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Locus Ausgabe Nr.7
Die neuen Fuehrer Teil 2
Das Verbot der FAP und der NL Teil 1 (erschienen in Ausgabe 6)
In unserer Serie über die deutschen und internationalen Neonazis geht es nun in Runde 2.
Dabei soll es um die Zentralen der "Bewegung" gehen - die wichtigsten
Führungspersönlichkeiten, die die Neonazis in den letzten
Jahren hatten und heute haben.
Die Neonaziszene ist vor allem von ihren Führungspersönlichkeiten abhängig. Diese koordinieren
Aktionen, sorgen für stetige Präsenz in den Medien und so für die Rekrutierung neuer
'Gesinnungsgenossen' zwingend notwendige Bekanntheit. Außerdem liegt die Koordination von
Demos und allen anderen größeren Aktionen in ihren Händen und auch die immer weiter fortschreitende
Vernetzung der einzelnen, meist regional agierenden Gruppen wäre ohne diese wenigen
Führungspersonen nicht denkbar.
Da es bei den Neonazis vor intelligenten und talentierten Leuten aber nicht gerade wimmelt,
wird deutlich, daß an dieser Stelle der wunde Punkt des Rechtsextremismus liegt.
Dementsprechend wurden im letzten Jahr auch auffällig viele Mitglieder der nationalen und
internationalen Führungsriege der Neonazis festgenommen und zum Teil zu längeren Haftstrafen
verurteilt. Ob das zu einem Erfolg bei der Bekämpfung der Nazis führt, bleibt abzuwarten
- und zu hoffen. Ausschlaggebend wird wohl sein, ob verhindert werden kann, daß die
"Führer" ihre Arbeit auch aus dem Knast heraus fortführen. Das wäre nicht das erste mal.
Im Gegenteil: diese Praxis hat eine längere Tradition in der rechten Szene.
Der erste, der im Knast seine Gruppe leitete und sogar die Organisation vorantrieb, war
der 1991 an AIDS verstorbene Michael Kühnen. Er wurde mehrfach wegen Volksverhetzung,
Anstiftung zum Rassenhaß und anderen Delikten zu Haftstrafen verurteilt, baute aus dem Knast
aber die Aktionsfront Nationaler Sozialisten / Nationaler Aktivisten (ANS/NA),
später auch die FAP und andere Organisationen auf.
Das ging soweit, daß er im Knast Demos organisierte, auf den er hinausgeschmuggelte
Reden verlesen ließ, Gelder verwaltete und Funktionen in seinen Organisationen verteilte.
Kühnen war der erste und letzte, der von fast allen Organisationen als "Führer" angesehen war.
Er war Ehrenmitglied aller wichtigen rechten Vereine und Parteien und trieb den Grad der
Bekanntheit der Neonazis nach oben, indem er sich für die Presse interessant machte und keine
Gelegenheit ausließ, in ihr seine Ideologie zu verbreiten.
Nach Kühnens Tod streiten sich eine Handvoll Nazis um dessen Rolle als "Führer der Bewegung".
Die drei Wichtigsten sitzen zur Zeit im Knast. Unter ihnen ist Arnulf Winfried Priem derjenige, der am untypischsten für einen Neonazi wirkt. Der in der DDR geborene und
von der BRD als politischer Häftling freigekaufte Priem ist ein Anhänger von 'heidnischen Kulten',
von allem 'Germanischen'. Er gründete die Gruppe 'Wotans Volk', ein Verein von Nazirockern
mit langen Haaren und einem Aussehen, das der Nazivorstellung vom ordentlichen
Deutschen total widerspricht.
Arnulf Priem
Trotzdem ist Priem, der vor seiner Verhaftung im Wedding wohnte, von den Neonazis anerkannt und
gilt sogar als deren Chef in Berlin. Zudem ist er Mitglied der NSDAP/AO (Aufbau- bzw.
Auslandsorganisation) und gehört der Führungsriege des Netzwerks GdNF
(Gesinnungsgemeinschaft der
Neuen Front) an.
Priem, der seine Gruppe finanziert, indem er auf Schlachtfeldern des 2. Weltkriegs nach
Waffen, Orden... gräbt und diese dann verkauft, sitzt zur Zeit wegen illegalem Waffenbesitz
und anderen Delikten in Haft.
Der intellektuelle Kopf der deutschen Neonazis ist Christian Worch aus Hamburg, der Chef der
kürzlich verboten Nationalen Liste (NL). Der eher schüchtern wirkende Worch fällt weniger durch brutale
Aktionen auf, sondern durch den Versuch, das 3. Reich intellektuell zu rechtfertigen.
Christian Worch
Mit dieser Methode versucht er, neben dumpfen Schlägertypen auch intelligente Leute
zu rekrutieren, um diese zu Kadern auszubilden. Neben diesem Rekrutierungsjob
wirkt Worch als Organisator von Aufmärschen und Koordinator nationaler und internationaler
Verbindungen.
Der Haudrauftyp unter den Anwärtern auf das Amt des "Führers" in Gottfried Küssel. Der Österreicher -
der zur Zeit eine zehnjährige Haftstrafe verbüßt - ist Chef der VAPO (Volkstreue
Außerparlamentarische Opposition) und organisiert häufig Wehrsportübungen mit deutschen,
österreichischen und holländischen Neonazis. Küssel ist der Mann fürs Grobe, anders als Worch
hetzt er seine Getreuen nicht durch Scheinargumente auf, sondern fordert den bewaffneten,
offenen Bürgerkrieg gegen die Demokratie, für ein großdeutsches Reich und für die
"Ausrottung des bolschewistischen Weltjudentums".
Mit Geldern alter Nazis, die nach dem Krieg in Südamerika untergetaucht waren, baute
Küssel nach der Wende massiv die Neonazistrukturen in der DDR auf und schulte die
dortigen Neonazis ideologisch und militärisch.
Neben diesen drei "Führern" sitzt auch der Amerikaner Gary Rex Lauck im Knast
(Untersuchungshaft). Lauck ist der offizielle Chef der NSDAP/AO und vertreibt von
seiner Zentrale in Nebraska (USA) aus Zeitungen wie den "NS-Kampfruf" und anderes Propagandamaterial.
Er ist aber nur für diesen Zweck wirklich von Bedeutung, die Leitung der NSDAP/AO und damit
die Zentrale der meisten Kleinparteien liegt in den Händen von Deutschen, bei den Mitgliedern
im Vorstand der GdNF wie Küssel, Worch und Priem.
mg
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