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Ausgabe #15

Locus Ausgabe Nr.15



Ein ganz alltäglicher Sonntag-

oder der totale Wahnsinn
von Ines Eichner, Anne Szerwinski (11/1)

"Aufstehen!", rief eine Stimme, "Morgenstund hat Gold im Mund." Das erste was ich sah, als ich mühsam meine schweren Augenlider öffnete, war mein Vater in seinem neuesten Trainingsanzug. Keine zehn Minuten später saßen wir schon im Auto, welches man leicht mit einer Tiefkühltruhe verwechseln könnte. Es war jetzt punkt neun Uhr. Nach einer halben Stunde Gnadenfrist - noch nie war eine halbe Stunde so kurz - erreichten wir das Strandbad. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, hatte ich meine Axt in der Hand. Nach einem freundlichen Klaps auf die Schulter wurde ich in Richtung Eis geschoben. Im selben Moment wurde mir zum ersten Mal richtig bewußt, wo ich mich befand. Vor mir ein zugefrorener See. Mit zwei anderen (verrückten) Leuten stellte ich mich auf´s Eis und begann ein Loch zu hacken. Nach einigen Minuten gelang es den beiden anderen mit ihren Äxten bis zum Wasser vorzudringen- und das Wasser zu mir! Nachdem das Loch endlich fertig und ich über und über mit Wasser bespritzt war, konnten wir mit dem Warmlaufen beginnen. Nach mühsamen anderthalb Kilometern ging es dann endlich los.
Jetzt konnte ich zeigen wie mutig ich wirklich bin. Schnell schlüpfte ich aus meiner Kleidung und erreichte als erster das Eisloch. Mit vollem Elan wollte ich ins Wasser stürzen, aber dieser Elan verflüchtigte sich urplötzlich, als mein großer Zeh mit der Wasseroberfläche in Berührung kam. Schon wollte ich mich zurückziehen, als ich meine Oma erblickte. Ok, zeigen wir ihr mal'ne tolle Show! Lächeln aufsetzen, Luft anhalten und rein ins Wasser! Auf dem Weg zurück zur Leiter stellte ich mit Entsetzen fest, daß die anderen jetzt ins Wasser wollten. Ich wurde durch die anrollenden Massen zum Eisrand gedrängt. Nicht genug, daß zwei dicke Damen mir die Sicht versperrten, nein eine Eisscholle schob sich mir in den Nacken. Mein schlimmster Alptraum - Tod durch Eisscholle - schien wahr zu werden. Wie ich in den Minuten überlebt habe, weiß ich nicht, doch zu meinem Glück schoben sich die Massen wieder zurück in Richtung rettende Leiter.
Endlich draußen, lief ich über´s Eis zu meinen dort zurückgelassenen Badelatschen. Ich zog sie an und fiel prompt auf die Nase - festgefroren! Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, dachte ich, nur noch anziehen und ab ins warme Auto. Leider hatte ich die Rechnung ohne meine nasse Hose gemacht, deren Beine durch die Nässe vom Eishacken zugefroren waren. Nachdem nun aus dieses Hindernis beseitigt war, saß ich endlich im Auto.
Und wer trotzdem mal Lust auf´s Eisbaden hat, meldet sich bitte...