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Locus Ausgabe Nr.14
Wortmeldung in Sachen Petersburg
von Frau Spröte
Zunächst möchte ich diesen Wegnutzen, als Verantwortliche für den Schüleraustausch mit der Goethe- Schule in SanktPetersburg allen Beteiligten am Weihnachtskonzert zu danken. Danken für ihr Engagement und alle kleinen und großen Mühen, die diesen Abend erst möglich machten und danken auch für die Idee, den Erlös für diesen Schüleraustausch zur Verfügung zu stellen. Es scheint mir außerdem nötig, noch einiges zu diesem Unternehmen zu sagen - bzw. zu schreiben, denn leider haben Simone und Sebastian im Scheinwerferlicht nicht all das deutlich machen können, was uns, die wir im Juni in Sankt Petersburg waren, bewegt. Im Rahmen dieser Schulpartnerschaft war in diesem Jahr zum fünften Mal eine Schülergruppe von uns in Petersburg und die Petersburger im Gegenzug im August bei uns. Was ist nun das Besondere an diesem Projekt? Schüleraustausch ist generell wichtig, Austauschprogramme gibt es mehrere und wer was wie wichtig nimmt, ist sicherlich sehr subjektiv und jedem selbst überlassen. Aber denen, die auf dem Wege des Schüleraustausches Petersburg und unsere Partner dort kennengelernt haben, liegt gerade diese Beziehung sicher besonders am Herzen. Das möge man uns verzeihen. Die erste Besonderheit liegt schon darin, sich durchzuringen, gen Osten zu fahren. Jetzt, wo uns die Welt nach allen Richtungen offensteht, zieht es einen halt nicht mehr in die einstmals einzig mögliche Fahrtrichtung ... Sie ist nicht in. Das zweite Problem ist sicher, die Kraft und den Mut zu haben, seine eigenen Vorurteile an Ort und Stelle selbst zu überprüfen, sich ein eigenes Bild zu machen. Schließlich vermitteln die Medien uns einen Eindruck von der großen, weiten Welt und dabei kommt der Osten nicht gerade gut weg ... Schmutz, Zerfall, wachsende Kriminalität, Elend ... Also nicht gerade ein erstrebenswertes Reiseziel! Fast wäre ich ja diesem Bild selbst aufgesessen. Als ich mit der Vorbereitung des 96er Austausches beschäftigt war und das Fernsehen wiederholt Berichte über Kriminalität (besonders in Petersburg) ausstrahlte, sträubten sich mir schon die Haare ob der Verantwortung, mit 14 Schülern diese Reise anzutreten.Rückblickend möchte ich sagen, daß ich für nichts undkeinen garantieren kann. Aber wer sich in Berlin wagt, am öffentlichen Leben normal teilzunehmen, der kann es auch in Petersburg wagen! Ein drittes Problem möchte ich noch nennen - das liebe Geld! Wir veranschlagen aus den Erfahrungen der Vorjahre die Reisekosten mit ca. 600 DM. Für viele zu viel! Einerseits kann man diesem Gedanken folgen, lehnt also diese Reise ab. Andererseits überlege man, daß z. T. schon 5 Tage Klassenfahrt im Lande Brandenburg für Grundschüler 180 bis 200 DM kosten. Bei uns geht es um eine Flugreise nach Petersburg für 12 Tage! Dann scheint dieser Preis schon eher angemessen.
Und nachdem man 12 Tage in einer Petersburger Familie zu Gast war, bereut man es sicher nicht und setzt alles daran, sich in Berlin zu revanchieren.Warum haben wir aber Spenden nötig? Die anderen Austauschprogramme tragen sich schließlich selbst.Die Ursache liegt einfach darin, daß die Petersburger Schüler die Kosten der Reise nicht tragen können.
Müßten sie - wie wir - 600 DM einzahlen, fiele die Reise aus, denn dies entspricht z. B. mehr als drei Monatsgehältern eines Lehrers. Und dabei ist dies sicher nicht die niedrigst bezahlte Lohngruppe.Also tragen wir die Flug-, Versicherungs- und andere Kosten für die Petersburger mit. Von den Programmkosten soll die Rede nicht sein, denn schließlich erleben auch wir in Petersburg viel Interessantes. So sind wir auf Unterstützung angewiesen, denn wer von uns könnte schon 1200 DM aufbringen? In den vergangenen Jahren hatten wir die Möglichkeit, von der Stiftung für west-östliche Begegnungen und über das Köpenicker Bezirksamt unterstützt zu werden. Wir alle wissen von den gegenwärtigen Sparzwängen ...
und keiner von uns weiß, ob und wie hoch im kommenden Jahr Hilfe fließen wird. Mit jedem Jahr waren die Mittel ohnehin geringer.Das heißt, die Benefiz - Spende wird dringend benötigt, um wenigstens 10 Schülern der Partnerschule die Reise hierher zu ermöglichen.
Diese Schüler lernen seit der 2. Klasse die deutsche Sprache und können bisher nur davon träumen, die Sprache , die sie sehr intensiv lernen, nach der 10. Klasse schon sehr gut beherrschen und nicht selten zu ihrem Beruf machen wollen, einmal nicht nur im Unterricht, sondern in Deutschland praktizieren zu können. Also werten wir diese Spende als Lernhilfe oder Solidarität - ganz wie ihr wollt. Eine Sache, auf die wir gemeinsam stolz sein können, wenn auch in diesem Schuljahr der Austausch gelingt.Es sei auch noch erwähnt, daß als Reaktion auf das Weihnachtskonzert und unser Anliegen ein Scheck von 400 DM von Familie Bollmann - Reformhaus naturell - bei uns eingegangen ist. Dafür vielen Dank.Bis dahin ist jedoch noch einiges zu bedenken, denn die Formalitäten sind bei einer solchen Reise ziemlich aufwendig.Übrigens: Bis zum 18.12.1996 könnt ihr euch noch entschließen , 1997 dabeizusein. - Dann erhöht sich halt unsere Gruppenstärke auf 12 oder 14. Die Petersburger werden sicher nicht böse sein .
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