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Locus Ausgabe Nr.6
Wenn multimedial, dann LOCUS - und nur bei Fritz
Irgendwann im November letzten Jahres hatten wir die geniale Idee, eine
multimediale Ausgabe des LOCUS' zu produzieren. Gesagt, getan.
Pünktlich zu Weihnachten war der multimediale LOCUS fertig: Eine bunte
Mischung aus Texten, Bildern und einigen kleinen Sounds.
Auf zwanzig Ausgaben war die Edition begrenzt, doch schon nach kurzer
ranntet Ihr uns mit bettelnden Hundeblicken die Türen ein: "Habt Ihr
noch eine Diskette?" - Und wir hatten noch Disketten, so daß wir
kurzfristig beschlossen, einige Disketten nachzuproduzieren.
Insgesamt fünfzig Stück; selbst Schulrat Wilke bekam eine Ausgabe.
In völliger Euphorie über diesen Erfolg schickten wir eine Nachricht
ins Internet. Die Resonanz darauf war überwältigend - selbst aus dem
tiefsten Sachsen und Bielefeld bekamen wir Mails und Bestellungen geschickt.
Mit ein bißchen Nachhilfe unsererseits wurde auch Fritz auf den multimedialen
LOCUS aufmerksam - und ehe wir uns versahen, saßen wir (Gunter, Stephan,
Alex) bei Jürgen Büsselberg im Studio, um ein Interview zur allerbesten
Sendezeit zu geben. Verantwortlich dafür: Lutz Schramm, der Computer-Fritze
bei Fritz. LOCUS sprach mit ihm.
Foto: Redakteure bei Fritz (v.l.n.r.:Alexander Eschment, Gunter Meinhardt (hinter dem Mikro), Stephan Lange)
LOCUS: Was hast Du Dir unter einer multimedialen Schülerzeitung vorgestellt?
Lutz: Richtig vorgestellt habe ich mir darunter gar nichts, denn
es gibt viele Möglichkeiten, so etwas umzusetzen. Es hätte ja sein
können, daß Ihr das absolute Programm habt, um so etwas
herzustellen oder, wir Ihr das gemacht habt, daß man aus
bestehenden Komponenten etwas zusammenbaut. Ich habe mir gesagt,
einfach mal drauf schauen, was drauf ist.
LOCUS: Warum hast Du gerade uns eingeladen? Ich kann mir sehr gut
vorstellen, daß es genug andere Leute gibt, die Euch
Computerprogramme zukommen lassen?
Lutz: Nein, eigentlich nicht soviel. Ich denke, solche Sachen gibt
es auch noch nicht so viel, daß Leute als Gruppe etwas
produzieren. Es gibt zwar ein, zwei Leute, die uns mal Programme
schicken, ansonsten hält sich das Ganze in Grenzen.
LOCUS: War es schwer, die Redaktion zu überzeugen, für den
"Prozessor-Check" in der "Wilden Welt" eine
Schülerzeitungsredaktion einzuladen?
Lutz: Nein. Dafür gibt es zwei Gründe. Einmal: Jeder Programmteil,
der lebendiger ist als ein einfacher Beitrag, wird voll begrüßt.
Wenn einfach nur jemand erzählt oder irgendetwas vorließt, wirkt
das Ganze ziemlich trocken. Sind jedoch Leute im Studio oder
können Telefonate geführt werden, so ist das für ein Programm
immer besser. Zum anderen sind Dinge, die mit Schule oder
jungen Leuten zu tun haben, immer beliebter als Sachen, die
herkömmlich sind, wie z.B. über eine Platte zu reden. Das ist dann
eben nur Radio. Und insofern ist das überhaupt
kein Problem. Wir waren alle happy.
LOCUS: Zurück zum eigentlichen Thema! Wie hat Dir als Experte der
multimediale LOCUS gefallen?
Lutz: Mit den Mitteln, die ihr benutzt habt, ist es richtig gut
gewesen. Es ist natürlich ein bißchen schwierig, wenn man ein
bestehendes Programm nimmt, um die Texte anzuzeigen.Ich meine, daß
man das Programm schließen muß, wenn man den Text gelesen hat,
weil man sonst irgendwann tausendmal Write oben zu stehen hat. Das
ist natürlich ein Windows-Problem. Was mir besonders gefallen hat,
waren die Grafiken, wie z. B. die Comics. Die fand ich richtig
gut. Und ich glaube, wenn ihr die Grafiken in die Texte einbinden
könntet, ist da noch eine ganze Menge drin.
LOCUS: Gibt es Dinge, die man bei der nächsten Ausgabe verändern
könnte, um sie für die Benutzer attraktiver zu machen?
Lutz: (lacht) Also erstmal habe ich nicht soviel Ahnung, wie es
den Eindruck macht. Ich bin kein Informatiker, sondern beschäftige
mich nur als Journalist mit dem Kram. Wenn ich so eine
Geschichte machen würde, dann würde ich Programme, wie Hyper Text
benutzen. Da bin ich ein ganz großer Fan von.
LOCUS: Da wir gerade von der nächsten multimedialen Ausgabe
sprechen, würdest du sie wieder mit in die Fritz-Box aufnehmen?
Lutz: Ja klar, auf jeden Fall. Wenn sie nicht größer als zwei
Megabyte ist.
LOCUS: Wie stehst Du eigentlich zu dieser doch sehr rasanten
technischen Entwicklung? Sollte es nicht irgendwo eine Grenze
geben, denn inzwischen werden wir so von technischen Neuheiten
überschwemmt, so daß man kaum noch mitkommt.
Lutz: Rein kann man immer kommen. So hunderprozentig mitkommen
kann man natürlich nicht, weil das auch sehr vielschichtig ist.
Es gibt zum Beispiel Netzwerktechnik, Videotechnik oder Sachen,
die mit Mathematik zu tun haben. Man muß schon versuchen, sich da
einigermaßen zu spezialisieren; etwas zu finden, was einen
interessiert und sich dann speziell darum kümmern. Klar, es gibt
eine Überschwemmung, weil immer wieder neue Sachen passieren und
man muß dann selbst versuchen, da einen Abstand zu finden; zu
sehen, was ist von dem Neuen jetzt schon da. Denn eine Krankheit
in der Computerindustrie ist, daß jede neue Idee als schon
vorhanden verkauft wird, aber anfassen und ausprobieren kannst du
es erst in ein oder zwei Jahren. Zum Beispiel kannst du heute
etwas von einem Power-PC lesen, der alles kann - und dann gehst du
in einen Laden und stellst fest, das er gerade mal die Hälfte vom
Versprochenen liefert. Man muß schon versuchen, seinen eigenen
Überblick zu haben; wirklich mal unterscheiden, was für mich
interessant ist.
LOCUS: Fritz beschäftigt sich ja im Vergleich zu anderen
Radiostationen sehr intensiv mit neuen Medien. Ich meine, das ist
doch sicherlich mit viel Arbeit verbunden. Bist du neben Johnny
der einzige, der sich bei Fritz mit Computern beschäftigt?
Lutz: Trevor Wilson ist auf jeden Fall einer von denen, die
richtig drinstecken. Ansonsten eigentlich kaum jemand. Es gibt
eine Menge Redakteure, die sich dafür interessieren, aber eben nur
als Journalist. Die sagen zwar, das ist ja alles sehr
beeindruckend, aber sie trauen sich nicht, die Schwelle zu
überschreiten, das selber in die Hand zu nehmen.
LOCUS: Was sind die Ursachen dafür? Wer hat zu dieser Entwicklung
mit beigetragen?
Lutz: Hier muß ich sagen, daß ich ganz froh bin, kein Informatiker
zu sein. Denn Informatiker sind ja auch Schuld an dieser
Entwicklung. Sie bauen eben diese Mystik um sich herum auf. Das
liegt aber auch an der Entwicklung der Computer. Als es damit
angefangen hat, ging es eben nicht anders. Es gab nur schwarze
Bildschirme mit Zahlen drauf. Und jetzt entwickelt sich das so
langsam zu etwas, was man wirklich benutzen kann. Die gesamte
Informatisache begreift eigentlich, außer den Informatikern, kaum
jemand.Dazu benötigt man sehr viel Spezialwissen.
LOCUS: Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Der
Informatikunterricht hat mir die Computer ziemlich vergrault und
inzwischen macht es mir sogar ein bißchen Spaß, mit dem Computer
zu arbeiten.
Lutz: Das ist genau das Ding. Man darf so etwas nicht
Informatikunterricht nennen, sondern z.B. "Technik benutzen". Es
geht nicht darum, irgendwelche Zahlenfolgen auswendig zu lernen
oder wie man Kombinationen eingibt, damit etwas passiert, sondern:
Wie benutzt man das.
LOCUS: Ich habe eben schon einmal den Technik-Blue Moon, der nicht
nur für Freaks interessant war, angesprochen. Warum gibt es den
nicht mehr?
Lutz: Weil Johnny im Moment keine Zeit hat. Er spielt ja noch in
einer Band (Anm. d. Red.: Plan B), mit der er in Amerika war, um
dort eine Platte aufzunehmen. Außerdem macht er zur Zeit die
Fritz-CD-ROM.
LOCUS: Mit deinem letzten Satz hast du mir quasi die letzte Frage
beantwortet, die sich mit dem Wahrheitsgehalt des Gerüchts, Fritz
bringt eine CD-ROM heraus, befaßt. Lutz, ich danke Dir für das
Gespräch.
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