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Ausgabe #7

Locus Ausgabe Nr.7



LOCUS-Plattentips

Massive Attack "No Protection" (Virgin)
Das hat man nun davon. Da gibt man einem Dj - in diesem Fall Mad Professor - sein Album in die Hand und was macht er? Er mixt die Titel neu ab und ehe sich die Jungs von Massive Attack versahen, hatten sie Ihr Album "Protection" zurück - im Dubmix. Wer jetzt auf monotone Klänge und stampfende Tekknobeats hofft, wird enttäuscht sein. Warme faszinierende und gleichzeitig so ungewohnte Synthesizerklänge prägen das Klangbild. Eine Melange aus natürlichen Klängen, klassischen Elementen und dem so typischen Wild Bunch-Gang-Stil. Das Ganze unterlegt mit unheimlich coolen Beats, die teilweise auch tanzbar sind, präsentiert sich dem Hörer ein Elektronik-Album, das derzeit seinesgleichen sucht und richtungsweisend für elektronische Musik der nächsten Jahre sein könnte. Fazit: ausgetüfteltes Klangalbum, das man auch getrost im Wartezimmer einer Praxis abspielen kann.

Radiohead "The Bends" (EMI)
Mit ihrer Generation-X-Hymne "Creep" und ihrem Debütalbum "Pablo Honey" erlangten Radiohead 1992 weltweit den Ruhm, den sich nie erträumt hatten. Damit schleuderten sie sich nicht nur in völlig neue Musikdimensionen, sondern standen auch unter großem Erwartungsdruck, was ihr neues Album betraf. "The Bends" ist ein dramatisches und dynamisches Pop-Album mit leichten Rockeinflüssen, das vor Sehnsucht, Angst, Einsamkeit, Wut und Sensilibität nur so strozt. Gefühlsbetonte Gitarrenschwingungen, gezupft vom Gitarristen Jon Greenwood und die sensible, einfühlsame Stimme des Sängers Thom Yorke produzieren Melodien, die sich zu einer warmen schützenden Decke aufbauen. Eine Decke, unter die man sich verkriechen und zusammenrollen kann, wenn einem der graue Alltag wieder zu erschlagen droht.

Mondo Grosso "Invisible Man" (99 Records)
Japan steht auf wackligem Boden. Das ständige Leben am Abgrund scheint die Menschen dort zu beflügeln und so ist auch Nippons Musikszene im Kommen. Mit besonders großen Schritten unterwegs: die vielgepriesenen Acid Jazz und Hip Hop-Acts, wie Dj Krush, United Future Organisation und natürlich Mondo Crosso. Letztere präsentieren mit "Invisible Man" ihr zweites Remix-Album. Ein Album voller Spannung, Kreativität und Überraschungen und das, obwohl die Hip-Jazzer auf bewährtes Matrial zurückgreifen. So entstand eine Mixture aus pulsierenden treibenden Groovesounds und elektrisierenden Brazil-Rhytmen. Gewürzt mit scharfzüngigen Raps und souligen Background-Stimmen, abgerundet durch voluminöse jazzige Klänge stellt "Invisible Man" ein ausgereiftes zum Tanzen zwingendes Club-Jazz-Album dar, das in keinem Dj-Koffer fehlen sollte.

Diverse "Hands on Yello" (Motor Music)
Eine respektvollere Hommage an die Mitbegründerder der elektronischen Musik Boris Blank und Dieter Meier, alias Yello, kann es gar nicht geben: ein Album voller neu abgemischter Yello-Songs wie "Bostich", "Visious Game" oder "I love you" zollt Yello den verdienten Tribut. Dreizehn internationale Techno-Größen wie der Berliner Techno-Künstler Cosmic Baby, der englische Dj Carl Cox, die Chill-Out-Experten von The Orb oder Deutschlands Star-Dj Westbam haben sich ihre Lieblingsstücke von Yello herausgepickt und trendgerecht - clubtauglich sprich: tanzbar - abgemixt. Das Ergebnis: vielfältige und bunte Remixe, die von Hardcore über Breakbeats bis hin zu Ambient reichen und somit kein Stilspektrum auslassen. Kurz: ein reines Tanzalbum für bewegungsbedürftige Raver. Nur fliegen ist schöner...

Extreme "Waiting For The Punchline" (Polydor)
Es war wie verhext. Kaum hatten Extreme 1991 ihre herzzerreißende Ballade " More Than Words" und das dazugehörende Album "Pornograffiti" veröffentlicht, hatten sie ihr Image weg: Schnulzenproduzierende Schönlinge. Mit ihrem neuen Album zeigen sie den Schlechtmachern und Sprücheklopfern, wo ihre wahren Wurzeln liegen. Im Rock'n'Roll. Gleich der erste Song zeigt ungläubigen Ohren, wo es langgeht: krachende Drums, knurrende Bässe und schwurbelnde Gitarren bestimmen die Richtung. Allerdings konnten es sich Extreme nicht verkneifen auf den längst veralteten Trendzug aufzuspringen und ihren rauchenden Rock'n'Roll mit funkigen Beats zu overcrossen. Trotzdem: ein wunderbar stimulierendes Album mit vielen schönen Instrumentals und zeitlosen Zügen, das auch eine Ballade verträgt- aber nur zum Luftholen.

Cosmic Inc. "Futura" (Logic-Records)
Wir schreiben das Jahr 3003. Futura, eine bis auf wenige Menschen, die sich die Energien des Lichtes und der Liebe wahren konnten, entvölkerte Erde, wird neugeboren. Sie hat sich vom Angriff des Menschen erholt und schuf eine Grundlage für neues menschliches Leben mit umweltbewußterem Denken und Handeln. Neues Denken bezüglich der Einsatzmöglichkeiten elektronischer Musik suggeriert auch der Berliner Dj Cosmic Baby, der mit seinem bislang wohl künstlerisch wertvollsten und ambitioniertesten Werk einen vorläufigen Höhepunkt in seiner Karriere erreicht hat. Sein Soundtrack zum Science Fiction-Ballett ist eine futuristische Mischung aus klassischen Elementen, hypnotischen Trancemelodien und faszinierenden bisher nie vorhandenen Techno-Klängen. Zusammen mit den mezzo-sopranistischen Gesängen Elisabeth Neimanns entstand ein Werk, das einem das Ballett, auch ohne es gesehen zu haben, verstehen läßt.

Alexander Eschment