die Sek I, wahrscheinlich als Belohnung für die jahrelange Treue. Dafür mußten zwar 4 Kracher (?(Anmerkung der Redaktion: Deutsche Mark)) abgedrückt werden (Tja, heutzutage muß eben auch eine Schule Gewinn erwirtschaften. Wie wärs denn mit einer Hofbenutzungsgebühr in den Pausen und Klofrauen auf eben diesen?) und das Ganze fand etwas sportfestuntypisch nicht in der Schule, sondern im altehrwürdigen FEZ statt. Während also an diesem denkwürdigen Dienstag die restliche Sek II sich 'nen gemütlichen vorletzten Schultag in einer vor allem selten so ruhigen Schule machte, wurden Katja und ich (Stephan beging vorher Fahnenflucht mittels böswilliger Vortäuschung einer tödlichen Krankheit) von hoher Stelle zu früher Stunde abkommandiert, um irgendwie journalistisch tätig zu werden. Sofort nach Ankunft wurde uns von Frau Lehmann befohlen, uns auszuziehen. Nur nach langen Erklärungen gelang es uns, diesem zu entziehen. Schon etwas verstört aber in Erwartung durchtrainierter Körper, die sich auf sportliche Höchstleistungen vorbereiten, bezogen wir, uns unserer Autorität, Wichtigkeit, Ansehen, kurzum, uns unserer überlegenen, höheren Stellung voll bewußt, lässig unsere etwas mäßig vorbereiteten Plätze auf dem Dach (auch die sowohl weltlichen als auch geistlichen Getränke waren weder gekühlt noch vorhanden), fernab des lästigen Geschreis der 7-Klässler, die sich der Bedeutung des Ereignis nicht würdig erwiesen.
Doch dann die große Enttäuschung: keine einzige Hürde weit und breit, keine akkurat geharkten Weitsprunganlagen, weder Maßbänder noch Stoppuhren weit und breit, rein gar nix, was mich an die unsäglichen Sportfest meiner frühen Kindheit erinnerte. Was sollte das sein? Mächtig verarscht fanden wir stattdessen Streetball, Volleyball, Fußball, Schach (!), Tischtennis und ähnlichen Schnulli vor. Zu solcherart Sport mag man stehen wie man will, wir taten es nicht. Solcherart vor den Kopf gestoßen beobachteten wir Frau Nötzold, wie sie ihrer ehrenvollen Aufgabe nachkam, die großzügigen Geschenke dekorativ zu verteilen. Dabei quälten sie offenbar große innere Zweifel, was für wen und warum? Dabei fiel das Wort Los, welches uns noch öfter im Laufe dieses schönen Vormittages begegnen sollte, allerdings in anderen Zusammenhängen.
Spontane Befragungen versprengter junger Sportlerinnen und Sportler, die sich offensichtlich ihren volksgesundheitlichen Pflichten entziehen wollten, ergaben folgendes: "Ich bin ein absolut unsportlicher Mensch!", "Welches Sportfest?" und "Es wahr sehr lyrisch." Aufgrund meiner lückenhaften Aufzeichnungen könnte dies aber auch von anwesenden Lehrern geäußert worden sein. Überhaupt befanden sich auffallend viele Lehrer auf der Tribüne, anstatt Korbwürfe zu zählen und ihre Schützlinge vor Gefahren durch so mörderische Sportarten wie Schach und Seilspringen (zugleich!) zu schützen. Entschuldbar ist dieses Fehlverhalten höchstens durch den Geburtstag von Frau Schütte gewesen, was allerdings wieder zu einem rauschenden Fest mit nicht weiter zu beschreibenden Exzessen führte.
Herr Engelbrecht fand übrigens alles sehr gut. Aus sicheren Quellen waren wohl beim Fußball mehr Jungs und Christian (?) war gut beim Tennis. Mit Blick auf Herrn Meister unterrichtete uns Frau Nötzold über eine geplatzte Hose, ein tränendes Auge und offene Schnürsenkel. Die Preisverleihung wirkte etwas störend, da plötzlich alle auf unserem privilegierten Dach herumstanden. Die älteren Klassen taten wir uns dann nicht mehr an. Wer mehr darüber wissen will, war bestimmt da. Übrigens kommt Ihr doch nicht so schnell davon. Für den Herbst ist ein richtiges Sportfest geplant, so mit Hürden und Rennen und Springe und so. Viel Spaß!

der autor möchte lieber unerkannt bleiben, wegen der glückwünsche