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Ausgabe #15

Locus Ausgabe Nr.15



"...wenn unrecht zu recht wird..."

Treue LocusLeser haben sicherlich im Laufe der Zeit festgestellt, daß es eine Reihe von Themen gibt, die wir gerne immer wieder aufgreifen.
Ob es nun das leidige und ausgekaute Drogenthema bzw. die schizzophrene bundesrepublikanische Prohibitionspoltik, die im letzten Jahr über 1700 Tote forderte, die lästige Wehrpflicht, die unmenschliche deutsche Abschiebepraxis oder eben die Atomenergiepolitik mit dem damit verbundenen Widerstand im Wendland gegen die Zwischenlagerung bzw. den Transport der Castor-Behälter ist. Euch sei versichert, daß wir manchmal oder auch öfter das alles selbst nicht mehr hören können. Trotzdem werden wir alles mögliche tun, Euch weiter mit dem Schrott zu bombardieren.
Siehe auch Artikel : Ach hören Sie doch auf...

Nachdem der Termin für den nächsten Castortransport (diesmal gleich 6 auf einen Streich) so ziemlich sicher feststeht, nämlich in der ersten Märzwoche (von der Stromlobby und ihren Handlangern in Regierung und Verwaltung äußerst klug gewählt: kaltes Wetter, keine Ferien, zudem noch Leistungskursklausurenzeit) ist die inzwischen routinierte Widerstands- und Protestmaschinerie im ganzen Bundesgebiet angelaufen.
Am 15.2. fand unter anderem ein Aktionstag mit über 2000 Teilnehmern und etwa 1500 Gesetzeshütern, welche eine erstaunliche Besonnenheit an den Tag legten, was der entspannten und produktiven Atmosphäre sehr zuträglich war, statt. Die Bahnstrecke, auf der der 640 Tonnen-schwere Transport die letzten Kilometer zum Verladekran in Dannenberg zurücklegen soll, bietet ein beklagenswertes Bild: Marode, nicht geprüfte Brücken, morsche Schwellen und durchgesägte Schienen. Da die Strecke jedoch noch nicht "entwidmet" und "zurückgebaut" (Bahn-Sprache) ist, kann sie noch mit Sondergenehmigungen befahren werden. Dementsprechend wurden am Aktionstag neben der Streckenbegehung auch "praktische Schritte in Richtung Entwidmung" recht erfolreich durchgeführt.
Für den Tag X, das heißt, wenn es soweit ist, stehen über 19.000 Polizisten und BGS-Menschen bereit den Castor bis zum Zwischenlager Gorleben "durchzuprügeln". Was sich als recht schwer erweisen dürfte, denn man erwartet über 20.000 Widerständler, die wohlorganisiert friedlichen, aber bestimmten Protest üben und dem Castor keinen Zentimeter der Straße freiwillig überlassen werden. Die Transportstrecke ist diesmal in Abschnitte aufgeteilt, die bestimmten Städten zugeteilt wurden. So haben die Berliner ihr eigenes Stück, und entsprechend sind auch die einzelnen Camps organisiert. Da man es mit einem ordentlichen, politisch korrekten Protest zu tun hat, gibt es natürlich auch ein Frauen/Lesben-Camp.
Es gilt die Devise des zivilen Ungehorsams, welche eine breite Unterstützung in allen Bevölkerungsschichten der Region erfährt. Dies kann auch Gesetzesübertretungen, wie das Brechen eines drohenden Versammlungsverbotes einschließen, was allerdings angesichts der verantwortungsvollen Situation für unser aller Zukunft, vielen durchaus legitim und notwendig erscheint. So kämpft Bauer Wiese friedlich Seit an Seit mit Berlinern ganz in Schwarz gegen den "arroganten" Atomstaat. Glücklicherweise konnte die Spaltung der Bewegung in Gut (Diskussionspapier schwenkende Lehrer und Pfarrer) und Böse (sogenannte gewaltbereite zugereiste Berufsdemonstranten), wie sie von Presse und Polizei betrieben wurde, weitgehend verhindert werden.
Eine andere Form des Widerstandes praktizieren der Landkreis Lüchow-Dannenberg und zahlreiche Gemeinden im Wendland. Diese weigern sich bisher, der Polizei für den Castor-Eisatz Turn- oder Veranstaltungshallen als Unterkünfte zur Verfügung zu stellen.

Vielleicht klappt's ja diesmal, daß der Castor tatsächlich umdrehen muß (wenn er nicht vorher, wie kürzlich geschehen, umkippt). Dies würde zeigen, daß in diesem Land doch nicht alles gegen den Willen der Bürger durchsetzbar ist. Es würde sicherlich auch "Konsens"-Schröder helfen, sich wieder eindeutig zum Ausstieg aus der Atomenergie zu bekennen. Kommt er doch durch, wird's wenigstens schön teuer, und das macht auch irgendwann keine Landesregierung mehr mit.

borrries schwesinger