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Locus Ausgabe Nr.15
Die neue AvH Generation
Wer sind sie? Was wollen sie hier?
Diese Fragen könnt ihr sicher besser beantworten als wir. Doch Locus wird in den unteren Klassen nur wenig gelesen, weshalb jetzt vielleicht nur ein kleiner Teil von Euch Locus in der Hand hält. Ist es der Mangel an Themen, die Euch ansprechen? In diesem Sinne fragen wir uns, warum sich kaum Leute aus den unteren Klassen am Locus beteiligen. Hier und jetzt soll dieser Artikel Euch persönlich ansprechen und zum Nachdenken anregen.
Da wir Euch praktisch nicht kennen, wollen wir uns ein Bild von der neuen AvH-Generation - unseren Nachfolgerinnen-machen. Wir haben einige SchülerInnen aus den 7.-9.Klassen gefragt und wissen jetzt schon einiges mehr von Euch, wodurch wir auch Vorurteile abbauen konnten. Da oft Ansichten oder Einstellungen durch ein bestimmtes Äußeres ausgedrückt werden, warfen wir einen langen Blick auf Eues Erscheinungsbild. Als erstes weckten obskure Haarfarben und 20 cm hohe Schuhabsetze unser Intresse. Wir fragten uns: Wer oder was inspiriert Lieschen Müller zu grünen Haaren oder einem neuem trendige(re)n Outfit? Welche Rolle spielen Trends und "Gruppenzwang"? Was ist die Faszination am Rauchen ?
An der AvH ist äußerlich ein breites Spektrum von schicki-micki bis punkig vertreten .Laut Aussagen der Befragten orientiert sich der größte Teil klamottenmäßig an sich selbst, nach Laune und Gefühl.Man kann aber davon ausgehen, daß auch ein nicht unerheblicher Teil mit den anderen - der Mode -"mithalten" möchte, um nicht als Außenseiter oder Einzelgänger dazustehen. Denn die kann man gar nicht so gut leiden. Fast alle Befragten kennen Einzelgänger in ihrem Umkreis, die sich durch " anders-als-normal-sein" von ihren Gleichaltrigen abgrenzen. Sie haben keine Lust zur Anpassung oder Integration, werden deshalb nicht anerkannt, sie haben eine unsympathische Ausstrahlung, sehen altmodisch oder "unterdurchschnittlich" aus oder sind "Streber ".Die Bezeichnung der Befragten ging von schüchtern, kindisch über komisch zu eklig und abartig(!!). Also wirklich-wie kann frau/mann nur! (Bitte etwas mehr Vorsicht bei der Wortwahl !) Heutzutage wird es immer wichtiger, sich vor anderen zu beweisen,so z.B. auch durch rauchen Oftmals gibt es in der 7.Klasse erste Kontakte zum Glimmstengel, da "es eben alle tun".
Wir sind aber auch in allen Klassen auf viele NichtraucherInnen getroffen, die meist keine Lust darauf haben, weil weil es gesundheitsschädlich ist, wegen dem "Stinken", weil es nicht schmeckt oder zu teuer ist. Die RaucherInnen, von denen wir nicht allzuviele gefragt haben,gaben als Gründe an, daß Rauchen entspannt, Streß abbaut, Spaß macht und langeweile vertreibt.(Komisch ..keine(r) hat gesagt, daß es schmeckt!?!) Ein anderes beliebtes Ventil zum Ablassen von Frust o.ä.,was außerdem noch Spaß macht, ist das Lästern. Die meisten tun es aber nicht bösartig,es ist nun mal "oft angebracht" und "es geht nicht ohne". Bei der Frage nach negativen Eigenschaften anderer Leute gab es einen Konsens: Arroganz,Angeberei, Intoleranz und Hinterhältigkeit sind verpönt. Im Gegenzug fragen wir, was Euch an Euren Freunden wichtig ist. Am meisten genannt wurden Ehrlichkeit, zu-einer/m- halten,gutes Verstehen, Vertrauen und Humor. Um hinter Eure Fassade zu schauen, stellten wir die Frage nach Eurer Lebenseinstellung. Wieder herrschte Einigkeit:"Hauptsache Spaß haben!" Vielen ist es wichtig jeden Tag neu zu genießen, von einem Tag zu nächsten zu leben und das Leben auszukosten. Die meisten schätzen sich optimistisch oder lustig ein, daneben auch zukunftorientiert. Für mich stellt sich die Frage, was ihr unter "Leben genießen/ auskosten versteht. Natürlich interessiert uns auch Eure Zukunftvorstellung um herauszufinden, was Ihr überhaupt vom Leben wollt (außer Spaß). Wovon träumt man mit 13?
Wie relatitätsnah seid Ihr? Der Großteil von Euch will Abi machen, vielleicht studieren, dann kommen Job und eventuell Familie.Auch wollen einige nach dem Abi erstmal ins Ausland. Speziell Berufswünsche wurden weniger genannt, aber gingen von Chemiker, Tierärzte bis Schauspielerei.
Uns interessiert auch, wofür sich Jungs später entscheiden wollen: für Zivildienst oder Wehrdienst. Nach unserer Umfrage gehen wir davon aus, daß ungedähr gleichviele das eine oder das andere machen wollen, wobei die Meinung sich in späteren Jahren durchaus noch ändern kann. Ein kleiner Teil hat sich noch gar keine Gedanken darüber gemacht.Wir trafen auch auf einen potentiellen Totalverweigerer.
Da Jugendliche heute so unheimlich selbstbewußt wirken, wollten wir wissen, was dahinter steckt. Wer und was beeinflußt und woran orientiert ihr Euch. Ideale und Vorbilder sind selten geworden, man orientiert sich nicht mehr an anderen, sondern an sich selbst und bildet sich eigene Meinungen (Hoffentlich!). Teilweise beeinflußen Euch FreundInnen, Eltern oder ältere Geschwister.
Doch nun ein Sprung zu Euren Interressen. Wir wollten von Euch wissen, was Euch wichtig ist. Für die jüngeren Mädchen spielen Bravo etc. und Boygroups eine entscheidende Rolle, während jüngere Jungs verrückt sind nach Sport und Computern. Weiterhin nehmen FreundInnen, Disco, Musik und Sport einen wichtigen Platz bei Euch ein. Die Schule spielt für viele eine untergeordnete Rolle, ist notwendig für das spätere Berufsleben. Einige empfinden sie aber auch mittel bis sehr wichtig. Außerdem symbolisiert Schule für Euch vor allem Streß. Was die Klassenatmosphäre angeht, ist sie mindestens gespannt oder schlecht. Viele sagten, daß es keinen Zusammenhalt gibt und eine Spaltung in Cliquen vorherrscht. Einige fanden die Klassenatmosphäre bei sich gut, doch fast alle bestätigten, daß die Klasse aus Gruppen besteht.
Obwohl ihr eher zu der Generation gehört, die nicht mehr viel von der DDR und ihrer Vergangenheit mitbekommen hat, haben wir Euch nach Erinnerungen befragt. Einige erinerten sich daran, "stolzer Pionier" gewesen zu sein oder an den Montag - Morgenappell mit "Pioniere! Seid bereit!". Positiv waren die Eintrittspreise, die Freude über Kleinigkeiten, die soziale Sicherheit. Negativ gesehen wird, daß man nicht in den Westen reisen konnte, da geringe Warenangebot und daß es wenig Ketchup gab. Einige von Euch sagten uns, daß sie die heutige Gesellschaft besser und freier finden (außer die Arbeitsmarktsituation), weil Ihr jetzt in den Westen reisen könnt. Na ja, so richtig überzeugt haben Eure Argumente nun nicht gerade...
Um nochmal auf die Klassenatmosphäre zurückzukommen; uns interessierte, ob es unter Euch aggressive Brutalos in den Klassen gibt. Die Mehrheit stimmte dem zu. Unter den Jungs der siebenten Klassen gehört es zur Tagesordnung, sich zu prügeln, wird also als normal empfunden. Aber es gibt ja auch andere Formen des Ausdrucks von Gewalt, nach denen wir Euch fragten. Die steigern sich von verbalen Angriffen, z.B. Ausdrücken, bis zu körperlichen Agressionen (heute wahrscheinlich cool).
Wir bedanken uns bei allen, die Rede und Antwort gestanden haben.
Ana und Ul Li
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