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Locus Ausgabe Nr.6Spotlight on WissenschaftDie RelativitätstheorieNachdem Ihr nun schon einiges über die Welt der Wissenschaft wißt, wenden wir uns in der heutigen Folge einer höchst (nich Hoechst!) deliziösen Sache zu, nämlich der Relativitätstheorie. Irgendwie redet alles davon - vom Pöbel auf der Straße bis zum Pöbel im Lehrerzimmer - wobei kaum einer weiß, warum (letztere am wenigsten). Dabei ist sie von hohem philosophischem Wert und das Leben praktisch sinnlos ohne ihre Erkenntnisse. Aber fangen wir von vorne an (wie immer). Albert E. wuchs auf in der behüteten Umgebung einer biologisch-dynamisch bewirtschafteten Landkooperative, irgendwo im Schwäbischen. Das Leben dort war wie im Paradies: jeder lebte frei und selbstbestimmt, frei von Zwang und Autoritäten, einengenden Gesetzen. Jeder wußte, daß Tiere Menschen wie du und ich und sogar Frauen gleichberechtigte Lebewesen sind, und so waren alle Stellen paritätisch mit Menschen, Tieren und Frauen besetzt. Deshalb hatte Albert eigentlich schon immer eine enge Beziehung zu Tieren gehabt, nein, nicht wie Ihr jetzt gleich wieder denkt, neinnein, die Beziehung war eher platonischer Natur. Besondere Freundschaft verband ihn aber mit dem Meerschwein Erich. Der war nämlich sein Banknachbar in der Schule. Obwohl Erich ein eher schweigsamer Typ war, verstanden sich die beiden gut - es gab nie Streit, und Probleme wurden bei einem Glas Rote-Beete-Saft und einem Löwenzahnburger ausdiskutiert.Beide besuchten die Walddorfschule seit etwa 7 Jahren und lernten mit Begeisterung (ja, sowas gibt's). Da auch hier alles auf freiwilliger Basis lief, die Schüler und Lehrer aber meist zu unterschiedlicher Zeit Lust zum Schulbesuch verspürten, ging der Unterricht eher schleppend voran. In den Stunden, wo die Milchkuh Charlotte unterrichtete, lernte man fast nichts. Mit seinen 36 1/2 Jahren war Albert ein eher schüchtener Junge und hatte außer der Schule, seinem Kuhstall und dem Karottenfeld wenig von der Welt gesehen. Dafür konnte er aber herrlich flauschige Schafwollpullover stricken; er war der beste in seiner Selbsthilfegruppe. Ob er männlich oder weiblich war, dessen war er sich nicht so sicher, denn hier waren die Individuen von ihren Geschlechterrollen befreit. Das Ding in seiner Hose deutete aber auf die Anwesenheit eines Y-Chromosoms in seinen Erbanlagen hin. Albert E. verbrachte die meiste Zeit strickend in seiner Kuschelecke im Kuhstall bei seiner Lieblingskuh Erika, der er dann und wann aus Hitlas 'Mein Krampf' vorlas. Erika, das ist vielleicht wissenswert, ging dann später in den Untergrund und (unter)gründete, unter dem Revolutionsnamen Ulrike Schnapper, zusammen mit Andreas Baader die Baader- Schnapper-Gruppe, den harten Kern der RAF. Ihre Tarnung war perfekt: während alle anderen RAF-Mitglieder wegen Ruhestörung im Computerraum des US-Militärstützpunktes in Heidelberg jeweils zu Selbstmord durch Erhängen verurteilt wurden, konnte Erika weiterhin fröhlich weiter(statt-)sprengen. Weder das SEK noch die BSE-9-Beamten vermuteten eine Kuh hinter dem Terror, der ganz Deutschland in Angst und Schrecken versetzte, aber so war´s... Doch zurück zu Albert. Eines schönen Frühlingsmorgens traf ein Sonnenstrahl durch die fliegenverklebte Scheibe des Stalls auf sein Antlitz. Er richtete sich auf, wischte einen Kuhfladen aus dem Gesicht und sein Entschluß stand fest: er würde in die große weite Welt hinausziehen und große Abenteuer erleben. Gesagt - getan; nachdem er seinen Haferschleim und ein Glas Sauerkrautsaft gefrühstückt hatte, streifte er seine Birkenstocksandalen über und packte 10 Tagesrationen Knuspermüsli ein. So zog er los und schlug sich in die Stadt seiner Träume, nach Hamburg (sprich: Hambuarch) durch. Er zog in eine nette WG in der Hafenstraße ein und fand bald einen schönen Job als Schaffner bei der Reeper-Bahn. Das war die erste Eisenbahnlinie in Deutschland, die von Hamburg nach St. Pauli ging. Just zu dieser Zeit hatte die Teeniezeitschrift "BRAVO" Hochkonjunktur. Ursprünglich von einem Kabarettisten als Aprilscherz gedacht, um die Jugend zu verKohlen, wurde dies von der Masse nicht bemerkt und wegen des Erfolgs einfach weitergeführt. Die BRAVO nun hielt ihre Leser ständig über alles Wichtige, wie zum Beispiel Pickelcreme, Popstars und fesche Jugendmode auf dem Laufenden (aber das wißt Ihr ja alles). Vor allem setzte sie sich selbst- und furchtlos für die bedrohte Tierwelt ein. Zusammen mit Grühnpies riefen sie die folgenreiche Aktion "Rettet die Seesterne" ins Leben und mobilisierten so Millionen von Jugendlichen in ganz Deutschland. Und Ihr ahnt es vielleicht, wegen nichts anderem brachen 1968 die Studentenrevolten los, nach denen Deutschland nicht mehr das sein sollte, was es vorher einmal war (schade aber auch). Mit den armen Seesternen war es nämlich so: die Japanesen, ein ganz besonders fieser Menschenschlag, machten unerbittlich und aus reiner Profitgier Jagd auf diese armen kleinen Geschöpfe. Sie töteten sie bei lebendigem Leibe, entweder auf hoher See durch Harpunenjagd oder indem sie ihnen auf ihren Sonnenbänken auflauerten, in einem Moment der Unachtsamkeit hervorsprangen und ihnen durch einen gezielten Nackenschlag das Genick brachen. Dann malten sie sie rot an und verkauften sie an die Russen. Grühnpies vereitelte die Machenschaften der Japanesen einfach, indem sie vor ihnen die Sonnenbänke der Seesterne aufsuchten und sie (die Seesterne, nicht die Japanesen) mit grüner Farbe bepinselten. Das machte sie wertlos, bei einer Rotfärbung hätte sich das Ganze zu braun vermischt. Sie (immer noch die Seesterne) hätten so höchstens noch nach Deutschland verkauft werden können, aber die Nazis hatten ja keine Sterne. Von diesen kühnen Aktionen las Albert, er war total begeistert und wollte unbedingt einer von ihnen sein (die Grühnpieser, nicht Japanesen oder Seesterne). Er heuerte auf einem der ihrigen Schiffe an und wurde auch prompt aufgenommen. Er war ganz aus dem Häuschen vor Freude, und als er dann glücklich auf dem Deck des Schlauchbootes gen Sonnenuntergang hinein in das Abenteuer segelte, sagte ihm sein Gefühl, daß E=mc² sei. StS Spotlight on Wissenschaft Die Gauss'sche Klammer |